Test Super Smash Bros. Ultimate: Der Name ist Programm

von Sergej Jurtaev (06. Dezember 2018)

In den letzten Monaten hat Nintendo seine prominente Maskottchenprügelei ausgiebig zelebriert. Nicht nur deswegen sind die Erwartungen immens. Der kühne Titelzusatz „Ultimate“ tut sein Übriges und suggeriert euch den neuen Serienprimus.

Kleiner Spoiler vorweg: Super Smash Bros. Ultimate ist das beste exklusive Switch-Spiel des Jahres. Das sagt aber nur bedingt etwas über die Qualität aus. Das Nintendo-Jahr 2018 war bisher recht unspektakulär und wurde von vielen Portierungen dominiert. Die „nur“ guten Pokémon – Let's Go, Pikachu und Let's Go, Evoli stellten bis dato die Höhepunkte dar.

Die Zeichen stehen aber gut, dass das neue Smash das schwache Nintendo-Jahr rettet, denn immerhin gibt es über 70 Kämpfer, die euch … nanu? Da stehen ja nur acht Charaktere zur Auswahl! Richtig. Die Kämpferriege ist zu Spielstart ganz nostalgisch auf die acht Maskottchen aus dem Originalspiel reduziert.

Nach und nach schaltet ihr immer neue Kämpfer frei. Das tut ihr, indem ihr den Klassisch- bzw. Abenteuermodus spielt oder euch in Smash-Partien austobt. Damit reagieren die Entwickler auf die Kritik der Fans, die in Super Smash Bros. for Wii U gerne mehr freispielbare Charaktere gehabt hätten.

Lucina und Chrom sind sogenannte „Echo-Kämpfer“. Ihr Kampfverhalten basiert auf anderen Charakteren.Lucina und Chrom sind sogenannte „Echo-Kämpfer“. Ihr Kampfverhalten basiert auf anderen Charakteren.

Leider ist es in Ultimate auch nicht optimal gelöst. Ihr schaltet neue Charaktere quasi am laufenden Band frei – ganz ohne Mühe. Das Freischaltsystem ist dadurch nicht motivierend und eigentlich überflüssig. Es kann sogar ziemlich nervig werden, wenn ihr euch z.B. direkt kompetitiv im Online-Multiplayer messen wollt, euch aber fast alle Kämpfer fehlen.

Die perfekte Rezeptur wird verfeinert

Der Gedanke ist aber an sich nicht verkehrt. Vor allem Neueinsteiger sollen nicht von der gigantischen Kämpferauswahl erschlagen werden. Stattdessen macht ihr euch nach und nach mit neuen Charakteren vertraut, lernt die Attacken und verinnerlicht die Eigenheiten des Kampfsystems. Die neuen Kämpfer wie King K. Rool, Simon Belmont oder Ridley fügen sich gut in die Kämperriege ein.

Apropos Kampfsystem: Das Grundgerüst ist wenig überraschend dasselbe geblieben. Ihr prügelt alles und jedem die Prozente um die Ohren. Je höher die Prozentanzeige ist, desto leichter wird es, den Gegner aus dem Bildschirm zu schleudern.

Dabei könnt ihr mannigfaltige Items zur Hilfe nehmen oder auch Pokémon bzw. andere Helfer in den Kampf schicken. Zahlreiche Einstellungen ermöglichen euch dabei, individuelle Smash-Regeln zu erstellen, um nach eurem Gusto zu kämpfen. Das Spielprinzip sorgt vor allem auf der Coach mit Freunden nach wie vor für einen Heidenspaß.

Nichtsdestotrotz gibt es einige kleine Änderungen, die Smash-Veteranen sofort auffallen werden. So könnt ihr z.B. Smash-Angriffe deutlich länger aufladen und halten. Wenn ihr in der Luft seid, ist das Ausweichen zur Seite möglich und durch gutes Timing verschafft euch der perfekte Block einen Vorteil. Erfreulich ist, dass Würfe nicht mehr so mächtig sind.

Das Spieltempo orientiert sich an dem "Wii U"-Ableger, die Inszenierung wirkt aber deutlich wuchtiger. Das klingt zwar alles marginal, sorgt aber für ein neues Spielgefühl, das zu gefallen weiß.

