Test Ace Combat 7: Der König der Lüfte ist zurück

von Marco Tito Aronica (18. Januar 2019)

Einige Steine wurden in den letzten Jahren auf den Thron arcadelastiger Flugsimulationen geworfen, doch der König durchbricht bei seiner lang erwarteten Rückkehr die Schallmauer und ist stärker denn je.

Nach einem kurzen Missions-Briefing zwängt ihr euch in das enge Cockpit eurer F/A-18E/F Super Hornet und bekommt die Startfreigabe auf dem Flugzeugträger. Maximaler Schub, die Düsen grölen, die Schrauben im Metall klappern. Explosionsartig schießt der Kampfjet nach vorne und ihr schwebt über das unendlich weite blaue Meer.

Nur ein paar dünne Wolkenschichten verdecken den dunkelblauen Himmel über euch. Unidentifizierte Flugzeuge tauchen auf dem Radar auf und nehmen euch ins Visier. Ihr habt keine Wahl und feuert die erste Rakete ab. Der Flugkörper schlägt im Metall des feindlichen Jets ein und die Einzelteile fliegen euch um die Ohren. Ihr drückt mit schwitzigen Händen auf Pause, nehmt die VR-Brille ab und wisst: Ace Combat 7 - Skies Unknown wird intensiv!

Per Immelmann-Manöver zurück auf den richtigen Kurs

Vor zwölf Jahren erschien der letzte Hauptteil der "Ace Combat"-Reihe. Ja, ihr habt richtig gelesen. 2007 gehörte Ace Combat 6 - Fires of Liberation zu einem der ersten exklusiven Spiele für Microsofts Xbox 360. Darauf folgten einige mobile Ableger und das in Verruf geratene „Call of Duty der Lüfte”, das in Form von Ace Combat - Assault Horizon erschien.

Der 17. Ableger der Ace-Combat-Serie verabschiedet sich glücklicherweise von der stark amerikanisierten Geschichte und greift wieder den fiktiven Standort namens Strangereal auf, der ein alternatives Abbild unserer Erde darstellt. Gerade wegen dieser Ausgangslage, den sinnigen Neuerungen und dem abwechslungsreichen Missions-Design, wird sich „Skies Unknown” vermutlich unter den besten Spielen der Reihe einordnen.

Der Launch-Trailer zu Ace Combat 7 macht schon Lust auf mehr.

Eine Geschichte von Krieg und Frieden

20 Jahre lang herrschte Frieden auf dem Kontinent Usea, doch die Ruhe wird von einem Überraschungsangriff des Königreiches von Erusea gesprengt. Die Eruseaner schicken ihre neuesten Waffen in den Krieg: unbemannte Kampfdrohnen. Diese wurden auf geheimen Wegen in Transportcontainern nach Osea (liegt auf dem fast gleichnamigen Kontinent Usea) verfrachtet und ferngesteuert. Präzise wurden Flugzeugträger und andere militärische Einrichtungen der Oseanischen Föderation ausgeschaltet.

Euer Land befindet sich offiziell im Krieg. Ihr übernehmt einen Grünschnabel namens Trigger (Rufzeichen: Mage 2), der einer Staffel der Fort Gray Air Base angehört.

Krieg ist auch für den gesichtslosen Protagonisten gänzlich neu.Krieg ist auch für den gesichtslosen Protagonisten gänzlich neu.

Die Geschichte rund um den plötzlichen Konflikt der beiden Großmächte in Strangereal wird in sehr schönen und aufwendigen Zwischensequenzen erzählt. Die Sprachausgabe könnt ihr zu Beginn wählen. Englisch und Japanisch stehen zur Auswahl. Wer eine Vorliebe für die Ästhetik von Kampfflugzeugen pflegt, wird hier übermäßig glücklich.

So werden zudem immer wieder neue Charaktere eingeführt, deren persönliche Schicksale nur angeschnitten werden. Wie werden diese Schachfiguren auf dem tödlichen Schachbrett zusammenfinden und welche Verknüpfungen gibt es untereinander? Das ist spannend und in klassischer "Ace Combat"-Manier erzählt.

Was ist denn hier los? Rund um die Geschichte entstehen immer wieder interessante Mysterien.Was ist denn hier los? Rund um die Geschichte entstehen immer wieder interessante Mysterien.

Wir wollen an dieser Stelle auch nicht zu viel verraten, denn die Geschichte wird hier und da ordentlich durcheinandergewirbelt, und daran ist nicht das Unwetter schuld.

Kampagne, Mehrspieler und VR - starkes Paket, oder?

