Streitgespräch: Ist Kingdom Hearts 2 ein schlechtes Vorbild für Teil 3?

(Kolumne)

von René Wiesenthal (19. November 2018)

Stefan und René schauen sich die neuesten Trailer zu Kingdom Hearts 3 an. Der eine freut sich drüber, der andere fragt sich: Ist das nicht viel zu viel vom zweiten Teil? Stefan ist empört, Teil 2 sei doch super! Eine Diskussion entfacht.

Auch bei uns in der Redaktion sind wir nicht immer einer Meinung - schockierend, nicht wahr? Wir präsentieren euch in dieser Reihe zwei Perspektiven zu einem Thema. Zwei Redakteure streiten sich, damit ihr euch eure eigene Meinung bilden könnt.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienen Artikel.

René:

Je mehr ich von Kingdom Hearts 3 sehe, desto mehr frage ich mich: Kann das überhaupt was werden? Ich bin hin- und hergerissen, ob ich mich freuen soll oder nicht. Einerseits liebe ich den ersten Teil, andererseits wirkt vieles, was ich bisher von Teil 3 gesehen habe, wie eine Fortführung der Probleme von Kingdom Hearts 2. Auch beim Anspieltermin hatte ich etwas den Eindruck: Zu viel Fremdsteuerung, zu wenig Eigeninitiative. Zwischendurch immer wieder ausgedehnte Filmsequenzen. Also das, was Teil 2 schon zum schlechteren Spiel gemacht hat, im Vergleich zu Teil 1.

Knuddelalarm! Der neueste Trailer zu Kingdom Hearts 3:

Stefan:

Da tust du dem zweiten Teil aber gehörig Unrecht. Die nicht enden wollenden Filmsequenzen gab es schon im ersten Teil. Der Bosskampf gegen Riku zum Beispiel begann mit einer schier endlosen Tirade von Sora, dass er doch nie Kairis Herz bekommen würde. Das wäre ja eigentlich nicht schlimm, wenn der Kampf nicht so schwer gewesen wäre und man sich die Sequenz bei jedem Versuch wieder anschauen musste, weil man diese nicht überspringen konnte.

Und was meinst du mit Fremdsteuerung? Klar, es gab eine Erweiterung des Move-Sets, aber man war doch immer noch Herr seiner eigenen Aktionen, auch wenn diese komplexer als im Vorgänger waren.

Alles halb so wild? Stefan legt für Kingdom Hearts 2 seine Hand ins Feuer.Alles halb so wild? Stefan legt für Kingdom Hearts 2 seine Hand ins Feuer.

René:

Ich meine damit, dass man jederzeit an der Hand der Entwickler durch die sehr schlauchigen Level geführt wurde. Wenn es ein Problem zu lösen gab, hatte ich nie die Möglichkeit, selbst eine Lösung zu finden - die Lösung hat man mir zusammen mit dem Problem vor die Nase gesetzt. Nicht sehr motivierend. So zum Beispiel beim Laternen-„Rätsel“ im Schloss des Biestes, bei dem ich mich ernsthaft verarscht gefühlt habe, bei so viel Hilfe für so wenig Herausforderung. Das wirkliche „Fernsteuern“, wie du es nennst, blüht uns wohl erst noch in Teil 3. Denn da sind die vielen Angriffsanimationen allem Anschein nach nicht nur automatisiert, sondern auch ellenlang.

Und ja, der Einser hatte natürlich seine Macken. Das von dir genannte Beispiel zeigt eine von ihnen. Aber zwischen solchen Filmsequenzen hatte ich zumindest die Gelegenheit, mal mehr und mal weniger weitläufige Areale in Ruhe zu erkunden, in frühere Bereiche zurückzugehen und ... nun ja, einfach mal längere Zeit am Stück zu spielen, ohne von einem Skript unterbrochen zu werden. KH2 hingegen fühlte sich manchmal an, wie ein riesiges Tutorial.

Stefan:

Du hast den zweiten Teil anscheinend nicht besonders weit gespielt, denn sonst wüsstest du, dass vor allem zum Ende des Spiels hin die Rückkehr in schon bekannte Welten ein zentrales Element ist. So öffnen sich beispielsweise auch im Schloss des Biests Areale, die beim ersten Besuch überhaupt nicht zugänglich waren.

Ein Highlight für mich war beispielsweise die Rückkehr mit Sora nach Twilight Town. Die Stadt nochmal mit allen Fähigkeiten zu erkunden, hat sie mir auf ganz neue Art und Weise erschlossen. Auf der anderen Seite stimmt es natürlich, dass die Rätsel im zweiten Teil weniger fordernd waren als die im ersten. Der neue Fokus lag hier aber nun mal auf der Action. Die Kämpfe waren teilweise viel knackiger und durch die Kampfanimationen hat sich eine Tiefe entfaltet, die im ersten Teil noch undenkbar gewesen wäre.

