Bloodborne: "Ich kann es nicht ohne Komplettlösung spielen."

(Kolumne)

von Stefan Wirth (07. Januar 2019)

Videospiele sollen nicht nur unterhalten, sie sollen euch auch herausfordern. Wie diese Herausforderungen aussehen, kann ganz unterschiedlich sein. Manche Spiele setzen auf knifflige Rätsel, andere auf emotionale Dilemmas, bei denen auf den ersten Blick gar nicht erkenntlich ist, welche der Entscheidungsmöglichkeiten gut oder schlecht ist, und wieder andere sind einfach bockschwer.

Eigentlich mag ich diese Herausforderungen. Ich finde es toll, stundenlang über ein schwieriges Rätsel zu grübeln, bis ich endlich die zündende Idee habe. Auch mag ich es, wenn ein Spiel mich durch seinen Schwierigkeitsgrad herausfordert und ich überlegt an die Kämpfe herangehen muss. Jedoch ist mir in letzter Zeit verstärkt aufgefallen, dass ich den besten Freund jedes frustrierten Spiele-Fans konsultiere: die Komplettlösung.

Die besten Vorsätze

Besonders bei einem Spiel ist mir aufgefallen, dass ich doch immer wieder in die Komplettlösung schaue, obwohl ich das doch eigentlich gar nicht möchte. Dieses Spiel heißt Bloodborne. Ich höre schon wie die eingefleischten Fans der Soulsborne-Reihe angesichts dieser Todsünde aufschreien - doch Stopp! Lasst mich mein Verhalten erklären.

Ich bin mit den besten Absichten in meinen Spieldurchlauf von Bloodborne gestartet. Keine Komplettlösung, keine Guides, kein Sonstwas - das war mein Vorsatz und diesen hielt ich auch über lange Zeit ein. Die ersten vier oder fünf Bosse hatte ich besiegt, ohne mich nur einmal darüber zu informieren, wo es als Nächstes hingehen sollte.

Der Eingang zum Verbotenen Wald - bis dahin schaffte ich es, ohne einen Guide zu lesen.Der Eingang zum Verbotenen Wald - bis dahin schaffte ich es, ohne einen Guide zu lesen.

Schließlich kam ich in den Verbotenen Wald und mich ereilte der Albtraum eines jeden Videospiel-Fans. Eine Gefahr größer als jeder Gegner oder Boss - der Alltag. Über Monate hinweg fand ich keine Zeit, meine PlayStation 4 auch nur anzurühren. Mein Bloodborne-Spielstand schimmelte auf meiner Festplatte ungenutzt vor sich hin.

Mein bisheriges Vorgehen in solchen Situationen war es, das Spiel noch einmal komplett von Beginn an zu spielen. Jedoch weiß ich mittlerweile, dass ich auf diese Art und Weise nie ein Spiel durchspiele. Deshalb startete ich wieder im verbotenen Wald und wusste ... nichts mehr.

Nur einmal schnell einlesen

Nicht nur, dass ich mich nicht mehr zurechtfand, ich hatte auch deutlich an Skill eingebüßt. Eine Steuerungsübersicht wie in anderen Spielen gibt es in Bloodborne nicht. Da ich aber wirklich nicht von vorne beginnen wollte, konnte ich nicht anders als meine goldene Regel zu brechen: Ich suchte nach einem Steuerungs-Guide.

Den Geheimweg zur verlassenen Werkstatt hätte ich ohne Guide wohl nie gefunden:

Dieser erwies sich sogar als hilfreicher als ich zunächst dachte. Ich wusste bereits vorher, dass es einen sogenannten Eingeweideangriff gibt, der eine Menge Schaden zufügt. Nun wusste ich aber auch, wie man diesen gezielt ausführt. Das sollte mir zunächst reichen, schließlich wollte ich ja nur spielerisch wieder einigermaßen reinkommen. Das gelang sogar ziemlich gut, ein Problem gab es aber trotzdem noch.

Ich hatte keine Ahnung mehr, was das Spiel eigentlich genau von mir will. Ich bin ein Jäger auf der Jagd - aber wieso? Wer sind diese Leute in der Kathedrale und wohin bin ich eigentlich gerade auf den Weg? Es half alles nichts. Wenigstens ein bisschen musste ich verstehen, worum es bei dem, was ich spielte, überhaupt ging. Ich beschloss meine goldene Regel abermals über Bord zu werfen und mich in die Story einzulesen.

Ein Fass ohne Boden

Was so behutsam mit der Beschreibung zu Yharnam und wer die Jäger überhaupt sind anfing, entpuppte sich als endloser Hasenbau. Je mehr ich wusste und je weiter ich im Spiel voranschritt, umso mehr wollte ich wissen.

Wer sind die Ekelblüter? Was hat es mit Ludwig, dem ersten Jäger, auf sich? Was ist das Ziel der großen Alten? Immer mehr dieser Fragen erwachten in mir. Mittels Lore-Videos, Wiki-Einträgen, Guides, Rankings und Speedruns stillte ich meinen Wissensdurst.

Besonders die Geschichte um Ludwig, den ersten Jäger der Heilenden Kirche, faszinierte mich.Besonders die Geschichte um Ludwig, den ersten Jäger der Heilenden Kirche, faszinierte mich.

Irgendwann war ein Punkt erreicht, an dem ich mehr Zeit damit verbrachte über das Spiel zu lesen als wirklich selbst zu spielen. Wenn ich dann doch einmal selbst spielte, wollte ich jedes der vielen geheimen Gebiete erkunden. Kein Stein wurde auf dem anderen gelassen und jedes noch so versteckte Item geborgen.

Der Zwang zur Perfektion

Winziger Spoiler am Rande!

Bloodborne hat drei verschiedene Enden. Davon bin ich nicht gerade ein Fan, denn allein dieser Fakt beeinflusst maßgeblich, wie ich ein Spiel spiele. Ich komme dadurch in einen Zustand, in dem ich das Spiel nicht mehr einfach so auf mich wirken lassen kann. Ich spoilere mich selbst, um das Spiel mit dem Fortschritt und dem Ende abzuschließen, wie ich es als perfekt erachte.

So ging es mir auch bei The Witcher 3 - Wild Hunt oder Fallout 4. Ich kann mich in diesen Welten noch weit über das eigentliche Spiel hinaus verlieren, jedoch schaffe ich es nicht es gut sein zu lassen. Ein Spiel, das mich so fesselt, muss ich perfekt zu Ende führen.

Auf der einen Seite ist es gut, denn so kann ich das Maximum - zumindest das, was ich als Maximum erachte - aus jedem Spiel herausholen. Auf der anderen Seite gehen so viele Überraschungen verloren, welche die Spiele besonders und einzigartig machen. Egal ob The Witcher, Fallout oder Soulsborne – diese Welten fesseln mich und ich finde es wahnsinnig toll mich darin zu verlieren, jedoch habe ich das Gefühl, sie selbst nur zur Hälfte zu erleben.

Wie sieht euer Umgang mit Komplettlösungen aus - erachtet ihr sie als Fluch, Segen oder etwas von beidem? Ertappt ihr euch auch dabei, immer ein bisschen zu viel nachzulesen oder lasst ihr Guides und dergleichen komplett links liegen? Habt ihr Tipps, um euch damit nicht selbst zu viel vorwegzunehmen? Verratet mir eure Vorgehensweisen und Geschichten in den Kommentaren!

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Tags: Singleplayer   Fun  

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