Test The Long Journey Home: This War of Mine im Weltall

von René Wiesenthal (12. November 2018)

In The Long Journey Home geht es ums nackte Überleben. Doch wer heil zurück auf die Erde kommen will, muss nicht nur effizient sein, sondern auch geschickt. Die Gesetze der Physik können tief im All sowohl Freund als auch Feind sein.

Es hätte alles so gemütlich werden können: Ein vierköpfiger Erkundungstrupp von der Erde wird im Raumschiff raus ins All befördert. Das Ziel: Alpha Centauri. Dabei kommt es jedoch zu Problemen während des Hypersprungs, und so findet sich die Mannschaft plötzlich am anderen Ende der Galaxie wieder. Das neue Ziel ist nun, wieder nach Hause zu gelangen. Blöd nur, dass Ressourcen nicht unbegrenzt vorliegen und das eine oder andere Planetensystem zwischen dem Team und der Erde liegt.

Eine ganze Galaxie liegt zwischen euch und eurem Zuhause. Der Trailer für die Konsolen-Versionen zeigt euch mehr:

Soweit das Szenario von The Long Journey Home. Besagtes Team wählt ihr zu Beginn eurer Reise selbst aus, genauso wie das Raumschiff, in dem es auf die Mission geht. Sowohl die verschiedenen Mannschaftsmitglieder als auch die verfügbaren Schiffe haben bestimmte Vor- und Nachteile.

Erst nach mehreren Anläufen könnt ihr die beste Wahl treffen, während des Spielens lernt ihr, wie die optimale Balance der Parameter aussieht: Verzichtet ihr lieber auf Außenhüllenstabilität und setzt stärker auf Tankvolumen? Solche Entscheidungen hängen auch von euren Vorlieben bei der Spielweise und euren spielerischen Stärken ab.

Jedes Crew-Mitglied bietet eigene Vorteile. Stellt euren Vierertrupp nach eigenem Wunsch zusammen.Jedes Crew-Mitglied bietet eigene Vorteile. Stellt euren Vierertrupp nach eigenem Wunsch zusammen.

Das Weltraumabenteuer spielt sich im Kern ähnlich wie This War of Mine. Die Zentrale bildet euer Schiff, auf dem ihr euch um Crew-Mitglieder kümmert und gesammelte Ressourcen umsetzt, um das Schiff selbst oder dessen Landemodul zu betanken und zu reparieren. Außerdem könnt ihr hier aktuelle Missionsparameter einsehen und gefundene Gegenstände verwerten - beispielsweise Heilmittel für erkrankte Besatzungsmitglieder. Das ist wenig komplex, dafür aber schnell überblickt und begriffen und erfordert somit keine umfassende Einarbeitungszeit.

Der Physik ausgeliefert

Verlasst ihr das Schiff, dann via Landemodul. Dafür müsst ihr euch zuvor auf der Karte des aktuellen Systems mit dem Mutterschiff in die richtige Position zu einem Planeten bringen, um in dessen Umlaufbahn zu kreisen. An dieser Stelle fordert das Spiel Geschick und Fingerspitzengefühl, da ihr mit dem Kraftstoff haushalten müsst, während ihr euch einem Himmelskörper nähert.

Auf den Planeten selbst spielt Physik ebenso eine wichtige Rolle: Durch Austarieren von Richtung, Schub und Bremse eures Landemoduls gleitet ihr möglichst sachte zu Boden, um beispielsweise Gas oder Erze zu fördern, die ihr zum Weiterkommen mit dem Mutterschiff braucht.

Denn das kann im Hypersprung nur eine begrenzte Strecke zurücklegen, deren Richtung ihr euch gut überlegen müsst. So hangelt ihr euch von einem Planetensystem zum nächsten und füllt zwischendurch Rohstoffe auf. Hin und wieder geratet ihr auch mit dem Mutterschiff in Areale, in denen ihr um Hindernisse manövrieren und wertvolle Ressourcen sowie Schlüsselgegenstände auflesen müsst.

