Streitgespräch: Ist PlayStation Plus mehr als nur Müll?

(Kolumne)

von Stefan Wirth (16. Januar 2019)

So heiß wie die kostenlosen "PlayStation Plus"-Spiele zum Ende jeden Monats erwartete werden, so unterschiedlich fällt auch die Freude über diese aus. Michael wurde in den letzten Monaten häufiger enttäuscht und wünscht sich eine klarere Ausrichtung des Programms. Stefan hingegen schätzt die positiven kleinen Überraschungen, die PS Plus immer wieder bietet.

Auch bei uns in der Redaktion sind wir nicht immer einer Meinung - schockierend, nicht wahr? Wir präsentieren euch in dieser Reihe zwei Perspektiven zu einem Thema. Zwei Redakteure streiten sich, damit ihr euch eure eigene Meinung bilden könnt.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienen Artikel.

Stefan:

Ich habe mir deine Kolumne, in der du die "PS Plus"-Spiele kritisierst, durchgelesen. Ich muss sagen, dass ich zu dem Thema eine ganz andere Meinung habe. Dass man als Abonnent eigentlich für den Online-Service bezahlt, sei erst einmal dahingestellt. Deine Unzufriedenheit mit den Gratisspielen teile ich jedoch überhaupt nicht.

Der Spielgeschmack ist doch etwas rein Subjektives. Du wirfst Sony aber vor, zu wenige Spiele in die Instant Game Collection zu packen, die den Massengeschmack treffen – in deinen Worten: "Im Idealfall enthält die 'PS Plus'-Auswahl bekannte, gute oder breiter zugängliche Spiele, mit denen mehrere Spielergruppen etwas anfangen können."

In spieletalks haben wir darüber gesprochen, was unsere Erwartungen ans neue "PS Plus"-Jahr sind:

Meiner Meinung nach ist das nicht der richtige Ansatz. Gerade so ein Abo lebt doch davon auch Spiele anzubieten, die die meisten Spieler noch nicht auf dem Zettel haben und auch nicht jeder Monat muss mich begeistern. Ich finde es besser im Jahr viermal von einer Indie-Perle gefesselt zu werden als 20 Blockbuster zu besitzen, die mich nach einem Monat schon nicht mehr interessieren.

Michael:

Ich finde es gut, eine andere Meinung dazu zu hören, da das Thema doch komplexer ist als es auf den ersten Blick scheint. Man könnte meine Kolumne allgemein auf das Subjektive "Ich bin unzufrieden und will meinen Frust loswerden" reduzieren, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die "PS Plus"-Spiele die Spielerschaft deutlich spaltet - Die, die sehr zufrieden sind und diejenigen, die überhaupt nicht zufrieden sind. Das sieht man immer wieder in den Kommentarbereichen auf Facebook. Und hierbei geht es nicht um Geschmack.

Das Hauptproblem mit den Spielen ist ihre Willkürlichkeit. Es geht nicht mal um die Qualität der Spiele oder ob es Blockbuster oder Indie-Spiele sind. Jeden Monat wirft mir Sony irgendwelche Spiele vor die Nase. Schaut man sich die vergangenen Monate an, orientieren sich diese nicht an Trends oder Geheimtipps oder irgendwas. Es gibt kein Vorzeichen, keine Empfehlung, die Community wird nicht mal gefragt.

So bleibt als einziges Kriterium übrig, dass die Auswahl aus den aktuellen Verhandlungen mit Entwicklern hervorgeht. Am Ende hängt es also vom Glück ab, was mich erwartet. Schade für etwas, für das ich Geld ausgebe. Die "PS Plus"-Spiele sind nicht nur ein Extra, sondern der qualitative Vorteil des Dienstes. Der Online-Dienst ist technisch notwendig, die Rabatte nur in bestimmten Fällen nützlich.

Was man jetzt machen kann, ist die Spiele allgemein nicht so wichtig zu nehmen, "dankbar" zu sein und sich die Auswahl wohlwollend zurecht zu interpretieren: "Sony möchte mich an Spiele heranführen (die auch völlig andere hätten sein können)". Gefühlt hat die Gegenpartei keine Argumente, nur die Einstellung, sich von der Willkürlichkeit nicht sonderlich stören zu lassen. Demnach ist PS Plus etwas Passives, das mich mal mehr, mal weniger in meinem Zockeralltag unterstützt. Wären es jetzt wenigstens Spiele, die breiter zugänglich wären, mehr Spielergruppen miteinbeziehen würden, müssten sich nicht viele Spieler ausgeschlossen fühlen.

PlayStation Now bietet Spielern eine riesige Biliothek, ohne monatliches Bangen.PlayStation Now bietet Spielern eine riesige Biliothek, ohne monatliches Bangen.

Der "PS Plus"-Januar in Asien enthielt The Division. Da ist ein Trend erkennbar, da bald The Division 2 erscheint und Leute diese Möglichkeit nutzen können, um sich auf den Shooter einzustimmen. Es wäre wünschenswert, wenn PS Plus diesen Ansatz nutzen würde, um mehr ein Gesicht zu bekommen, mit seiner Community zu interagieren - oder ich rate Leuten stattdessen, PlayStation Now zu abonnieren, da dieser Dienst mit einer gigantischen Bibliothek wirklich jeden Spieler abholen kann. Da auch die meisten Spiele herunterladbar sind und nicht gestreamt werden müssen.