Im Klassisch-Modus geht es wieder klassisch zu

Eure erste Anlaufstelle wird garantiert der Klassisch-Modus sein, der im "Wii U"-Ableger aufgrund der kuriosen Neuerungen harsch kritisiert wurde. In Ultimate kehren die Entwickler nicht nur zu den Wurzeln zurück, sondern präsentieren euch den besten Klassisch-Modus der Reihe!

New Donk City aus Super Mario Odyssey ist eine der wenigen gänzlich neuen Stages.New Donk City aus Super Mario Odyssey ist eine der wenigen gänzlich neuen Stages.

Wie gewohnt müsst ihr sechs Kämpfe nacheinander überstehen. Je nachdem, wie gut ihr euch schlagt, steigen der Schwierigkeitsgrad und die Belohnungen. Neben einem Bonusspiel erwartet euch abschließend ein fordernder Bosskampf. Der allseits bekannten Meisterhand müsst ihr euch ebenso stellen wie etwa auch Dracula und Rathalos. Die Bosse verfügen über viele Angriffe, sind toll inszeniert und – abhängig vom Schwierigkeitsgrad – nicht selten nervenaufreibend schwer.

Das Beste am Klassisch-Modus ist, dass jeder Charakter seine eigene Route mit einem angepassten Thema hat. Bowser muss es zum Beispiel mit in Rot gekleideten Charakteren aufnehmen, während Pummeluff die alte N64-Riege herausfordert. In Erinnerung bleibt auch Ryus Kampagne, bei der ihr quasi Street Fighter 2 nachspielt. Dabei trefft ihr u.a. auf Little Mac oder einen grünen Donkey Kong, die Balrog bzw. Blanka mimen.

Ryus Kumpel Ken ist auch am Start!Ryus Kumpel Ken ist auch am Start!

Leider gibt es abseits des Klassisch-Modus, des Multi-Smash-Modus und des obligatorischen Trainings keine weiteren „kleinen“ Einzelspielermodi – es wurde sogar einiges gestrichen! Missionen, Zielscheiben-Smash und selbst der Home-Run-Wettkampf sind nicht vorhanden. Der Stage-Editor, mit dem ihr in den letzten Serienablegern eigene Arenen kreieren konntet, ist ebenfalls weg.

Endlich wieder ein Story-Modus?

Das Entwicklerteam um Masahiro Sakurai hat sich im Nachhinein vielleicht keinen Gefallen damit getan, als es in Super Smash Bros. Brawl einen umfangreichen und abwechslungsreichen Story-Modus (Subraum Emissär) eingebaut hat, der allein schon eine Stunde mit Zwischensequenzen füllen konnte.

Die Erwartungen der Fans sind seitdem hoch und wurden auf Wii U und 3DS enttäuscht, da es keine Story-Modi gab. In Ultimate soll der Abenteuermodus „Stern der irrenden Lichter“ die Lücke füllen. Serienschöpfer Masahiro Sakurai hat aber bereits bei der Ankündigung tiefgestapelt, um Enttäuschungen zu vermeiden. Demnach solle man keinen Subraum Emissär erwarten – es gehe mehr um Spaß als um Story.

Die Helden blicken ihrem Schicksal entgegen – nur einer kann entkommen.Die Helden blicken ihrem Schicksal entgegen – nur einer kann entkommen.

In „Stern der irrenden Lichter“ startet ihr als Kirby und erkundet eine große Oberwelt. Überall warten Geisterkämpfe mit besonderen Kniffen auf euch, die ihr gewinnen müsst, um Geister zu befreien und neue Kämpfer zu erwecken. Die befreiten Geister könnt ihr anschließend „ausrüsten“, um von Effekten zu profitieren.

Dabei gibt es drei Typen von Primärgeistern (rot, blau, grün), die sich nach dem „Schere, Stein, Papier“-Prinzip gegenseitig aushebeln. Der Primärgeist spiegelt eure Stärke wieder und steigt im Level auf. Darüber hinaus fügt ihr dem Primärgeist Sub-Geister hinzu, die euch mit weiteren Bonuseffekten ausstatten.

Der Schein trügt …

Die Idee dahinter ist, dass ihr euch immer passende Geister-Teams erstellt, um Herausforderungen besser zu meistern. Wenn die Kampfarena z.B. mit Lava bedeckt ist, benötigt ihr einen Geist, der euch immun gegen Feuerschaden macht. Kämpft ihr stattdessen gegen einen Metallgegner, solltet ihr einen Geist ausrüsten, der Bonusschaden gegen Metall austeilt.

