Vorschau Resident Evil 2: Ein Fan des Originals gegen den neuen Licker

von René Wiesenthal (17. November 2018)

Der Schauer vom letzten Anspielen ist noch in guter Erinnerung, da lässt uns Capcom ein weiteres Mal ins neue alte Racoon City vordringen. Oder anders gesagt: Es lässt Racoon City auf uns los. Denn um das, was da kreucht und fleucht, würden wir eigentlich lieber einen Bogen machen.

Als wir zum letzten Mal Resident Evil 2 spielten, mussten wir uns gegen den vom G-Virus leicht veränderten William Birkin zur Wehr setzen. Mit seiner Tochter Sherry im Schlepptau flüchteten wir ins Parkhaus, wo uns Polizei-Chef Brian Irons abfing, um uns das Kind wieder zu entreißen.

An dieser Stelle setzt die frische Demo zum Spiel ein, die wir bei einem Besuch von Capcom kürzlich eine knappe Stunde lang durchspielen durften. Wir, das sind GIGA-Kollegin Marina und ich – ein Fan der originalen PlayStation-Trilogie von Resident Evil, der das erste Mal selbst das Remake spielen durfte.

Resident Evil 2: Macht euch einen ersten Eindruck im exklusiven 4K Gamplay-Trailer:

Was schon zuvor aufgefallen ist und in der Anfangssequenz der Demo noch einmal sehr deutlich zum Tragen kommt: Den Figuren wurde nicht nur grafisch viel mehr Leben eingehaucht als noch im PlayStation-Original. Durch ihre neu aufgenommenen Stimmen, neue Dialogzeilen und die aufwendigeren Bewegungs- und Gesichtsanimationen werden sie menschlicher, damit nahbarer als die eher steifen Polygonvorlagen, und das Bangen um sie wird dadurch intensiver.

Der völlig aufgebrachte Irons, der die ganze Zeit über an der Schwelle von kontrollierter Machtausübung zu Eskalation entlangstreift, bereitet schon Bauchschmerzen, bevor die ersten Untoten zu sehen sind. So wie er mit Sherry die Flucht ergreift, wünsche ich ihn mir dennoch zurück. Im seicht beleuchteten Parkhaus auf mich allein gestellt zu sein, fühlt sich nämlich ordentlich beklemmend an. Ich muss mich überwinden, die anliegenden Räume zu untersuchen.

Untote leben länger

Im ersten begegne ich einem „toten“ Polizisten, dem ich aus Erfahrung im wahrsten Sinne nicht über den Weg traue. Sicherheitshalber versenke ich ein paar Kugeln in seinem Kopf, damit er nicht auf dumme Ideen kommt. Zu spät. Ein paar Treffer lande ich, da erhebt sich der Untote auch schon und ich stelle fest, wie zäh Zombies im RE2-Remake sein können. Sobald mehrere von ihnen auf den Plan treten, könnte das äußert fordernd werden.

Manche der Zombies vertragen mehrere Kopftreffer.Manche der Zombies vertragen mehrere Kopftreffer.

Wem das übrigens nicht schwer genug ist, der kann das Spiel mit der klassischen Speicher-Mechanik zocken. Das heißt, dass ihr nur dann speichern könnt, wenn ihr an eine Schreibmaschine kommt und noch mindestens ein Farbband im Inventar habt. Im Normalfall stehen die Maschinen im Remake aber jederzeit zum Speichern parat, zudem gibt es einzelne wenige Checkpoints, solltet ihr doch zwischen Speicherpunkten draufgehen.

Ekelfaktor 1.000

Während ich mit dem harten Brocken von Zombie-Polizist beschäftigt bin, werde ich Zeuge des neuen Schadensmodells der Gegner, das ebenfalls mit den erweiterten Darstellungsmöglichkeiten von Figuren einhergeht: Die Ekelschraube wurde drastisch angezogen. Es lassen sich durch gezielte Schüsse und Hiebe mit dem Messer Partikel von jedwedem Teil des Körpers entfernen, Gesichter (noch weiter) entstellen und Löcher in Körper reißen. Es wird sich zeigen, wie viel von dem, was wir bisher gesehen haben, in der finalen deutschen Fassung enthalten sein wird. Es sei jedoch gesagt, dass das Spiel zur Demonstration enorm explizit war.