Hauptbestandteil von Ace Combat 7 - Skies Unknown ist die Kampagne, die 20 Missionen umfasst. Diese Einsätze sind darauf ausgelegt, dass ihr sie mehrmals durchspielt. Die Spielzeit liegt bei etwa zwölf Stunden. Wie es sich für ein Spiel japanischer Entwickler gehört, jagt ihr nämlich den Highscore und geht auf Punktejagd. Habt ihr die Geschichte abgeschlossen, könnt ihr euch in Mehrspieler-Modi wie Team Deathmatch oder Battle Royale versuchen. Letzteres ist ein klassisches „Frei für alle”, in dem acht Piloten um den Sieg kämpfen. Eigene Regeln für Lobbys sorgen für mehr Abwechslung.

Konnten diese Modi euer Verlangen nach spannenden Dogfights noch nicht stillen, solltet ihr unbedingt mal wieder euer VR-Headset entstauben und den separaten VR-Modus ausprobieren. Dieser ist PlayStation-exklusiv und kann demnach nur mit dem PSVR-Headset gespielt werden. Die Kampagne könnt ihr leider nicht in Virtual Reality erleben. Das ist aufgrund des sehr gelungenen VR-Erlebnisses doppelt schade - dazu später mehr. Die VR-Missionen erzählen eine separate Handlung und werden daher als eigenständiger Modus gelistet.

Wer die Konfrontation mit menschlichen Kampfpiloten lieber meidet oder keine VR-Brille besitzt, den dürfte das Gesamtpaket etwas enttäuschen. Für alle anderen gibt es reichlich zu tun.

Sinnvolle Neuerungen und ein pessimistischer Wettergott

Wie wir euch in unserer Vorschau zu Ace Combat 7 - Skies Unknown bereits verraten haben, wird das klassische Gameplay der Flugsimulation mit sinnvollen Neuerungen per Schallgeschwindigkeit vorangetrieben. Vor allem die Wetterlage sorgt immer wieder für eine gewisse Dynamik und gestaltet die Luftkämpfe besonders nervenaufreibend.

In nahezu jeder Mission spielt euch der Wettergott einen Streich. Leichter Regen bei grauer Wolkendecke, starke Unwetter mit Blitz und Donner im tiefschwarzen Himmel sowie dichte Sandstürme, die euch vollkommen die Sicht rauben - da ist alles dabei. Die dynamischen Wetterverhältnisse haben auch großen Einfluss auf euren Kampfjet.

In dichten Wolken friert euer Triebwerk ein, Ziele gehen verloren und in der Cockpit-Perspektive hört ihr das Metall knacken. Außerdem wirkt das Klangbild beim Eintauchen in die Wolken sehr stumpf, was eine unglaublich dichte Atmosphäre erschafft.

Das war knapp: Fliegen euch Blitze um die Ohren, ist das auch optisch schön anzusehen.Das war knapp: Fliegen euch Blitze um die Ohren, ist das auch optisch schön anzusehen.

Gewitterwolken sind besonders gefährlich. Schlägt ein Blitz in euren Flieger ein, spielen die Instrumente verrückt und ihr verliert für einen kurzen Augenblick die Kontrolle, ähnlich wie bei einem Strömungsabriss. Auch plötzliche Windstöße solltet ihr nicht unterschätzen, die euch die Stabilität rauben und euch das eine oder andere mal ins Gebirge drücken.

Zu den Neuerungen dürfte auch die größte Bedrohung in Ace Combat 7 zählen. Wie euch das Intro zur Kampagne verrät, sind unbemannte Flugzeuge längst keine Utopie mehr. Kein Wunder, die Kampagne erzählt eine Handlung, die passenderweise 2019 stattfindet. Ihr werdet vermehrt mit Kampfdrohnen konfrontiert, die viel schneller und wendiger sind als ihre metallischen Vorbilder mit Düsenantrieb.

Ständig müsst ihr eure Taktik im Luftkampf anpassen und waghalsige Manöver fliegen, um die Drohnen überhaubt anvisieren zu können. Einfache Loopings werden da nichts nützen. Auch die Wahl eures Flugzeuges und dazugehöriger Spezialwaffen solltet ihr bei jedem Einsatz überdenken.

Apropos: Neue Jets schaltet ihr neuerdings über das sogenannte Flugzeugschema frei. Durch abgeschlossene Missionen oder Einsätze im Mehrspielermodus erhaltet ihr Punkte (auch MRP genannt), die ihr in einer Art Talentbaum gegen Flugzeuge, Spezialwaffen oder Upgrade-Teile tauscht.

Wollt ihr alle Flugzeuge freischalten, müsst ihr die Kampagne definitiv mehrmals durchspielen.Wollt ihr alle Flugzeuge freischalten, müsst ihr die Kampagne definitiv mehrmals durchspielen.