Ressourcen müsst ihr fördern, bevor euch der Treibstoff ausgeht.Ressourcen müsst ihr fördern, bevor euch der Treibstoff ausgeht.

Die Geschicklichkeitseinlagen sind insgesamt eine schöne Abwechslung zu gewohnter Survival-Kost, werden nach einiger Zeit aber recht eintönig. Abwechslung schaffen beispielsweise auch Dialoge und Gefechte mit Aliens. Bei der Zeit, die es braucht, um zur Erde zu gelangen, kann aber auch das angesichts der simplen Kernmechaniken für viele Spieler öde werden.

Was das Szenario angeht, fehlt The Long Journey Home ebenfalls das gewisse Etwas. Zwar überzeugt die musikalische Begleitung, die Neugier, Schönheit und Gefahr je nach Spielsituation immer bestens einfängt. Optik und Rahmen hätten aber mehr Brisanz gebraucht, um den Überlebenskampf dringlicher wirken zu lassen und atmosphärisch zu verdichten.

Schön ist hingegen, dass euch The Long Journey Home überlässt, wie ihr es spielen wollt: Wer es entspannt möchte, wählt zu Beginn des Spiels den „Story-Modus“, der euch Fehler eher nachsieht und Erkundungen zulässt. Neben einem zweiten, ausgewogenen Schwierigkeitsgrad gibt es für die Hochleistungs-Gamer den Hardcore-Modus, in dem ihr unter Zeitdruck zurück zur Erde müsst.

The Long Journey Home ist seit dem 30. Mai 2017 auf PC erhältlich, wir haben die "PlayStation 4"-Fassung gespielt. Für Sonys Konsole und Xbox One erscheint das Spiel voraussichtlich am 14. November.

Meinung von René Wiesenthal

Strecke machen und dabei darauf achten, dass Schiff und Landemodul in gutem Zustand bleiben und die Crew-Mitglieder nicht an Krankheiten und Verletzungen sterben – Management und Planung in The Long Journey Home machen mir Spaß und sind äußerst eingängig und schnell beherrscht.

Während ich auf Streifzügen bin, setze ich menschliche und materielle Ressourcen immer wieder aufs Spiel. Das ist unvermeidbar, wenn ich genug Treibstoff haben will, um voranzukommen. Es heißt also, Chancen und Risiken abwägen, Prioritäten richtig setzen und die physikalischen Kräfte bezwingen oder sie zu meinem Vorteil nutzen.

Habe ich alle Kernmechaniken ein paarmal erlebt, stellt sich allerdings eine gewisse Eintönigkeit ein. Die Nebenmissionen und Dialoge können mich nicht dauerhaft begeistern, was auch daran liegt, dass Szenario und Figuren eher zweckdienlich sind als wirklich spannend. Zudem wird The Long Journey Home mit der Zeit ziemlich knackig, was vor allem an der großen Strecke liegt, die ich beim Haushalten mit begrenzten Ressourcen zurücklegen muss. Das kann sich irgendwann unfair anfühlen.

Wer sich für Science Fiction begeistern kann, forderndes Survival und Rogue-likes mag sowie eine angemessene Ausdauer mitbringt, der kann mit dem Spiel für einige Stunden glücklich werden. Survival-Fans, die sich tiefgehende Mechaniken und eine einnehmende Handlung wünschen, sollten vielleicht eher vorsichtig sein.

Hat euch dieser Artikel gefallen? Oder habt ihr Anregungen, Kritik, Verbesserungsvorschläge? Lasst es uns gerne wissen! Schreibt uns eine Mail an redaktion@spieletipps.de und verratet unserer Redaktion eure Meinung.

70

meint: Forderndes Survival-Spiel mit interessanten Physik-Einlagen, dem es aber an Tiefe und Abwechslung fehlt.

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Tags: Science-Fiction   Singleplayer  

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