Dieses eine Spiel: Renés Battlefield, bevor es Battlefield gab

(Kolumne)

von René Wiesenthal (09. Januar 2019)

Noch bevor es Battlefield gab, beeindruckte mich ein Shooter, der auf eine ähnliche Weise die Furcht vor dem Krieg lehrte und mir spielerische Freiheit zeigte: Operation Flashpoint – Cold War Crisis. Bis heute hat es mich in meinen Blick auf Videospiele geprägt.

Ihr alle habt es wahrscheinlich: Dieses eine Spiel, das euch aus ganz unterschiedlichen Gründen am Herzen liegt. Vielleicht liegt das gar nicht nur am Spiel selbst, sondern auch an den Umständen, wie ihr es gezockt habt: Eurer Kindheit oder Jugend. Die Menschen, mit denen ihr es gespielt habt ... An dieser Stelle wollen wir euch von unseren ganz subjektiven und persönlichen Spiel-Geschichten erzählen.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Eine kleine Geschichtsstunde: Im Jahr 2013 brachte das Entwicklerstudio Bohemia Interactive eine Mod zu ihrem Militär-Shooter Arma 2 heraus, die später um das eigenständige Zombie-Survival DayZ ergänzt wurde. Beide Spiele sind euch vermutlich ein Begriff. Doch die Arma-Reihe hat ein paar Quasi-Vorgänger, die vielleicht nicht jedem so geläufig sind: Sie sind Teil der sogenannten "Operation Flashpoint"-Reihe.

Die Rechte an dieser gingen irgendwann an Codemasters über, doch die Arma-Entwickler sind die Schöpfer der Franchise und damit auch die eines Shooters, der mich nachhaltig beeindruckt hat: Des ersten Teils der Reihe, Operation Flashpoint – Cold War Crisis, das erstmals 2001 für PC erschien.

Kaum zu glauben, aber Operation Flashpoint ist ein Quasi-Vorgänger hiervon:

Das Spiel ist in mehrerlei Hinsicht eine Besonderheit - für mich persönlich, aber auch im Allgemeinen. Allgemein deshalb, weil es einen sehr speziellen Ansatz für einen Shooter seiner Zeit wählte. Anstatt euch in ein actiongeladenes Feuergefecht nach dem anderen zu scheuchen, lässt euch Operation Flashpoint lange zwischen den Kämpfen atmen – und damit zittern. Denn wenn ihr auf Feinde stoßt, müsst ihr sehr überlegt und gekonnt vorgehen, um nicht Kanonenfutter zu werden. Ein gezielter Treffer kann euch in euren Bewegungen schwer einschränken, ein zweiter bereits das virtuelle Leben kosten.

Der Einstand eines PC-Neulings

Für mich war Operation Flashpoint zudem ein spezielles Spiel, da es eines der ersten Games war, die ich auf meinem ersten eigenen PC gezockt habe. Und bis heute ist es wohl eines meiner meistgespielten PC-Spiele aller Zeiten. Es hat mir die Augen geöffnet, was ein First Person Shooter alles sein kann.

Besonders war für mich zum Beispiel die Möglichkeit, die großen Areale der Inseln im Spiel mit diversen Fahrzeugen zu bereisen, zu Land und in der Luft, sowie fast alle vorhandenen Gebäude zu betreten. Es war mein persönliches Battlefield, noch bevor Battlefield erschien, geschweige denn ich erstmals einen Teil der Reihe spielte. Und es stellte spielerische Freiheit über Bombast-Inszenierung.

Weitläufig und stimmunsvoll - so empfand ich das Spiel zu seiner Zeit.Weitläufig und stimmunsvoll - so empfand ich das Spiel zu seiner Zeit.

Und so wie beispielsweise Battlefield 5 in der Kampagne (ob nun gekonnt oder nicht, muss jeder selbst entscheiden) das Grauen des Krieges näherbringen will, konnte mir Operation Flashpoint das Fürchten davor lehren – jedoch in einem fiktiven Kriegsszenario zu Zeiten des Kalten Krieges. Mit dezenten Mitteln und Spannungsbögen wie im Horrorfilm wich es von der Glorifizierung kriegerischer Konflikte in Shootern ab, wie ich sie gewohnt war, und ließ mich durchweg bangen.

