Test Darksiders 3: Von allem etwas weniger

von René Wiesenthal (26. November 2018)

Weniger RPG, dafür Action satt und eine nahtlose Endzeit-Spielwelt: Das ist der Kern, um den Darksiders 3 aufgebaut ist. Warum dieses verlockenden Rezept der frisch damit betrauten Gunfire Games am Ende nicht zum bekömmlichen Schmaus wird, verrät euch unser Test.

Mit Darksiders 3 wird die Geschichte um die Reiter der Apokalypse fortgesetzt. Oder besser gesagt: Sie bekommt eine neue Facette. Denn wieder betrachtet ihr Geschehnisse, die mehr oder weniger parallel zu denen der beiden ersten Teile ablaufen. Diesmal ist es die einzige weibliche Reiterin, Fury, deren Geschichte ihr begleitet und die merkwürdigerweise ihren englischen Namen auch im Deutschen behalten hat.

Darksiders 3: Das Intro zur Apokalypse

Die aufbrausende Dame will dem Feurigen Rat beweisen, dass sie fähig ist, die Reiter anzuführen. Krieg liegt in Ketten - er wurde bezichtigt, unrechtmäßig die Apokalypse ausgerufen und damit Himmel und Hölle gegeneinander aufgehetzt zu haben. Tod (den ihr in Teil 2 gespielt habt) und Hader (dessen Geschichte als einzige noch fehlt) sind mit anderen Aufgaben betraut. Nun ist also Fury dran, zu zeigen, was sie in sich hat. Ihre Mission: Die Sieben Todsünden aus der Welt zu schaffen, die die Erde verunstalten.

Ausflüge in neue Genres

Wie schon die ersten beiden Teile sich im Detail recht deutlich unterschieden, ist auch die Ausrichtung von Darksiders 3 wieder etwas eigen. Anstatt dem "Action RPG"-Ansatz des Vorgängers weiter zu folgen und eine noch größere, noch offenere Spielwelt zu bieten, wird es diesmal etwas engmaschiger. Die Welt in Darksiders 3 ist in verschiedene Areale unterteilt, die jeweils thematisch zu einer der Sieben Todsünden passen. Sie sind allesamt nahtlos miteinander verknüpft, das aber durch vergleichsweise schlauchige Pfade und nicht durch offene Landschaften.

Offenere Areale, wie dieses hier, kommen ab und an auch vor.Offenere Areale, wie dieses hier, kommen ab und an auch vor.

Wo sich die nächste der durch groteske Kreaturen verkörperten Sünden befindet, seht ihr an einem Radar, der eure einzige Orientierungshilfe darstellt. Die Welt ist dabei im "Metroidvania-Stil" aufgebaut: Ihr seht im Vorbeigehen hin und wieder eine Sperre, die ihr nicht überwinden könnt und kehrt später dorthin zurück, wenn ihr beherrscht, was es braucht, um die Barrikade zu entfernen.

Damit ihr die ganze Strecke nicht zu Fuß zurücklegen müsst (nein, auch hoch zu Ross wie Krieg und Tod seid ihr nicht mehr unterwegs), lässt euch der altbekannte Händler Vulgrim wieder zum Schnellreisen das Schlangennetzwerk nutzen. Und so futtert ihr eine Sünde nach der anderen ab.

Blitzschnelles Dämonenschnetzeln

Gekämpft wird wie gewohnt in Echtzeit, mit effektlastigen Komboangriffen. Noch mehr als je zuvor stehen die Geschwindigkeit der Kämpfe und gutes Timing im Vordergrund. Neben der Hauptwaffe, ihrer Peitsche, findet Fury im Laufe des Spiels Nebenwaffen, die jeweils an sogenannte magische Fähigkeiten geknüpft sind. Je nachdem, welche magische Fähigkeit ihr zuschaltet, nehmt ihr aber nicht nur andere Zweitwaffen in die Hand, sondern könnt auch für begrenzte Zeit einen durch gelandete Treffer aufladbaren Spezialangriff loslassen. Die Sturmfähigkeit zum Beispiel erschafft kleine Tornados, die stetigen Schaden verursachen.

