Vorschau Metro - Exodus: Das Spiel geht einen riskanten Weg

von Micky Auer (16. Januar 2019)

Ein gewagter Schritt: Im vorläufig letzten Teil der Metro-Reihe entfernt sich das Spiel beinahe gänzlich von dem, was es eigentlich auszeichnet. Nämlich den Schauplatz "Metro", den es sogar im Namen trägt. Kann das überhaupt funktionieren?

London, im Januar 2019: Journalisten aus ganz Europa sind eingeladen, sich auf eigene Gefahr ins postnukleare russische Ödland zu begeben. Wir waren auch mit dabei und durften einen zuvor noch nicht gezeigten, ausgesprochen großen Abschnitt von Metro - Exodus erkunden.

Dankenswerterweise war es uns möglich, das Spiel auf eigene Faust zu erleben, ohne von irgendjemandem milde aggressiv in eine ganz bestimmte Richtung dirigiert zu werden, um irgendwelche Highlights zu erleben. Nur so kann man sich wirklich authentische Eindrücke von einem Spiel verschaffen. Das zeigt, dass Publisher und Entwickler wohl Vertrauen in ihr Produkt haben. Außerdem ist das neue Metro-Abenteuer so aufgebaut, dass es weitaus mehr als nur eine Möglichkeit gibt, das Geschehen zu erleben.

Metro - Exodus (der biblisch geprägte Begriff für den Auszug eines Volkes) ist genau das: Während Metro 2033 und Metro - Last Light nur kurze Ausflüge an die lebensbedrohliche Erdoberfläche erlaubt haben, der Großteil der Geschichte aber in den toten U-Bahnen unter Moskau stattfindet, werdet ihr im kommenden Spiel vordergründig unter freiem Himmel unterwegs sein.

An Bord der Dampflokomotive Aurora (mitsamt Zug) erforscht Hauptfigur Artjom die Welt nach Orten, an denen eine Gruppe von Freiheitskämpfern ein neues Zuhause finden kann. Hier wagt Metro - Exodus einen riskanten Schritt: Die namensgebende Umgebung, die integraler Bestandteil der mystisch angehauchten Erzählung ist, wird verlassen. Gleichzeitig geben sich die Entwickler dem Trend zum Survival-Spiel und einer quasi offenen Welt hin.

Die Frage stellt sich, ob hier nicht zu sehr auf alte Tugenden verzichtet wird, um sich vielleicht kurzlebigen Marketing-Schlagworten hinzugeben (Open World, Survival, Crafting ...). Die Antwort lautet von unserem Standpunkt aus: Vielleicht, ja. Aber es gibt genug neue Tugenden, die die Reihe nicht nur vor einem qualitativen Absturz bewahren, sondern sogar über sich hinauswachsen lassen.

Eine neue Welt mit neuen Möglichkeiten

Vorbei sind die Zeiten der finsteren Tunnel und Schächte unter einer toten Stadt. Die Welt von Metro - Exodus ist groß, weit und offen. Jedoch ist sie nur bis zu einem gewissen Grad eine "Open World". Vielmehr handelt es sich um überaus große Einzelbereiche, die für sich eine kleinere Version einer Open World darstellen. Wobei "klein" hier mit Vorsicht zu genießen ist. Die Welt fühlt sich nämlich ausgesprochen groß und abwechslungsreich an.

Erinnert stark an Mad Max: Wo früher das Kaspische Meer lag, erstreckt sich jetzt eine Wüste.Erinnert stark an Mad Max: Wo früher das Kaspische Meer lag, erstreckt sich jetzt eine Wüste.

"The Caspian" - Das Kaspische Meer: So lautet der Name des Abschnittes, den wir erforschen durften. Wo vor dem Atomkrieg das größte Binnenmeer der Welt lag, zeugen in der düsteren Zukunft des Spiels nur noch die verrosteten, auf Grund liegenden Schiffe davon, dass hier einst eine gigantische Wasserfläche existierte. Das Kaspische Meer ist zu einer Wüste geworden, voller mutierter Kreaturen, hochexplosiver Erdgasvorkommen und einer Atmosphäre, die auf positive Weise an den Film Mad Max erinnert.

Dazu gehören auch gegnerische Fraktionen, religiöse Kulte, Banditen und Sklavenhalter. Die Welt mag zwar an der Oberfläche längst nicht mehr so verstrahlt sein, wie es zuvor der Fall war, lebensfreundlicher macht sie das aber auch nicht. Um zu überleben, führt das Spiel eine weitere Mechanik ein, die sich hervorragend in das Gesamtkonzept einfügt: Crafting und Survival - zumindest in einer "Light"-Version.

Artjom wird nicht alle drei Schritte von Hunger und Durst geplagt, jedoch nimmt seine Ausrüstung Schaden, verschmutzt und muss gereinigt werden, um Fehlfunktionen zu verhindern. Luftfilter für Gasmasken verbrauchen sich, Munition ist ohnehin zu einem der kostbarsten Güter geworden. All das könnt ihr finden, bei Händlern kaufen, aber auch selbst herstellen. An speziellen Werkbänken könnt ihr eure Ausrüstung warten und neue Gegenstände basteln. Im freien Feld steht eine abgespeckte Crafting-Variante zur Verfügung, die euch die wichtigsten Gegenstände auch unterwegs herstellen lässt.

Wenn ihr beim Schleichen versagt, bleibt immer noch rohe Waffengewalt.Wenn ihr beim Schleichen versagt, bleibt immer noch rohe Waffengewalt.

