Unterm Radar: Dungeons & Xcom nach dem Fallout (Kolumne)

von René Wiesenthal (Dienstag, 11.12.2018 - 13:32 Uhr)

Gerade als ich dachte, ich hätte dieses Jahr schon alles Relevante gesehen, schafft es ausgerechnet im Dezember noch ein Indie-Spiel auf meine Jahres-Topliste. Die Rede ist von Mutant Year Zero, einer Fusion aus RPG und Rundentaktik, das ihr vielleicht im AAA-Gewitter übersehen habt.

In dieser Reihe möchten wir euch Spiele zeigen, die im Trubel um die großen Triple-A-Spiele gerne mal untergehen. Von kleineren Indie-Spielen zu Produktionen der großen Publisher, die einfach nicht die Aufmerksamkeit bekommen haben, die sie verdient hätten. Wir wollen euch hier besondere Spiele empfehlen, die es nie auf eine Titelseite geschafft haben. Hoffentlich gefallen sie euch genauso wie uns.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Ich hatte das Spielejahr 2018 schon zu den Akten gelegt. Ich lese zwar täglich, was sich in der Industrie tut und freue mich über Updates und Ankündigungen kommender Spiele, aber die relevanten Releases dieses Jahres waren alle schon durch. Dachte ich.

Dann kam Mutant Year Zero – Road to Eden meines Weges. Ein Indie-Game, an dessen Entstehung Entwickler beteiligt waren, die zuvor unter anderem an Hitman und Payday 2 arbeiteten. Ich hatte das Spiel in der Vorberichterstattung im Zusammenhang mit Xcom wahrgenommen und mochte den Grafikstil auf ersten Bewegtbildern. Außerdem begeisterte es seit Release viele Steam-Spieler. Mein Interesse war geweckt.

Mutant Year Zero - Road to Eden: Das Zeitalter der Mutanten hat begonnen!

Da ich ein Freund von Rundentaktik bin, freute ich mich schon vor dem ersten Start des Spiels auf ein paar knifflige Stunden im Gefecht. Was ich bekam, ist ein spätes Jahres-Highlight, von dem ich mich am vergangenen Wochenende über viele Stunden nicht mehr lösen konnte.

Dungeons & Xcom nach dem Fallout

In Mutant Year Zero steuert ihr eine Gruppe markiger und sympathisch-bizarrer Mutanten durch eine unfreundliche Endzeitwelt, die nur noch in Form von verwitternden Überresten an unsere Gegenwart erinnert. So wie die heutige Gesellschaft nach dem Kollaps immer mehr in Vergessenheit gerät, weiß auch eure mutierte Gang nicht immer, was sie damit anfangen soll, wenn sie über deren Relikte stolpert.

Eine Boombox, ein Defibrillator, eine liegengebliebene Eisenbahn: Für die Gruppe, die um ein sprechendes Schwein und eine ebenso plauderlaunige Ente heranwächst, sind das böhmische Dörfer. Die erste Faszination von Mutant Year Zero kommt bereits in diesen Momenten auf, wenn man ihnen nur beim Philosophieren über die alte Gesellschaft zuhört. Wie sie Bedeutung in die fremdartigen Geräte hineininterpretieren und über die Dummheit der Alten klagen, die sich selbst in den Ruin trieben. Erfreulicherweise geizen sie dabei nicht mit expliziten Schimpfworten - Indie sei Dank.

Bormin und Dux können abschreckend wirken, haben aber mutierte Herzen aus Gold.Bormin und Dux können abschreckend wirken, haben aber mutierte Herzen aus Gold.

Im Kontrast dazu spielt Mutant Year Zero – wie der Name bereits verrät - oftmals mit biblischen Symbolen: Die Mutanten, Stalker genannt, durchkämmen das Ödland, das sie einfach als "Die Zone" bezeichnen, nach wertvollem Schrott und anderen Ressourcen. Damit versorgen sie eine Stadt aus Überlebenden, die als "Die Arche" bezeichnet wird, während sich Hinweise verdichten, es gäbe ein Paradies namens "Eden", das es zu finden lohnt. Also machen sich eure Stalker auf den Weg dorthin. Naturgemäß nicht ohne dabei Feinde auszuschalten, die sich ihnen in den Weg stellen.

Fuuuuu-sion, ha!

