PS Plus:Das frustrierende Glücksspiel um die Gratis-Spiele (Kolumne)

von Michael Sonntag (03. Januar 2019)

Die „PS Plus“-Auswahl fühlt sich für mich mittlerweile wie eine Lootbox an. Entweder werde ich um mehrere gute Spiele reicher oder ich muss einen Monat lang auf eine neue Chance warten. Dabei könnte die immer wieder drohende Enttäuschung ziemlich leicht aufgelöst werden.

Vita-, PS3 und PS4-Besitzer können für einen monatlichen Betrag für den Service PS Plus diverse Zusatzdienste in Anspruch nehmen. Dazu gehören die Möglichkeit, Spiele online zu zocken, sowie exklusive Zusatzangebote und Rabatte im Store.

Das Highlight machen aber gefühlt die "PS Plus"-Spiele aus, jene Gratis-Spiele, deren Lizenzen sich Mitglieder innerhalb eines Monats sichern können. Wie einige Leser anmerken und ich es ebenfalls empfinde, lässt die Auswahl öfter zu wünschen übrig, da in ihr auch mittelmäßige oder zu spezielle Spiele vorkommen. So oft sich die Leaks über die Kandidaten auch als falsch herausstellen, fallen sie dennoch meistens besser aus als das wirkliche Angebot oder entsprechen den Bedürfnissen der Spieler deutlich stärker.

Das Jahr auf PS Plus beginnt bescheiden mit Steep und Portal Knights:

PlayStation Plus oder Minus?

Vorab: Selbstverständlich gehört es sich nicht, großspurig über Produkte zu meckern, die man gratis bekommt - sofern gratis das richtige Wort für etwas ist, das man innerhalb eines kostenpflichtigen Dienstes erhält. Andererseits machen die Spiele aber auch den qualitativen Reiz des Abonnements aus, da es sich beim Online-Support um eine technische Notwendigkeit im Hintergrund handelt und bei den exklusiven Angeboten nur um kleine Besonderheiten, von denen man in bestimmten Momenten, aber nicht unbedingt tagtäglich profitiert.

Deshalb ist es auch nachvollziehbar, warum eine „schlechte“ Ausbeute auf PS Plus gleichzeitig den Gesamteindruck schmälern kann. Aber woher kommt meine Enttäuschung und die der anderen eigentlich? Selbstverständlich erwarte ich, dass ich über PS Plus an gute Spiele komme, die ich mir entweder erst später oder nie selbst kaufen würde. Sei es, weil ich sie verpasst habe, weil sie mir selbst im Sale immer noch zu teuer sind oder weil sie neben dutzenden anderen Spielen auf meinem Pile of Shame liegen.

In manchen Fällen entspricht die monatliche Auswahl genau diesem Bedürfnis. In anderen stellt sie genau das Gegenteil dar. Die Enttäuschung stammt daher, weil die Auswahl unberechenbar ist und manchmal auch unverhältnismäßig ausfällt. Während das Jahr 2018 bis zum Herbst mit regelrechten Traum-Kombinationen oder zumindest interessanten Spielen aufwarten konnte, fiel alles ab Oktober plötzlich sehr dürftig aus, wie folgende Auflistung zeigt:

Im Idealfall enthält die „PS Plus“-Auswahl bekannte, gute oder breiter zugängliche Spiele, mit denen mehrere Spielergruppen etwas anfangen können. Wie im Fall von Oktober, Dezember (Soma, Onrush) und Januar (Steep, Portal Knights) ist sie aber schon sehr speziell. Ich als Spieler frage mich dann, was mir Sony damit eigentlich Gutes tun möchte.

Geht es bei den Gratis-Spielen um Trends, Geheimtipps oder darum, etwas Abwechslung im Rahmen der aktuellen Releases zu bringen? Oder fallen die Deals mit den jeweiligen Entwicklern manchmal unausgewogener und schlechter zugunsten der Mitglieder aus?

Die scheinbare Willkürlichkeit hinterlässt einen negativen Beigeschmack.

Um das Mysterium hinter den "PS Plus"-Spielen aufzuklären, habe ich bereits im vergangenen Herbst Sony diverse Fragen gestellt, unter anderem zu den Auswahlkriterien, technischen Hintergründen und Details zu den Entwicklerverhandlungen. Da Sony sich wie zu erwarten nur ungern in die Karten schauen lässt, hat mich die Antwort des Unternehmens nicht großartig überrascht: „Da sich der Großteil der Fragen auf das Business-Model hinter PlayStation Plus bezieht, können wir Ihnen dazu leider keine Auskunft geben.“

So bleibt es eine reine Glückssache, was die „PS Plus“-Auswahl enthält. Jeden letzten Mittwoch im Monat erwartet mich ein entweder ein Glücksgefühl oder eine Enttäuschung - je nachdem, ob ich ein Riesenspiel mit einem kleinen Betrag gewonnen oder für diesen Betrag Spiele bekomme, die günstiger im Sale gewesen wären.

Wie sollte man zukünftig damit umgehen?

PS Plus zu kündigen, weil man mit den Gratis-Spielen unzufrieden ist, stellt nicht für jeden Spieler eine sinnvolle Option dar, zumal das Abonnement für das Online-Spielen unerlässlich ist. Für das eine auch auf das andere zu verzichten, stellt schon einen sehr konsequenten, wenn nicht sogar übertriebenen Schritt dar. Für einen reinen Singleplayer-Spieler lohnt sich PS Plus aber nur bedingt.

Darüber hinaus wäre es aber auch möglich, die Spiele entweder gar nicht mehr so zu beachten oder sie komplett erwartungsfrei anzunehmen. Man könnte sich auch konsequent vornehmen, sie alle auszuprobieren, um seinen Horizont zu erweitern, nicht unbedingt, weil sie gut sind oder dem eigenen Bedürfnis entsprechen. So kommt über die Monate eine Bibliothek vielfältiger Spiele zusammen. Aber auch das ist keine Einstellung, die für jeden etwas ist.

Seitens Sony würde ich mir persönlich mehr Beteiligung der Spieler bei der Auswahl wünschen, egal ob es jetzt in Form von Wunschlisten oder Abstimmungen stattfindet. Selbst eine Einteilung nach Kategorien könnte helfen, die Erwartungen richtig zu setzen. Ob der nächste Monat unter dem Stern des Schnupperns, des Nachholens oder des Multiplayers steht.

Das wird umso notwendiger werden, sobald ab März 2019 die PS3- und „PS Vita“-Spiele aus der Auswahl wegfallen. Die waren zwar auch nicht immer hochkarätig, aber haben zumindest die Mischung bunter gestaltet. Zuletzt: Das Modell hinter den „PS Plus“-Spielen fühlt sich für mich nach all den Jahren immer noch nicht rund genug an. Ein Service sollte nicht willkürlich wirken.

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