Breaking Pad:Ragequit in Red Dead Online ohne Eigenleistung (Kolumne)

von Stefan Wirth (13. Dezember 2018)

Kennt ihr das, wenn ein Spiel neu erscheint, ihr einer der Ersten seid, die es spielen können und euch sofort darin verliebt? Genau so ging es mir, als ich das erste Mal den Online-Modus von Red Dead Redemption 2 spielte. Doch wie es bei frisch Verliebten häufig ist – die unschönen Ecken und Kanten fallen erst nach einiger Zeit auf.

Zwar lieben wir Videospiele, aber manchmal machen sie uns auch richtig wütend - denn sie sind schwer, verwirrend, unfair ... und manchmal stellen wir uns auch einfach ziemlich dämlich an. Dann fliegen die Controller durch den Raum, splittern Monitore und es werden Konsolen angeschrien. In der Reihe Breaking Pad beichten wir unsere schlimmsten Ausraster und gehen andächtig in uns, um zu ergründen, wie es so weit kommen konnte.

Hier findet ihr eine Übersicht der in der Reihe erscheinenden Artikel.

Das erste Mal online

Red Dead Redemption 2 ist ein wahnsinnig gutes Spiel. Eines der besten in diesem Jahr - zumindest für mich. Mir hat es sogar so gut gefallen, dass ich dem Online-Modus regelrecht entgegengefiebert habe. Einfach deswegen, weil ich diese Welt so wahnsinnig toll finde und noch mehr Zeit darin verbringen wollte. Außerdem hatte ich richtig Lust auf ein gutes Online-Spiel.

Weil ich riesiger Fan der Reihe bin, hatte ich dafür eigentlich Fallout 76 ins Auge gefasst. Das hat mich jedoch ganz schön enttäuscht. Mein Hunger wurde dadurch jedoch noch viel stärker angefacht. Ich wollte unbedingt mal wieder online zocken und da kam Red Dead Online für mich gerade richtig.

Die erste Spielsession hat mich dann auch direkt gefesselt. Auch wenn die Story nicht an die des Grundspiels heranreichte, so wurde ich doch ein zweites Mal in die Welt entführt. Mein Dasein war nicht, wie ich in Fallout 76 den Eindruck hatte, willkürlich und unvermittelt. Nein, meinem Charakter wurde nicht nur eine Aufgabe, sondern auch eine Vorgeschichte gegeben.

Dabei fühlte ich mich wie schon im Singleplayer überwältigt von den unzähligen Möglichkeiten, die mir diese Welt bietet. Jagen, Wettrennen, Kopfgelder, Diebstähle und unzählige andere Spielmodi - so viel gab es zu tun. Das war zumindest mein erster Eindruck.

Alles neu alles toll

Entsprechend der Inhalte, die ich in Red Dead Online vermutete, war ich äußerst begeistert von meiner ersten Spiel-Session. An beinahe jedem der Modi und auch an den Story- und Fremden-Missionen konnte ich großen Gefallen finden.

Über meine ersten Eindrücke von Read Dead Online rede ich auch in der zweiten Folge von Spieletalks:

Den Hype um GTA Online hatte ich seinerzeit aufgrund einer viel zu schlechten Internetverbindung verpasst. Deshalb war ich mir sicher, das würde mein Hype-Spiel werden. Die Online-Kämpfe waren zwar etwas fordernder, aber nicht zu schwer, die anderen Spieler schienen friedlich und wie schon gesagt, hatte ich einfach extrem große Lust darauf, weiter die Welt zu erkunden.

Nach dem ersten Tag schaffte ich es erst einmal nicht weiterzuspielen. Das war zwar ziemlich schade, da ich ja extrem gehypet war. Aber es gab ja einen Lichtblick - das Wochenende - da würde ich mich ordentlich austoben.

Schwere Waffen

Und endlich war der Samstag gekommen. Schon für acht Uhr morgens hatte ich mir den Wecker gestellt und mir keine sonstigen Verpflichtungen auferlegt. Ich wollte einfach den ganzen Tag zocken. Also startete ich Red Dead Online und begab mich sofort in die Spieler-Rotation.

Eine Sache fiel mir schnell auf: Die Multiplayer-Matches waren auf einmal deutlich schwieriger zu gewinnen, als noch vor ein paar Tagen. War ich heute nicht in Form? Stimmte etwas mit dem Controller nicht oder cheateten die anderen etwa? Ich stellte mir diese üblichen Fragen. Schlussendlich wurde mir jedoch klar, dass es einen anderen Grund gab, warum meine Mitspieler so viel besser spielten als ich.

Am ersten Beta-Tag konnte ich ein paar Mal gewinnen - vier Tage später war das schon anders.Am ersten Beta-Tag konnte ich ein paar Mal gewinnen - vier Tage später war das schon anders.

Während ich mich noch mit meiner Startausrüstung, wie zum Beispiel dem Repetierkarabiner durch die Schlachten schlug, hatten viele meiner Mitspieler schon deutlich bessere Waffen. Das ließe sich zwar mit überragendem Skill wieder wettmachen, da ich aber leider nicht über diesen verfüge, war ich auf gut Deutsch angeschmiert.

