Red Dead Online: Zwischenfazit nach einer Woche Wild-West-Wahnsinn

(Special)

von René Wiesenthal (09. Dezember 2018)

Seit etwas mehr als einer Woche dürfen alle Besitzer von Red Dead Redemption 2 die Beta des Multiplayer-Modus' namens Red Dead Online spielen. Aus den Reaktionen der Community und unseren eigenen Erfahrungen ziehen wir heute ein Zwischenfazit.

Letzten Dienstag startete für uns die Beta zu Red Dead Online. So wie für andere Besitzer der Ultimate Edition von Red Dead Redemption 2. Am vergangenen Freitag wurde der Modus dann endgültig für alle RDR2-Spieler geöffnet und erwartungsgemäß wird er seitdem heiß diskutiert.

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Unfairer Vorsprung?

Was unter anderem bei unseren Lesern schon für die ersten hitzigen Debatten gesorgt hat, war genau diese Veröffentlichungspolitik von Red Dead Online. Der Zugang wurde gestaffelt, damit – wie Rockstar Games sagt – eine Server-Überlastung am Starttag vermieden werden konnte. Besitzer der Ultimate Edition freuten sich sehr, wiederum andere Spieler sahen sich einem unfairen Nachteil ausgesetzt. Die Essenz ihrer Aussagen: Man habe sich mit mehr ausgebebenem Geld einen früheren Zugang erkaufen können. Da das allerdings kein Verkaufsversprechen war, das im Vorfeld gegeben wurde, ist dieser Vorwurf schwer haltbar.

Technik, die (meist) begeistert

Zumal es ganz grundsätzlich eine gute Idee von Rockstar Games war, gestaffelte Zugänge zu wählen. Die Performance von Red Dead Online ist – vor allem für eine Beta – seit Tag 1 erstaunlich stabil. Was die Technik angeht, gibt es wenig zu meckern. Das Match-Making in den kurzen Serien dauert manchmal zwar etwas lange und die Ladezeiten bei der Rückkehr ins Free-Roaming sind ebenfalls nicht ohne. Übermäßig häufige Lags oder krasse Bugs sind aber nicht zu beobachten. Nur Server-Ausfälle nerven derweil ab und an. Außerdem einige Glitches, die Nutzern bereits zum Spielverderber wurden. Die hat Rockstar, wie auch anderes Feedback, immer im Blick, um nachzubessern.

Nicht alles ist "schön"

Optisch steht das Spiel dem Singleplayer in nichts nach, seid ihr doch in der gleichen Spielwelt unterwegs, wie im Story-Modus. Wo Spielwelt und Technik trumpfen, gibt es allerdings ein paar Stellen, die von Spielern als hässlich bezeichnet werden. Genauer gesagt sind es Stellen in den Gesichtern von erstellbaren Figuren.

Nun liegt Schönheit gewissermaßen im Auge des Betrachters und ist auch kein Merkmal, das in einem "Wild West"-Abenteuer zwingend erforderlich ist. Jedoch kamen in Foren und bei Twitter oftmals kritische Stimmen auf, dass der Character-Creator nur zulasse, unförmige Gesichter zu kreieren.

Wir finden: Mit ein bisschen Mühe lassen sich durchaus ansehnliche Figuren erstellen. Ein bisschen mehr Tiefe könnte Rockstar Games dem Editor aber tatsächlich verleihen. Auch eine Funktion für nachträgliche Veränderungen wäre schön.

Die Story außerhalb der Story

Auch Red Dead Online bietet eine Handlung. Die ist ebenso schick inszeniert und synchronisiert wie die Story-Kampagne im Singleplayer, zeugt dementsprechend von viel Arbeit. Wie wir und andere Spieler allerdings schon feststellen mussten, ist die Anzahl der Missionen derzeit noch recht knapp. Außerdem lassen sich die Missionen übers Menü momentan nur per Zufallsauswahl ansteuern.

Wollt ihr eine von ihnen gezielt erledigen, müsst ihr wie im Singleplayer zum Missions-Marker reiten, wobei ihr nicht selten von anderen Spielern über den Haufen geschossen werdet. Komfortabler wäre es hier, dass sich alle Missionen gezielt übers Menü anwählen lassen. Aber: Dafür ist es eben auch der Online-Modus und nicht der Story-Modus. Dass die Missionen überhaupt in eine kleine aber feine Handlung eingebettet sind, ist löblich. Zumal die in der Gruppe ziemlich launig sind.

A Match made in Blackwater

Was die Matches betrifft, gibt es geteilte Meinungen. Das Gameplay in Schießereien sowie die Bewegungs- und Kamerakontrolle machen die PvP-Kämpfe zu einem oft etwas holprigem Unterfangen – verglichen mit Online-Spielen, die genau auf solche Mechaniken ausgelegt sind. Vor allem in Hostile Territory lassen sich nichts desto trotz spannende Gefechte austragen und auch die "Death Match"-Modi können selbst für Spieler, die Probleme mit der Steuerung haben, dank Zielhilfe kurzzeitig motivierend sein.