Was du für den dritten Teil befürchtest, kann ich verstehen. Die Animationen wirken teilweise so "over the top", dass die Frage aufkommt, was da noch für den Spieler zu tun bleibt. Auf der anderen Seite ist noch nicht abzusehen, wie schwierig es ist, so eine Animation überhaupt zu starten. Vielleicht dienen sie als Ergebnis einer schwierigen Kombo und sind sehr befriedigend.

Einige Kampfanimationen in Teil 3 werden extrem ausschweifend.Einige Kampfanimationen in Teil 3 werden extrem ausschweifend.

René:

Es stimmt, dass ich das Spiel nicht beendet habe. Das könnte in so einer Diskussion natürlich gegen meinen Standpunkt sprechen, ist aber, wie ich finde, kein wirkliches Gegenargument. Denn: Wenn ich nach 20 bis 30 Stunden die Nase voll von den immer gleichen langweiligen Abläufen habe, ändert es nichts, dass ab Stunde 50 vielleicht mal mehr spielerischer Anspruch eintritt. Das ist dieser "Final Fantasy 13"-Effekt: Quäl' dich 30 Stunden durch ein ödes Schlauchspiel, dann wirst du mit etwas weniger öden Passagen belohnt! Nein, danke.

Zu Kingdom Hearts 3: Ich kann dir aus meiner ersten eigenen Spielerfahrung sagen: Viele der "over the top"-Momente sind nicht besonders schwierig auszulösen, oftmals sind sie sogar kontextabhängig und bedürfen keiner großen Eingabekünste. Komplizierte Kombos würden die Fans wohl auch eher abschrecken.

Und genau das ist es, was ich meine: Kingdom Hearts 3 könnte nach aktuellem Wissensstand sehr wohl die Stoßrichtung von Teil 2 beibehalten und das „An der Hand nehmen“, den – wie du richtig erkannt hast – Fokus auf Action und Inszenierung sogar noch auf die Spitze treiben. Dann können die Welten noch so riesig sein, für mich würde das noch mehr von dem zerstören, was ich an Kingdom Hearts mit Teil 1 so geliebt habe.

Aber was ich bei dir heraushöre: Bei Kingdom Hearts 2 können wir uns offensichtlich nicht einigen, bei den Befürchtungen hinsichtlich Teil 3 schon?

Wird am Ende alles gut? Wir hoffen es doch sehr.Wird am Ende alles gut? Wir hoffen es doch sehr.

Stefan:

Den "Final Fantasy 13"-Effekt würde ich nicht unterschreiben. Viele Spiele und insbesondere JRPGs nehmen ihre Spieler über lange Zeit an die Hand und eröffnen dann ein zeitintensives Endgame. Daraus kannst du Kingdom Hearts 2 keinen Vorwurf machen. Das Problem bei FF13 ist es, neben vielen spielerischen Elementen, nach 30 Stunden das Spielkonzept vom Schlauch zu Open World zu wechseln. Das ist meiner Meinung nach nicht wirklich vergleichbar.

Ich vertraue deiner Spielerfahrung, dass die "over the top"-Momente in Kingdom Hearts 3 nicht besonders schwer auszulösen sind. Und ja, ich teile deine "Befürchtung", dass Kingdom Hearts 3 einen noch stärkeren Fokus auf Action und Inszenierung setzt. Meine Schlussfolgerung ist jedoch eine andere.

Spielreihen leben davon, zu experimentieren. Dazu müssen Elemente entfernt und neue hinzugefügt werden. Das kann die Spiele schlechter machen, oder auch verbessern. Wie es sich bei Kingdom Hearts 3 verhält, können wir wohl erst herausfinden, wenn wir das fertige Spiel in den Händen halten.

Selbst wenn sich deine Befürchtung bewahrheitet und KH3 noch mehr in Richtung Action geht, ist das aber auch nichts zwingend Schlechtes. Nur weil die Entwicklung dir nicht gefällt, heißt es trotzdem nicht, dass andere damit keinen Spaß haben können.

René:

Klar, das sowieso! Und den möchte ich auch niemandem kaputt reden. Nur mich persönlich würde das abschrecken und damit stehe ich sicher nicht allein. Aber wie du richtig sagst: Abwarten und Tee trinken. Ich hol' uns mal zwei Tässchen aus der Küche, wa'?

Nun wollen wir von euch wissen: Auf wessen Seite steht ihr? Seid ihr Team Stefan oder Team René, wenn es um Kingdom Hearts 2 geht? Und was bedeutet das für eure Vorfreude auf Teil 3? Schreibt es uns in die Kommentare!

Tags: Retro   Singleplayer   Streitgespraech  

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