Die Schadensmodelle lassen euch Zombies umfangreich ... umgestalten.Die Schadensmodelle lassen euch Zombies umfangreich ... umgestalten.

Das Gebäude ist – wie viele andere auch im Spiel – im Vergleich zum Original leicht umgestaltet und an die neue, frei bewegliche "Third Person"-Perspektive angepasst. Als Fan des Originals bemerke ich: Das Spielgefühl hat durch den Verzicht auf starre Kameras kaum eingebüßt. Die Arbeit mit fahlem Lichtschein und der Ungewissheit dessen, was sich im Schatten verbirgt, lässt mich noch genauso zaghaft durch die engen Korridore gehen wie zu PS-Zeiten. Ebenso trägt die stimmungsvolle, dezente Musik dazu bei. Geräusche, die Gegner in der Nähe erzeugen, legen sich jederzeit darüber und lassen unangenehme Vorahnungen aufkommen.

So zum Beispiel auch vor der ersten Begegnung mit einem der absoluten Kultmonster der RE-Reihe: Dem Licker, der im Remake gerade geräuschvoll an einem Menschenkadaver nagt, als ich langsam die Tür hinter ihm aufschiebe. Das Biest hatte seinen ersten Auftritt im zweiten Teil auf der PlayStation und es löst ein wohliges, nostalgisches Gefühl der Beklemmung aus, ihm jetzt in neuer Pracht noch einmal zum ersten Mal zu begegnen.

So sieht der Kampf gegen den Licker in Bewegung aus:

Die Freude übers Wiedersehen hält allerdings nicht lange an. So wie ich mit Claire agiler bin als früher, so hat auch der Licker einiges an Geschwindigkeit dazugewonnen. Er schnellt kreuz und quer durch den Raum. Vom Boden zur Wand, hoch zur Decke, hinterlässt überall Spuren, wo er mit seinen stählernen Pranken einschlägt. Die sichtbare Hirnmasse auf seinem Kopf schimmert schleimig-eklig, sein faseriger, muskulöser Körper strahlt Verderbnis aus.

Ich stelle fest, dass trotz größerer Freiheit in der Bewegung und frei justierbarer Kamera das Kämpfen gegen Feinde auf engem Raum – gerade solche schnellen – etwas ungelenk vonstatten geht. So wie ich den Licker ins Visier nehme, macht er einen Satz auf mich zu und ich komme kaum mit dem Fadenkreuz hinterher, da hat mich das Vieh schon in der Mangel.

Doch auch dafür haben wir in der Demo eine Lösung parat: Einen Granatwerfer, den wir beim zweiten Anlauf nach dem virtuellen Ableben nutzen, um das Ding präventiv aus sicherer Entfernung in die Luft zu jagen. Ehe ich mich darüber freuen kann, tauchen seine Freunde auf und ich ziehe wieder den Kürzeren. Mit dieser neuen Erkenntnis schaffen wir es beim dritten Anlauf, alle Licker zu besiegen und kommen nach einer kurzen Rätseleinlage zum Ende der Demo. Ich stelle fest: Resident Evil 2 wird kein Spaziergang.

Ein bisschen dreckiger könnt's sein

Was mir beim Anspielen etwas fehlte, ist der dreckige, ich möchte fast sagen trashige Charme des Originals. Denn so plastisch und stilecht Wunden auch aussehen, so hübsch glanzvoll sich das Blut auch über dem Fußboden verteilt, so sehr steht das doch in Kontrast zur etwas sterilen Umgebung und den stark aufpolierten, schimmernden Oberflächen. Hier würde mir etwas mehr Verwahrlosung in der Szenerie gut gefallen. Doch abwarten: Noch habe ich nur Ausschnitte vom Spiel gesehen, ich bin also guter Dinge, dass mich Resident Evil 2 nochmal genauso abholt wie beim ersten Mal.

Wir möchten von euch wissen: Was haltet ihr denn von dem "Resident Evil 2"-Remake? Seid ihr Fans des Originals und freut euch darauf? Hättet ihr lieber Resident Evil 8? Schreibt es uns in die Kommentare!

Tags: Singleplayer   Horror   Remake  

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