Test Battlefield 5: In kleinen Schritten zum besten Teil der Serie

von Marco Tito Aronica (15. November 2018)

Die Presse hat im Vorfeld einen Napalmteppich über EA ausgerollt und kaum positive Worte über den Ego-Shooter verloren. Entwickler DICE nimmt sich die Kritik und die Wünsche der Spielerschaft zu Herzen und bringt mit Battlefield 5 einen der besten Ableger der Serie auf den Markt.

Norwegen 1940: Der Fallschirm knickt ein, ihr landet mit den Stiefeln im tiefen Schnee. Ihr führt einen Nachtangriff über Narvik-Dock aus und überrennt einen deutschen Stützpunkt. Während ihr den Hügel nur mit Mühe erklimmt, erschwert euch ein dichter Schneesturm die Sicht. Unter dem grellen Leuchten der Laterne nehmt ihr deutsche Soldaten wahr, die euch rücksichtslos unter Beschuss nehmen, während ihr hinter den Eisenbahnwagen auf den Gleisen vor euch verzweifelt Deckung sucht.

Ihr zieht den Stift der Granate. Ein schrilles Pfeifen im Ohr folgt der Explosion, die euch den Weg entlang der schneebedeckten Brücke freiräumt. Rechts von euch lasst ihr die Kampfschreie des deutschen Soldaten am MG verstummen, ehe ihr einen ersten sicheren Ort für eine kurze Verschnaufpause erreicht. Plötzlich knarren die Holzbretter des Tores vor euch, ihr hört ein lautes Brummen und ein Panzer kracht durch die Pforte. Wenn ihr es vorher nicht wahrhaben wolltet, herrscht jetzt traurige Gewissheit: Ihr werdet sterben!

Das war der Prolog „Mein Land ruft” von Battlefield 5, der schon beim ersten Start des Ego-Shooters zeigt, welch verlustreiche Reise durch die Zeit euch erwartet. Auch alle anderen Schlachten werden so brachial ausgetragen wie ihr willkommen geheißen werdet. Wer Battlefield kennt, den dürfte das nur wenig überraschen. Was uns allerdings erstaunt hat, war der magere Umfang der Einzelspieler-Kampagne zur Veröffentlichung von Battlefield 5, was wir natürlich genauer erläutern wollen.

Einsame Wölfe haben Grund zum Heulen

Im Gegensatz zum Genre-Konkurrenten Call of Duty - Black Ops 4, möchte Entwickler DICE auch Solo-Spieler mit einer Kampagne rekrutieren. Die Kriegsgeschichten, die eine klassische Kampagne aus Sicht eines Helden schon im Vorgänger Battlefield 1 ersetzt haben, sind auch dieses Mal für die Erzählung persönlicher Schicksale und zusammenhangloser Geschichten zuständig. Leider gibt es zum Start nur drei Handlungsstränge, die ihr auf mittlerer Schwierigkeitsstufe in jeweils eineinhalb bis zwei Stunden abgeschlossen habt - ganz schön mager.

Bitte warten! Eine deutsche Kampagne wird nicht zum 20. November 2018 spielbar sein.Bitte warten! Eine deutsche Kampagne wird nicht zum 20. November 2018 spielbar sein.

Schon Monate vor der Veröffentlichung wurde oft über eine deutsche Kampagne in Battlefield 5 diskutiert. Dieses heikle und für viele emotionale Thema, wurde bisher noch nie von einer großen Marke in der Videospiel-Branche behandelt. Umso größer war die Freude in den Reihen der Battlefield-Spielerschaft, als DICE mit „Der letzte Tiger” eine Kriegsgeschichte aus Sicht eines Tiger-Panzertrupps ankündigte, die mitten im Krieg an den Idealen ihrer Machthaber zweifeln.

Wir möchten eure Vorfreude nur ungern trüben, aber diese einzigartige Kampagne wird nicht am Tage der Veröffentlichung spielbar sein. Das ist aufgrund des ohnehin schon dünnen Angebots an Inhalten für Solo-Spieler natürlich schmerzhaft. Im Menü werdet ihr mit dem Schriftzug „Demnächst” vertröstet - sehr schade.

