Videospielverfilmungen:Hollywood sucht sich die falschen Spiele aus! (Kolumne)

von Stefan Wirth (13. Januar 2019)

(Quelle: Warner Bros. Home Entertainment)(Quelle: Warner Bros. Home Entertainment)

Auch im Jahr 2018 hat sich Hollywood wieder einmal daran versucht, eine Filmadaption zu einem Videospiel zu produzieren. Heraus kam bei diesem Vorhaben der Film Tomb Raider, der … ganz okay war. Nur wenige Zuschauer fanden ihn wirklich schrecklich, aber genauso wenige waren davon begeistert.

Damit stellt Tomb Raider jedoch beinahe die absolute Ausnahme dar. Hitman, Assassin's Creed, Super Mario Bros., Postal, Far Cry, muss ich noch mehr sagen? Videospielverfilmungen sind nicht gerade dafür bekannt Zuschauer und Kritiker zu begeistern.

Daraus scheint Hollywood jedoch nicht besonders viel zu lernen, schließlich sind mit Meisterdetektiv Pikachu und Sonic The Hedgehog zwei besonders merkwürdige Projekte in der Mache. Dazu kommen dann noch die unzähligen Ideen, die irgendwann einmal angekündigt wurden, seitdem aber nur mit Personalproblemen und Aufschüben ins Ungewisse von sich reden machen. Das beste Beispiel dafür ist wohl der Uncharted-Film.

Nichts hat mich so fragend zurückgelassen, wie zuletzt der Trailer zu Meisterdetektiv Pikachu:

Warum werden Videospiele überhaupt verfilmt?

Diese Frage ist allein mit dem wirtschaftlichen Aspekt leicht beantwortet. Wenn ein Videospiel schon weithin bekannt ist, kann ein Filmstudio davon ausgehen, dass eine Adaption eine gewisse Fan-Gemeinschaft anzieht. Der Erfolg der Marvel-Filme beweist das gewissermaßen. Dieses Argument ist in diesem Fall allerdings nicht unbedingt zielführend.

Viel wichtiger: Es ist überhaupt keine Neuerung, dass kreative Köpfe versuchen eine Geschichte von einem Medium in ein anderes zu verfrachten. Es gibt unzählige Filme, Brettspiele, Serien, Hörspiele, Comics und auch Videospiele, die ihre Inspiration aus Büchern ziehen. Eigentlich lässt sich sogar sagen, dass jedes dieser Medien schon ein anderes inspiriert hat.

Wohl kaum eine literarische Figur hat das Medium der Videospiele so geprägt wie der Hexer Geralt.Wohl kaum eine literarische Figur hat das Medium der Videospiele so geprägt wie der Hexer Geralt.

Leugnen lässt sich jedoch nicht, dass die Adaptionen rein qualitativ äußerst durchwachsen sind. Um im Bereich der Videospiele zu bleiben: Die "The Witcher"-Reihe setzt die Bücher von Andrzej Sapkowski großartig fort, auf der anderen Seite gibt es aber auch Spiele wie Aliens - Colonial Marines und E.T.

Was macht eine Adaption gut?

Auf diese auf den ersten Blick schwierige Frage gibt es eine einfache Antwort. Sie muss der Vorlage etwas hinzufügen und nicht nur etwas wegnehmen. Da es in diesem Bereich deutlich mehr gute Beispiele gibt, wagen wir einen kleinen Exkurs in die Welt der Literaturverfilmungen.

Die Schlacht um Gondor: Eine der imposantesten Action-Szenen der jüngeren Filmgeschichte. (Quelle: New Line Home Entertainment)Die Schlacht um Gondor: Eine der imposantesten Action-Szenen der jüngeren Filmgeschichte. (Quelle: New Line Home Entertainment)

Der Buchzyklus Der Herr der Ringe galt über Jahrzehnte hinweg als unverfilmbar. Wie ihr aber sicherlich wisst, gibt es mittlerweile zu allen drei Büchern Filme - und was für welche! Was diese so außergewöhnlich macht, ist, wie unglaublich gut sie die Bücher bebildern. Die fantastischen Schauplätze und Kreaturen erwachen auf eine Art zum Leben, die vorher niemand für möglich gehalten hätte.

