2018: Das Jahr der Veränderungen

(Special)

von Micky Auer (29. Dezember 2018)

Oft sind es große Spiele oder skandalträchtige Geschichten, die ein Jahr - egal in welcher Branche - definieren. Selten genug sind es wichtige Veränderungen. 2018 jedoch war genau das für die Spieleindustrie der Fall.

Veränderung ist im besten Fall auch eine Weiterentwicklung, eine Anpassung an neue Gegebenheiten, die Möglichkeit, mit alten Missständen aufzuräumen. Mal geschehen diese Veränderung aufgrund einer gut durchdachten Entscheidung, mal als schnelle Reaktion auf einen unvorhergesehenen Umstand. Und oft sind diese Veränderungen der Anfang von etwas Neuem, hoffentlich auch von etwas Gutem.

Zu all den Dingen, die sich 2018 verändert haben, gehört auch das Gesicht eurer Lieblings-Spieleseite. Denn 2018 fand nicht nur der 20. Geburstag von spieletipps statt, seit dem 12. Februar haben wir unserer Seite auch ein neues Erscheinungsbild verpasst. Übersichtlicher, kompakter, leichter zu navigieren - wir hoffen, dass ihr mit dem Ergebnis zufrieden seid. Aber wir wollen hier auch nicht einfach stagnieren. Bitte schickt uns auch weiterhin gerne euer Feedback, eure Vorschläge und eure Wünsche. Nur so können wir uns weiterhin verbessern. Für eure Treue und eure Hilfe beim Umgestaltungsprozess bedanken wir uns auch allerherzlichst!

Doch was hat sich noch alles verändert? Werfen wir einen Blick auf das Jahr 2018:

Was ist eigentlich eine Sozialadäquanzklausel?

Sperriges Wort, wichtige Bedeutung, noch wichtigere Konsequenzen: Euch und uns ist seit Anbeginn der Gaming-Zeit klar, dass verfassungswidrige Symbole in Videospielen ein absolutes No-Go darstellen. Das hat sich 2018 grundlegend verändert.

Die vollmundig klingende Sozialadäquanzklausel erlaubt nämlich die Darstellung von zum Beispiel Hakenkreuzen, wenn dies unter anderem im Kontext von Wissenschaft und Lehre, der Kunst oder der staatsbürgerlichen Aufklärung geschieht. Und dazu zählen nun auch Videospiele. An dieser Stelle freuen wir uns natürlich auch darüber, dass Spiele auf Augenhöhe mit Lehre und Kunst eingestuft werden.

Und so kam es dann auch, dass mit Through the Darkest of Times zum ersten Mal ein Spiel für den deutschen Markt vorgestellt wurde, das ganz offiziell Hakenkreuze enthält. Natürlich ist dies nun kein Freibrief für alle Entwickler, wild mit verfassungswidrigen Symbolen um sich zu werfen. Nach wie vor erfolgt eine Bewertung der Inhalte. Jetzt ist die Industrie gefordert, diese neue Regelung auch sinnvoll umzusetzen.

Eine Branche muss erwachsen werden - auch gegen ihren Willen

2018 ist das Jahr, in dem sich in Politik und Gesellschaft ein verstärktes Bewusstsein für gewisse Umstände geschärft hat. Was auch dringend nötig war. Die Rede ist von Sexismus, Rassismus und Homophobie in der Spielebranche, und zwar sowohl auf Seiten der Entwickler und Publisher, als auch in der Community selbst.

Außen hui: Detroit - Become Human von Quantic Dreams (das Studio ist jedoch innen pfui).Außen hui: Detroit - Become Human von Quantic Dreams (das Studio ist jedoch innen pfui).

Bereits im Januar musste sich Quantic Dreams, das Studio hinter Detroit - Become Human, vorwerfen lassen, dass es eine sexistische und rassistische Unternehmenskultur vorantreiben würde. Bei Riot Games, den Machern von League of Legends, beschweren sich Mitarbeiter über Sexismus innerhalb des Unternehmens.

Nach dem Fall großer Namen in der Filmindustrie trauen sich nun auch Menschen in der Spielebranche, aus dem Schatten zu treten und solche Missstände offen anzuprangern. Die große Veränderung: Dank sozialer Medien und für jedermann zugänglicher Kommunikationsplattformen werden diese Probleme nun auch gehört. Die Verantwortlichen müssen reagieren. Auch wenn das ein positiver Trend ist, so lässt sich oftmals nur schwer sagen, ob eine Reaktion seitens beschuldigter Unternehmen aus ehrlicher Einsicht oder nur aus Angst vor schlechter Publicity erfolgt. Auf jeden Fall lassen sich die Opfer nicht mehr so leicht ausblenden.

