Fallout: Das Problem mit den Supermutanten

(Special)

von Stefan Wirth (22. November 2018)

Wenn ihr auch nur ein Spiel der Fallout-Reihe gespielt habt, dann seid ihr ihnen garantiert schon begegnet. Die Rede ist von den Supermutanten. Die riesigen, grünen Monster gehören zu der Reihe wie die Power-Rüstung und der Pip-Boy. Doch wenn ihr euch mal die Frage stellt, wo die Supermutanten eigentlich herkommen, dann fällt sehr schnell auf, dass da etwas nicht stimmt.

Was ist eigentlich der FEV?

Dass es die Supermutanten überhaupt gibt, hat einen speziellen Grund. Das ist nicht, wie man eventuell vermuten könnte, die in nicht gerade geringen Mengen vorhandene Strahlung, sondern der sogenannte Forced Evolutionary Virus oder kurz FEV. Zwischen den USA und China gab es vor dem großen Krieg eine Art von kaltem Krieg. In diesem Entwickelten die Chinesen eine Biowaffe, die als die "Neue Pest" bekannt wurde.

Auch in modifizierter Form leuchtet der FEV so schön grün wie die GrundversionAuch in modifizierter Form leuchtet der FEV so schön grün wie die Grundversion

Der FEV wurde als Kur gegen die neue Pest entwickelt. Doch es gab auch eine besondere Nebenwirkung. Er beschleunigte die Evolution. Tiere entwickelten sich in rasender Geschwindigkeit weiter und waren dadurch perfekt an ihre Umwelt angepasst. Diese Eigenschaft wollte sich die US-Regierung zunutze machen, um Super-Soldaten zu erschaffen.

Dieses Video zu Fallout 76 schon gesehen?

Doch dieser Plan sollte niemals in die Tat umgesetzt werden. Den bevor die Wissenschaftler der Mariposa Militärbasis mit ihrer Forschung den ersten Super-Soldaten erschaffen konnten, fielen die Atombomben. Daraufhin zog Roger Maxson, Kommandant über Mariposa, mit sämtlichen Soldaten in den Bunker Lost Hills um und gründete dort die Stählerne Bruderschaft.

Der Meister

Doch die Bestände des FEV hörten nicht einfach auf zu existieren. So wurden Karawanen, die in der Nähe der Mariposa Basis unterwegs waren, immer wieder von stark mutierten Tieren angegriffen. Deshalb schloss sich im Jahr 2102 eine Expeditionsgruppe zusammen, die dem Ursprung der Mutanten nachgehen wollte. Mitglieder dieser Expedition waren unter anderem Harold und Richard Grey.

Der Meister - hochintelligent aber auch hochhässlichDer Meister - hochintelligent aber auch hochhässlich

Die Expedition stellte sich aber für alle Beteiligten als großer Fehler heraus. Bis auf die beiden Letztgenannten Teilnehmer wurden alle anderen entweder von den mutierten Tieren oder den Abwehrgeschützen der Basis getötet. Nur Harold gelang die Flucht. Am wenigsten Glück hatte wohl Richard Grey. Er wurde von einem Roboterarm gepackt und in ein Fass mit dem FEV getunkt.

Harold mutierte in Folge dessen und ist in Fallout 3 nur noch als sprechender Baum anzutreffen. Richard Grey, der einen ganz Monat lang im FEV-Fass gefangen war, wurde daraufhin zum Meister – ein kaum noch zu erkennendes mutiertes Wesen mit gewaltiger Intelligenz. Sein Ziel war es, Gleichheit im Ödland zu schaffen. Jedes Wesen sollte gleich sein.

Doch dieses Vorhaben funktionierte nicht. Bei seinen Experimenten entstanden keine hochintelligenten Wesen so wie er. Viele Versuchssubjekte starben, das Bewusstsein anderer verleibte er sich ein und die einzigen Wesen, die er erschaffen konnte, waren große, grüne, dumme Kampfmaschinen – die Supermutanten. Mit diesen stellte er eine Armee auf, die sich über die ganze Westküste des Ödlands verbreitete.

