Abgestaubt: Taugt Fallout 2 auch heute noch?

(Special)

von Stefan Wirth (01. Dezember 2018)

Krieg - Krieg bleibt immer gleich. Diesen Satz werden die meisten von euch wohl zuletzt gehört haben, als sie Fallout 76, den neuen Multiplayer-Ableger der postapokalyptischen Rollenspielreihe starteten. 20 Jahre liegen zwischen diesem und Fallout 2, der unter Fans der Reihe immer noch als absoluter Klassiker gilt. Doch 20 Jahre sind eine lange Zeit und die Reihe hat sich ganz schön verändert. Wenn ihr euch also an die Teile von Entwickler Bethesda gewöhnt habt, taugt der zweite Teil dann heute überhaupt noch was?

Wenn wir in die Vergangenheit blicken, tragen wir oft die tiefrosa gefärbte Nostalgie-Brille. Viele der Spiele, an die wir uns erinnern, sind absolut grandios, unvergesslich und stellen einen Meilenstein für das Medium dar. Doch was geschieht, wenn wir diese Brille für einen Moment absetzen? Was kommt da zum Vorschein? In dieser Reihe betrachten wir die schönen Erinnerungen der Vergangenheit mit der nötigen Kritik.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Am 30. September 1998 erschien Fallout 2 und konnte an den Erfolg des ebenfalls nicht unbeliebten Vorgängers anknüpfen. Entwickelt wurden diese beiden Spiele von den Black Isle Studios, der Rollenspiel-Abteilung des Publishers Interplay.

Die Geschichte des Bunkerbewohners

Die Geschehnisse von Fallout 2 beginnen im Jahr 2241. Ganze 164 Jahre nach dem Fall der Atombomben und immer noch 80 Jahre nach der Handlung des ersten Teils. In diesem wart ihr noch als der Bunkerbewohner unterwegs. Mit der Mission beauftragt, die Vault 13 vor dem Untergang zu retten, wurdet ihr schlussendlich zum Helden des gesamten Ödlands, aber auch zum Ausgestoßenen.

Mit diesem Intro begann damals die Reise des Bunkerbewohners:

Der Bunkerbewohner, der das Ödland bereiste, unzählige Ort erkundete und schlussendlich den bösen Meister, den Herren über die Supermutanten, bezwang, wurde von den Vault-Bewohnern nicht mehr als einer der ihren akzeptiert und verstoßen.

Daraufhin zog er von neuem in das Ödland hinaus und gründete das Dorf Arroyo. Ein Dorf, welches jetzt, 80 Jahre später, von Dürre, Krankheit und Tod gezeichnet ist. Die Brahmins verenden, Kinder kommen körperlich eingeschränkt zur Welt und die Ernte verdorrt. Arroyo braucht Hilfe! Und damit beginnt Fallout 2.

Das auserwählte Wesen

Arroyo zu retten, das ist eure Aufgabe, denn ihr seid das auserwählte Wesen. Doch Stopp! Bevor das Spiel richtig losgeht, müsst ihr euren Charakter erstellen. Und zwar auf Grundlage des wohlbekannten S.P.E.C.I.A.L.-Systems, welches es in stark abgewandelter Form auch noch in Fallout 76 gibt. Welche rollenspielerische Tiefe Fallout 2 bietet, zeigt sich schon damit.

Seid ihr ein starker Nahkämpfer, geschickter Fernkämpfer oder löst ihr eure Probleme doch lieber durch Charisma und Manipulation? All das entscheidet sich bei der Charaktererstellung. Wie weit die Bandbreite dabei liegt, sollte durch den Fakt klarwerden, dass ihr euren Charakter so unintelligent machen könnt, dass er nicht reden, sondern nur guturale Laute von sich geben kann. Das erschwert das Spiel, macht es aber sehr unterhaltsam!

Das S.P.E.C.I.A.L.-System - schon seit damals fester Bestandteil der Reihe.Das S.P.E.C.I.A.L.-System - schon seit damals fester Bestandteil der Reihe.

Doch egal wie schlau oder dumm euer Charakter ist, das ändert nichts an einer Tatsache - ihr seid das auserwählte Wesen und ihr müsst euch in einer ersten Prüfung beweisen. Sobald ihr also die Prüfung im Tempel abgeschlossen habt, erhaltet ihr den Vault-Anzug, euren Pip-Boy und eure Mission. Findet das G.E.E.K. (Garten Eden Erstellungs Kit), um euer Dorf zu retten.

Auf nach ...

