Tetris: 3 Dinge übers Leben beim Klötzchenspielen gelernt

(Kolumne)

von Michael Sonntag (03. Dezember 2018)

Tetris ist nicht nur ein Urgestein des Gaming und ein netter Zeitvertreib, sondern auch ein weiser Lehrmeister. Es hat mir nicht nur beigebracht, Blöcke zu verschieben, sondern mir dabei auch drei der wichtigsten Lektionen fürs Spielen und Leben allgemein mit auf den Weg gegeben.

Von Videospielen lernen. Das ist so eine Sache. Freilich soll das Medium in erster Linie unterhalten und nicht lehren. Dennoch kann es vorkommen, dass man aus einem guten Spiel - und auf ganz andere Art und Weise auch aus einem schlechten Spiel - etwas mitnimmt. Dass man etwas über sich selbst lernt, etwas fürs Leben lernt, oder auch einfach nur unnützes Wissen anhäuft, das man dann nie wieder aus dem Hirn bekommt. In dieser Reihe wollen wir euch von unseren Erfahrungen berichten, die wir während des Spielens gemacht haben. Von lebensverändernden Weisheiten bis zu erspieltem Blödsinn kann alles dabei sein.

Alle Artikel dieser Reihe findet ihr hier.

1. Konzentration

Wer Tetris halbherzig oder nebenbei spielt, verliert schnell. Das Ziel ist klar: Hier geht es nicht darum, der Fahrstuhlmusik zu lauschen oder die schönsten Bauwerke zu konstruieren, sondern vollständige Reihen zu bilden. Sobald die Blöcke kommen, müssen sie schnell, präzise und vorausschauend platziert werden. Dabei muss auch die zunehmende Geschwindigkeit berücksichtigt werden, mit der die Steine herunterkommen.

Wer währenddessen mit jemandem quatscht, vom Bildschirm wegschaut oder sich fragt, wie ein achter Tetris-Stein aussehen könnte, muss sich über seine schnelle Niederlage nicht wundern. Das Spiel ist knallhart, es bietet keinen Welpenschutz, berücksichtigt keine Sonderwünsche und lässt mich auch keinen Stein wiederzurücknehmen. Wenn ich bei Tetris Erfolg haben möchte, muss ich mich voll reinhängen und mich ganz darauf konzentrieren - wie auch bei den meisten anderen Dingen im Leben.

2. Organisation

Wie viel Einfluss Tetris wirklich auf mein Leben hat, merke ich auch immer dann, wenn ich beispielweise einen Koffer für den Urlaub packe oder die Weihnachtsdekoration wieder verstaue. Hierbei geht es aber nicht nur um Platz sparen, sondern um ein viel allgemeineres Prinzip: Die Lösung liegt nicht immer klar vor Augen, sie erfordert Planung, unterschiedliche Perspektiven und manchmal auch etwas Glück.

Ähnlich wie das Leben selbst liefert mir Tetris nämlich nicht immer nur Geraden und Würfel, sondern oft auch Steine, die überhaupt nicht zusammenpassen oder meinen bisherigen Aufbau eigentlich nur ruinieren können. Anstatt zu verzweifeln und neuzustarten, muss abgewogen, umgedacht und eine Entscheidung gefällt werden.

Vielleicht ist das Problem mit dem nächsten Stein bereits gelöst, vielleicht muss ich mich aber auch auf kritischere Zeiten einstellen. Hierfür unterteile ich das Spielgebiet in mehrere Zonen: Die, die problematisch sind und die, die dafür gedacht sind, das Chaos zu entschlacken und mich schnell wieder in die richtige Spur zu bringen. Es ist immer wieder überraschend, wie komplex dieses simple Blöckchenspiel ist.

Das neueste Tetris vereint bunte VR-Welten mit Musik:

3. Motivation

Und in aussichtslosen Situationen, in denen die Steinformationen bis zur Spitze ragen und die Luft immer dünner wird, vermag es Tetris, mir letzte geheime Kapazitäten zu entlocken. Ein lautes „Nein!“ schallt in meinem Kopf und ich kann plötzlich dreimal so schnell Steine platzieren und drehen. Dann wird gar nicht mehr auf Ästhetik geachtet, sondern darauf, dass die Reihe um jeden Preis vervollständigt wird. So kämpfe ich mich Linie für Linie nach unten, weg von der drohenden Niederlage.

Und selbst wenn ich verlieren sollte, steige ich mit umso mehr Energie ins nächste Spiel ein und halte mir währenddessen selbst Motivationsreden, dass kein Stein und keine Geschwindigkeit mich verunsichern oder von meinem Ziel abhalten können. Partie für Partie wächst somit mein Erfahrungsschatz, wodurch ich auch immer mehr Situationen managen kann. All diese Entwicklungen sind nicht immer direkt präsent, aber sie fallen nach einigem Tetris-Konsum auf.

Zu den möglichen Nebenwirkungen gehört allerdings, dass ich sämtliche Objekte in der Welt zusammenschieben will. Aber das ist es mir wert.

Tetris ist ein Spiel, das sicherlich jeder von euch kennt – egal wie alt ihr seid. Ist euch denn bewusst gewesen, welche Lebensweisheiten sich aus diesem vermeintlich simplen Spielchen ziehen lassen? Schreibt uns Kommentare, in denen ihr von den wertvollsten Lektionen aus Tetris berichtet!

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Tags: Retro  

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