Dieser eine Moment: Als ich jedes Wort meiner Begleiter in Dragon Age - Origins hören wollte

(Kolumne)

von Stephanie Schulze (16. Dezember 2018)

Noch vor The Elder Scrolls 5 - Skyrim, noch vor Mass Effect tauchte ich dank Dragon Age - Origins in die Welt der Rollenspiele ein. Daher hat das Spiel auch heute noch einen ganz besonderen Stellenwert für mich. Unvergessen bleibt für mich die Qual der Wahl, aus den neun möglichen Begleitern drei Personen auszusuchen, welche mich in meinen Kämpfen unterstützen.

Oft ist es nicht bloß die tolle Grafik, die spannende Geschichte oder der sympathische Hauptcharakter, der Spielern noch Jahre nach dem Genuss eines Abenteuers im Gedächtnis bleibt. Solche Erinnerungen drehen sich häufig um einen kurzen Moment. Einen besonderen Moment. >>Diesen einen Moment!<< Dem widmen wir diese Artikel-Serie und beschreiben aus unserer persönlichen Sicht, was diesen Moment so besonders und unvergesslich macht.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Auch die Erweiterungen von Dragon Age - Origins sind spielenswert:

Hach, Dragon Age. Es ist schon viel zu lange her, dass ich die Welt von Origins betreten habe. Dennoch sind mir die Charaktere und das Gameplay wie aus kaum einem anderen Spiel lebhaft in Erinnerung geblieben. Schon zum Spielbeginn von Origins durfte ich mich zwischen verschiedenen Klassen entscheiden, die den Ablauf der Rollenspiel-Geschichte beeinflussten. Auch die absolvierten Quest-Entscheidungen veränderten den Lauf der Geschichte. Ihr müsst daran denken, dass das im Jahr 2009 längst nicht der Standard in Videospielen war.

Das Besondere an diesem Spiel ist die ausgearbeitete Interaktion zwischen dem Hauptcharakter und seinen Begleitern. Ich bevorzuge intensiv erzählte Geschichten und glaube nach wie vor, dass Bioware mit Origins ein wahres Meisterwerk erschaffen hat.

Besonders imposant: Die Zwergenstadt.Besonders imposant: Die Zwergenstadt.

Doch genug der Lobhudelei, ihr ahnt, worauf ich hinaus möchte. Die Wahl des richtigen Begleiters in einer Welt voller Möglichkeiten brachte mich dazu, Quests und sogar Wegstrecken zu wiederholen, damit ich jede mögliche Interaktion zwischen den Charakteren mitbekommen konnte.

Prioritätensetzung? Argh!

Ich hatte die Möglichkeit, neun Begleiter zu rekrutieren. Da waren die pragmatische Hexe Morrigan, die sich oft so unnahbar gab. Der menschliche Krieger Alistair, der in mir immerzu den Wunsch erweckt, ihn zu beschützen. Die Bardin Leliana bezauberte mich aufgrund ihres Gesanges. Der wortkarge Krieger Sten brachte mich dazu, stets zu versuchen mehr über seine Gefühlswelt herauszufinden. Der Kriegshund war einer der treuesten Hundebegleiter und die ältere Hexe Magierin faszinierte mich aufgrund ihrer Weisheit. Der Zwerg Oghren brachte mich immer zum Lächeln, während mich die Flirtversuche des Elfen Zevran an den Rand der Verzweiflung trugen. Der neunte Begleiter wird aus Spoiler-Gründen hier nicht verraten.

Jeder Charakter hat bestimmte Kampf-Vorlieben, Leliana kämpft mit Pfeil und Bogen.Jeder Charakter hat bestimmte Kampf-Vorlieben, Leliana kämpft mit Pfeil und Bogen.

Jeden Charakter konnte ich infolge einer Mission in mein Team aufnehmen. Wenn ich bei einer Quest bin, mischen sich diese auch in kurzen Sätzen ein, um ihre Meinung zu präsentieren. Dabei sank oder stieg der Zuneigungswert zu ihnen, je nach meinen Antworten und Entscheidungen.

Leider ist es in Origins nicht möglich, alle Charaktere in die Schlacht mitzunehmen. So musste ich mich immer wieder mal für drei Personen entscheiden, welche mich auf meiner Welterkundung begleiteten. Der Rest meiner Gefolgschaft versammelte sich in einem Lager, in dem ich mich zum Heilen und Ablegen von Gegenständen zurückziehen konnte.

Sten macht für mich die Gegner der Dunklen Brut platt.Sten macht für mich die Gegner der Dunklen Brut platt.

