Die erste PlayStation: So begann eine neue Ära

(Special)

von Micky Auer (03. Dezember 2018)

Vor 24 Jahren kam die erste PlayStation in Japan auf den Markt. Wie sich bald herausstellte, war es nicht nur ein weiterer Konsolen-Launch wie jeder andere, es war auch die Geburt des Symbols eines neuen Zeitgeists.

Happy Birthday, PlayStation! Am 3. Dezember 1994 gingst du zum ersten Mal über japanische Ladentheken. Es sollte fast ein Jahr vergehen, bis du am 9. September 1995 auch in den USA erhältlich warst, weitere 20 Tage später, am 29. September letzten Endes auch bei uns in Europa.

Und das mitten in einer Zeit, in der sich die beiden letzten Überlebenden der Konsolenkriege den Markt teilten. Die Rede ist von Nintendo und Sega, die mit ihren 16Bit-Geräten Super Nintendo Entertainment System und Sega Mega Drive in direkter Konkurrenz zueinander standen. Die Fronten waren soweit klar: Der Konsolen-Gamer der 90er konnte nur einer Fraktion angehören. Nämlich entweder Nintendo oder Sega. Dazwischen gab es nichts.

Einer der ersten Werbespots: Die Society Against PlayStation schützt euch vor den schlimmen Auswirkungen von Sonys Konsole.

Dabei stand natürlich Mario stellvertretend für die Firmen- und Produktphilosophie von Nintendo Pate: Knuddelig, harmlos, familienfreundlich, unspektakulär und synonymisch für brillantes Spiel-Design. Sega auf der anderen Seite hatte Coolness, Power, Action, Speed - allein die rein aus Anglizismen bestehende Wortwahl hier zeigt auf, in welche Richtung Sega sein Hauptprodukt vermarktet hat. All diese Attribute vereinten sich im blauen Igel Sonic, neben dem Mario wirken sollte wie Opa, der vom Krieg erzählt.

Tradition gegen freche Coolness. Darum ging es im Grunde. Und dann kommt Sony des Weges, mischt die gesamte Branche auf, verteilt die Wertigkeiten komplett neu und zeigt erschreckend schnell, wie stark und konkurrenzfähig diese neue, simpel betitelte PlayStation ist. Kein "Super", kein "Mega", kein sonstiger Superlativ im Namen. Einfach nur die PlayStation. Wie konnte es dazu kommen?

Nintendo ist dran schuld

Nintendo-Konsolen nutzten bis einschließlich des Nintendo 64 ausschließlich Module als Speichermedium. Die waren nicht nur teuer in der Produktion, sondern boten auch nur vergleichsweise wenig Speicherplatz. So lag der Schritt nahe, ein neues Medium anzupeilen. Das war damals die CD. Es erfolgte der Beschluss, ein CD-ROM-Laufwerk zu entwickeln. Die Technik des SNES war noch relevant genug, nur die Datenträger zeigten sich langsam veraltet. Um die Vorteile des Alten und des Neuen zu kombinieren, sollte das Laufwerk als Hardware-Erweiterung des SNES entwickelt werden.

Unter dem Projektnamen "Play Station" erhielt Sony den Auftrag, die Entwicklung voranzutreiben. Allerdings kam alles anders. Denn schließlich gab Nintendo bekannt, mit dem niederländischen Unternehmen Philips zu kooperieren, um das Projekt "SNES-CD" umzusetzen. Das Projekt wurde aber nie verwirklicht. Sony hatte nun aber bereits Zeit und Geld in die Entwicklung investiert und wollte das nicht einfach als Verlust abhaken.

Die bisher gewonnenen Erkenntnisse wurden als Basis für weitere Entwicklungsarbeiten genutzt. Aus dieser Zeit stammt das Kürzel "PSX". Die Aussagen, wofür die Abkürzung steht, gehen auseinander. Manche behaupten, es stünde für "PlayStation Experimental", andere wiederum meinen, das X stünde für "Extreme". Und wiederum andere Quellen besagen, die Abkürzung bezieht sich auf "Expansion" (Erweiterung), wie es ja auch ursprünglich von Nintendo angedacht war.

