Dieser eine Moment: Als ich bei Spyro vor die Tür gesetzt wurde

(Kolumne)

von Stefan Wirth (19. Dezember 2018)

Videospiele sind ein wahnsinnig emotionales Thema. Freundschaften haben sich dadurch gefestigt, aber sie haben auch für frostige Zeiten gesorgt. Ich denke noch heute gerne an die Nächte zurück, in denen meine Freunde und ich stundenlang Diablo 3 gespielt haben, aber es pakt mich auch der Frust, wenn mir einfällt, wie ein Kumpel kurz vor meinem Sieg die Konsole ausgeschaltet hat. Eine ganz besonders bizarre Erinnerung verbinde ich aber damit, wie mein Bruder und ich als Kinder Spyro gezockt haben.

Oft ist es nicht bloß die tolle Grafik, die spannende Geschichte oder der sympathische Hauptcharakter, der Spielern noch Jahre nach dem Genuss eines Abenteuers im Gedächtnis bleibt. Solche Erinnerungen drehen sich häufig um einen kurzen Moment. Einen besonderen Moment. >>Diesen einen Moment!<< Dem widmen wir diese Artikel-Serie und beschreiben aus unserer persönlichen Sicht, was diesen Moment so besonders und unvergesslich macht.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Drei Abenteuer zu zweit

Die originale Spyro-Trilogie umfasste die Videospiele meiner Kindheit. Jeden einzelnen Teil dieser Reihe habe ich unzählige Stunden gespielt. Dabei war ich aber nicht allein. Fast immer dabei war mein älterer Bruder - oder besser gesagt, ich war dabei. Als Fünfjähriger konnte ich schließlich den Skill, den mein Bruder als Achtjähriger schon besaß, nur beneiden.

Aber um ganz ehrlich zu sein, wirklich gut spielte auch er nicht. Wir waren ja schließlich Kinder und das waren die ersten Videospiele, die wir überhaupt gespielt haben. Dementsprechend blöd haben wir uns natürlich angestellt. Wenn ich mich richtig erinnere, hat es mindesten ein Jahr gedauert, nachdem wir Spyro 2 - Gateway to Glimmer bekommen haben, bis wir die zweite Heimatwelt erreicht hatten.

Meine Kindheit konnte ich in diesem Jahr mit der Spyro Reignited Trillogy wieder aufleben lassen:

Das war aber gar nicht so schlimm, denn so konnten wir Ewigkeiten mit den Spielen Spaß haben und mussten uns über Jahre hinweg keine anderen anschaffen. Irgendwann kam dann aber doch das Bedürfnis auf, zu sehen, was sich am Ende der Spiele verbirgt. Und so machten wir uns motiviert daran, den ersten Teil, Spyro the Dragon, einmal komplett durchzuspielen.

Einer spielt, der andere schaut zu

Ziemlich schnell zeichnete sich eine Tendenz ab – ich war zu schlecht, um wirklich etwas zu schaffen. In der Welt der Artisanen, wo es eigentlich kaum Gefahren gab, kam ich noch halbwegs zurecht, aber schon der Boss Toasty war mir viel zu schwer. Also übernahm mein Bruder die Steuerung und ich saß auf der Couch und sah ihm beim Spielen zu.

Das funktionierte ziemlich gut und wir, beziehungsweise er, machte schnell Fortschritte. Auch die Welt der Friedensstifter, die für mich ein unüberwindbares Hindernis darstellte, war für ihn überhaupt kein Problem. Im weiteren Spielverlauf wurde es aber immer schwieriger und die ersten längeren Passagen des Scheiterns im Spiel entstanden.

Das sorgte vor allem bei meinem Bruder für Frust und ich lernte meine ersten Schimpfworte. Doch um so gefrusteter er wurde, desto schlechter spielte er, was in noch mehr Anläufen und noch mehr Frust gipfelte. Ewig konnte ich mir das natürlich nicht angucken, denn meine Blase drückte.

Vor die Tür gesetzt

Wie folgenschwer mein darauffolgender Toilettengang war, konnte mein kleines Kinderhirn nicht einmal erahnen. Denn als ich zurückkehrte, hatte mein Bruder die schwere Passage geschafft und das hatte seiner Ansicht nach einen klaren Grund. Wenn ich nicht im Raum bin, spiele er besser.

Besonders frustrierend waren für meinen Bruder die Flug-Levels.Besonders frustrierend waren für meinen Bruder die Flug-Levels.

Das war also die Geburtsstunde einer Vorgehensweise, welche ungelogen noch Jahre danach angewendet wurde. Immer wenn etwas schwierig war, musste ich vor die Zimmertür. Ich weiß gar nicht was beschreibenswerter ist. Dieser eine Moment, als ich vor die Tür gesetzt wurde oder als ich wieder hereindurfte, um weiter zuzuschauen.

Es war schon ein merkwürdiges Gefühl, das Zimmer verlassen zu müssen. Schließlich war es langweilig, und bewahrt vor den bösen Schimpfworten hat es mich auch nicht – dazu hat er einfach zu laut geflucht. Auf der anderen Seite hatte ich wirklich das Gefühl meinen Bruder mit meiner Nicht-Anwesenheit zu unterstützen und am Erfolg beteiligt zu sein. Wenn ich dann wieder in den Raum durfte, war es, als hätten wir es gemeinsam geschafft und auch ich habe mich unglaublich gefreut, schließlich war die Langeweile ja endlich vorbei.

Wie er es wohl sieht?

Nach all den Jahren habe ich meinen Bruder nie gefragt, warum er das eigentlich gemacht hat. Habe ich ihn genervt? Wollte er sich nicht vor mir ärgern? Hat er wirklich geglaubt, dass er besser spielt, wenn ich nicht im Zimmer bin? Ich weiß es ehrlich nicht. Vielleicht ist es ja ein bisschen was von allem. Auf jeden Fall fällt es mir heute noch manchmal ein, wie ich ihm geholfen habe, indem ich nicht im Zimmer war.

Habt ihr ähnliche Erlebnisse mit euren Geschwistern gehabt, an die ihr heute noch zurückdenkt? Welche Spiele habt ihr zusammen durchgestanden und welche unkonventionellen Methoden habt ihr dabei angewandt? Verratet es uns doch in den Kommentaren!

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Tags: Dieser eine Moment   Retro  

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