Test Endlich nicht mehr X-klusiv: Tales of Vesperia - Definitive Edition

von Thomas Nickel (09. Januar 2019)

Seit der Veröffentlichung von Tales of Berseria ist es ruhig um Bandai Namcos Rollenspielreihe geworden. Eine neue Ankündigung steht bislang nicht im Raum. Da kommt so ein Remake einer früheren Episode doch gerade recht!

2009 war ein seltsames Jahr für Rollenspieler. Wo die PlayStation und die PlayStation 2 noch die Hochburg für RPGs japanischer Machart waren, da schwächelte die PS3 in den ersten Jahren noch gehörig, stattdessen gaben sich die bunten Abenteuer auf der Xbox 360 die Klinke in die Hand – und dann kam zu allem Überfluss auch noch Tales of Vesperia, die damals jüngste Episode der seit dem Gamecube-Abenteuer Tales of Symphonia auch in Europa beliebten Tales-Reihe exklusiv für die Microsoft-Konsole.

Zwar erschien in Japan nur wenige Monate später auch die obligatorische, inhaltlich sogar erweiterte PS3-Portierung, aber die blieb dann auch in Fernost und erst jetzt, gute zehn Jahre später erscheint mit Tales of Vesperia - Definitive Edition nun ein Remaster für alle gängigen Systeme auch in Europa – die ganzen Erweiterungen des alten PS3-Ports inklusive. Besser spät als nie!

Yuri gegen Alle

Im Zentrum der Geschichte steht Yuri Lowell. Der war einmal Ritter des Imperiums, hing dann aber desillusioniert die Rüstung an den Nagel und hilft nun auf eigene Faust Menschen in Not. Und wenn ihn das mal mit dem Gesetz in Konflikt bringt, umso besser! Bei einer solchen Aktion trifft er auf die adelige Estelle – und bald schon verlassen sie beide die Hauptstadt; Yuri auf der Suche nach einem zwielichtigen Magier, Estelle auf der Suche nach Yuris Jugendfreund Flynn.

Und lange bleiben sie nicht alleine. Yuris vierbeiniger Kumpel Repede ist gleich von Anfang an mit von der Partie und später schließen sich noch die sarkastische Magierin Rita, der mysteriöse Raven, der etwas arg naive Karol und die coole Judith der Truppe an – und weil es mit mehr Leuten noch mehr Spaß macht, sind in der Definitive Edition noch zwei weitere spielbare Figuren mit von der Partie.

Actionkämpfe & Skits

Tales of Vesperia war die erste HD-Episode der bereits seit 16Bit-Tagen beliebten Reihe, inhaltlich setzt aber auch dieser Serienteil auf das klassische Tales-Rezept. Geboten wird Grafik im Anime-Stil, eine gute Portion Humor, Charakterdesign von Kosuke Fujishima und Musik von Motoi Sakuraba. Ein großer Fokus liegt auf der Interaktion zwischen den Figuren – sowohl in den normalen Dialogen, als auch in den sogenannten Skits – kurzen, optionalen Gesprächen, die ihr auf Knopfdruck aktiviert.

Die Kämpfe sind flüssig und sparen nicht an Effekten.Die Kämpfe sind flüssig und sparen nicht an Effekten.

Markenzeichen der Reihe ist natürlich das enorm schnelle, actionreiche Kampfsystem. Eine Figur steuert ihr direkt, die anderen werden von der grob einstellbaren KI übernommen. Auf Knopfdruck stürmt ihr auf den Gegner zu und verpasst ihm ein paar Hiebe, genauso setzt ihr auch Artes, durchschlagende Spezialangriffe, ein oder geht in die Defensive, Magie wird dagegen per Menü ausgelöst, so könnt ihr auch euren Begleitern direkte Befehle erteilen. Das ist flott, spaßig und wird mit der Zeit auch angenehm taktisch, spätere Bosse lassen sich nicht so ohne Weiteres beiseite prügeln.

Patty & Flynn

Die wichtigste Neuerung dieser Definitive Edition sind die beiden neuen spielbaren Figuren. Flynn Scifo spielte bereits im 360-Original eine wichtige Rolle, schloss sich aber niemals wirklich der Heldentruppe an. Das ist nun anders, denn mit Flynn bekommt ihr nicht nur einen weiteren starken Kämpfer, sondern auch einen nützlichen Heiler. Komplett neu ist Patty, ein kleines blondes Piratenmädchen, das sich so gar nicht altersgemäß äußert – ob da etwa mehr dahintersteckt? Während Flynn sich gut ins Gesamtbild einfügt, ist Patty schon eher ein Fremdkörper – auch ohne sie hat die Geschichte auf der Xbox 360 bereits funktioniert.