Und hier wird Mutant Year Zero richtig interessant. Das Fortschreiten in der Welt erinnert erst einmal an klassische "Dungeons & Dragons"-Rollenspiele. Ihr habt eine Karte, auf der ihr einzelne Areale ansteuert, die ihr nach und nach freischaltet. In den Bereichen selbst durchkämmt ihr – zwei eurer Gefährten im Schlepptau – die stimmungsvollen Endzeitszenarien nach Dokumenten, Ausrüstungsgegenständen und Schrott, der als Währung dient.

Gerade für ein Indie-Spiel muss sich Mutant Year Zero in Sachen Optik nicht verstecken.Gerade für ein Indie-Spiel muss sich Mutant Year Zero in Sachen Optik nicht verstecken.

Auch die Charakterentwicklung findet in bester Rollenspielmanier statt: Über Erfahrungspunkte levelt ihr eure Mutanten auf. Bei Levelaufstieg gibt es Skill-Punkte, die ihr in aktive und passive Fähigkeiten investiert, im Inventar sammeln sich skurrile Waffen und Rüstungen, die ihr den Charakteren anlegen könnt. Ich war direkt überrascht davon, wie umfangreich und gleichzeitig eingängig und unkompliziert die Gestaltung und Entwicklung der Party vonstattengeht. Mein Rollenspielerherz hatte Mutant Year Zero mit diesen Aspekten gleich erobert.

Unangenehm: Vergebt ihr Skill-Punkte winden sich eure Recken unter Qualen.Unangenehm: Vergebt ihr Skill-Punkte winden sich eure Recken unter Qualen.

Der Punkt, der dann noch fehlte, um mich richtig zu fesseln, war das Kampfsystem. Und das liefert genau das, was ich mir als Xcom-Veteran davon erhofft hatte. Zugegeben: Mutant Year Zero bemüht sich nicht darum, sein geistiges Vorbild zu verheimlichen. Aber selbst auf der offiziellen Seite wird das Spiel im Vergleich mit Xcom beworben. Mit den vielen charmanten Eigenheiten, die es hat, sehe ich das also eher als ehrfürchtige Verneigung, nicht als geistigen Diebstahl.

Während ihr also in den „Dungeons“ unterwegs seid, könnt ihr in der Gruppe oder mit jeder Figur einzeln um patrouillierende Gegner herumschleichen. Positioniert jeden Charakter seinen Fähigkeiten entsprechend – den Tank an vorderste Front, den Scharfschützen auf eine erhöhte Plattform in sicherer Entfernung – und startet einen Hinterhalt. Dann kommt es zu einem Kampfgeschehen, das – wie gesagt – für Rundentaktik- und vor allem Xcom-Fans sehr vertraut ist und hervorragend funktioniert.

Die Basics des Kampfes werden Xcom-Fans gleich vertraut sein.Die Basics des Kampfes werden Xcom-Fans gleich vertraut sein.

Die coolen Mutanten-Fähigkeiten stellen dabei nicht die einzigen frischen Ideen dar. So könnt ihr beispielsweise einzelne Einheiten versteckt lassen und erst dann im Kampf aktivieren, wenn der Feind in eine bestimmte Richtung gelockt wurde. Schlagt dann aus dem Hinterhalt zu und ihr richtet zusätzlichen kritischen Schaden an. Wenn eure Falle funktioniert, alles ineinandergreift und ihr nach einem eleganten Manöver mit einem Level-Up aus dem Kampf hervorgeht, ist das ein unglaublich befriedigendes Gefühl. Unter anderem dieser Stealth-Aspekt ist es, der das Spiel zu einer einzigartigen Erfahrung macht.

Kein Füllermaterial

Mutant Year Zero ist nicht ellenlang. Durch den auf Wunsch recht fordernden Schwierigkeitsgrad und viele optionale Areale, die von Gegnern befreit und um ihren Loot erleichtert werden wollen, kann ein erstes Durchspielen aber ganz locker über 20 Stunden in Anspruch nehmen. 20 Stunden, die im Grunde keine Längen haben, frei von lästigem Füllwerk und für Taktik-Fans durchgehend fesselnd sind. Dazu kommen die vielen Waffen, die von Komplettisten vollends aufgemotzt werden wollen – also einiges an Inhalt. Für mich war und ist das Spiel eine späte positive Überraschung des Gaming-Jahres 2018.

Wenn ihr Mutant Year Zero bisher nicht auf dem Radar hattet, wird es allerhöchste Zeit, es raufzubringen. Hättet ihr denn Lust auf eine solche Fusion aus Rollenspiel und Rundentaktik? Hattet ihr Mutant Year Zero schon auf dem Schirm? Schreibt uns eure Meinungen dazu in die Kommentare!

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Tags: Unterm Radar  

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