Dieser eine Moment: Als ich in Bloodborne sämtliche Hoffnung verlor

(Kolumne)

von Stefan Wirth (06. Dezember 2018)

Es gibt viele Elemente in Bloodborne, die den Spielern die Hoffnung nehmen können. Sein es die beinharten Kämpfe, die ständige Hochspannung, die Fallen oder die unglaublich starken Bosse – all dies kann Spieler dazu treiben, aufzugeben. Die Geschichte hingegen wird so unterschwellig und unaufdringlich erzählt, dass diese an vielen Spielern vorbeigeht. Mich hingegen hat diese am stärksten mitgenommen. Achtung: im Folgenden werden Teile der Geschichte gespoilert.

Oft ist es nicht bloß die tolle Grafik, die spannende Geschichte oder der sympathische Hauptcharakter, der Spielern noch Jahre nach dem Genuss eines Abenteuers im Gedächtnis bleibt. Solche Erinnerungen drehen sich häufig um einen kurzen Moment. Einen besonderen Moment. >>Diesen einen Moment!<< Dem widmen wir diese Artikel-Serie und beschreiben aus unserer persönlichen Sicht, was diesen Moment so besonders und unvergesslich macht.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Die verlorene Stadt

Yharnam - eine Stadt gezeichnet von Verfall und Tod. An diesem gottlosen Ort fand ich mich wieder - aber nicht zu irgendeinem beliebigen Zeitpunkt, sondern in einer Nacht der Jagd. In den Straßen wimmelte es nur so von Bestien und meine Aufgabe als Jäger war es, diesen den Garaus zu machen. Dieses Vorhaben allein schien schon hoffnungslos, denn die Bestien kehrten immer wieder zurück - egal we oft ich sie besiegte.

Von so etwas ließ ich mich jedoch nicht entmutigen. Schließlich kannte ich schon die Souls-Spiele, wusste, dass mich kein leichtes Abenteuer erwartet und so kämpfte ich mich weiter durch die verfluchte Stadt mit dem Wissen, dass mich irgendwo ein Hoffnungsschimmer erwarten wird. Schließlich kam ich zur ersten Markierung, an der ich einen Begleiter beschwören konnte - einen weiteren Jäger, der den Namen Pater Gascoigne trug.

Pater Gascoigne - der erste Jäger, dem ihr in Bloodborne begegnet.Pater Gascoigne - der erste Jäger, dem ihr in Bloodborne begegnet.

Ein Lichtblick – so war ich in dieser gottlosen Welt doch endlich nicht mehr alleine. Zusammen stellten wir uns der ersten großen Herausforderung des Spiels, dem Kleriker-Biest, und waren nach hartem Kampf auch siegreich. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl eines kleinen Erfolgs und freute mich, dass ich mit Gascoignes Hilfe diese trostlose Welt zumindest ein kleines Stück besser machen konnte.

Ein Mädchen auf der Suche

Doch meine Freude hielt nicht lang an. So traf ich doch recht bald auf ein ängstliches Mädchen, dass auf der Suche nach seiner Mutter war. Diese war gegangen, um den Vater, der von seiner letzten Jagd nie zurückkam, zu finden. Als Hinweis erhielt ich, dass ich nach einer Frau mit einer Brosche, die ein rotes Juwel ziert, Ausschau halten soll.

Das Mädchen gab mir zum Abschied eine kleine Spieluhr mit und so begann ich meine Suche nach dessen Eltern, die mir aber zunächst aussichtslos schien. So kam ich schließlich zum Oedon Grab und begegnete dem zweiten Boss. Pater Gascoigne, der Jäger, der mich im letzten Kampf noch unterstützt hatte, stand mir dieses Mal nicht zur Seite, denn er war mein Gegner an diesem schicksalhaften Ort. Er selbst wurde zu dem, was er einst bekämpft hatte - einer Bestie.

Der Kampf war lang und schwer. Der Jäger ging wie von Sinnen auf mich los, doch als ich die Spieluhr des kleinen Mädchens erklingen ließ hielt er inne und brach jammernd zusammen. Das machte ihn für kurze Zeit angreifbar, doch verwandelte er sich kurz danach auch äußerlich in eine Bestie und wurde noch stärker und schneller. Schlussendlich gelang es mir aber doch den verdorbenen Jäger zu besiegen. Das Gefühl, die Welt verbessert zu haben, kam jedoch dieses Mal nicht auf - lag mir da zu Füßen doch ein Mann, der einst dasselbe hehre Ziel hatte wie ich.