Patty ist eine komplett neue Figur.Patty ist eine komplett neue Figur.

Immerhin ist sie aber spielerisch interessant: Sie kämpft mit Dolch und Pistole, darüberhinaus kann sie im Kampf auch hilfreiche Kreaturen beschwören. Und natürlich bringt eine neue Figur wie Patty auch ein paar neue Quests, Storyelemente und auch Sprachausgabe mit sich. Die wurde im Vergleich zum Original dann auch stark erweitert und steht sowohl im japanischen Original, als auch in englischer Synchronisation zur Verfügung, die Bildschirmtexte sind komplett deutsch.

Tales of Technik

In technischer Hinsicht hat sich nichts Dramatisches getan – allerdings war das auch kaum nötig, war Tales of Vesperia doch schon vor zehn Jahren ein technisch sauberes und grafisch gelungenes und dank stilisierter Darstellung auch durchaus zeitloses Abenteuer. Die Auflösung wurde in allen Version von den 720p des Originals auf 1080p erhöht, nur die Switch läuft im Handheld-Modus auf 720p – mehr macht der Bildschirm ja auch nicht mit. Einen 4K-Modus suchen "PS4 Pro"-Spieler und "Xbox One X"-Besitzer vergeblich, der ist aus unerfindlichen Gründen der PC-Gemeinde vorbehalten.

Die Darstellung der Figuren und Hintergründe kann sich immer noch sehen lassen.Die Darstellung der Figuren und Hintergründe kann sich immer noch sehen lassen.

Etwas eigen ist das Spiel auch in Sachen Bildrate. In allen Fassungen laufen die Kämpfe in sauberen 60 Bildern pro Sekunde – das sieht toll aus und fühlt sich auch toll an. Auf PS4 läuft auch der Rest des Spiels in 60fps, auf den anderen Systemen, auch der Xbox One X, laufen Oberwelt, Städte und Dungeons dagegen mit lediglich 30 Bildern, auf der Switch kommt es dazu noch zu ein paar auffälligen Ruckeleien wenn ihr die Weltkarte dreht. Da wäre sicher mehr drin gewesen.

Meinung von Thomas Nickel

Es gibt viele, viele Tales-Spiele, aber von all denen ist Tales of Vesperia auch nach zehn Jahren noch mein Favorit. Das liegt weder an der nach wie vor hübschen Grafik, noch dem flotten Kampfsystem – damit warten viele Teile der Reihe auf. Nein, ich finde einfach die Figuren hier am interessantesten, gerade Yuri benimmt sich im Vergleich zu Kollegen aus anderen Episoden nicht die ganze Zeit wie ein Vollidiot und ist sogar noch eine moralisch gelegentlich mal ambivalente Figur!

Das trägt das Spiel über weite Strecken ziemlich gut, und der spielerisch absolut stabile Unterbau tut dabei sein Übriges – dieses RPG spielt sich einfach absolut angenehm. Aber natürlich müsst ihr euch auch mit ein paar der typischen Tales-Eigenheiten arrangieren – der Anime-Faktor ist hoch und die Handlung wirkt manchmal etwas arg fragmentiert, ebenso könnten gerade ein paar der kleineren Nieswurz-Gegner gerne mal die Waffen nach ein paar weniger Treffern strecken.

Aber all das ist für Tales-Kenner ja nichts Neues – die sind sowieso wieder mit von der Partie, gerade wenn sie Tales of Vesperia wegen der bisherigen Xbox-Exklusivität verpasst haben. Und für Neulinge bietet diese Episode auch einen gelungenen Einstiegspunkt. Es wäre nur schön gewesen, wenn sich Bandai Namco bei der Technik des Remasters noch etwas mehr ins Zeug gelegt hätte – am Spielspaß ändert das letztlich aber nichts.

82

meint: Charmantes Rollenspiel klassischer Machart mit Erweiterungen im Vergleich zum ursprünglich Microsoft-exklusiven Original.

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Tags: Anime  

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