Red Dead Redemption 2: 3 Dinge, die ich von dem Spiel gelernt habe

(Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (02. Dezember 2018)

Viele, viele Stunden habe ich in dem monumentalen Red Dead Redemption 2 nun schon verbracht, viele weitere Stunden werden wohl noch folgen. Dennoch möchte ich an dieser Stelle schon ein kleines Fazit ziehen und euch von drei Dingen erzählen, die mich dieses Spiel gelehrt hat.

Red Dead Redemption 2: Hier findet ihr eins der besten Pferde (Weißer Araber)

Von Videospielen lernen. Das ist so eine Sache. Freilich soll das Medium in erster Linie unterhalten und nicht lehren. Dennoch kann es vorkommen, dass man aus einem guten Spiel - und auf ganz andere Art und Weise auch aus einem schlechten Spiel - etwas mitnimmt. Dass man etwas über sich selbst lernt, etwas fürs Leben lernt, oder auch einfach nur unnützes Wissen anhäuft, das man dann nie wieder aus dem Hirn bekommt. In dieser Reihe wollen wir euch von unseren Erfahrungen berichten, die wir während des Spielens gemacht haben. Von lebensverändernden Weisheiten bis zu erspieltem Blödsinn kann alles dabei sein. Alle Artikel dieser Reihe findet ihr hier.

1. Menschen meucheln - kein Problem. Rehe jagen - auf keinen Fall!

In Red Dead Redemption 2 werdet ihr jede Menge virtueller Menschen umlegen. Das ist Teil eurer Aufgabe, schließlich seid ihr ein berüchtigter Bandit. Die Tode dieser abzuschießenden Gesellen sind dabei ziemlich nüchtern. Ihr schießt ein paar Mal und schlussendlich geht der Gegner zu Boden. Kein großes Geschrei, kein Winden - einfach nur ein schlaffer Körper, der da liegt. Anders sieht es jedoch aus, wenn ihr auf die Jagd nach einem Reh geht. Wenn ihr dieses nicht ganz präzise trefft - also in den Kopf - wird es aufgescheucht davonrennen und ein paar Meter entfernt vor Erschöpfung niedersinken. Anders als die Menschen aber, wird das Tier euch eure Tat unter die Nase reiben. Denn es schreit dann so jämmerlich, dass es einem das Knochenmark gefrieren lässt. Zappelnd liegt es auf dem Boden, kreischt um sein Leben, bis ihr ihm dieses schlussendlich mit einem Messer nehmt.

Diese Szenen haben mir wieder eines sehr bewusst gemacht: wer in Videospielen betrauert wird, wessen Tod überhaupt eine Rolle spielt - das hängt ganz von der Inszenierung ab. Es ist sicherlich nicht so, dass der virtuelle Tod eines Tieres mich mehr berührt als der eines Menschen. Es ist die Tatsache, dass das Spiel selbst entschieden hat, der Inszenierung des einen Todes mehr Platz einzuräumen. Das Spiel lenkt so also eure Aufmerksamkeit. Und ein Stück weit vielleicht auch euer Schuldbewusstsein.

Das Reh ist geschossen, das Gewissen im Eimer.Das Reh ist geschossen, das Gewissen im Eimer.

2. RDR Online zeigt: Menschen zerstören Immersion

Die Welt von Red Dead Redemption 2 ist nicht nur riesig, sie wirkt auch zutiefst komplex und organisch. Die Bewohner diverser Ortschaften gehen ihren Tagesgeschäften nach - reagieren aber auch darauf, wie ihr euch benehmt. Ihr könnt euch also verlieren in einer Umgebung, die gesättigt ist von kleinen Geschichten, Charakteren und ganz viel Persönlichkeit. Bis ihr dann den Online-Modus anstellt.

Mir ist vollkommen klar, dass RDR Online ganz anders funktionieren will als das eigentliche Spiel, in dem ihr einer Geschichte nachgeht. Und das, was den Online-Modus ausmacht, bereitet mir bisher auch ziemlich viel Freude. Und doch habe ich wieder diese Paradoxon bemerkt: künstliche, vom Computer gesteuerte Charaktere wirken authentischer als echte Menschen. Denn während erstere organisch in die Welt integriert sind, benimmt sich ein großer Teil der Online-Spieler anders: Sie springen um mich herum, versuchen, mich mit einem geschlachteten Reh zu bewerfen und - davon viel zu viel - schießen auf mich, sobald sie mich sehen. Der Reiz von Red Dead Redemption 2, dass man jeder Person in dieser Welt theoretisch freundlich begegnen kann, dass man also abwägen sollte, wie man sich verhält - dieser Aspekt geht im Online-Modus total verloren. Denn die meisten Spieler sind da, um auf andere zu schießen. Nicht, um sich so zu verhalten, wie man sich in einer solchen Welt eigentlich verhalten würde: zögerned, abwägend, behutsam. Das ist schade, aber war abzusehen.

3. Die Welt existiert auch ohne mich

Dieser Punkt mag zunächst paradox wirken. Wenn ich die Konsole oder den PC ausstelle, dann erlischt auch die Welt, die gerade auf den Bildschirm projiziert wurde. Solange es sich also nicht um ein Online-Spiel handelt, wo sich in einer Welt, auf einem Server, viele Spieler tummeln, hört die Welt also eigentlich auf zu existieren - bis ich sie wieder aktiviere.

Auch ohne mich gehen die Leute zur Kirche.Auch ohne mich gehen die Leute zur Kirche.

Doch Red Dead Redemption 2 fühlt sich nicht so an. Immer wenn ich das Spiel anmache, habe ich das Gefühl, dass die Bewohner dieser Welt auch eine hervorragene Zeit hatten, als ich nicht da war. Als wären sie auch ohne mich weiter ihrem Leben nachgegangen. Als wäre ihnen sogar total egal, ob ich als lenkender Spieler existiere oder nicht. Ein ähnliches Gefühl hatte ich schon bei No Man's Sky: eine Welt, in der ich nicht der Nabel bin, in der nicht alles von mir abhängt, in der ich eigentlich nur ein kleiner, winziger Teil eines Ganzen bin. Und das Ganze funktioniert auch sehr gut ohne mich.

Für mich ist das ein Gefühl, das ich genieße. Denn es nimmt den Druck aus dem Spiel. Es nimmt diese Narration, die sonst über so vielen Spielen schwebt: Wenn du es nicht tust, wird es keiner machen. Also, los jetzt! Red Dead Redemption 2 aber sagt: Wenn du es nicht tust, dann kümmert das niemanden. Ich finde das sehr sympathisch.

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Tags: Open World   Drei Dinge gelernt  

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