Dem Krieg entspringen starke Persönlichkeiten

Die Kriegsgeschichten schicken euch auf eine außergewöhnliche Reise, in der ihr unverbrauchte Schauplätze wie das verschneite Norwegen, die tödliche Sandwüste Nordafrikas oder die idyllische Provence im Süden Frankreichs besucht.

„Unter keiner Flagge” ist die erste Kampagne, in der ihr als junger Brite namens Billy Bridger im Jahre 1942 gefangen genommen werdet. Einige Zeilen an Text auf schwarzem Hintergrund schubsen euch vorsichtig in die erste Zwischensequenz, indem sie den Charakter vorzeichnen.

Die kurzen Filmchen zwischen den zahlreichen Feuergefechten sehen toll aus. Was aber besonders hervorsticht, ist die gelungene Synchronisation in Landessprache. Die Briten sprechen mit ihrem typischen Akzent und sogar deutsche Soldaten wählen ihre Worte akzentfrei. Wobei es auf dem Schlachtfeld ein bis zwei Ausnahmen gibt, die vom Rattern der MGs aber übertönt werden und daher kaum auffallen.

Die Stimmung der Kriegsgeschichten wirkt allgemein sehr atmosphärisch, teils düster. Auch die gelungene Musik unterstreicht den beklemmenden Unterton. Die Charaktere wirken sofort sympathisch und nach einer kurzen Einleitung dürft ihr auch endlich zur Waffe greifen.

Freiheit in allen Lebenslagen

Anstatt im Gefängnis zu schmoren, steckt man euch in die Special Boat Section, eine neu geformte Spezialeinheit, die hinter den deutschen Linien in Nordafrika für Unruhe sorgen soll - kein schöner Job. Eure ersten Schritte auf dem vom Krieg gezeichneten Boden lassen schon erahnen, wie riesig die Spielwelt ist, in der ihr euch in „Unter keiner Flagge” bewegt. Ohne die Navigationsleiste mit Zielmarkierungen in der oberen Hälfte des Bildschirms hätten wir uns glatt verlaufen.

Es gibt kein Richtig oder Falsch: Ihr sucht euch aus, wie ihr den Hangar angreift.Es gibt kein Richtig oder Falsch: Ihr sucht euch aus, wie ihr den Hangar angreift.

Eines vorweg: Das Gameplay und eure Aufgaben in der Kampagne sind keineswegs revolutionär. Ihr sucht euch eine erhöhte Position in den Bergen und markiert Gefahren in einem deutschen Lager mit dem Fernglas, schleicht euch mit durchschnittlicher Stealth-Mechanik an Gegner heran, werdet womöglich entdeckt und schießt dann unter tosendem Alarm doch alles nieder, platziert Sprengsätze im feindlichen Hangar und beobachtet die meterhohen Explosionen. Ihr merkt schon, das habt ihr alles schon einmal erlebt. Trotzdem macht das für die paar Stunden unglaublich viel Spaß.

Euch wird nämlich die komplette Freiheit gewährt und ihr dürft die Ziele so in Angriff nehmen, wir ihr das am liebsten mögt. Laut, leise, mit dem Raketenwerfer auf der Schulter oder einer Maschinenpistole im Anschlag, völlig egal. Auch findet ihr überall im Gebiet Waffen- und Munitionsdepots, an denen ihr euch immer wieder neu ausrüsten und euren Spielstil anpassen könnt.

Die KI reicht vom blinden Kriegsteilnehmer mit Wahrnehmungsstörung bis hin zum scharfsinnigen Supersoldaten à la B.J. Blazkowicz aus Wolfenstein, der euch im schlimmsten Fall mit drei Waffen gleichzeitig attackiert. Per Knopfdruck werft ihr Patronenhülsen zur Ablenkung, um euch unbemerkt an Feinden vorbeizuschleichen. Manchmal lockt ihr damit zwei bis drei Soldaten an, die verwirrt dreinschauen und wirres Zeug reden. Manchmal ignorieren sie dieses Ablenkungsmanöver durchgängig und erspähen euch auch im dichtesten Busch. Einfach so verkriechen ist nämlich nicht drin. Die Gegner werden euch finden!