Die Oberwelt ist zwar relativ starr, dafür aber hübsch gezeichnet.Die Oberwelt ist zwar relativ starr, dafür aber hübsch gezeichnet.

So deckt ihr immer mehr von der Karte auf, bestreitet neue Geisterkämpfe und entdeckt sogar manchmal Dungeons, die kleine Rätsel zu bieten haben. Die ersten ein bis zwei Stunden werdet ihr viel Spaß haben!

Nach der anfänglichen Euphorie deutet sich leider die große Schwäche an. Der Schwierigkeitsgrad ist sehr unausgewogen und macht den Abenteuermodus repetitiv, belanglos und langweilig. Die Geister leveln nämlich sehr schnell, sodass ihr bereits nach kurzer Spielzeit mehrere Geister auf Level 99 haben könnt. Anschließend ist der Großteil der Kämpfe ein Witz. Zum Release soll ein Patch einen neuen Schwierigkeitsgrad hinzufügen, der den Modus hoffentlich retten kann.

Nachtrag zum Online-Modus vom 10. Dezember 2018

Super Smash Bros. Ultimate wird garantiert eines der wichtigsten Spiele der Switch-Ära sein, wenn es um das Online-Erlebnis auf Nintendos Konsole geht. Und da ihr zum Spielen seit Neuestem eine „Switch Online“-Mitgliedschaft benötigt, wird der Online-Modus mit Argusaugen unter die Lupe genommen.

Zurecht, denn das Online-Angebot ist zum Zeitpunkt des Tests stark ausbaufähig! Dabei soll dem Spiel nicht einmal die Verbindungsstabilität zur Last fallen, die des Öfteren mit Bildeinbrüchen und Verzögerungen das Spielerlebnis schmälert. Das ist bei Online-Modi nichts Neues und lässt sich oft mit der schlechten Internetverbindung der Mitspieler begründen.

Mehr Kritik verdient das unzureichende Matchmaking. Wollt ihr eine Smash-Partie starten, habt ihr zwei Optionen: „Schnelles Spiel“ und „Kampfarenen“. Bei einem schnellen Spiel könnt ihr eure bevorzugten Einstellungen festlegen und dann direkt die Suche starten.

King K. Rool wurde von vielen Fans lange gewünscht!

Leider werdet ihr nicht immer in einen Kampf geworfen, der euren Einstellungen entspricht. Wenn euer Regelwunsch nicht erfüllt werden kann, werdet ihr anderen Kämpfen zugeteilt. Ihr erhaltet zuvor aber keine Benachrichtigung und könnt das Spiel nicht verlassen, da ihr dann mit einer Strafe rechnen müsst.

Wollt ihr zum Beispiel ein kompetitives Soloduell ohne Items bestreiten, kann es passieren, dass ihr in eine Item-überflutete Chaosrunde gesteckt werdet. Sobald sich das ein paarmal wiederholt, wird das einfach nur nervig. Es gibt eine Hintergrundsuche, die nach passenden Partien sucht, während ihr andere Sachen im Spiel erledigt – und selbst die funktioniert nicht immer.

Wenn ihr keine Lust auf die Regelwillkür habt, bleiben euch nur die Arenen. Hier könnt ihr quasi Lobbies mit euren Wunschregeln erstellen oder ihnen beitreten und euch mit bis zu acht Spielern messen. Eigentlich eine tolle Idee, da eure Gegner rotieren und ihr sogar die Kämpfe eurer Mitspieler beobachten könnt.

Das Problem hierbei ist, dass immer nur zwei Spieler in den Ring steigen können (1 gegen 1). Die restlichen Spieler müssen sich hinten anstellen und warten. Wenn die Arena voll ist, kann es dann auch bis zu 15 Minuten dauern, bis ihr wieder an der Reihe seid. Darüber hinaus wird die Arena geschlossen, sobald der Ersteller den Raum verlässt.

Der Online-Modus hat Potenzial, aber Nintendo muss hier deutlich nachbessern. Im aktuellen Zustand ist er ein Rückschritt zu Super Smash Bros. auf Wii U. Das haben bereits viele Spieler festgestellt und beschweren sich zurecht darüber.