Stefan:

Hier machst du eine Menge Punkte auf, die ich anders sehe. Zum Beispiel, was PS Plus dem Nutzer eigentlich bringen soll. Ich sehe den qualitativen Vorteil nicht allein in den Gratisspielen. Die Rabatte beispielsweise machst du schlechter als sie sind. Einige Vollpreisspiele habe ich so schon deutlich günstiger bekommen.

Auch den Vergleich zu PlayStation Now kann ich nicht nachvollziehen. Dabei handelt es sich ja schließlich um einen Streaming-Dienst mit Spiele-Bibliothek. PS Plus als Online-Dienst verfolgt eine ganz andere Absicht. Auch wenn diese einen wichtigen Bonus darstellen, sind dieser nicht das Alleinstellungsmerkmal des Angebots. Wenn man sich durch PS-Plus erwartet eine möglichst umfassende Spiele-Bibliothek zu bekommen, hat man das Angebot falsch verstanden.

Was also am Ende bleibt ist das Argument der Willkürlichkeit. Es wirke so als wären Absprachen mit dem Publisher wichtiger als die Wünsche der Community, du bringst aber als positives Beispiel The Division in Asien, weil bald der zweite Teil erscheint. Gerade das zeigt doch aber, dass dieses nur aufgrund einer Absprache mit dem Publisher im Abo ist, weil dieser für sein kommendes Spiel mehr Kunden gewinnen möchte.

The Division ist zudem ein Service-Game. Das heißt, man kann es gar nicht ohne PS-Plus Abo spielen. Im Umkehrschluss bedeutet das: Viele Leute, die scon ein "PS Plus"-Abo haben, weil sie The Division spielen, sollen jetzt The Division geschenkt bekommen. Gerade das finde ich am Spieler vorbei und im Sinne des Publishers, auch wenn das dann nicht willkürlich ist.

Spieler in Asien haben es schon bekommen - villeicht ist auch im europäischen PS Plus bald The Division enthalten.Spieler in Asien haben es schon bekommen - villeicht ist auch im europäischen PS Plus bald The Division enthalten.

Deshalb finde ich es gut, Spiele zu bekommen, mit denen ich nicht rechne. Ich möchte nicht jeden ersten Teil geschenkt bekommen, weil der zweite Teil in den Startlöchern steht. Ich möchte auch keine möglichst zugänglichen Spiele – den kleinsten gemeinsamen Nenner. PS Plus sehe ich als Möglichkeit, meinen Spielehorizont zu erweitern.

Ich kenne meinen Spielegeschmack, kaufe mir die Spiele von denen ich weiß, dass sie mir gefallen werden, aber dennoch gibt es viele Spiele von denen ich eben auch gar nicht weiß, ob sie mir gefallen werden. Diese sind aber leider willkürlich verteilt. Deswegen braucht es das für mich persönlich ein Stück weit, denn ich möchte ausprobieren, was mir über Genre-Grenzen hinweg gefällt und was nicht. Wie könnte man das also in ein System einbringen, damit alle zufrieden sind?

Michael:

Um unsere Diskussion nicht unnötig ausschweifen zu lassen, möchte ich auf drei gezielte Punkte noch eingehen. Erstens: Man kann ein Angebot nicht falsch verstehen, wenn es keinen eindeutigen Kurs hat. Du interpretierst es höchstens anders als ich. PlayStation Plus hat keine Absicht, kein Gesicht, es sind zufällige Spiele, die ich installieren kann oder nicht. PlayStation erklärt seine Auswahl nicht. Uns bleibt nur übrig, zu entscheiden, was wir mit ihrer Dreingabe machen (die sich nicht gezielt an uns richtet).

Zweitens: Mein Argument mit The Division bezog sich auf die Orientierung an einem Trend. Die Absprache mit dem Publisher gibt es bei jedem Spiel, geht ja auch schlecht ohne.

Drittens: "Wie könnte man das also in ein nicht willkürliches System einbringen, mit dem alle zufrieden sind?" Indem das System allgemein weniger willkürlich ausfällt, mehr Sinn bekommt, mehr Interaktion. Ob es jetzt ein klein wenig mehr mit der Community abgestimmt ist, müsste dich nicht großartig stören, da es immer noch Spiele sind, die dich weiterbringen können. Ich bin definitiv für Abstimmungen.

Wir können uns da anscheinend nicht einig werden, aber vielleicht können wir beide etwas mit diesem Ansatz anfangen.

Stefan:

Ja, wir scheinen wirklich ganz andere Erwartungen an den Dienst zu stellen. Aber das ist ja auch nicht schlimm. Natürlich kann Sony die Community mehr mit einbeziehen, ich hoffe nur, dass wir dann nicht nur massentaugliche Action-Spiele bekommen. Vielleicht habe ich da aber auch einen falschen Eindruck vom Massengeschmack.

Es würde mich natürlich auch nicht stören, wenn Sony ein bisschen mehr Kontext zu den gewählten Spielen liefert. Wenn sich daraus ein kuratiertes Programm ergibt, bin ich der Letzte, der meckert. PS Plus wird aber wahrscheinlich noch eine Weile für Diskussionsstoff sorgen. Jedoch bin ich gespannt, was die Zukunft bringt. Da scheint, auf jeden Fall noch eine Menge Luft nach oben zu sein.

Ich bin gespannt, was die Community dazu sagt, ob diese mit den Spielen zufrieden sind, oder sich auch tiefere Einblicke in die "PS Plus"-Auswahl wünschen. Ihre Meinung sollten sie uns auf jeden Fall in die Kommentare schreiben!

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Tags: Streitgespraech  

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