Vorschau Resident Evil 2: Vier Stunden Panik, Tod und Überraschungen

von René Wiesenthal (05. Dezember 2018)

Capcom hat uns ein weiteres Mal das heiß ersehnte Remake zu Resident Evil 2 zocken lassen. Und zwar so ausgiebig wie nie zuvor. Nach knapp vier Stunden Spielzeit sind wir guter Dinge: Resi 2 könnte den Zombie-Horror zurückbringen, wie ihn echte Zombie-Fans lange vermisst haben.

Mit Resident Evil 7 ist Capcom ordentlich auf die Bremse gegangen: Reduziertes Setting, reduzierte Farben, reduzierte Action. Dafür mehr vom ursprünglichen Reiz der Reihe – beinharter Survival-Horror. Fans und Presse haben das mit Lob quittiert, Capcom die Signale erkannt.

Auch diesmal wieder dabei: Die fiesen Licker

Und so setzt sich auch die Rezeptur fürs "Resident Evil 2"-Remake aus den klassischen Komponenten zusammen: Mäßige Geschwindigkeit, bedrückende Stimmung, bedrohliche Gegner und Kombinationsrätsel. Der Unterschied zu Teil 7: Ihr habt es endlich wieder mit waschechten Zombies zu tun. Und diese funktionieren nicht nur erzählerisch, sondern auch spielerisch so, wie sich Zombie-Fans ein solches Szenario wünschen.

Lieber ein kaputtes Knie als Matsch im Kopf

Wir betreten beim Termin viele ganz neue Spielabschnitte. Unter anderem einen mit Ada Wong, die überraschend Leon ablöst, nachdem er eine Kugel in die Schulter kassiert hat. Wir geraten zusammen mit der Dame ganz schön ins Schwitzen. Denn es herrscht akute Munitionsknappheit und wir müssen Rätsel lösen, während wir von Zombies umstellt sind.

Mit diesem Gerät findet Ada Stromquellen hinter Wänden.Mit diesem Gerät findet Ada Stromquellen hinter Wänden.

Zum Beispiel verfolgen wir mit einem Tracker Stromkabel im Boden, um einen Generator in Gang zu setzen. Nachdem der Versuch, alle Gegner wegzuballern, nur zum Tod führt, lernen wir: Resident Evil 2 ist klassischer Survival-Horror. Es ist nicht nur legitim, sondern manchmal auch zwingend erforderlich, Gegnern einfach aus dem Weg zu gehen und vor ihnen zu flüchten. Um Munition zu sparen, schießen wir ihnen statt in den Kopf in die Knie und verlangsamen sie damit erheblich. Vor angeschlagener Gesundheit humpelnd bewältigen wir den Abschnitt.

Alte "Freunde" in neuem Schmutz

Ada wird irgendwann ohnmächtig und so wechseln wir wieder zu Leon, der ihr aus der Patsche helfen muss. Dabei treffen wir einen alten „Freund“ wieder, den wir mal so gar nicht vermisst haben: Den gigantischen Alligator, der in der Kanalisation von Raccoon City sein Unwesen treibt. Die Begegnung ist nervenaufreibend und ordentlich eklig. Wir waten durch hüfthohes Abwasser, während uns das widerliche Biest auf die Pelle rückt.

Und auch ein anderer Kollege, den wir bereits aus dem Original kennen, hat einen Auftritt, auf den wir schon lange zitternd gewartet haben: Mister X - oder aber Tyrant, wie er im Remake genannt wird. Wir haben die Ehre, als wir mit Claire in die Polizeistation gelangen, die nicht nur voller Kombinationsrätsel steckt, sondern auch vor Zombies und Lickern nur so wimmelt.

"Hast du mich vermisst?" - Geht so."Hast du mich vermisst?" - Geht so.

Der Levelaufbau wird hier schlagartig offener, wir müssen alle Räume durchkämmen, Gegenstände sammeln und an ihren vorgesehenen Platz bringen. Der Tyrant ist uns dabei jederzeit dicht auf den Fersen. Spätestens hier ist nicht nur Sparsamkeit geboten, sondern auch schnelles Denken, Geschick und vor allem ein dickes Fell. Seht ihr den Tyrant während eines Schieberätselns auf euch zustapfen, breitet sich ganz schnell Panik aus.

"Schon mal was von Umbrella gehört?"

Wie ihr vermutlich bereits wisst, erzählt die Neuauflage im Kern die gleiche Geschichte wie die Vorlage von 1998. Jedoch nicht ohne variierte oder sogar ganz neue Aspekte – wie eben den Part mit Ada Wong. Spannend ist aber nicht nur das "Was", sondern auch das "Wie".

Annette Birkin möchte Ada Wong gern loswerden. Mit allen Mitteln.Annette Birkin möchte Ada Wong gern loswerden. Mit allen Mitteln.

Dass die Dialoge zugänglicher sind, weil sie realistischer, natürlicher, weniger steif daherkommen, wussten wir bereits. Als Leon eine kurze Zeit von Ada Wong durch die Spielwelt begleitet wird, die ihm beim Laufen Hintergründe zum Umbrella-Konzern offenbart, zeigt sich aber eine neue erzählerische Dynamik, die es noch angenehmer macht, das Bekannte ein weiteres Mal zu erleben. Wir sind gespannt darauf, wie der vollkommen neue Abschnitt sich spielt, in dem wir die Kontrolle über Sherry Birkin übernehmen. Da der erst am Ende unserer Session angedeutet wird, können wir hierzu noch nicht viel sagen.