Eine weitere, meisterlich gelungene Literaturverfilmung ist The Shining, auch wenn Stephen King, der Autor des Buches, das anders sieht. Der Film profitiert ähnlich wie Der Herr der Ringe von der handwerklichen Meisterleistung, die zum Zeitpunkt der Entstehung absolut bahnbrechend war.

Mit seiner einzigartigen Ästhetik erzeugt The Shining eine ganz andere Art von Horror als das Buch. (Quelle: Warner Home Video)Mit seiner einzigartigen Ästhetik erzeugt The Shining eine ganz andere Art von Horror als das Buch. (Quelle: Warner Home Video)

All diesen Filmen gelingt der Spagat, die essenzielle Handlung der Bücher wiederzugeben, sich zu trauen, gewisse Aspekte auszulassen, aber auch die fantastischen Bilder hinzuzufügen und durch das filmische Erzählen eine ganz andere Art der Faszination aus der Geschichte herauszuholen. In The Shining ist das der psychologische Horror. In Der Herr der Ringe sind es die epischen Schlachten.

Studios suchen sich die falschen Spiele aus

Schauen wir uns jetzt einmal an, welche Spiele Hollywood verfilmt. Assassin's Creed, Tomb Raider, Ratchet & Clank gibt es schon und ein Uncharted-Film ist geplant. Auch wenn das nur einige Beispiele sind, fällt doch eine Sache auf: Bei all diesen Spielen handelt es sich um Action-Spiele.

Der Bombast eines Uncharted 4 steht dem eines Actionfilms in nichts nach.Der Bombast eines Uncharted 4 steht dem eines Actionfilms in nichts nach.

Diese Spiele setzen, was die Geschichte angeht, vor allem auf filmische Elemente wie Zwischensequenzen, in denen ihr nicht selber spielt. In den eigentlichen Spielpassagen wird die Geschichte zurückgefahren, dafür passiert aber auch mehr Action, welche in den meisten Fällen filmreif inszeniert ist. Die Story, die erzählt wird, ist auch ähnlich aufgebaut. Es gibt einen großen Gegenspieler, den die Hauptfigur am Ende des Spiels besiegt.

Genauso funktionieren die Filme zu den Spielen dann auch, mit derselben Art der Inszenierung und derselben Action. Der tiefgreifende Unterschied ist, dass ihr nicht selber spielt. Dazu kommt der Fakt, dass Videospiele grafisch immer beeindruckender werden. Nicht einmal mehr die Bilder, die ein Film bieten kann, sind also besser als die des Spiels.

Welche Spiele als Film interessant sein könnten

Warum werden also genau solche Spiele immer wieder verfilmt, wenn die Filme doch von der Ästhetik und Erzählung dem Spiel so ähnlich sind, nur ohne die Interaktivität? Die Gründe dafür sind verschieden. Der wohl wichtigste wird wahrscheinlich sein, dass diese Spiele eine große Fan-Basis haben, und das, was die Spiele ausmacht, sich leicht in einen Film übertragen lässt, weil es eben fast schon Filme sind.

Die Geschichte von Ludwig (das abgebildete Monster) aus Bloodborne würde ich gerne als Film sehen:Die Geschichte von Ludwig (das abgebildete Monster) aus Bloodborne würde ich gerne als Film sehen:

Deswegen fände ich es interessant, wenn Spiele, die anders funktionieren als ein Film, als solcher umgesetzt werden. Einen Film zu Dark Souls oder Bloodborne fände ich interessant, da diese Spiele ihre Lore sehr versteckt und unterschwellig erzählen. Ich würde gerne sehen, wie sich ein Spielfilm dieser Geschichten annimmt.

Auch zu Indie-Spielen wie Papers, Please oder The Binding of Isaac würde ich gerne einen Film sehen, da auch diese ihre Geschichte ganz anders erzählen. Natürlich würde es nicht direkt bedeuten, dass die Filme gut werden. Ich finde es aber deutlich interessanter, die Storys dieser Spiele in einem Film erzählt zu bekommen. Ich muss nicht Uncharted im Kino sehen, wo doch das Spiel schon fast ein Film ist. Vielleicht sind also Filme zu Sonic und Pikachu gar keine schlechte Idee.

Wie steht ihr zu dem Thema Videospielverfilmungen? Gibt es Beispiele, die euch gefallen haben oder fandet ihr sie auch immer enttäuschend? Zu welchen Spielen würdet ihr gerne einen Film sehen? Verratet es mir in den Kommentaren!

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