Leider versagt gerade in dieser Hinsicht oft die Community an viel zu vielen Stellen. Auch wenn die Mehrheit der Gamer generell gegen Sexismus und Rassismus ist, so reichen oft einige wenige, dafür umso lautere Gestalten, die eine ganze Community mit sich runterziehen.

Exemplarisch dafür steht das Geschrei bezüglich der Entscheidung von Electronic Arts, in Battlefield 5 weibliche Soldaten einzubauen. Schon zuvor gab es jede Menge empörtes Gezetere wegen der Aufnahme von Frauenfußball in der teuren Fifa-Marke. Aber an dieser Stelle einfach mal Hut ab vor EA: Denn der Publisher ließ sich nicht beirren und zeigt Hatern die kalte Schulter.

Ein weiterer Missstand ist die sogenannte Crunchtime in der Spielebranche, die von viel zu vielen Unternehmen als vollkommen legitim und notwendig angesehen wird. Dabei handelt es sich sozusagen um die "heiße Phase" in der Spieleentwicklung, in der die Mitarbeiter zu übermäßig vielen Überstunden angehalten werden, oft ohne jegliche Kompensation, immer auf Kosten der Gesundheit der Angestelten, oft mit schwerwiegenden Konsequenzen für ihr Privatleben. Auch dahingehend tut sich was, auch wenn eine wahre Veränderung wohl noch in der Zukunft liegt. Ein Anfang ist jedoch gemacht, denn die Betroffenen lassen sich nicht mehr mundtot machen.

Endlich Schluss mit Lootboxen?

Apropos EA: Dank Lootboxen in beispielsweise Star Wars Battlefront 2 und FIFA 18, die bei den Spielern berechtigterweise für Unmut gesorgt haben, hat sich letzten Endes auch die Gesetzgebung mit dem Thema befasst. Das Ergebnis dürfte EA und so manchen anderem Publisher nicht gefallen: In Belgien sind Lootboxen als Glücksspiel klassifiziert worden.

Doch das ist erst der Anfang einer einschneidenden Veränderung. Denn in weiterer Folgen schließen sich die Behörden aus 16 Ländern zusammen, um dem Thema noch weiter auf den Zahn zu fühlen. Die Diskussion um die Lootboxen zeigt, dass glücklicherweise bestimmte Kontrollmechanismen funktioneren und ihr als Konsument nicht jeder Geschäftspraxis schutzlos ausgeliefert seid.

E-Sports in Deutschland - ein Jammertal

Nicht jede Veränderung ist gut. Speziell dann, wenn solche Veränderungen von Menschen ausgehen, die leider absolut keine Ahnung davon haben, worüber sie entscheiden. Stichwort: E-Sports in Deutschland. Ginge es zum Beispiel nach dem hessischen Innenminister Peter Beuth, dann seien E-Sports ganz klar nicht als Sport zu klassifizieren. Bei einer Podiumsdiskussion des Sport- und Turnerverbands in Darmstadt sprach Beuth davon, den Begriff "ausradieren" zu wollen.

League of Legends: In Deutschland nicht als E-Sports gesehen.League of Legends: In Deutschland nicht als E-Sports gesehen.

Da stellt sich auch die Frage: Wer ist denn nun eigentlich in Deutschland für E-Sports von Seiten der Politik zuständig? Die Antwort auf diese Frage lautet: Bundesinnenminister Horst Seehofer. Der erntete auch gleich Kritik.

Denn die Auswahl der Spiele, welche laut Bundesinnenministerium unter den Begriff E-Sports fallen sollen, ist stark eingeschränkt. Gemeint seien dabei nur Spiele "mit Sportbezug" wie FIFA 19, PES 2019 und NBA 2K19.

E-Sports-Giganten wie Fornite, Counter-Strike Global Offensive oder League of Legends sind damit erstmal kategorisch ausgeschlossen. Ist vermutlich alles noch ...

... Neuland.