Augen auf beim Spießrutenlauf

Was wir aber sagen können, ist, dass es in Resi 2 allerlei Fundstücke gibt. Zwar sind Ressourcen wie erwähnt vergleichsweise knapp und euer Inventar ebenso knapp bemessen. Aber optionale Items wie Verbrauchsgegenstände und sogar neue Waffen lassen sich zuhauf finden. Zumindest für aufmerksame Spieler, die eifrig untersuchen und richtig kombinieren. Ihr findet beispielsweise eine gelbe Box. Untersucht ihr sie im Menü, könnt ihr sie öffnen und einen Autoschlüssel herausholen. Ein Zettel in der Nähe gibt euch den Hinweis, dass er den Kofferraum eines Polizeiautos öffnen kann. Also zurück ins Parkhaus, im Menü die Taste für die Entriegelung betätigt, und schon habt ihr eine halbautomatische Pistole.

Aber nicht nur beim Finden von Goodies müsst ihr die Augen aufbehalten. Der Abschnitt im Polizeirevier wurde nach dem Verballern der allerletzten Patrone durch die Weitläufigkeit der Räume und die Fülle an Gegnern zum echten Spießrutenlauf. Wir mussten ständig um Gegner herumspurten und auf nahende Bedrohungen achten. Durch eine fehlende Ausweichmechanik geraten wir oft in Angriffsanimationen von Zombies, die wir nur dann abwehren können, wenn wir ein Messer oder eine Granate parat haben. Das wird vor allem dann beschwerlich, wenn sie in engen Gängen herumstehen, in denen das unumgänglich ist. Hier fehlt eine probate Umgehungsmechanik, die dem Survival-Fokus gerecht wird.

Überfordert? Wir würden diesen Leutchen gern aus dem Weg gehen.Überfordert? Wir würden diesen Leutchen gern aus dem Weg gehen.

Was ebenso störend auffällt, sind Zombies, die scheinbar unsterblich sind. Ein paar der Untoten saugen Kugeln in den Kopf wie Schwämme auf, gehen ab und an zu Boden, stehen aber immer wieder auf. Wieder anderen platzt der Schädel bei nur einem Kopftreffer. Der Eindruck beschleicht uns, dass manche Zombies als permanente Hindernisse vorgesehen sind, was etwas unfair wäre. Wir werden sehen, ob sich das dann im fertigen Spiel bestätigt.

Meinung von René Wiesenthal

Der wahre Zombie-Horror ist zurück. Zumindest hat es sich so in den vier Stunden Spielzeit mit Resident Evil 2 für mich angefühlt. Ständig mache ich mir Gedanken über die Bestückung meines Inventars, ständig wäge ich ab, ob ich lieber das Heilkraut oder die Patronenschachtel mitnehme. Und jeder Gegner ist eine potenzielle Lebensgefahr. Vergessen ist der Action-Klamauk von Resi 6, das „Resident Evil 2“-Remake bietet offenbar genau die Mischung aus Klassisch und Modern, die Fans von einem Remake erwarten. Und verleiht der Geschichte durch neue Erzählmöglichkeiten zusätzliche Tiefe.

So gibt es beispielsweise eine Filmsequenz, in der ich mit dem Einzelschicksal eines verzweifelten Bewohners von Raccoon City konfrontiert bin. Hier wurde einmal alles außen vorgelassen, was gruselig, eklig und imposant ist und sich darauf fokussiert, was den Zombie-Mythos auch nach vielen Jahren in der Pop-Landschaft zu einem Dauerbrenner macht: Der Umgang von Individuen mit dem Einbruch der Gesellschaft und dem zunehmenden Verfall ihrer Liebsten. Bitte mehr davon im fertigen Spiel!

Allerdings zeigt Resi 2 nach der längeren Anspielzeit auch erstmals ein paar Schwachstellen, von denen ich gern weniger gehabt hätte. Dazu gehört das Fehlen einer anständigen Ausweich- oder Umgehungsmechanik sowie das nicht wirklich nachvollziehbare Durchhaltevermögen einzelner Zombies.

Der Schwierigkeitsgrad des Spiels zwang mich am Ende, Hilfe von den anwesenden Capcom-Mitarbeitern zu ersuchen, die mir und anderen Anwesenden Pressevertretern Hinweise gaben, was wir wo tun sollten. Das Spiel wird auch mit zuvorkommenden Speicherpunkten und einzelnen Checkpoints kein Zuckerschlecken. Selbst damit war die Tour de Force mit Mister X ordentlich fordernd und ich am Ende stolz und froh, die Demo gemeistert zu haben. Das panische Schreien und Wimmern der Spielenden (inklusive mir selbst) bei der Hetzjagd durch die Polizeistation war dabei eine wahre Freude. Und genau das, was ich von einem Resident Evil erwarte.

Hat euch dieser Artikel gefallen? Oder habt ihr Anregungen, Kritik, Verbesserungsvorschläge? Lasst es uns gerne wissen! Schreibt uns eine Mail an redaktion@spieletipps.de und verratet unserer Redaktion eure Meinung.

Tags: Singleplayer   Horror   Remake  

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