Euer Abenteuer beginnt und ihr macht euch auf den Weg nach ... Ja, wohin eigentlich? Für die einen Fluch, für die anderen der Inbegriff von spielerischer Freiheit - in Fallout 2 gibt es keine Questmarker und keine detaillierten Beschreibungen. Was ihr zu tun habt, wird lediglich auf einen Satz reduziert. "Finde das G.E.E.K., um Arroyo zu retten", "Sprich mit Vic dem Händler" - das sind die Aufgaben, mit denen ihr ins Ödland entlassen werdet.

Die Dorfälteste schickt euch los um Arroyo zu retten.Die Dorfälteste schickt euch los um Arroyo zu retten.

Wenn ihr die Karte gut genug kennt, könnt ihr sofort zur Vault 13 gehen und das G.E.E.K. holen. Wenn ihr jedoch noch nicht so vertraut mit dem Ödland seid, ist euer erstes Reiseziel wohl die Stadt Klamath, in welcher ihr die ersten Informationen sammelt. So bahnt ihr euch langsam euren Weg durch das Ödland, bereist Städte wie Den, Gecko, New Reno, die Bunkerstadt, Broken Hills und auch so findet ihr schlussendlich den Weg zur Vault 13 und dem G.E.E.K.

Dabei begegnet ihr natürlich den für Fallout typischen verrückten Charakteren, wie beispielsweise dem Schamanen Hakunin, der anscheinend jeden Realitätsbezug verloren hat, oder dem schon aus dem ersten Teil bekannten Harold - der erste Mutant.

Klick, Klick, Klick

Dabei braucht es aber ein bisschen Geduld und Durchhaltevermögen, denn wirklich zeitgemäß spielt sich Fallout 2 nicht mehr. Das ist wenig überraschend, denn - wie eingangs erwähnt - hat das Spiel schon ganze 20 Jahre auf dem Buckel. Die isometrische Perspektive und der 2D-Grafikstil wirken heute zwar schon wieder charmant, dass aber nahezu jede Aktion durch Mausklick ausgeführt wird, ermüdet auf Dauer.

Wüsstet ihr auf den ersten Blick, womit ihr interagieren könnt?Wüsstet ihr auf den ersten Blick, womit ihr interagieren könnt?

Dass die Atmosphäre sich nicht so stark entfaltet, wie in anderen Fallout-Teilen liegt wohl daran, dass nur ein Bruchteil der Dialoge vertont ist. Auch ein Problem, welches hauptsächlich dem Alter des Spiels geschuldet ist, jedoch ermüdet es schneller, die ganzen Textbeiträge zu lesen als diesen zu lauschen.

Auch ein paar andere moderne Annehmlichkeiten fehlen. So gibt es beispielsweise keine Schnellspeicher-Taste und die Funktionstasten sind standardmäßig doch ziemlich willkürlich belegt. Solltet ihr also noch nie ein Rollenspiel aus der Zeit vor dem Jahr 2000 gespielt haben, legt die Steuerung die Einstiegshürde doch relativ hoch.

Nach 20 Jahren zeitlos

Auch wenn man die genannten Punkte stark bemängeln kann, so tragen sie doch zum Charme des Spiels bei. Fallout 2 ist eindeutig ein Produkt seiner Zeit, deswegen aber auch zu Recht ein Klassiker und könnte heute als neues Indie- oder Retro-Spiel durchgehen.

Dass sich die Reihe so stark weiterentwickelt hat, wirkt sich deshalb auch nicht negativ auf Fallout 2 aus. Im Vergleich zu den Spielen ab Teil 3 sind diese zwar vom Rahmen und Szenario ähnlich, doch vom Spielprinzip sehr unterschiedlich. Fallout 3 beispielsweise macht also nichts besser als Fallout 2, sondern nur anders. Die Spiele bedienen komplett unterschiedliche Bedürfnisse.

Was allein die Rollenspielelemente angeht, muss sich Fallout 2 auch heute nicht verstecken. So könnt ihr vom Heiligen bis zum Tyrannen des Ödlands oder Darsteller in Erwachsenenfilmen alles werden. Darin steht der zweite Teil über allen anderen Teilen der Reihe.

Auch wenn Fallout 2 in die Jahre gekommen ist, verdient es immer noch einen Platz auf jeder To-Do-Liste. Das Spielgefühl, welches der zweite Teil liefert, kann nämlich keines der neueren Spiele einfangen. Nicht weil diese schlechter, sondern grundsätzlich anders sind. Doch auch wenn sich Fallout über die Jahre so stark verändert hat: Krieg - Krieg bleibt immer gleich.

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Tags: Abgestaubt  

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