Streamer brauchen eine Rundfunklizenz

Seit Anfang 2017 geht in NRW die Düsseldorfer Landesanstalt für Medien (LfM) bundesweit alleine gegen private Streamer im Netz vor. Die Lfm fordert eine Beantragung einer Rundfunkzulassung von Streamern. Eine solche Zulassung kostet viel Geld, Zeit und Nerven und daher wehren sich Internet-Persönlichkeiten wie zum Beispiel Gronkh. Doch auch der hat sich nach einiger Zeit durchgerungen, eine solche Lizenz anzufordern.

Einen Vorteil bringt eine solche Lizenz übrigens aus Sicht der Betroffenen absolut nicht. Die Konsequenzen darauf zu verzichten, wären aber nicht tragbar gewesen. Somit stellt sich die Frage, ob hier nicht der Amtsschimmel mal wieder zu laut gewiehert hat. Tatsächlich könnte nun aber eine Änderung, oder besser gesagt: eine Aktualisierung des Medienstaatsvertrages anstehen. Denn der stammt aus einer Zeit, in der es noch kein Streaming gab.

Dürfen wir in diesem Zusammenhang (Sarkasmus: EIN) den Begriff "Neuland" erwähnen? (Sarkasmus: AUS)

Spiele 2018: Action allein reicht nicht mehr

Eine durchaus positive Veränderung, die sich schon seit einiger Zeit angekündigt hat, hat sich 2018 gleich in zwei actionreichen Neuerscheinungen manifestiert: Selbst der nicht gerade für subtiles Auftreten bekannte Kratos, der God of War, zeigt Spielern weltweit eine neue Seite: Er wird nahbar. Hintergrund dessen ist die Erkenntnis, dass viele Entwickler Mut beweisen und den Charakteren und Spielwelten, die sie vielleicht schon vor Jahren ersonnen haben, eine nicht unbedingt neue, dafür aber viel detailreichere Geschichte zu verleihen.

Auch die Kampfmechanik in God of War hat sich stark verändert:

Damit einher geht auch die Darstellung eines komplexen Charakters, einer höchst persönlichen Hintergrundgeschichte, einer Spielwelt, die nicht nur aus der Aufgabe besteht, von A nach B zu kommen und auf dem Weg dorthin alles zu plätten.

Nicht zu vergessen: Rockstar veröffentlicht Red Dead Redemption 2 und beweist, dass ein Spiel, das im "Wild West" angesiedelt ist, nicht eine platte Abfolge von Schießereien sein muss. Stattdessen ist eine Welt entstanden, die es sich zu erkunden lohnt, die mit so vielen Geschichten und Geheimnissen, persönlichen Schicksalen und schönen Momenten aufwarten kannt, dass man dafür schon beinahe ein neues Genre erfinden müsste.

Was auf der Leinwand als "Autorenkino" bezeichnet wird, fließt nun auch mehr und mehr in das zumindest verwandte Medium Videospiel ein und macht es umso mehr zu einem Träger von Charakteren, deren Geschichten und Erfahrungen, und nicht bloß einer Aneinanderreihung von Steuerungseingaben.

Die erfolgreichste Konsole des Jahres

Wechsel an der Spitze? Lasst uns differenzieren: Es gibt in diesem Bereich durchaus zwei Anwärter für den obersten Platz in der Rangliste. Je nachdem, welchen Rahmen man dafür ansetzt.

Da wäre einerseits die PlayStation 4 von Sony, die langsam aber sicher in die letzte Phase ihres Lebenszyklus eintritt und in Sachen Verkaufszahlen insgesamt wohl von der Konkurrenz nicht mehr einzuholen ist.

Auf der anderen Seite steht da die noch junge Nintendo Switch, dir alle Erwartungen übertroffen hat und sich über hervorragende Absatzzahlen freuen darf. Nintendo of America hat bereits Ende März stolz verkündet, dass die Switch die erfolgreichste Konsole der vergangenen zwölf Monate in Amerika sei. Klar, PS4-Verkäufe gehen zurück, weil die Hardware bereits flächendeckend vorhanden ist. Die Switch ist noch neu, viele Leute schlagen auch jetzt erst zu. Damit wollen wir den Erfolg der Hybrid-Konsole nicht schmälern. Nintendo ist mal wieder ein großer Wurf gelungen, der nach dem Misserfolg der Wii-U auch bitter nötig war.

(Für den Bauchklatscher dieses Jahr musste Nintendo Labo herhalten. Das ist nämlich nicht der große Wurf geworden, den Nintendo sich erhofft hat.)

