Battlefield: Wie fühlt es sich nach 10 Jahren Pause an?

(Kolumne)

von Michael Sonntag (05. Dezember 2018)

Als ich nach zehn Jahren über das Schlachtfeld von Battlefield laufe, fühle ich mich wie ein alter Mann. Das alles kommt mir sehr bekannt vor, liegt aber eine Ewigkeit zurück. Was dennoch geblieben ist, ist die Aufregung.

Kinder lernen entweder Gitarre oder Klavier zu spielen, selten beides. Warum ich das erzähle, der weder das eine noch das andere beherrscht? Weil es sich meiner Meinung nach ähnlich mit Videospielen verhält. Spieler, die storyfokussierte Spiele bevorzugen, können selten etwas mit Multiplayer-Matches anfangen und umgekehrt. Es widerspricht einfach ihrer Natur oder der Persönlichkeit, die sie über die Jahre entwickelt haben.

Während ich mich schon immer für Stealth- und Rollenspiele begeistern konnte, entwickelte mein Bruder beispielsweise eine Leidenschaft für Shooter und Moba-Games. Wir respektierten das Steckenpferd des anderen und schauten auch gerne einander zu, aber tauschen wollten wir nie. Eine Zeit lang hatte mich aber trotzdem die Neugierde gepackt, woraufhin ich meinem Bruder auf den Schlachtfeldern bei Call of Duty und Battlefield zur Seite stand. So untalentiert war ich gar nicht, aber laut meinem Bruder kämpfte ich immer noch mehr wie ein Assassine als wie ein Soldat.

Heute, zehn Jahre später, hat Battlefield 5 seinen Weg in mein PS4-Laufwerk gefunden und ich finde, dass es an der Zeit ist, erneut zu überprüfen, wie ich mich auf der anderen Seite der Spielelandschaft schlage.

Die witzigsten Momente aus unserem BF5-Livestream:

Von einem blutroten Teppich empfangen

Wie ich feststelle, vereint Battlefield die Spieler immer noch mit magnetischer Anziehungskraft. Nämlich kaum, dass ich ich das Spiel installiert habe, werde ich auch schon von einem Kumpel in eine Partie eingeladen. „Ah, sieh einer an, du spielst auch Battlefield, dann lass mal gleich einen Squad bilden.“

Kein Tutorial, keine großen Erklärungen, es geht sofort los auf einer Karte mit Burgruinen. Alle anderen Spieler stürzen sich sofort ins Getümmel, ich aber verschanze mich kurz hinter einer Wand, um zu schauen, wie die Steuerung überhaupt funktioniert.

Überraschenderweise ist das Schema über die Jahre größtenteils gleich geblieben: Ducken, Schießen, Waffe wechseln, okay. Logischerweise sterbe ich wenige Sekunden später, nachdem ich mein Versteck verlassen habe. Die nächsten Minuten sehen nicht anders aus, die Gegner sind verdammt schnell und greifen von allen Seiten aus an.

Im Feindeslager brauche ich nicht davon auszugehen, gerettet zu werden. Versuchen kann man es aber trotzdem.Im Feindeslager brauche ich nicht davon auszugehen, gerettet zu werden. Versuchen kann man es aber trotzdem.

Zumindest komme ich nach jedem Tod meinem Ziel einen Schritt näher: Irgendwann treffe ich statt der Umgebung auch endlich mal den Gegner. Jetzt muss das nur schneller und flüssiger von der Hand gehen. Nach meinem ersten Kill, dem ich zum Teil auch einer Schlafmütze zu verdanken habe, kann ich endlich sagen: Ich bin wieder zurück.

Befinde ich mich gerade mal nicht in einem Feuergefecht, können sich meine Augen am Detailreichtum der Schauplätze nicht sattsehen. Unglaublich, was sich alles seit den pixligen Plastikkulissen von 2008 getan hat. In einer zerfallenen Kirche kann ich die Asche schmecken, im Eissturm friere ich tatsächlich.