Die Wertung spiegelt aktuell weiterhin nur das Offline-Erlebnis wider, da wir davon ausgehen, dass Änderungen im Online-Modus kommen. Somit wäre es problematisch, die Online-Probleme in die zuvor für den Singleplayer vergebene Wertung fließen zu lassen.

Fakten:

  • 75 Kämpfer mit Neulingen wie King K. Rool und Simon Belmont
  • über 100 Stages stehen zur Auswahl (jede Stage hat eine Omega- und Schlachtfeldversion)
  • sechs weitere Charaktere und fünf Stages sollen als DLC erscheinen
  • jeder Kämpfer hat im Klassisch-Modus eine eigene Route (auch im Koop spielbar)
  • bekannte Modi wie der Home-Run-Wettkampf oder Stage-Editor wurden gestrichen
  • Abenteuermodus bietet eine Spielzeit von 15–20 Stunden
  • Modus ist zu leicht und wird schnell eintönig
  • über 1.000 Geister können gesammelt werden
  • spielt mit bis zu acht Spielern im lokalen Multiplayer
  • viele Einstellungen für eigene Regeln und Spezial-Smash-Kämpfe
  • Online-Multiplayer ist vorhanden („Switch Online“-Mitgliedschaft wird benötigt)
  • GameCube-Controller wird unterstützt ("Wii U"-Adapter ist kompatibel)
  • Spiel läuft im Handheld-Modus flüssig und ist gut spielbar
  • amiibo-Figuren werden unterstützt
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Meinung von Sergej Jurtaev

Ich war bei der Ankündigung von Super Smash Bros. Ultimate etwas um die Eigenständigkeit des Spiels besorgt. Zwischen Melee, Brawl und dem "Wii U"-Ableger lagen immer knapp sieben Jahre – diesmal sind es nur vier. Dass der Zeitplan bei der Entwicklung von Ultimate deutlich straffer war, merkt man dem Spiel an. Das erklärt sicherlich den „Best of“-Charakter des Spiels, der sich darauf fokussiert, alle Charaktere und Stages der Serie in einem Spiel zu vereinen.

Und da kann eigentlich niemand meckern. Als Prügelspiel ist Super Smash Bros. Ultimate garantiert das beste der Reihe! Aufgrund der Maße an Kämpfern, Arenen, Musikstücken und Items bleibt das Spielerlebnis für eine sehr lange Zeit frisch und abwechslungsreich.

Die Qualität steht der Quantität dabei in nichts nach: Alle Charaktere sind toll animiert und besitzen einzigartige Angriffe, die Arenen sind schön designt und wandelbar, die Bildrate ist butterweich und die Steuerung ist auf den Punkt.

Mir persönlich reicht das aber nicht ganz zum ultimativen Smash. Das liegt vor allem am misslungenen Abenteuermodus, der die Einzelspielererfahrung stark trübt. Deshalb bleibt Super Smash Bros. Ultimate für mich ein reines Multiplayerspiel, dafür aber ein richtig gutes!

Nachtrag zum Online-Modus:

Mehrspieler-Partychaos mit Frust, Geschrei und Gelächter wird für mich auf der Couch mit Freunden zelebriert. In Online-Kämpfen will ich mich deshalb ausschließlich mit starken Gegnern im "1 gegen 1" messen. Leider werde ich sehr oft gegen meinen Willen in Item-Kämpfe geworfen, die ich nicht abbrechen darf. Die Alternative sind Arenakämpfe, bei denen ich minutenlang warten muss, bis ich endlich an der Reihe bin.

Das darf nicht sein! Hier muss Nintendo schnell mit Updates nachbessern. Ich gehe davon aus, dass Nintendo alsbald reagieren wird, weshalb die Online-Probleme vorerst keinen Einfluss auf die Wertung haben sollen.

Hat euch dieser Artikel gefallen? Oder habt ihr Anregungen, Kritik, Verbesserungsvorschläge? Lasst es uns gerne wissen! Schreibt uns eine Mail an redaktion@spieletipps.de und verratet unserer Redaktion eure Meinung.

90 Spieletipps-Award

meint: Grandioses "Best of Smash", das mit bunten Prügeleien für unzählige Stunden Spielspaß sorgt und lange frisch bleibt. Abenteuer- und Online-Modus mit Defiziten.

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Tags: Multiplayer  

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