Entdeckte Feinde werden markiert und sind künftig unübersehbar.Entdeckte Feinde werden markiert und sind künftig unübersehbar.

Technisch sind uns nur einige Clipping-Fehler aufgefallen. Öfter laufen Gegner durch Hindernisse hindurch oder bleiben in Wänden hängen. Besonders schlimm ist das allerdings nicht, sterben müssen die so oder so.

Nach einer finalen Schlacht endet die erste von drei Kriegsgeschichten etwas abrupt. Einerseits fühlten wir uns sehr gut unterhalten, andererseits hätten wir uns eine umfangreichere Geschichte um den sympathischen Billy Bridger gewünscht, der kein typischer 08/15-Kriegsheld ist. So wirklich viel hängen geblieben ist von der kurzen Kampagne nämlich nicht.

Kauft ihr euch Battlefield 5 für ein spannendes Solo-Erlebnis, solltet ihr auf die Inhalte warten, die im Rahmen von „Tides of War” auch Monate nach der Veröffentlichung erscheinen sollen. So bewirbt EA den Live-Service für Battlefield, der den Premium Pass ersetzen soll. Weitere Inhalte wie Kriegsgeschichten, Karten für den Mehrspielermodus, Waffen und mehr sollen in insgesamt vier Kapiteln folgen.

Mehrspielermodi und Einstellungsmöglichkeiten

Das Herzstück von Battlefield ist und bleibt der Mehrspielermodus. Der Premium Pass, der euch in der Vergangenheit zwar über Monate hinweg mit neuen Inhalten versorgt, aber auch die Spielerschaft gespaltet und eine Menge Geld gekostet hat, ist tot. Ihr zahlt nicht einen Cent für Inhalte, die im nächsten Jahr für Battlefield 5 erscheinen werden. Das ist eine lobenswerte Strategie, die wir uns für alle Vollpreisspiele wünschen würden. Titanfall 2 ging schon gegen Ende 2016 mit gutem Beispiel voran - Publisher war auch damals EA.

Sogar im Menü steht der Mehrspielermodus vor der Kampagne.Sogar im Menü steht der Mehrspielermodus vor der Kampagne.

Navigiert ihr durch das hübsche Kachelmenü, werdet ihr acht Spielmodi wählen können: Große Operationen, Eroberung, Team-Deathmatch, Durchbruch, Frontlinien, Vorherrschaft, Luftlandung und Final Stand. Die beiden letztgenannten Modi sind allerdings nur im Rahmen der Großen Operationen spielbar. Battlefield-Veteranen wird jetzt sicherlich auffallen, dass ein ganz beliebter Modus gar nicht dabei ist: Rush. Auch dieser wird erst im Rahmen von „Tides of War” nach dem 20. November veröffentlicht.

Spielt ihr einen Modus zum ersten Mal, wird euch alles in einem kurzen Tutorial-Video erklärt. Für Anfänger ist das eine tolle Sache. Ihr wisst direkt, worum es geht und könnt euch auf das Wesentliche konzentrieren.

Ebenfalls löblich sind die umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten, die vor allem auf dem PC beinahe absurd sind. Totzone, Opazität, Koeffizient? Da mussten auch wir die Google-Suche nutzen, da die Optionen nur sehr ungenau beschrieben werden. Dennoch könnt ihr alles so einstellen, wie es eurem Spielstil zugute kommt.

Neuheiten und resultierende Auswirkungen im Mehrspielermodus

Hüpft ihr in eure erste Schlacht im Mehrspielermodus, fallen euch sofort kleine Änderungen auf, die einen großen Unterschied machen werden. Anders als in der Kampagne, regeneriert sich eure Gesundheit zum Beispiel nur noch etwa bis zu einem Drittel der Anzeige. Wollt ihr gestärkt in das nächste Feuergefecht stürmen, müsst ihr also auf einen fleißigen Sanitäter hoffen oder euch an Nachschubstationen bedienen, die meist in der Nähe von Flaggen oder anderen Zielen stehen. Jeder Soldat kann maximal ein Medi-Kit bei sich tragen, um sich damit im Kampf zu heilen.