Auch die Chaosgestalt ist wieder Teil der Fähigkeiten.Auch die Chaosgestalt ist wieder Teil der Fähigkeiten.

Verbesserungen über Loot - wie in Darksiders 2 – gibt es nicht mehr. Körperwerte verbessert ihr, indem gefallene Gegner ihrer Seelen beraubt. In Momenten, in denen Fury sie mit ihren Fähigkeiten gekonnt beharkt, geschmeidig um Gegner herumtanzt und sie mit gezielten Angriffen zu Fall bringt, kommt zwischendurch Stimmung auf.

Der perfekte Treffer

Das Kämpfen gestaltet sich allerdings nur dann anspruchsvoll und belohnend, wenn ihr gegen einzelne Gegner kämpft. Tretet ihr gegen größere Truppen an, wird es chaotisch: Oftmals hängt der Erfolg im Kampf davon ab, den einen, sehr flüchtigen Moment beim Ausweichen abzupassen, den es braucht, damit eine Zeitlupe aktiviert wird und ihr einen magischen Konter auslösen könnt. Trefft ihr diesen Moment nicht perfekt, artet das ständige Ausweichen bei mehreren Gegnern schnell in panisches Umherhüpfen aus, bei dem ihr oftmals Treffer kassiert, obwohl ihr rein optisch nicht berührt wurdet.

Erschwert wird das Ganze dadurch, dass das Design der Welt im Widerspruch zum Kampfsystem steht. Viel zu oft verliert ihr in engen Gängen die Übersicht, wird die Kamera beim Ausweichen von Gegenständen, Gegnern oder Wänden blockiert. Genau wie ihr, wenn ihr aus den Augen verliert, wo ihr gerade seid. Da hilft manchmal nur in der Not in die Chaosgestalt zu wechseln und wild drauf zu kloppen.

Nicht selten ist die Kamera im Kampf euer Feind.Nicht selten ist die Kamera im Kampf euer Feind.

Die aus den Vorgängern bekannten, von Zelda-Spielen entlehnten Adventure-Elemente, mit denen ihr Rätsel und Geschicklichkeitsaufgaben löst, wurden ebenso in die magischen Fähigkeiten integriert und deutlich vereinfacht. So lässt euch die Flammenfähigkeit Spinnennetze verbrennen, die zuvor Bereiche versperrt haben. Die Sturmfähigkeit lässt euch an bestimmten Stellen im Spiel in die Luft sausen und einen Gleitflug ausführen und so weiter. Die damit verbundenen Rätsel sind sehr simpel gehalten und beschränken sich oftmals darauf, richtig zu erkennen, an welchen Punkten ihr eine Fähigkeit nutzen müsst.

Als seicht lässt sich auch die Handlung und deren Inszenierung bezeichnen. Fury ist wenig charmant, sowohl ihre Kratzbürstigkeit als auch der Humor wirken oft aufgesetzt. Dialoge mit ihrer Beobachterin oder anderen NPCs bestehen zumeist aus dem kurzen Austausch grantiger Einzeiler und Drohgebärden. Ein paar Überraschungen und Fan-Momente warten im Laufe der Geschichte. Das Interessanteste daran bleiben wohl aber die Andeutungen auf Hader, den letzten Reiter, und seine Rolle in der Apokalypse.

Gespräche mit dem "Hollow Lord" münden in der Regel in neuen Goodies.Gespräche mit dem "Hollow Lord" münden in der Regel in neuen Goodies.

Von allem etwas weniger

Darksiders 3 muss sich den direkten Vergleich zu den Vorgängern gefallen lassen und kommt dabei nicht gut weg. Beide Teile haben sich bisher in Details voneinander unterschieden. Bei Darksiders 3 aber wohlwollend schlicht von einer anderen Ausrichtung zu reden, trifft es nicht ganz: In fast allen Aspekten stellt der dritte Teil einen Rückschritt dar. Das Skill-Set wurde heruntergefahren, die Rollenspielelemente auf wenige Parameter von Fury und ihren Waffen heruntergeschrumpft. Die Spielwelt ist schlauchig und mit altbackenen, wenig inspirierten Rätseln versehen. Was bleibt, ist ein simples, nicht immer richtig funktionierendes Metroidvania, in dem ein paar cool gestaltete Bosskämpfe die Highlights sind.

