Streitgespräch: Der "Epic Games"-Launcher freut nicht jeden (Kolumne)

von Stephanie Schulze (Mittwoch, 12.12.2018 - 17:12 Uhr)

Zwei Frauen und zwei Meinungen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Während unsere Praktikantin Stephanie seit der Ankündigung des "Epic Games"-Launcher freudentrunken durchs Büro wankt, zeigt sich Victoria – gelinde gesagt – wenig begeistert.

Auch bei uns in der Redaktion sind wir nicht immer einer Meinung - schockierend, nicht wahr? Wir präsentieren euch in dieser Reihe zwei Perspektiven zu einem Thema. Zwei Redakteure streiten sich, damit ihr euch eure eigene Meinung bilden könnt.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienen Artikel.

Eine würdige Konkurrenz für Steam? So sieht der "Epic Games"-Launcher aus:

Stephanie: Vicky, wir müssen reden. Als PC-Spieler sollten wir doch eigentlich zusammenhalten. Während sich meine Glücksgefühle allein beim Gedanken an den neuen, besseren "Epic Games"-Launcher verdoppeln, scheinst du seit der Ankündigung nicht sehr begeistert zu sein. Woran liegt’s?

Victoria: Für mich gibt es mehrere Probleme, wenn ich an den Epic Store denke - zum einen für Spieleentwickler und zum anderen für die Spieler, die den Store benutzen. Beides hängt aber zusammen. Wenn Entwickler nicht gern auf einer Distributionsplattform veröffentlichen, hat das ja auch Effekte für User.

Der Store bietet wenig Informationen und dafür eine Fülle von Bildern. Das überzeugt Victoria nicht.Der Store bietet wenig Informationen und dafür eine Fülle von Bildern. Das überzeugt Victoria nicht.

Aber bevor wir so tief ins Thema gehen, komme ich zum Offensichtlichen: Der Epic Store ist unübersichtlich und bietet mir zu wenig Funktionen. Wenn ich auf ein Spiel klicke, kommen Bilder und Videos. Erst am Ende finde ich ein paar Infos. Aber gut, dass der Kaufen-Button immer mit dem Scrollen mitwandert. Bei Konkurrenten habe ich auf der Produktseite gleich alle Informationen dazu auf einen Blick. Gefällt dir das Design?

Stephanie: Nennen wie den Hauptkonkurrenten Steam doch gleich beim Namen. Ich kann den Punkt mit der Unübersichtlichkeit und dem Design nämlich leider überhaupt nicht nachvollziehen. Da ist der Steam-Store ein gutes Stichwort, denn da empfinde ich die Fülle an User-Kommentaren und Info-Text sogar nervig. Hier verliert man doch viel leichter den Überblick!

Quadratisch, praktisch, gut: Der Store ist doch echt übersichtlich, meint Steffi!Quadratisch, praktisch, gut: Der Store ist doch echt übersichtlich, meint Steffi!

Das macht der Epic Games Store wesentlich besser: Zuerst kann ich mir anhand der Bilder und Videos eine Meinung bilden, ob mir das Spiel zusagt. Ich schaue ja nicht vorher auf die Systemanforderungen, sondern möchte erst etwas vom Spiel sehen. Außerdem ist gleich oben die Webseite des Spieles verlinkt, da kann ich mir bei Bedarf auch mehr Informationen einholen.

Mit deiner Aussage hast du mich jetzt aber neugierig gemacht: Was sollen denn Spieleentwickler für Probleme mit dem Store haben? Die können sich auf der Plattform doch gleich viel besser präsentieren und müssen lediglich zwölf Prozent ihrer Einnahmen an den Plattformbetreiber zahlen!

Auf Steam muss jedes Spiel um die 30 Prozent Abgaben zahlen, nur die erfolgreichen Entwickler zahlen weniger.Auf Steam muss jedes Spiel um die 30 Prozent Abgaben zahlen, nur die erfolgreichen Entwickler zahlen weniger.

Victoria: Gut, dass du die User-Kommentare ansprichst. Steam setzt viel auf Austausch zwischen den Entwicklern und den Spielern. Bei Epic Games vermisse ich solche Features. Und wo ich gerade bei Funktionen bin: Wo liegt der Unterschied zu anderen Plattformen für PC-Spieler?

Gibt es Errungenschaften? Gibt es DRM-freie Versionen? Cloud Save? Die Funktionen vom Epic Store sind bis dato einfach nicht facettenreich genug. Und das, obwohl da ein riesiges Unternehmen wie Epic Games dahintersteht. Beim Beispiel von Ashen sehe ich ganz gut, wie wichtig die Interaktion mit Spielern ist. Das Spiel hat wohl einige Bugs, und da es Ashen nur exklusiv im Epic Store gibt (und hier keine Möglichkeit zur Interaktion), weichen die Spieler auf Steam aus und berichten hier über ihre Bugs.

Ashen ist zwar exklusiv für Epic Games, aber die User nutzen Steam, um sich darüber auszutauschen.Ashen ist zwar exklusiv für Epic Games, aber die User nutzen Steam, um sich darüber auszutauschen.

Ich nutze gern die Funktionen von Steam. Ich mag die überarbeitete Freundesliste, die Handelskarten und vor allem die Interaktion mit anderen Spielen in den Diskussionsforen. Ich glaube, überspitzt gesagt, darf Epic Games nicht einmal mehr Provision verlangen, weil es einfach nicht mehr Service und Funktionen für Entwickler gibt. Würden dir diese Funktionen nicht fehlen?