Ihr startet mit einer F-16C, schaltet Klassiker wie eine F-14D, F-15C oder SU-27 frei, ehe ihr fortgeschrittene Flugzeuge wie die F-22 oder SU-57 ganz hinten im Flugzeugschema findet. Bisher (Stand: 18. Januar 2019) gibt es 28 spielbare Kampfjets.

VR-Erlebnis der Extraklasse

Eben kurz angeschnitten, soll abschließend noch etwas über den VR-Modus von Ace Combat 7 vermittelt werden: Das VR-Erlebnis im Cockpit eines Mehrzweckkampfflugzeuges ist aus unserer Sicht das bisher beste überhaupt. Habt ihr in letzter Zeit nach einem Grund gesucht, das Headset aufwendig an die Konsole anzuschließen und den Staub darauf wegzupusten, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür gekommen.

Die Gefahr der „Motion Sickness” ist am Steuer eines Kampfjets natürlich besonders hoch, wir hatten aber trotz mehrerer Überschläge und Loopings in den Dogfights keinerlei Probleme.

Der Einfluss des Wetters und der äußeren Bedingungen kommt im VR-Modus noch viel besser zur Geltung. Auch hatten wir das Gefühl, dass wir im Kampf einen enormen Vorteil hatten, da man sich im Cockpit umsehen und auch versteckte Feindeinheiten so schneller entdecken kann.

Im VR-Modus gibt es nur die Sicht aus den Augen eines Piloten.Im VR-Modus gibt es nur die Sicht aus den Augen eines Piloten.

Im „Freien Flug” könnt ihr ganz in Ruhe und ohne Konflikte fliegen. Ihr schwebt über den Wolken und habt die Stratosphäre vor Augen - unglaublich schön! Angsteinflößend hingegen wird es, wenn ihr durch dichte Wolken oder gar ein Unwetter fliegt.

Bandai Namco Entertainment hat uns mit einem lizenzierten Flight Stick von Thrustmaster überrascht, der das VR-Erlebnis komplettiert und wirklich einzigartig macht. Der Schwierigkeitsgrad wird zwar ordentlich erhöht, weil ihr mit der linken Hand den Schub regelt und mit der rechten das Flugzeug steuert, durch die präzise Eingabe funktioniert das aber wunderbar.

Meinung von Marco Tito Aronica

Wen die Vorgänger der letzten Jahre etwas vergrault haben, der wird mit Ace Combat 7 wieder richtig viel Spaß haben. Da mich die Serie seit meiner Kindheit begleitet, war ich besonders skeptisch, doch die dynamische Action, gepaart mit einer hübschen Optik und spannender Erzählstruktur, wusste zu überzeugen.

In meiner Vorschau habe ich eine gewagte These aufgestellt, jetzt kann ich sie bestätigen: Rein spielerisch erscheint für mich mit Skies Unknown der bisher stärkste Ableger der Serie zu sein. Das liegt auch an den sehr abwechslungsreichen Missionen, die immer wieder zu überraschen wissen.

Leider gibt es keinen Koop-Modus oder die Möglichkeit, sich außerhalb der Kampagne mit KI-gesteuerten Flugzeugen zu messen. Wenn ich mir vorstelle, zusammen mit einem Freund ein Geschwader zu gründen und zusammen Jagd auf Grünschnäbel zu machen, dann wurde hier einiges an Potenzial verschenkt - sehr schade!

Der VR-Modus hat mir so gut gefallen, dass ich meiner verschenkten Karriere als Fliegerass nachtrauere. Andererseits hätte ich dann jetzt diesen Test zu Ace Combat 7 nicht schreiben dürfen ...

88 Spieletipps-Award

meint: Unberechenbare Luftkämpfe auf höchstem Niveau. Auch in VR eine Klasse für sich! Neue Herausforderungen durch dynamische Wetterverhältnisse.

Jetzt eigene Meinung abgeben

Dieses Jahr könnte legendär werden

Spielejahr 2019: Dieses Jahr könnte legendär werden

Es ist noch nicht so lange her, da gab es 2017 einen deutlichen Anstieg der allgemeinen Qualität großer (...) mehr

Weitere Artikel

Negative Review eines Youtubers wird kurz nach dem Erscheinen von EA gelöscht

Anthem: Negative Review eines Youtubers wird kurz nach dem Erscheinen von EA gelöscht

Der Youtuber "Gggmanlives" hatte bislang eigentliche in gutes Verhältnis zu Electronic Arts. Er war bis vor ku (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

Ace Combat 7 (Übersicht)
* gesponsorter Link