Zuneigung muss gelernt sein

Dort hatte ich die meisten Interaktionsmöglichkeiten. Wenn der Zuneigungswert eine bestimmte Stufe erreichte, konnte ich sogar eine Romanze mit der jeweiligen Person eingehen. Als eines der erste Spiele überhaupt boten es die Origins-Macher an, auch gleichgeschlechtliche Beziehungen einzugehen. Diese wurden mit romantischer Musik und angemessenen Szenen untermalt.

Dabei musste ich allerdings aufpassen. Denn meine Begleiter waren enttäuscht, wenn ich ihre Zuneigung nicht erwiderte. Wenn der Zuneigungswert zu niedrig war, konnten sie mich sogar verlassen und fortan ihre Reise alleine fortführen – inklusive meiner Ausrüstungsgegenstände, welche ich ihnen gegeben hatte.

Die Gespräche beeinflussen, ob Leliana mir ihre Liebe gesteht.Die Gespräche beeinflussen, ob Leliana mir ihre Liebe gesteht.

Ich könnte stundenlang in der Beschreibung der Charaktere versinken. Jede Person war einzigartig und bot dem Spiel die nötige Abwechslung. Aber auch untereinander diskutierten meine Begleiter stets. Denn so wie ich meine Zuneigung zu ihnen ausbaute, herrschten zwischen den einzelnen Personen ebenfalls Differenzen und Vorlieben.

Die Hexe Morrigan wurde vom riesigen Sten unentwegt zurückgewiesen, während sich die tiefreligiöse Leliana und der diebische Zevran öfters in den Haaren hatten. Zudem bekam auch der allseits hilfsbereite Alistair sein Fett weg. So sagte Morrigan in einer Szene nachdem ich den Kriegshund erhalten hatte:

„Jetzt haben wir einen Hund. Und Alistair ist immer noch der Dümmste hier.“

Die Hexe Morrigan hält sich mit ihrer Meinung nicht zurück.Die Hexe Morrigan hält sich mit ihrer Meinung nicht zurück.

Jeder dieser Momente war absolut einzigartig, so sehr, dass ich wirklich keine einzige Sekunde verpassen wollte.

Über 1.000 Brücken musst du gehen ...

Besonders aufgefallen ist mir das in einem Moment bei einer Brücke vor der Stadt Lothering. Während ich durch die Welt lief, sprachen meine Begleiter ab und an spontan miteinander. Wenn ich bei besagter Brücke ankam, war stets ein solcher "Gesprächspunkt" erreicht. Dabei war es mit einem Satz nicht getan, weshalb ich unzählige Male hin und her lief, um wirklich jeden Wortfetzen mitzubekommen.

Der Begleiter Oghren ist Zwerg durch und durch.Der Begleiter Oghren ist Zwerg durch und durch.

Ich empfand es nicht als bekloppt, eine halbe Stunde hin und her zu rennen, um den wunderbar auf Deutsch vertonten Dialogen zu lauschen. Schlimmer kam es, als ich realisierte, dass mir mit neun Begleitern schier endlose Möglichkeiten geboten wurden, diese auszutauschen um die Möglichkeiten der Interaktion zu sehen. Also, ab ins Lager, neuer Charakter rein und wieder über die Brücke!

Gefühlsduselei willkommen

Streit, Zuneigung, Hass, Liebe, in Dragon Age Origins war niemals alles eine kunterbunte heile Welt. Ich habe gelacht, geweint und unglaublich gerne viele Spielstunden investiert, mich den Gesprächen meiner Begleiter zu widmen. Noch heute glaube ich, dass sich viele Spiele eine gehörige Portion davon abschneiden sollten. Spielcharaktere haben für mich nicht glatt zu sein, je kantiger und einzigartiger desto besser! Biowares Charakterdesigns sind ein weiterer Grund, weshalb ich sehnsüchtig einen Nachfolger von Dragon Age erwarte.

Für die Recherche zu dieser Kolumne habe ich zahlreiche Momente der Begleiter vor meinem inneren Auge vorüberziehen lassen. Nun bin ich aber gespannt, ob sich unter euch ebenfalls einige Leser befinden, denen sich gewisse Äußerungen ihrer Charaktere dauerhaft ins Gedächtnis eingebrannt haben. Lasst es uns unbedingt in den Kommentaren wissen!

Zum Abschluss folgt mein absolutes Lieblingszitat des Kriegers Alistair auf Wynnes Hinweis, dass er Anführer sein könnte: „Was? Anführer? Ich? Nein, nein, nein. Bloß nicht. Schlimme Dinge passieren, wenn ich Anführer bin: Wir verirren uns, es gibt Tote und plötzlich stehe ich irgendwo ohne Hosen da."

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Tags: Dieser eine Moment   Fantasy   Singleplayer  

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