Leider ist Darksiders 3 obendrauf auch technisch eher unsauber. Zumindest in dem Zustand, in dem wir es auf der PlayStation 4 getestet haben. Das Spiel wird grafisch von den Remasters der betagten Vorgänger in den Schatten gestellt - und knickt dennoch regelmäßig ein. Pop-Ups, schwere Framedrops, Grafikfehler beim Kameraschwenk und überlappende Synchronisationsspuren gehören zum Reiteralltag. An bestimmten Punkten lädt das Spiel Areale lange nach, was dazu führen kann, dass es mitten in einer Aktion – auch im Kampf – für einige Sekunden einfriert. Auch vollständige Spielabstürze blieben beim Test nicht aus.

Meinung von René Wiesenthal

Darksiders 3 ist mir schwergefallen. Als Fan der Reihe habe ich mich lange darauf gefreut und bin nun einigermaßen enttäuscht. Erzählerisch fügt es der Reihe wenig hinzu. In Sachen Design und Gameplay geht es sogar ein paar Schritte zurück. Es dampft die Reihe in jedem Aspekt etwas ein, kompensiert dies aber nicht durch eine eigene, neue Note. Es ist insgesamt ein sehr klassisches Metroidvania, macht das, was Metroidvanias ausmacht, aber nicht herausragend gut.

Dazu kommt ein Kampfsystem, das nur eingeschränkt funktioniert, eine undeutliche Wegfindung sowie Patzer bei der Technik und eine veraltete Optik. Für sich betrachtet ist es damit ein "okayes" Spiel. Im Kontext der Darksiders-Reihe ist es ein ärgerliches Comeback einer nicht übermäßig erfolgreichen, aber doch von Fans geliebten Spielereihe.

Was mich bei all dem am meisten stört: Das Spiel ist nicht nur mittelprächtig, es frustriert mich allzu oft. Wenn ich an einem der zahlreichen Kämpfe scheitere, spawne ich oftmals an einem sehr frühen Speicherpunkt, muss mich wieder nach vorne durchboxen, die wieder aufgetauchten Gegner nochmals plätten und – ganz wie in Dark Souls – meine verlorenen Seelen wieder aufsammeln. Das ist besonders dann frustig, wenn ich einen schwereren Brocken besiegen muss und mich eigentlich auf ihn konzentrieren will und nicht immer wieder auf den beschwerlichen Weg, der zu ihm führt.

Nachdem ich Darksiders 3 gespielt habe, bange ich darum, dass die Serie weitergeht. Es ist kein richtig schlechtes Spiel, aber es bleibt fraglich, wie groß das Bedürfnis nach dem nächsten Teil hiernach in der breiten Masse ist. Ich würde die Geschichte gern zu Ende erzählt bekommen, hoffe also auf ein viertes Spiel, in dem sich die Reihe wieder fängt.

Hat euch dieser Artikel gefallen? Oder habt ihr Anregungen, Kritik, Verbesserungsvorschläge? Lasst es uns gerne wissen! Schreibt uns eine Mail an redaktion@spieletipps.de und verratet unserer Redaktion eure Meinung.

70

meint: Als Metroidvania in Ordnung, als Ableger der Darksiders-Reihe ein Rückschritt. Selbst Fans sollten nicht blind zugreifen.

Jetzt eigene Meinung abgeben

Tags: Singleplayer  

Was der neue Teil besser machen muss

Far Cry - New Dawn: Was der neue Teil besser machen muss

Völlig überraschend kündigte Ubisoft auf den Game Awards einen neuen „Far Cry“-Teil an - der (...) mehr

Weitere Artikel

Diese Spiele könnt ihr ab Kalenderwoche 51 spielen

Neuerscheinungen: Diese Spiele könnt ihr ab Kalenderwoche 51 spielen

Immer noch kein passendes Weihnachtsgeschenk gefunden? Nun, dann wird es langsam Zeit! In der kom (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

Darksiders 3 (Übersicht)
* gesponsorter Link