Willkommen im Dreck

Kennt ihr die Sequenz im Film Jarhead – Willkommen im Dreck (Spoiler zum Film voraus), in der Troy nach seinem perfekten Treffer giert und einen Nervenzusammenbruch erleidet, nachdem das Kommando zum Schießen abgeblasen wird? (Spoiler Ende) Operation Flashpoint vermittelt auf eine ähnliche Weise wie der Film die Konditionierung der Soldaten auf den einen, perfekten Schuß, der dem ganzen kräftezehrenden Einsatz seine traurige Bedeutung verleihen soll.

Ihr erledigt anfangs banale Aufgaben, Botenmissionen und Patrouillen, seid aber permanent in Alarmbereitschaft angesichts der drohenden Gefahr, die vom Konflikt ausgeht, in dem ihr euch befindet. Im Gegensatz zu Troy in Jarhead wurde ich als Spieler aber nicht scharf darauf, endlich eine Kugel abzufeuern. Der Effekt war ein gegenteiliger: Durch die Weitläufigkeit der Welt, die zum Präsentierteller werden konnte, den reduzierten Einsatz von bewaffneten Auseinandersetzungen, der keine Routine einkehren ließ, und den hohen Schwierigkeitsgrad von Gefechten, wurde ich ehrfürchtig, ängstlich.

Starke Nerven erforderlich

Es ist alles andere als schön, die Soldaten fallen zu sehen.Es ist alles andere als schön, die Soldaten fallen zu sehen.

Ich musste starke Nerven beweisen, wenn ich Gegnerkontakt hatte. Ein paar Treffer und ich war erledigt. Die NPCs wirkten für damalige Verhältnisse zudem ziemlich menschennah auf mich, wodurch Beschuss in den eigenen Reihen, aber auch bei gegnerischen Soldaten, immer schwer mitzuerleben war.

Heute eher grobschlächtig: Solche Szenen empfand ich als grausam und bedrückend.Heute eher grobschlächtig: Solche Szenen empfand ich als grausam und bedrückend.

Jeder Abschuss meinerseits war für mich – möglicherweise auch wegen meines noch geringeren Alters – mit Abscheu verbunden. Ich wusste, ich hatte meine Pflicht erfüllt, hatte aber einen unangenehmen Beigeschmack im Mund. Was nicht heißt, dass mir das Spiel nicht dennoch Spaß gemacht hat, es war nur weit weniger stumpf als andere Shooter, die ich kannte, und erzeugte so eine ganz spezielle Atmosphäre.

Abseits dieser für mich damals ungewöhnlichen Konfrontation mit dem Thema Krieg in einem Videospiel, mochte ich die Möglichkeit, eigene Missionen erstellen zu können und Skripte darin einzubauen. Ich spielte viel mit den Optionen herum und war beeindruckt von den Ausmaßen der Karten, die mir erst im Editor richtig bewusst wurden.

Ein Shooter mit großen, weitläufigen Karten, der nicht nur auf ständiges Geballer setzt, sondern vor allem auf Atmosphäre und ein Gefühl der Bedrohung. Der taktisches Vorgehen und Skill belohnt, eine Vielzahl an Fahrzeugen und unterschiedlichen Waffenklassen zur Verfügung stellt. Das alles ist Operation Flashpoint und war es erstaunlicherweise bereits im Jahr 2001.

Eine speziellere Erfahrung hätte es für mich als frischen PC-Spieler kaum geben können. Doch auch erfahrenen Spielern, die Operation Flashpoint verpasst haben, kann ich ans Herz legen, sich einmal damit zu beschäftigen. Es wird euch vielleicht auch heute noch begeistern, was es damals schon alles geboten hat.

Oder kennt ihr das Spiel und habt ähnliche Erfahrungen damit gemacht? Erzählt uns in diesem Fall gern von euren persönlichen Erinnerungen und Eindrücken zu Operation Flashpoint - Cold War Crisis. Lasst uns dazu gerne eure Kommentare da, wir freuen uns, sie zu lesen!

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Tags: Retro   Dieses eine Spiel  

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