Ja, es geht hier noch um Fortnite, aber lest bitte weiter!

Wir haben es laut und deutlich vernommen: Vielen von euch geht die omnipräsente Berichterstattung zu Fortnite langsam auf den Senkel. Wir hören auf euer Feedback! Dennoch lässt es sich nicht leugnen, dass Fortnite das Jahr 2018 in vielerlei Hinsicht geprägt hat. Es ist ein popkulturelles Phänomen, dass sich in fast allen Lebensbereichen festgesetzt hat.

Nicht immer positiv, das wollen wir auch nicht unter den Teppich kehren. Aber eine große Sache hat Fortnite, respektive seine Beliebtheit, dann doch ins Rollen gebracht. Nämlich die Debatte um Crossplay.

Nintendo will es, Microsoft will es, nur Sony spielt den Spielverderber und faselt irgendwas von wegen die PS4 sei ohnehin der beste Ort zum Zocken, Crossplay braucht man daher nicht. Vorsicht, Sony! Arroganz hat schon ganze Königreiche zu Fall gebracht. Begeht diesen Fehler nicht (noch einmal)!

Doch dann, im September 2018, kam folgende Aussage von Sony: "Nach einer umfassenden Evaluierung hat SIE einen Weg gefunden, plattformübergreifende Features für ausgewählte Inhalte von Drittanbietern zu unterstützen." Das bedeutet nichts anderes, als dass Sony endlich die PlayStation 4 für Crossplay-Technologien öffnet. Und als erstes Spiel stand dafür Fortnite auf der Matte, aufgrund dessen die Diskussion überhaupt erst angeregt wurde.

Also, egal, wie ihr zu Fortnite steht, ob ihr es liebt, ob ihr es hasst oder ob es euch egal ist, es hat einen bleibenden Eindruck in der Gaming-Landschaft hinterlassen und auch für weitreichende Veränderungen gesorgt, die durchaus begrüßenswert sind.

Bethesda und Blizzard: Habt ihr eure Lektion gelernt?

Ihr wisst sicher schon, worum es geht. Blizzard kündigt in großem Rahmen Diablo - Immortal ein. Ein Diablo-Ableger für Smartphones. Und erntet damit harsche Kritik von den Fans. Fans, die seit Jahren auf einen vollwertigen vierten Teil warten, die der Marke so lange die Treue gehalten haben, die ihr Spiel mit Leidenschaft und Hingabe verfolgen. Und dann ein Handy-Spiel, gewürzt mit der unbedachten Aussage eines Entwicklers als Reaktion auf die Ablehnung im Publikum ("Was? Habt ihr etwa keine Handys?").

Die Ankündigung von Diablo - Immortal sorgte für enormen Ärger seitens der Fans:

Da kamen schnell die Fragen auf, ob Blizzard nur aus Leuten besteht, die keine Ahnung davon haben, wer die Fans sind, warum sie Fans sind, welche Bedeutung die hauseigenen Marken in sich tragen und ob es weiterhin sinnvoll ist, so ein Unternehmen zu unterstützen. Die Rechnung kam umgehend: Der Aktienkurs von Activision-Blizzard fiel nach der Ankündigung stark ab. Und? Lektion gelernt?

Fallout 76: Eine Änderung in der Herangehensweise seitens Bethesda wäre nun dringend nötig.Fallout 76: Eine Änderung in der Herangehensweise seitens Bethesda wäre nun dringend nötig.

Kandidat Nummer Zwei, der hoffentlich eine Lehre aus seinem Handeln gezogen hat, ist Bethesda. Fallout 76 mag vielen von euch gefallen, noch viel mehr Leuten gefällt es aber nicht. Und das hat seine Gründe. Mit technischen Problemen behaftet und als äußerst unrunde Spielerfahrung wurde Fallout 76 dennoch veröffentlicht. Und zwar unfertig, wie viele finden. Dicke Patches sollen das Spiel nach und nach zu einer zufriedenstellenden Erfahrung machen. Eine Taktik, die Bethesda schon seit Jahren anwendet. Nun hat es aber vielen gereicht. Denn wer will schon zum vollen Preis ein Spiel kaufen, das vielleicht irgendwann in der unbestimmten Zukunft mal sowas wie Spaß macht? Daher erneut die Frage auch an Bethesda: Und? Lektion gelernt?

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