Mein erstes Mal VR: Zerstörte Kindheitsträume oder gelungene Umsetzung?

(Kolumne)

von Stephanie Schulze (21. Dezember 2018)

Die PlayStation „Virtual Reality“- Brille – würde sie meine Kindheitsträume bezüglich einer intensiv erlebbaren Videospiel-Welt zerstören oder lang gehegte Erwartungen erfüllen? Ich wusste nicht ganz, worauf ich mich einlassen würde, als ich kürzlich das erste Mal mit PlayStation VR zockte. „Kein großes Ding“, dachte ich mir noch. Dann war allerdings doch das Gegenteil der Fall.

PlayStation VR-Worlds zeigt, wie krass VR sein kann:

Ich habe immer davon geträumt, dass die Technik irgendwann so weit sein wird, dass man mit all seinen fünf Sinnen in Videospiele abtauchen kann. Ich hätte nie erwartet, dass sich das so schnell entwickeln würde. Auch wenn man in vielen Jahren sicherlich noch beeindruckendere Erfahrungen mit der virtuellen Realität sammeln wird, ist der heutige Stand der Dinge definitiv nicht verachtenswert.

Zocken will gelernt sein

Ich habe das Thema VR zwar verfolgt, jedoch war ich nie ein Zocker der ersten Stunde. Ich wurde einfach zu oft enttäuscht. Nintendos 3DS verursachte mir eher Kopfschmerzen statt wirklichem 3D, und bei PlayStation Move haute ich beim ersten Mal im Spiel Sorcery alles kaputt, außer die Blumentöpfe, die ich zerstören sollte.

Sorcery sieht toll aus, verursacht aber Agressionen.Sorcery sieht toll aus, verursacht aber Agressionen.

Vielleicht kennt ihr das ja, dass man etwas Neues sehnlichst erwartet und dann doch zugleich Angst davor hat. Angst, dass es den Erwartungen nicht gerecht wird, weil manche Dinge in der Vorstellung immer beeindruckender bleiben, bis man es selbst ausprobiert. So habe ich mich bei dem Thema Virtual Reality gefühlt.

Ich hatte die Oculus Rift, den Spitzen-Vorreiter von PS-VR, nach der Veröffentlichung im Jahr 2013 ausprobiert. Ich war zu Beginn zwar begeistert, jedoch sorgte der Preis bei mir eher für Schnappatmung als für Freudensprünge. Vielleicht würde ich später mal VR zocken. Vielleicht. Und später.

Schick sieht sie ja aus, die PlayStation VR.Schick sieht sie ja aus, die PlayStation VR.

Jetzt ist es Ende 2018, und ich zocke das allererste Mal so richtig mit einer "Virtual Reality"-Brille auf der PlayStation. Und dabei nicht nur irgendein Spiel, sondern gleich mal Borderlands 2 VR.

Es geht los!

„Viel Spaß beim Anschließen“, wurde mir von einem Kollegen noch mitgeteilt, als ich mitsamt monströsem VR-Karton, PS Move und Kamera in die überfüllte U-Bahn von Berlin stieg. Eine halbe Stunde Gruppenkuscheln später konnte ich den Karton glücklicherweise vollständig nach Hause bugsieren und mich gleich dransetzen, um alles anzuschließen.

Auf diesen Inhalt dürft ihr euch bei der PS-VR freuen.Auf diesen Inhalt dürft ihr euch bei der PS-VR freuen.

Das war übrigens gar nicht so leicht. Wer wie ich Anleitungen als überflüssig erachtet und selbst Ikea-Bildchen zum Schrank Zusammenschrauben ignoriert, der dürfte einen wahren Gefühlswechsel von abgrundtiefer Verzweiflung zu euphorischen Glücksmomenten erleben. Nach über einer halben Stunde mutigen Ausprobierens, welcher Stecker wohin passt (wenigstens kann ich einen HDMI-Anschluss erkennen), war ich aber "schon" fertig. Los geht’s!

Mein erstes Mal VR startete mit The Playroom VR. Der erklärt euch nämlich auch, wie ihr die Brille genau aufsetzen müsst. Zudem sollte man die Warnung, in einem freien Raum zu zocken, lieber beherzigen, dazu später aber mehr.

Bei The Playroom gibts Spiele für lau.Bei The Playroom gibts Spiele für lau.

Nach zahlreichem Zubbeln und Zabbeln hatte ich die Brille endlich auf dem Kopf. Da mein Perfektionismus mal wieder zuschlug und ich jeden kleinsten Pixel bis aufs kleinste haargenau erkennen wollte, investierte ich in die Korrektur für die beste Sicht sicherlich eine weitere halbe Stunde. Als dann alles perfekt war, musste ich realisieren, dass ich keinen Plan hatte, wo der Controller war. Blind tastete ich mich durch meine Wohnung, weil ich die Brille mit dem perfekten Sitz einfach nicht absetzen wollte.