Allerdings fehlt es der Match-Auswahl bisher noch etwas an Abwechslung und Feinschliff. Der vermeintliche "Battle Royale"-Modus Make it Count ist oft von Glück bestimmt und wird in Serien zur Geduldsprobe für diejenigen, die frühzeitig ausscheiden und bis zum Ende zugucken müssen. Die Pferderennen bieten wegen der unspektakulären Reitmechanik bis dato den geringsten Reiz. Schade ist außerdem, dass es noch keine Funktion gibt, gezielt einzelne Match-Typen anzuwählen, so dass man in Serien dem Zufall überlassen muss, welcher Match-Typ als nächstes dran ist.

Es ist davon auszugehen, dass Rockstar Games in Sachen Umfang noch nachliefern wird. So dass Matches, Story-Missionen und auch die Free-Roam-Missionen abwechslungsreicher werden. Red Dead Online steht hier gerade noch am Anfang und macht trotz Verbesserungswünschen schon eine gute Figur.

Ein Königreich für Dosenbohnen

Der bisher größte Kritikpunkt seitens der Nutzerschaft ist wohl das Wirtschaftssystem im Spiel. Unmut breitete sich aus, nachdem Spieler feststellten, dass Bohnen mehr wert sind als Goldringe. Generell ist es schwer, an Geld im Spiel zu kommen, was in Kombination mit den Mikrotransaktionen Befürchtungen aufkommen ließ, hier könnte sich ein Pay2Win-Modell einschleichen.

Allerdings arbeitet Rockstar Games derzeit noch an der Balance des Systems und hat direkt auf das negative Feedback reagiert. In einer Meldung auf der offiziellen Seite wurden Updates wie höhere Gold-Belohnungen, Preisreduzierungen und sogar Kompensationen verkündet. Letzteres in Form von "In Game"-Geschenken, die Spieler erhalten konnten, die bis Freitagmorgen um 9 Uhr die Beta gespielt hatten.

Rockstar Games sammelt seit dem Start der Beta fleißig Feedback und verspricht, den Online-Modus weiterhin anzupassen, zu verbessern, zu erweitern. Auch ihr könnt dem Entwickler eure Verbesserungswünsche rückmelden.

Für eine kostenlose Multiplayer-Erweiterung eines solch gigantischen Spiels ist Red Dead Online aber schon seit Launch der Beta eine sehr ordentliche Dreingabe. Wie und ob Rockstar Games allerdings Langzeitmotivation gewährleisten wird, bleibt spannend. Was bereits versprochen ist: Der Fortschritt, den ihr jetzt in der Beta macht, soll für den endgültigen Rollout beibehalten werden.

Meinung von René Wiesenthal

Eines vorweg: Ich möchte im Grunde gar nicht wirklich etwas an Red Dead Online aussetzen. Denn das, was Rockstar Games uns da spendiert, ist eine kostenlose Dreingabe zu einem ohnehin schon großartigen Spiel. Noch dazu derzeit in der Beta-Phase, die trotz dieses Umstands mit viel Mühe gefertigt wurde und (zumindest aus meiner Erfahrung) meistens stabil läuft. Deswegen ist die Kritik, die ich daran habe, als milde zu verstehen und eher als Wunschdenken. Doch bevor ich überhaupt Kritik ausführe, erstmal dazu, was mir den meisten Spaß an RD Online bereitet:

Das sind vor allem die Missionen und das freie Stromern zusammen mit Freunden. Das Szenario und die lebendige und dynamische Welt machen zusammen einen Heidenspaß. Der Chaos-Faktor beim totalen Eskalieren reicht zwar nicht an den von GTA Online heran, aber es lässt sich in der Gruppe jede Menge lustiger Unsinn anstellen. Wir sind beim Spielen wie angestochen auf Pferdekutschen durch die Stadt gerast, haben Leute, die uns blöd anguckten an Alligatoren verfüttert, uns gegenseitig mit dem Lasso durch die Prärie gejagt. Es wurde sehr viel gelacht.

Wo Red Dead Online meiner Meinung nach hinkt, ist im Grunde der gleiche Punkt, wie im Singleplayer: die Steuerung. Und da die bei kompetitiven Spielen nun mal essenziell ist, muss ich feststellen: RDR2 ist einfach nicht so recht für Mehrspieler-Matches gemacht.

Was nicht heißt, dass ich an den spielbaren Modi nicht dennoch eine Zeitlang meine Freude haben kann. Durch die fehlende Möglichkeit, gezielt Matches und Maps auszuwählen sowie die bisher noch eher geringe Auswahl, fehlt mir allerdings etwas die Motivation, viele Stunden am Stück zu spielen.

Was der Online-Modus ebenfalls nicht bieten kann und ich auch schon geahnt habe: Er fängt die Stimmung des Singleplayer-Modus nicht ein. Der Bruch mit der Glaubwürdigkeit der Welt kommt nicht zuletzt durch Griefing und eingeblendete Spielernamen sowie dem schweigsamen Protagonisten zustande. Es ist schlicht nicht möglich, die Faszination RDR2 in einer Online-Umgebung in Gänze beizubehalten. Das ist aber kein Kritikpunkt, sondern nur eine Feststellung. Ich kann Red Dead Online unabhängig vom Singleplayer verstehen und genießen.

Bei alledem schwingt immer mit: Es handelt sich um eine Beta. Egal welcher Punkt also gerade noch nicht glänzt – das kann alles noch werden und ich denke, da steht noch einiges an Überraschungen bevor.

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Tags: Online-Zwang   Multiplayer  

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