Die rosarote Brille

Ich musste es einsehen - in den Matches war ich chancenlos aufgeschmissen, wenn ich nicht irgendwie an eine bessere Waffe kommen würde. Da ich entsprechend meiner Platzierung immer nur sehr wenig Geld erhielt, gestaltette es sich schwierig, dieses Ziel in der Spielmodi-Rotation zu erreichen.

Glücklicherweise gibt es da ja aber auch die offene Welt, in der sich bestimmt schneller eine Menge Geld machen lassen würde - das dachte ich jedenfalls. Also verließ ich die Rotation und begab mich zurück in den "Free Roam"-Modus. Ich öffnete die Karte, um zu schauen, was ich als Nächstes machen würde.

Jagen, eine Story-Mission, einen Laden überfallen oder doch einem Fremden helfen? Durch die rosarote Brille betrachtet erschien mir alles durchaus verlockend. Eben diese wurde mir aber im nächsten Moment vom Kopf und in den selbigen hineingeschossen. Einem meiner Mitspieler gefiel es anscheinend nicht, wie ich in meine Karte schaute und hielt es wohl für nötig, mir mittels Schusswaffe eine Lektion zu erteilen.

Eine Reise mit Strapazen

Ich lernte aus meinem Fehler, beschränkte meinen Blick in die Karte auf das Nötigste und machte mich auf zur nächsten Mission. Der Startpunkt war allerdings ein ordentliches Stück weit entfernt und Geld für eine Schnellreise wollte ich nicht ausgeben. Schließlich sparte ich ja auf eine neue Waffe. Also blieb mir nichts anderes übrig, als zu reiten.

Und schon wieder tot.Und schon wieder tot.

Doch auch das schien einigen meiner Mitspieler zu missfallen. So fand ich mich nicht unweit vom Start meiner Reise schon im nächsten Gefecht wieder. Oder sollte ich der Einfachheit halber vielleicht doch sagen, ich wurde erneut kaltblütig erschossen?

Es sollte auch nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich von Mitspielern niedergestreckt wurde, also entschied ich mich ein Stück abseits der Straßen zu reiten und größere Orte zu meiden. Diese Taktik funktionierte sogar überraschend gut, sorgte jedoch dafür, dass mein Vorankommen deutlich verlangsamt wurde.

Von Pferden und Menschen

Es erlaubte mir aber, mich ein wenig mit der Fauna zu beschäftigen. Schon nach kurzer Zeit hatte ich ein Pferd gefangen, dass ich in der nächstgelegenen Stadt verkaufen wollte. Ich warf also meine ursprünglichen Bedenken über Board und setzte meinen Weg wieder auf der Hauptstraße fort.

Doch wie sollte es anders sein, kaum näherte ich mich der nächsten Ortschaft, ritt ein anderer Spieler im Galopp auf mich zu und machte keine Anstalten auszuweichen. Als wir dann schließlich kollidierten, machte ich einen ordentlichen Satz durch die Luft und mein Wildfang, den ich eigentlich verkaufen wollte, blieb reglos am Boden liegen.

Ein letztes Mal sah ich in diese treuen Augen.Ein letztes Mal sah ich in diese treuen Augen.

Das war der Punkt, an dem ich eigentlich schon genug hatte. Ich war gefrustet von dem Spiel und besonders von der Community, die mich einfach nicht mein eigenes Ding hat machen lassen. Gerne hätte ich meine Konsole jetzt schon ausgeschaltet, aber ich war schon beinahe an meinem Zielort angekommen.

Ragequit ohne Eigenleistung

So sehr hatte ich mich auf meinen Samstag mit Red Dead Online gefreut und es sah wirklich so aus, als würde jetzt, nach ein paar Stunden Spielzeit, der Spaß endlich beginnen. Mein Missionsziel lag zum Greifen nahe. Nur noch ein kurzer Ritt trennte mich von einer Aufgabe, die mich wirklich weiterbringen würde und die nicht nur aus monotonem Herumreiten bestand.

Das was dann aber passierte, kann ich weder Rockstar noch dem Spiel vorwerfen, schließlich ist es ja noch in der Beta-Phase. Denn kurz bevor ich mein Ziel erreichte, stürzte der Server ab. Das war es. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Ich schaltete die Konsole aus, feuerte meinen Controller so behutsam wie es noch eben ging aufs Bett und zog fluchend Jacke und Schuhe an.

Ich hatte so richtig die Schnauze volle von Red Dead Online und musste mich erst einmal bei einem Spaziergang abkühlen. Ein paar Mal habe ich es seitdem noch gespielt, aber mein Hype ist verflogen. Jedoch werde ich mit dem Spiel immer einen Ragequit verbinden, für den ich selber gar nicht verantwortlich war.

Habt ihr schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Auf welches Spiel habt ihr euch so sehr gefreut, dass es euren Erwartungen eigentlich überhaupt nicht gerecht werden konnte? Verratet es uns in den Kommentaren!

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Tags: Breaking Pad  

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