Obwohl die PlayStation niemals offiziell als PSX bezeichnet oder vermarktet wurde, hielt sich dieser Begriff lange Zeit. Tatsächlich wurde erst im Jahr 2000 die erste Sony-Konsole in PSone umbenannt. Dennoch sprechen viele Fans auch heute noch von der PSX, wenn sie die erste PlayStation meinen.

Nicht nur Spielzeug, auch ein Statement

Mit einem Mal gab es einen dritten Mitstreiter, der sich in vielerlei Hinsicht von den ausgetretenen Pfaden der etablierten Konkurrenz entfernte. Vielleicht war man sich bei Sony im Klaren darüber, dass es schwierig sein würde, gegen große Namen wie Mario und Zelda anzutreten. So wurde die PlayStation etwas anders auf dem Markt positioniert als "herkömmliche" Konsolen.

Ridge Racer Revolution: Treppen, Kanten, grobe Pixel ... und dennoch ein grandioses Spielgefühl!Ridge Racer Revolution: Treppen, Kanten, grobe Pixel ... und dennoch ein grandioses Spielgefühl!

Zum Beispiel verfügte das kompakte Gerät über eine Multimedia-Komponente, die Nintendo gar nicht vorweisen konnte, die Sega nur mit teuren und unpraktischen Hardware-Erweiterungen gewährleistete. Jede PlayStation fungiert als vollwertiger CD-Player und lässt sich relativ leicht an vorhandene Sound-Systeme in der Wohnung anschließen.

Dann war da dieses Arcade-Gefühl, dass vor allem Hersteller wie Bandai Namco (damals nur Namco) schon in der ersten Zeit der Konsole mit Tekken und Ridge Racer Revolution vermittelten. Nintendos SNES mangelte es an Prozessorleistung, Segas Mega Drive konnte in Bezug auf Grafik und Sound nicht mithalten. Die PlayStation war in beiden Bereichen überlegen, und so wurde das laute, hektische, adrenalingetriebene Gefühl der damals noch etwas lebendigeren Spielhallenszene hervorragend nach Hause transportiert.

Die Preise der Spiele lagen ein ganzes Stück unter den teuren Modulen mit ihren begrenzten Speicherplätzen auf Microchips. Gleichzeitig hatten die Konsumenten oft das Gefühl, sie würden für weniger Geld so viel mehr kriegen, zumal sich die CDs hervorragend dazu eigneten, neben ausladenden Videosequenzen auch Sprachausgabe und Soundtracks in lupenreiner Orchester-Qualität zu bieten. Somit wurde der Erlebnisfaktor um eine weitere Komponente erweitert, die von Spielen wie Wipeout als grundlegende Design-Basis verwendet wurden. Spielesoundtracks waren plötzlich nicht mehr nur für eingefleischte Liebhaber interessant, die über die Restriktionen von 8- und 16Bit-Prozessoren hinwegsehen konnten, sie waren nun vielmehr für alle Musikliebhaber ein Thema.

Werbeanzeige für Wipeout: Die beiden haben sich die blutigen Nasen nicht beim letzten Rave geholt, das Spiel war einfach zu schnell.Werbeanzeige für Wipeout: Die beiden haben sich die blutigen Nasen nicht beim letzten Rave geholt, das Spiel war einfach zu schnell.

Eine PlayStation zu besitzen bedeutete nicht einfach nur ein Gerät zu haben, mit dem man spielen konnte, sondern mit dem man seinen Lebensstil unterstrich. Keine andere Unterhaltungs-Hardware hat die zweite Hälfte der 90er Jahre so stark geprägt wie die PlayStation. Sony hat das erkannt und hat auch entsprechend die Werbekampagnen vorangetrieben. Die Inhalte waren frech, provokant, anders. Es ging oft gar nicht darum darzustellen, wie gut Spiel XY ist, sondern mehr darum, wie - sagen wir mal - respektlos, beinahe verboten der Spielspaß sein würde.

Somit etablierten sich drei Attribute für die die damals drei großen Konsolenhersteller: Nintendo war bodenständig und zuverlässig. Sega war cool und frech. Und Sony ...

... war sexy. Und welcher junge Erwachsene mit der nötigen Kaufkraft will das nicht sein?