Der Beginn einer Tragödie

Die Ruhe nach dem Kampf nutzte ich, um mich auf dem Friedhof umzusehen. Da sah ich sie - der Leichnam einer Frau, geziert von zierte eine Brosche mit einem roten Edelstein. Sie war die Mutter des Mädchens und getötet wurde sie von ihrem eigenen Mann, dem Vater des Mädchens, Pater Gascoigne.

Die Frau mit dem roten Juwel:

Niedergeschlagen kehrte ich zu dem Mädchen zurück. Erwartungsvoll fragte sich mich, ob ich fündig geworden bin, doch konnte ich mich nicht überwinden ihr die schlechten Neuigkeiten mitzuteilen. Aber ich kannte einen Ort, an dem es sicher zu sein schien und so schickte ich sie zur Oedon Kapelle.

Ich setzte meinen Weg fort und traf in einer Kanalisation auf ein abscheuliches Wildschwein, das sich dort eingenistet hatte. Nach einem harten Kampf erhielt ich zur Belohnung eine rote Schleife.

Der blutrote Mond

Stundenlang zog ich weiter durch diese schreckliche Welt, besiegte eine Vielzahl an Gegnern und kämpfte schlussendlich gegen Rom die Spinne, die ein Netz über diese Welt gelegt hatte, damit die Bewohner Yharnams den wahren Schrecken, der in der Stadt lauert, nicht erkannten. Als ich sie dann endlich besiegte ging der rote Mond auf und ich begann zu hinterfragen, ob das was ich tat, wirklich richtig war.

Der Mond färbte sich rot und Yharnam offenbarte seine wahren Schrecken.Der Mond färbte sich rot und Yharnam offenbarte seine wahren Schrecken.

Zentral-Yharnam, der Ort wo einst meine Reise begann, hatte sich deshalb stark verändert. Das Mädchen, das ich vor so langer Zeit in die sichere Kapelle schickte, war dort noch immer nicht angekommen. Also machte ich mich auf den Weg zu ihrem Haus. Doch auch dort war sie nicht, aber jemand anderes - ihre Schwester.

Diese fragte mich, ob ich ein Mädchen mit einer weißen Schleife gesehen hätte. Nein, aber eine rote Schleife hatte ich beim Wildschwein in der Kanalisation gefunden - vom Blut verfärbt, wie mir nun klar wurde.

Die wahre Natur der Welt

Hätte ich der Schwester die Schleife vielleicht doch nicht zeigen sollen? Diese Frage stelle ich mir noch immer. Als ich nach einiger Zeit noch einmal den Turm in Yharnam aufsuchte, fand ich an dessen Fuß nur eine weitere Leiche und daran eine weiße Schleife. Das Mädchen hatte Suizid begangen.

In diesem einen Moment wurde mir bewusst, dass mein Handeln keinen Sinn hatte. Egal wie sehr ich es versuchen würde, wie sehr ich mir auch Mühe gebe - für diese Welt würde es kein glückliches Ende geben. Meine Illusion eines Happy Ends zerriss wie der Schleier, den Rom die Spinne über die Stadt Yharnam gesponnen hatte.

Diese Welt wurde seit dem Start meiner Reise nur noch furchtbarer. Wie sollte ich denn eine ganze Stadt retten, wenn ich nicht einmal diese Familie vor dem Untergang bewahren konnte? Ich schaltete die Konsole aus und es sollte eine Weile dauern, bis ich Bloodborne wieder anrührte. Erst musste ich akzeptieren, dass ich nicht der strahlende Held dieser Geschichte war.

Diese Mädchen waren optionale Spielelemente, andere Spieler sind ihnen vielleicht nicht einmal begegnet. Erst durch meine Bemühungen ihnen zu helfen, habe ich sie ins Verderben gestürzt. Ergab es überhaupt Sinn, Yharnam retten zu wollen? Noch nie hatte mich ein Spiel dazu gebracht, mein Handeln so zu betrachten.

Wenn ich es mit den Dämonen dieser Welt aufnehmen wollte, konnte ich froh sein, wenn ich dabei meinen eigenen Verstand nicht verlor. Doch das Vorhaben Yharnam und dessen Bewohner zu retten, war hoffnungslos - deren Schicksal wurde nämlich schon vor langer Zeit besiegelt.

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Tags: Dieser eine Moment   Singleplayer  

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