Vault 87

Auch wenn die Supermutanten der Westküste die ersten sind, von denen ihr in der Reihe erfahrt, gibt es noch andere Quellen. Die Supermutanten aus Fallout 3 haben einen ganz anderen Ursprung. Denn auch an der Ostküste, in Vault 87, befanden sich große Mengen des FEV. Dort experimentierte Vault-Tec nach dem Fall der Bomben ebenfalls mit dem Ziel, Supersoldaten zu erschaffen.

Die Ostküstenmutanten sind zwar dümmer, aber auch größer und stärker als die der WestküsteDie Ostküstenmutanten sind zwar dümmer, aber auch größer und stärker als die der Westküste

Auch hier starben viele Versuchspersonen, deutlich mehr als bei den Experimenten des Meisters, und auch hier war das Ergebnis eine Art von Supermutant, die jedoch nicht so loyal wie die der Westküste ausfiel. Diese neuen Mutanten waren aggressiv und übernahmen die Kontrolle über die Vault und schufen selbst weitere Supermutanten.

Fast 200 Jahre ging das so, bis den Mutanten der FEV ausging, deswegen suchen sie jetzt verzweifelt nach dem „grünen Zeug“ wie sie es nennen. Was hier auffällt, obwohl die Supermutanten an der Ostküste beinahe zehnmal so viel Zeit hatten wie der Meister, um eine Armee aufzubauen ist diese zahlenmäßig nicht unbedingt größer. Das liegt daran, dass die Supermutanten der Ostküste noch einmal um einiges dümmer sind als die der Westküste, an den Intellekt des Meisters reichen sie schon gar nicht heran. Viel mehr Testsubjekte starben deshalb an der Ostküste im Vergleich zur Westküste und auch die Menge des verbrauchten FEV war deutlich höher.

Die Mutanten des Instituts

Den Ursprung der Supermutanten von der Westküste, die in Fallout 1, 2 und New Vegas und der Ostküsten-Mutanten aus Fallout 3 kennt ihr jetzt also. Das ergibt alles auch noch irgendwie Sinn. Die Probleme beginnen allerdings mit Fallout 4, denn wie ihr wisst, gibt es die grünen Riesen in diesem Spiel auch.

Auch im Commonwealth gibt es SupermutantenAuch im Commonwealth gibt es Supermutanten

Diese wurden von niemand anderem geschaffen als dem Institut, der Fraktion, die auch den Sohn der Hauptfigur entführt hat. Im Jahr 2178, zirka 100 Jahre nach Fall der Bomben, begann das Institut mit Experimenten mit dem FEV. Woher das Institut diesen Virus bezog, wird übrigens nicht aufgeklärt.

Die Experimente mit dem FEV wurden von Doktor Brian Virgil, den ihr auch im leuchtenden Meer antreffen könnt, durchgeführt. Das Ziel der Forschung lautete ... nun, das weiß niemand so genau. Nicht einmal Virgil selbst. In einem persönlichen Eintrag sagt er: „Wir haben in den letzten zehn Jahren nichts Nützliches herausgefunden. Warum besteht Vater darauf es fortzusetzen?“

Die Forschung steckte also in einer Sackgasse, wurde aber dennoch für fast 100 Jahre betrieben. Aber hey, wenigstens gibt es in Fallout 4 Supermutanten. Leider wirkt der Handlungsstrang dahinter mehr wie eine billige Begründung, um Supermutanten ins Spiel zu packen als eine gute Erklärung, die die Welt wirklich hergibt. Es gibt in diesem Spiel Supermutanten, also müssen diese auch irgendwo herkommen!