Wenig später konnte ich dann aber endlich mit angeschlagenem Knie und Brille auf dem Kopf und dem Controller in der Hand loslegen. Besonders in Erinnerung ist mir die Demo zu PlayStation VR Worlds geblieben. Diese lässt mich in einem Käfig innerhalb einer Meeresumgebung nach unten sinken. Um mich herum befinden sich Rochen, Haie, Quallen, während ich langsam auf den Abgrund zusteuere. Allein dieser Moment brachte mein Herz zum Flattern, weshalb ich wahrscheinlich niemals Resident Evil 7 VR spielen kann.

Dank PlayStation VR World tauche ich ins Meer hinab. Dank PlayStation VR World tauche ich ins Meer hinab.

The Playroom bietet zahlreiche kostenlose Mini Spiele. Diese sind optimal, um sich mit der Steuerung vertraut zu machen. Zu Beginn wird einem nahegelegt, aller zwanzig Minuten Pause zu machen. Das habe ich leider beim ersten Mal nicht beherzigt, weshalb ich zum Dank ordentliche Kopfschmerzen bekam. Merke: Richtig lesen hilft!

Nach dem Vorgeplänkel sah ich mich dann bereit, mich endlich an Borderlands 2 VR zu wagen. Ich habe Borderlands 2 bereits auf dem PC gespielt und konnte mir bis dato nicht vorstellen, wie ein Shooter denn bitte mit Virtual Reality funktionieren kann. Spoiler: Es klappt nur teilweise.

Erster Ausflug in Borderlands 2 VR

Gut, die Intro-Sequenz muss nicht unbedingt in VR dargestellt werden. Da dreht ihr nur bekloppt den Kopf hin und her, weil ihr die Landschaft hinter euch betrachten wollt und bekommt die freundliche Warnung, dass ihr euch außerhalb des Spielbereichs befindet. Nach der Charakterauswahl geht’s aber richtig los! Durch den „Cell Shading“-Look wirken die Charaktere fast zum Anfassen nah. Und durch die Brille werden einige coole Sachen hervorgehoben.

In VR machen die Charaktere einiges her.In VR machen die Charaktere einiges her.

Die Waffenbetrachtung oder Gespräche lohnen sich, denn dann kann man gut und gerne innehalten, um die Umgebung auf sich wirken zu lassen. Komplizierter wird es, wen ihr mit Claptrap startet, durch die Gegend zu rennen.

Borderlands ist eben kein Spiel, bei dem ihr mal eben stundenlang stehen bleibt und die Umgebung auf euch wirken lasst. Das ist schade, denn die VR-Brille bringt zwar einige amüsante Neuerungen, lässt aber mich zumindest nicht Stunden am Stück spielen.

An Claptrap habe ich einen Narren gefressen.An Claptrap habe ich einen Narren gefressen.

Zudem kann es für Neulinge ganz schön schmerzhaft zugehen. Mit Controller in der Hand glaube ich, dass ich wirklich nach vorne laufen kann, um mich im Spiel nach vorne zu bewegen. Klappt leider nicht ganz.

Schwungvoll hantiere ich mit dem Controller, um den Feind den Garaus zu machen, und pralle mit meiner Hand gegen den Fernseher, welcher sich auf Hüfthöhe befindet. Fluchend strauchle ich zurück und stolpere über meinen Couchtisch. So kann man auch neue Möbelkäufe rechtfertigen, indem man einfach alles zerstört, was man besitzt.

Mein Fernseher muss so einiges einstecken.Mein Fernseher muss so einiges einstecken.

Glücklicherweise habe ich meinen Kill noch erledigen können. Die blauen Flecken halten sich noch dazu in Grenzen, und was daraus gelernt habe ich auch noch. Man benötigt wirklich Platz zum VR spielen!

Mein Fazit: Virtual Reality lohnt sich, ihr solltet aber regelmäßig Pausen machen. Und das ist wirklich nervig. Ich habe wirklich Bock, Borderlands zu zocken, doch spätestens nach einer halben Stunde benötige ich einfach eine Pause. Für Anfänger gibt es sicherlich geeignetere Spiele, ich persönlich fand alle Games, die extra für VR entwickelt wurden, ein ganzes Stück besser.

Borderlands VR ist nicht schlecht, aber richtig geil ist es eben auch nicht. Es lohnt sich nur bedingt, denn die volle Ladung Borderlands hat sich mir nur beim Spielen auf dem PC geboten.

Nichtsdestotrotz ärgere ich mich, dass ich erst jetzt auf die Playstation VR aufmerksam geworden bin. Spiele wie Skyrim VR lohnen sich sicher mehr, da man dabei mehr Gelegenheit hat, die gesamte Umgebung auf sich wirken zu lassen. Ich weiß nicht, wie viele blaue Flecken und beinahe zerstörte Fernseher auf mich warten werden. Fakt ist: Ich werde es herausfinden.

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Tags: Virtual Reality  

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