Das Spiel unterstützt jede Art von Spieler. Seid ihr richtig gut in Shootern und braucht nicht mehr als einen Schuss pro Gegner, um ihn aus dem Weg zu räumen? Das ist machbar. Zieht ihr die leise Variante vor und erledigt Widersacher lieber aus dem Hinterhalt? Auch machbar. Das Spiel verfügt über eine grundsolide Stealth-Mechanik. Oder gehört ihr zu jenen, die am liebsten jeden Stein umdrehen und nach wertvollen Rohstoffen suchen? Dann fällt eure Belohnung in Metro - Exodus ganz besonders reichhaltig aus. Die auf den ersten Blick kargen Gegenden glänzen nämlich durch Vielfalt, viele versteckte und geheime Orte und dementsprechend auch durch die stets so kostbaren Rohstoffe.

Bei all dem bleibt zu erwähnen, dass sich das alles immer noch wie Metro anfühlt und in seiner Gesamtheit eine sinnvolle, spannende und spielenswerte Weiterentwicklung darstellt. Ob das Geschehen nun in dunklen Höhlen oder unter strahlendem Sonnenschein oder einem funkelnden Sternenhimmel stattfindet, ist letzten Endes ganz egal. Es ist den Entwicklern gelungen, diese ganz eigene Stimmung der Spiele nicht nur beizubehalten, sondern sogar noch zu fördern und zu erweitern. Eine nützliche Crafting-Mechanik ist nur die logische Konsequenz daraus.

Alte Gewohnheiten

Die grundlegenden Spieleigenschaften bleiben rein technisch so gut wie unverändert. Metro - Exodus ist auch wie seine beiden Vorgänger aus der Ego-Perspektive spielbar, ist aber trotz der offensichtlichen Aufmachung nicht unbedingt ein reiner Shooter. Der Fokus liegt mehr auf der Erforschung einer Welt, der Erkundung ihrer Geheimnisse und dem Erleben von Geschichten. Die Shooter-Mechanik ist lediglich Teil des Gesamtkonzepts, nicht die tragende Funktion.

Trotz bekannter Mechaniken gibt es viel Neues. So auch den dynamischen Tageszeitenwechsel.Trotz bekannter Mechaniken gibt es viel Neues. So auch den dynamischen Tageszeitenwechsel.

Die anfangs etwas umständlich wirkende Steuerung hat sich nicht verändert. Jedoch haben wir beim Spielen festgestellt, dass man schnell wieder reinkommt. Funktionen wie Taschenlampe, handbetriebener Dynamo (um Akkus aufzuladen), Gasmaske aufsetzen und Schmutz von der Sichtscheibe wischen, Munition auswählen, pneumatische Waffen aufladen, schießen, nachladen und so weiter ... Wenn ihr Metro kennt, werdet ihr euch schnell wieder an die teils doppelt belegten Tasten und Knöpfe gewöhnt haben. Falls nicht: Lasst euch nicht abschrecken. Die Steuerung ist längst nicht so kompliziert wie sie im ersten Moment erscheint.

Was aufgefallen ist: 2033 und Last Light glänzen auf der PS4 mit einer hohen Framerate. Beim Termin haben wir auf einer Xbox One X gespielt. Auf der Konsole blieb die Bildrate zwar konstant, jedoch kam sie nicht annähernd in den 60er Bereich. Kein Beinbruch, aber es fiel zumindest auf. Die gezeigte PC-Fassung litt jedoch unter diversen technischen Problemen. Darauf soll hier aber nicht weiter eingegangen werden, schließlich handelte es sich nicht um die finale Fassung des Spiels.

Meinung von Micky Auer

Mit jedem Schritt, den ich in Metro - Exodus in einen neuen Bereich gehen darf, steigt meine Freude über das, was ich da zu sehen bekomme. Ich war von Anfang an arg skeptisch, ob sich das Erfolgsrezept der Reihe auch auf ein Szenario unter freiem Himmel übertragen lässt. Bisher kann ich sagen: Ja, es scheint, als würde das klappen.

So ganz auf unterirdische, klaustrophobische Abschnitte müsst ihr aber auch nicht verzichten. Selbst in der trockensten Wüste könntet ihr den Eingang zu einem geheimen, unterirdischen Bunker finden. Oder einem illegalen Waffenlager, einer alten Forschungseinrichtung oder Versorgungstunneln unter längst ausgelöschten Siedlungen. Ich merke schon: Berichte ich über Metro, verfalle ich gerne in bizarre Schwärmerei für diese morbide Welt, die sich immer noch weigert zu sterben.

Dmitri Alexejewitsch Gluchowski, der Autor der Romanvorlage, ist ebenfalls an der Produktion des Spiels beteiligt. Und ich muss sagen: Bei allem Respekt, Herr Gluchowski, ich finde die Spiele wesentlich ansprechender als Ihre Bücher. Die fand ich nämlich über weite Teile arg zäh und nicht besonders gut lesbar. (Ich weiß: Die Bücher haben genauso ihre Fans. Ich gehöre halt nicht unbedingt dazu.)

Bleibt nur zu hoffen, dass sich dieser bisher positive Eindruck auch bis nach dem Release hält. Noch kann vieles schiefgehen, und das wäre jammerschade. Denn das vorläufig letzte Abenteuer von Artjom scheint ein krönender Abschluss zu werden.

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