Damit noch nicht genug der Knappheit: Auch Munition am Gürtel ist rar. Gefühlt nach zwei Magazinen ist Schluss und der Ruf nach einem Versorger ertönt. Diese kleinen Veränderungen fördern das Zusammenspiel der Squads. Allerdings müssen auch Unterstützerklassen wie Sanitäter und Versorgungssoldaten ihrer Rolle auf dem Schlachtfeld gerecht werden. Denn wer kennt sie nicht, die Sanitäter, die wenige Meter an eurem halbtoten Körper vorbeilaufen, ohne euch wiederzubeleben ... Damit ist nun hoffentlich Schluss.

Wer gerne Dinge zerstört, wird mit Battlefield 5 sehr glücklich werden.Wer gerne Dinge zerstört, wird mit Battlefield 5 sehr glücklich werden.

Etwas, das Battlefield schon früher ausgezeichnet hat, war die zerstörbare Umgebung, die totale Vernichtung aller Materie. Nahezu jedes Haus und jeder Pixel konnte in die Luft gesprengt, eingerissen oder niedergebrannt werden. Die Karten im Mehrspielermodus waren durch den Krieg der Fraktionen gezeichnet. Obwohl die Zerstörungswut der Spieler in den letzten Ablegern der Serie etwas eingeschränkt wurde, dürft ihr euch jetzt wieder auf das totale Chaos freuen.

Häuser stürzen nicht mehr in vorgegebenen Mustern ein, sondern können bis auf den letzten Balken abgerissen werden. Das beschert den Gefechten eine neue Dynamik und viele typische Battlefield-Momente, die es so in keinem anderen Ego-Shooter zu sehen gibt.

Ihr könnt allerdings nicht nur den aggressiven Zerstörungsteufel spielen, sondern auch Bauwerke an festgelegten Positionen errichten. Keine Sorge, ihr baut keine meterhohen Burgen wie in Fortnite, nur um dann eure Feinde aus erhöhter Position mit einem Schrotflintenschuss ins Jenseits zu schicken. Vielmehr errichtet ihr Sandsäcke in einem eingestürzten Haus, um mehr Deckung für euch und eure Team-Kameraden zu schaffen. Als Versorger stellt ihr ein MG-Nest auf, aus dem heraus ihr die eingenommene Flagge verteidigt oder ihr baut eine Panzersperre, damit feindliche Fahrzeuge nicht mehr passieren können.

Alle Klassen können dieses neue System nutzen. Ihr müsst lediglich auf die durchsichtigen Silhouetten achten, die hier und da auftauchen werden. In kürzester Zeit habt ihr die Karte ein weiteres Mal verändert. Keine Schlacht wird wie die andere sein, versprochen!

Nanu? Diese durchsichtigen Silhouetten werden euch künftig öfter begegnen.Nanu? Diese durchsichtigen Silhouetten werden euch künftig öfter begegnen.

Eine weitere kleine Schraube mit großer Wirkung wird im Spotting gedreht. Habt ihr früher Gegner einmal markiert, wurde ein kleines Symbol über dem Kopf des Gegners angezeigt, auch, wenn er sich in Deckung befand oder die Position gewechselt hat. Jetzt könnt ihr nur noch einen groben Bereich für eure Mitspieler markieren. Der Pfeil mit ungenauer Zielangabe sorgt für mehr Taktik und überlegtes Vorgehen.

Zu guter Letzt möchten wir die neue Kamera loben, die bei Squad-Spawns zum Einsatz kommt. Endlich könnt ihr euch einen erweiterten Blick auf das Spielgeschehen verschaffen, bevor ihr erneut in den Kampf stürzt und aufgrund mangelnder Übersicht nach zwei Sekunden auf dem Schlachtfeld wieder den Dreck zwischen den Zähnen knirschen hört. Wollt ihr bei einem Squad-Mitglied neu einsteigen, schaut ihr ihm jetzt nämlich über die Schulter und könnt seine Gefahrenlage besser einschätzen. Das spart euch eine Menge Frust.

Weiter mit: Die besten Schauplätze, Höhepunkte im Chaos, Fakten und Meinung

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Tags: Multiplayer   Singleplayer  

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