Alte Allianzen zerbrechen, neue entstehen

Es war nicht unbedingt ein Skandal, aber zumindest ein Aufschrei unter den Fans: Square Enix (damals noch Squaresoft), über lange Zeit hinweg Lieferant von hervorragenden Spielen, die exklusiv auf Nintendo-Hardware erschienen, kündigte an, sein nächstes "Final Fantasy"-Spiel auf der PlayStation zu veröffentlichen. Und das, obwohl vorher "streng geheime" Screenshots einer Tech-Demo für Nintendo 64 durch die Fachpresse geisterten.

Final Fantasy 7: Die JRPG-Legende schlechthin erschien zuerst auf der PlayStation.Final Fantasy 7: Die JRPG-Legende schlechthin erschien zuerst auf der PlayStation.

Die Demo zeigte eine Kampfszene, die an Final Fantasy 6 angelehnt war, jedoch komplett in 3D-Grafik dargestellt wurde. Allen war klar: Squaresoft übt sich in 3D-Grafik, um für Nintendo 64 ein großes Spiel zu produzieren. Das mag auch gestimmt haben, jedoch kam es nie dazu. Denn Nintendos Entscheidung, an teuren Steckmodulen festzuhalten, hat Squaresoft letzten Endes vergrault und die Firma verlagerte die Entwicklung des nächsten Spiels auf die PlayStation. Das Ergebnis heißt Final Fantasy 7 und genießt heute so etwas wie einen Legenden-Status.

Das Zerwürfnis zwischen Nintendo und Squaresoft war bitter. Der damalige Nintendo-Chef Hiroshi Yamauchi ließ es sich auch nicht nehmen, sich abfällig über RPGs und Menschen zu äußern, die sie gerne spielen. Schlecht für Nintendo - gut für Sony! Denn viele Fans wollten allein wegen diesem Spiel eine PlayStation haben. Und da nicht jeder so gut betucht ist, sich jede aktuelle Konsole ins Zimmer zu stellen, wurden vielen Kaufentscheidungen getroffen. Diese fielen vor allem zum Vorteil der PlayStation aus. Wer erstmal eine bestimmte Hardware zu Hause stehen hat, wird sie vermutlich auch mit weiteren Spielen füttern.

So sah die geheimnisumwitterte Tech-Demo für N64 aus:

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich große Publisher mehr und mehr der PlayStation zuwandten, deren Erfolg weder von Nintendos N64, noch von Segas Saturn beeinträchtigt werden konnte. Ubisoft, EA, Activision und viele Entwickler, die es heute vielleicht gar nicht mehr gibt, wollten etwas vom PlayStation-Kuchen abhaben und untermauerten somit den stetig anhaltenden Siegeszug. Das Ergebnis: Weit über 102 Millionen verkaufte Exemplare und eine neue Marke, die seit 24 Jahren nicht mehr aus der Industrie wegzudenken ist.

Es war der Beginn einer neuen Ära, die uns als Konsumenten viele neue Möglichkeiten eröffnet hat, die althergebrachtes Spieldesign durch neue, frische Ideen erweitert hat und die den Grundstein für eine Technik gelegt hat, auf die wir sonst noch längere Zeit hätten verzichten müssen. Längst nicht alles, was mit der ersten PlayStation im direkten Zusammenhang steht, ist ausnahmslos gut. Jedoch überwiegt aus heutiger Sicht die nostalgische Erinnerung an eine Zeit, in der eine neue Generation von Spielen laufen lernte. Und Sony hat ihnen dabei die Hand gehalten.

Tags: Retro-Tag  

Das sagt die Community zum ersten DLC

Battlefield 5: Das sagt die Community zum ersten DLC

Nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung von Battlefield 5 legt Dice direkt nach. Das erste Inhalts-Update (...) mehr

Weitere Artikel

Goldbarren können nun für Echtgeld gekauft werden

Red Dead Online: Goldbarren können nun für Echtgeld gekauft werden

Bislang war Red Dead Online, der Mehrspieler-Modus von Red Dead Redemption 2, gänzlich ohne die Möglich (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

zurück zur Special-Übersicht

* gesponsorter Link