Dieser peinliche Moment: Als ich nach Jahren meine Minecraft-Bauten wiedersah

(Kolumne)

von Michael Sonntag (08. Januar 2019)

An Weihnachten wollte ich mich eigentlich nur aus Langeweile mit den alten Spielen auf meinem Laptop beschäftigen. Dabei wäre es niemals zu einer peinlichen Situation gekommen, wenn meine Freundin nicht neben mir gesessen hätte. Oder wenn ich schneller auf etwas anderes draufgeklickt hätte. Aber dann sah sie das Minecraft-Icon ...

Oft ist es nicht bloß die tolle Grafik, die spannende Geschichte oder der sympathische Hauptcharakter, der Spielern noch Jahre nach dem Genuss eines Abenteuers im Gedächtnis bleibt. Solche Erinnerungen drehen sich häufig um einen kurzen Moment. Einen besonderen Moment. >>Diesen einen Moment!<< Dem widmen wir diese Artikel-Serie und beschreiben aus unserer persönlichen Sicht, was diesen Moment so besonders und unvergesslich macht.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Dieses Video zu Minecraft schon gesehen?

Es war einmal ein größenwahnsinniger Nerd ...

Als mein Minecraft-Charakter nach acht Jahren Winterschlaf die Augen wieder öffnete, blickte er direkt in einen Tunnel, der mit Fackeln ausgestattet war. Obwohl mir der Ort bekannt vorkam, konnte ich nicht sagen, wo er hinführte.

Aber es war mir beim Bau offenbar wichtig gewesen, dem Besucher zu vermitteln, dass er sich auf dem Weg zu etwas Wichtigem befand, vielleicht sogar dem Wichtigsten in seinem Leben. Oder dem Pixeligsten. Ich vergrub mich in meiner Hand. So sehr ich es auch wollte, ich durfte wegen meiner neugierigen Freundin das Spiel nicht verlassen, nur vorwärts gehen.

Wie sich zeigte, führte der Weg in einen Tempel. Mysteriöse Symbole, hohe Decken, ein Podest für wertvolle Artefakte, vielleicht gab es auch Fallen - Indiana Jones würde sich hier wohl fühlen. Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Gerade wollte ich das Ganze noch mit einem Satz wie „Ja, das war leider schon alles, ich hab's nicht so lang gespielt!“ abtun, als meine Freundin auf einen Eingang unter dem Podest aufmerksam wurde.

Also wenn Naughty Dog "talentierte" Designer suchen sollte - das hier ist meine inoffizielle Bewerbung!Also wenn Naughty Dog "talentierte" Designer suchen sollte - das hier ist meine inoffizielle Bewerbung!

Anscheinend war der Raum nur die Eingangshalle dieses Bauwerks gewesen, darunter befand sich der wahre Tempel, der gleich dreimal so groß und imposant war. Ja, ich habe etwas übertrieben! Aber ich durfte immer noch nicht aufatmen, denn unter diesem Raum, der sich als zweite Eingangshalle herausstellte, lag noch einer ...

Nachdem wir endlich den Ausgang dieses angeberischen Monuments gefunden haben - für einen Souvenir-Shop hatte ich anscheinend keine Steine mehr gehabt - lag die normale Blöckchenwelt da, unberührt von meinen größenwahnsinnigen Händen. „Zeig mir bitte noch was!“, sagte meine bessere Hälfte, die irgendwann aufgehört hatte zu lachen. Ich, der die Sache mittlerweile auch irgendwie unterhaltsam fand, überlegte, was hier noch so herumstand.

Da war mein erstes Block-Haus auf einer Klippenküste. Das klingt jetzt für meine Verhältnisse überraschend bescheiden, aber keine Sorge, darunter befand sich eine gigantische Geheimbasis. Außerdem hatte ich mich an einer Unterwasserstadt, einem „RTL“-Schriftzug (den ich anscheinend mit Dynamitblöcken hochjagen wollte) und an einer Nachbildung des „Dead Space“-Markers versucht. Beim Anblick dieser Objekte wollte ich mein altes Ich sofort in den Arm nehmen. Um es abwechselnd zu trösten und zu verhauen.

Niedlich, oder? Hätte ich kein Schild drangehängt, hätte ich nicht gewusst, was es darstellen soll.Niedlich, oder? Hätte ich kein Schild drangehängt, hätte ich nicht gewusst, was es darstellen soll.

Als Archäologe in meinem Kopf unterwegs

Das war ein merkwürdiges Gefühl. Einerseits wusste ich, dass ich diese Bauwerke erschaffen habe, andererseits waren sie mir aber auch fremd, weil ich ihre Bedeutung und Absicht nicht mehr verstand. Es gab zum Beispiel fliegende Konstruktionen, die eine Mischung aus Buchstaben und Dreizacken darstellten. Entweder hatte ich hier versucht, die Sprache des Universums zu entschlüsseln oder ich hatte einfach nur Lust gehabt, zu experimentieren und irgendeinen Quatsch zu bauen.

Appropos Quatsch: Als meine Freundin und ich nach einem Rundgang durch mein Museum das Meer erreichten, stießen wir auf eine Schienenstrecke, die geradewegs auf den Horizont zu führte. Nachdem ich in eine Lore eingestiegen war und losfuhr, dämmerte es mir, wo es jetzt hinging: Zu meinem Opus Magnum. Ich habe Minecraft ungefähr ein halbes Jahr lang gespielt und hatte nach diesem Werk aufgehört. Mein altes Ich hätte gesagt: „Damit habe ich alles Bisherige in den Schatten gestellt.“ Ja, hast du, Trottel, dachte ich Augen verdrehend.

Darf ich vorstellen? Eine Tempelbasis mit einer Laserkanone, einem Steingarten und einem Flughafen.Darf ich vorstellen? Eine Tempelbasis mit einer Laserkanone, einem Steingarten und einem Flughafen.

„Immerhin ist es symmetrisch gebaut“ war alles, was ich darauf erwidern konnte. Meine Freundin schnappte sich den Laptop und erkundete amüsiert dieses Gebäude. Es gibt wenig Spiele, die mit Minecraft vergleichbar sind. In den "Die Sims" geht es bei jedem gleich zu - Ihr baut meistens euch selbst nach, danach eure Freunde und ein paar fiktive Familien - aber wenn ihr den Minecraft-Server eines anderen betretet, findet ihr euch in einem ganz eigenem Universum wieder.

Minecraft ist wie Tagebuch schreiben, nur mit Klötzchen. Wie ich zu Weihnachten erneut sehen konnte, hatte mein jüngeres Ich offenbar viel Spaß beim Bauen gehabt, hat sich für geheime Orte wie Tempel und Basen interessiert (Die interessieren mich heute immer noch), war schon damals perfektionistisch gewesen und offen für absurde Ideen. Aber es wollte offenbar niemals jemandem diese Dinge zeigen. Das tue ich jetzt, weil es nicht nur peinlich ist, sondern auch extrem witzig.

„Was hättest du damals gebaut?“, fragte ich meine Freundin nach dem Spielen. „Hogwarts vermutlich.“ Zu gern hätte ich das gesehen.

Ich kann jedem nur empfehlen, diese Reise in seine alte Minecraft-Welt zu unternehmen. Es ist ein bisschen wie ein altes Fotoalbum durchzuschauen, das sowohl rührende als auch peinliche Kinderbilder enthält. Was würdet ihr in eurer Welt antreffen? Schreibt es mir gerne in die Kommentare!

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Tags: Dieser eine Moment  

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