Stephanie: Ich glaube nicht, dass Steam-Entwickler sich überhaupt die Zeit nehmen, sich mit jedem Kommentar auseinanderzusetzen. Außerdem gibt’s doch dafür auch die Hauptwebseiten, um Bugs und Probleme direkt beim Entwickler und nicht erst über den Store zu melden. Klar, es stimmt schon, dass zwischen den Spielern über den Epic-Store nicht viel Interaktion abläuft. Da geht der Punkt klar an dich. Diese Interaktion wird dann wohl eben auf andere Kanäle wie Twitter übertragen.

Alle zwei Wochen verschenkt Epic Games ein kostenloses Spiel.Alle zwei Wochen verschenkt Epic Games ein kostenloses Spiel.

Obwohl ich über 50 Spiele in meiner Steam-Bibliothek habe, lege ich wenig Wert auf Kommunikation mit anderen Spielern. In diesem Sinne vermisse ich die Features die Steam bietet definitiv nicht. Ich lege den Hauptpunkt auf Fairness, und da hat Epic Games klar die Nase vorn.

Außerdem vergisst du einen ganz wichtigen Punkt. Der Epic Games Store ist erst seit kurzem erhältlich und lockt die Entwickler mit verdammt guten Konditionen. Ich glaube, da wird es in Zukunft viele weitere Spiele und auch weitere Überarbeitungen geben. Dass es das Spiel Ashen exklusiv für den Epic Store gibt, ist ganz schön mutig und zeigt, dass Epic Games sich nicht vor großen Konkurrenten verstecken muss.

Reizt es dich denn überhaupt nicht, dass Epic Games sogar alle zwei Wochen kostenlose Spiele verschenkt? Mit Subnautica gibt’s zum Start auch gleich noch einen echten Kracher.

Steam muss sich in Acht nehmen!Steam muss sich in Acht nehmen!

Victoria: Service-Mitarbeiter von Steam kümmern sich aber um andere Angelegenheiten, wie beispielsweise Refunds. Beim Epic Store ist die Rückgabe von Spielen mehr als schwierig. Ich habe einen Tweet gesehen, der zeigt, dass Epic erst einmal eine Reihe an ziemlich eigenartigen Fragen stellt, bevor das Geld zurückerstattet wird.

Ich kann verstehen, dass die niedrige Provision viele Entwickler lockt. Dafür müssen die Entwickler aber auch entscheiden, ob sie ihr Spiel nur auf einer Plattform oder auf vielen veröffentlichen wollen. Epic Games fährt nämlich schon die Schiene, dass die Entwickler nur im Epic Store veröffentlichen dürfen, während Steam sich hier schon öffnet.

Außerdem ist Epic Games ja auch irgendwie mit an der hohen Provision von Steam verantwortlich. Wenn ein Entwickler eine Lizenz der Unreal Engine bei Steam erwirbt, muss er fünf Prozent Provision draufzahlen. Im Epic Store nicht. Damit zeigt sich der Epic Store im besseren Licht, aber treibt die Preise seiner Produkte bei Konkurrenten hoch.

Die kostenlose Spiele finde ich nicht attraktiv - auch nicht den Gedanken, noch mehr Launcher als Spiele auf meinem PC zu haben. Mein Problem ist auch, dass hinter all den PC-Launchern Spielentwickler oder Publisher stecken. Sie werden natürlich immer ihre eigenen Spiele mehr bewerben. Ashen ist da ein gutes Beispiel. Es gab kaum eine Ankündigung dazu, dass es überhaupt erschienen ist. Wenn der Epic Store in den Medien ist, dann wird immer Fortnite mitgenannt. Vielleicht ist es mal an der Zeit, dass ein unabhängiges Unternehmen am Drücker ist. Baut nicht Discord auch etwas auf?

Stephanie: Klar, bei den Refunds hat Epic Games schon ordentlich Müll gebaut. Davon habe ich auch gehört, aber eben auch davon, dass sich die Macher alle Mühe geben, das zu beheben.

Super Meat Boy Forver kommt im kommenden Jahr.Super Meat Boy Forver kommt im kommenden Jahr.

Zum Beginn musss Epic Games die Zügel etwas anziehen und exklusive Spiele bringen. Immerhin steht mit Steam ein riesiger Konkurrent gegenüber, an dem Origin und GOG bislang gescheitert sind. Zudem stimmt deine Aussage nicht komplett. Der neueste Teil von Super Meat Boy wird lediglich für zwölf Monate zuerst für den Epic Games Store erscheinen, danach wird er auch über Steam erhältlich sein wird. Die Entwickler haben sich laut ihren Aussagen zu diesem Schritt entschlossen, um endlich einen starken Konkurrenten zu Steam zu etablieren. Konkurrenz belebt eben das Geschäft!

Deine Aussagen haben mich aber ganz schön nachdenklich gemacht. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich der Store weiterentwickeln wird.

So! Können wir dann endlich gemeinsam essen gehen? ☺

Streit hin oder her, welchen Standpunkt vertretet ihr? Glaubt ihr, dass der Epic Games Store endlich eine würdige Konkurrenz zu Steam darstellt, oder wird er sich eurer Meinung nach in die Reihe mit GOG, Origin und Co. stellen? Zögert nicht, sondern lasst uns an eurer Meinung teilhaben!

Tags: Streitgespraech  

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