Ein Bach bei Huntersville

In Fallout 76 gibt es auch wieder Supermutanten und der Ursprung dieser ist noch um einiges schlechter erklärt als der in Fallout 4. Hier gibt es keinen Meister, der über 20 Jahre hinweg eine Armee aufstellt, keine Supermutanten, die über 200 Jahre lang Leute entführen und kein Institut, das 100 Jahre lang mit dem FEV forscht.

In Fallout 76 gibt es nur eine "West Tek"-Einrichtung, das Dorf Huntersville und einen Fluss der beides verbindet. Eine kleine Gruppe Wissenschaftler und ein paar Angestellte versetzen das Wasser des Flusses mit dem FEV, woraufhin einige Bewohner des Dorfes mutieren.

Hier gibt es eine Menge Probleme. Erstens mutierten die Leute direkt zu Supermutanten, ohne das lange geforscht werden musste. Wenn man sich Harold aus Teil 1 ansieht, der auch durch den FEV mutiert ist, ohne dass daran geforscht wurde, fällt das schwer zu glauben. Zweitens begannen die Experimente schon vor dem Krieg und konnten Ergebnisse erzielen, während es in der Mariposa Militärbasis noch nicht einen Erfolg gab.

So sieht Harold aus, der auch durch den FEV mutiert wurdeSo sieht Harold aus, der auch durch den FEV mutiert wurde

Drittens ist Huntersville nicht gerade groß. Fallout 76 orientiert sich stark am echten West-Virginia. Wenn man also das Dorf aus Fallout mit dem echten Huntersville gleichsetzt, liegt die Bewohnerzahl bei knapp über 70 Personen. Es ist sogar davon auszugehen, dass die Zahl noch geringer ist, da die Jahre vor dem großen Krieg von Krankheiten und Hungersnöten bestimmt waren. Auch kann es nicht wie in Fallout 3 gewesen sein, so dass die entstandenen Supermutanten noch mehr von ihrer Sorte herstellten. Dafür hatten sie erstens zu wenig Zeit, denn Fallout 76 spielt nur 25 Jahre nach dem Fall der Bomben, und zweitens wurden FEV-Reserven in der "West Tek"-Einrichtung neutralisiert.

Die Supermutanten in Fallout 76 sind nicht gerade rar gesät. Fast an jeder Ecke kann man den grünen Giganten begegnen. Dass diese alle aus einem kleinen Dorf stammen sollen ist schwer zu glauben. Eine zweite Theorie, die es zu der Herkunft der Supermutanten gibt, lautet, dass diese ebenfalls aus der Vault 87 stammen. Das diese sich aber bereits nach 25 Jahren so Flächendeckend über die Region Appalachia verbreiten konnten, ist auch fraglich.

Festhalten am Alten

Wenn ihr euch fragt, warum wir euch so viel darüber erzählen: Die Supermutanten sind nur ein Symptom eines Problems, welches in Fallout 76 noch viel tiefer geht. Bethesda versucht mit Fallout 76 viel Neues, kann sich aber von vielem Alten nicht trennen.

So versucht das Spiel beides zu sein – ein vollwertiges Singleplayer-Fallout, aber auch ein Multiplayer-Survivalspiel. Wieso versucht Bethesda nicht einmal ein Fallout ohne Mutanten zu machen, wenn es diese halt nicht braucht? Die mythischen Figuren West-Virginias geben doch eigentlich genug her. Vielleicht wäre es ja ein besseres Spiel geworden, wenn sich der Entwickler von noch mehr alten Elementen getrennt hätte.

Wusstet ihr schon, dass die Supermutanten so viele unterschiedlich Ursprünge haben und dass die Hintergründe durchaus problematisch werden? Glaubt ihr, Bethesda hätte sich für Fallout 76 von den grünen Riesen und vielleicht auch anderen Elementen trennen sollen? Verratet uns eure Meinung in den Kommentaren!

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Tags: Open World   Science-Fiction  

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