Es ist unglaublich, wie lebendig und vielschichtig mittlerweile das virtuelle Schlachtfeld dargestellt wird. Schüsse rattern, Staub wird aufgewirbelt, Trümmer fliegen durch die Luft - die Map bleibt nicht eine Sekunde still und wandelt sich durchgänig bis zum Schluss. Ein Haus, in welchem ich mich vor zehn Minuten versteckt habe, ist beim zweiten Besuch plötzlich vollständig verschwunden.

Der Tod erwartet euch im 360 Gradwinkel.Der Tod erwartet euch im 360 Gradwinkel.

Sekundenfliegen

Während ich es in den ersten Partien immer wieder schaffe, hinter die feindliche Linie zu kommen und so mehrere Gegner zu erlegen - ja, ich spiele immer noch wie ein Assassine - gestaltet sich alles danach viel frustrierender. Ich weiß nicht, woran es genau liegt, vielleicht sind die Karten offener, vielleicht sind diese Modi auch so vorgesehen, aber so oder so lebe ich immer nur wenige Sekunden.

Groß taktisch geht es nicht mehr zu, meine Mitspieler laufen kreuz und quer über die Karte und sterben reihenweise. Es ist nahezu unmöglich, einen Gegner zu töten, da ich überall von mindestens sechs Leuten umzingelt bin. Oder ich sterbe direkt nach dem Spawnen. Ich erinnere mich, dass es früher auch manchmal solche Partien gegeben hat. Es macht nicht sonderlich viel Spaß, aber die eigene Verbissenheit lässt mich auch nicht aufgeben.

In den Endstatisken lassen sich immer Spieler finden, die das Spiel auch prinzipiell alleine gewonnen hätten.In den Endstatisken lassen sich immer Spieler finden, die das Spiel auch prinzipiell alleine gewonnen hätten.

Ich muss zugeben, dass meine Konzentration nach drei Stunden auch deutlich nachgelassen hat. Statt taktisch vorzugehen laufe ich immer wie alle anderen drauf los. Ich befinde mich derartig tief in dieser Spawn-Tod-Schleife, so dass ich nach einem erfolgreichen Kill plötzlich ganz erschreckt bin.

War das wirklich ich oder einer von den anderen dutzenden tödlichen Ursachen hier gewesen? Damit merke ich, dass es höchste Zeit für mich ist, das Schlachtfeld zu verlassen.

Battlefield vereint Spieler und verlangt nicht viel Vorwissen, ist aufregend, schnelllebig und chaotisch. Die Schauplätze sind beeindruckend, auch wenn sich die Spieler manchmal alles andere als taktisch verhalten. Ich muss meine Bewunderung für manchen Gegner aussprechen, auf den ich getroffen bin, der sowohl blitzschnell als auch äußerst präzise vorgegangen ist.

Ab und zu werde ich es doch nochmal probieren, aber ansonsten bleibe ich bei meinen Spielen. Ich kann die Faszination für diese Art von Spiel absolut nachvollziehen, bestehe jedoch aus einem anderen Holz. Wer allerdings gerne die andere Seite kennenlernen möchte, kann auf mich als Erklärer zählen.

Jetzt eigene Meinung abgeben

Der Name ist Programm

Super Smash Bros. Ultimate: Der Name ist Programm

In den letzten Monaten hat Nintendo seine prominente Maskottchenprügelei ausgiebig zelebriert. Nicht nur deswegen (...) mehr

Weitere Artikel

Blizzard verkleinert Entwicklerteam und streicht E-Sport-Events

Heroes of the Storm: Blizzard verkleinert Entwicklerteam und streicht E-Sport-Events

Den ganz großen Erfolg konnte Blizzards MOBA-Versuch Heroes of the Storm nie feiern. Nun zieht das Unterneh (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

Battlefield 5 (Übersicht)
* gesponsorter Link