Das Runde muss ins Eckige: Warum ich lieber die PES-Disc als FIFA in die Konsole packe

(Kolumne)

von Stefan Wirth (22. Januar 2019)

Manche Kämpfe sind so alt wie die Menschheit selbst. Andere Kämpfe sind nicht ganz so alt, aber immerhin noch älter als ich. Die Rede ist vom Kampf der beiden großen Fußball-Simulationen Pro Evolution Soccer und FIFA. Während sich vor allem FIFA hier in Deutschland größter Beliebtheit erfreut, muss ich es jetzt einfach sagen: PES ist die bessere Spielereihe.

Natürlich ist mir bewusst, dass ich mit dieser Aussage in eine ausgiebig bearbeitete Kerbe schlage. Ich weiß auch, dass es bei diesem Thema keine objektiv richtige Meinung gibt, schließlich sind es zwei unterschiedliche Spiele mit unterschiedlichen Ansätzen - auch wenn diese auf den ersten Blick so ähnlich erscheinen.

Meine Meinung, dass PES das bessere Spiel sei, ist natürlich rein subjektiv und ergibt sich aus meinem Verständnis des Fußballs und meiner Einstellung und meinen Problemen damit generell. Ich liebe Fußball, aber ich hasse Fußball. Doch fangen wir zunächst einmal ganz am Anfang an.

Die Geschichte von FIFA und PES

Man mag es kaum glauben, aber sowohl PES, als auch FIFA haben schon mehr als 20 Jahre auf dem Buckel. Dabei kann man sagen, dass es für beide Reihen teils durchwachsene Zeiten waren. Ein historisch eindeutig besseres Spiel auszumachen, fällt dabei schwer.

International Superstar Soccer - Der Anfang der PES ReiheInternational Superstar Soccer - Der Anfang der PES Reihe

Die Geschichte von Pro Evolution Soccer geht bis ins Jahr 1995 zurück. Unter dem Namen Winning Eleven erschien in Japan der erste Teil der Simulationsreihe sogar noch für das SNES und den Game Boy. Im Rest der Welt trug das von Konami entwickelte Spiel den Namen International Superstar Soccer. Erst im Jahr 2000 erfolgt die Umbenennung der Reihe in Pro Evolution Soccer.

Die Wurzeln von FIFA reichen sogar noch weiter zurück, bis in das Jahr 1993. Damals erschien FIFA International Soccer, welches auch damals schon von EA Canada beziehungsweise EA Sports entwickelt wurde. Fans beider Reihen konnten sich seitdem immer über ein jährliches Update freuen.

FIFA International Soccer - der Urvater der FußballsimulationenFIFA International Soccer - der Urvater der Fußballsimulationen

Dabei wechselte es ständig, welches der beiden Spiele bei der Kritik besser wegkam. Während FIFA mit den Lizenzen von Vereinen, Ligen und Wettbewerben Punkten konnte, galt PES über lange Zeit als die bessere Simulation. Der Sprung in die "PlayStation 3/Xbox 360"-Ära gestaltete sich für PES jedoch nicht besonders erfolgreich. Erst auf der PlayStation 4, beziehungsweise Xbox One, konnte das Fußball-Spiel aus dem Hause Konami wieder zum Konkurrenten aufschließen.

Ich und FIFA

Zeit meines Lebens war ich eigentlich ein passionierter FIFA-Spieler, wenn auch nicht so wie manch anderer. Während einige Leute das Spiel bis zur Perfektion gemeistert haben, war ich einfach nur gut. Aber es hat mich über viele Jahre hinweg begleitet.

Alle zwei Jahre haben mein Bruder, mein Vater und ich uns den neuesten Teil gekauft, schließlich waren die Änderungen ja nie unglaublich tiefgreifend. Unzählige Familienturniere haben wir veranstaltet, unzählige Mannschaften habe ich im Karriere-Modus von der zweiten Liga bis zum "Champions League"-Sieg geführt und unzählige Nachmittage und Abende habe ich gegen meine Freunde auf der Couch gezockt.

FIFA 12 - mein letztes FIFA.FIFA 12 - mein letztes FIFA.

FIFA 12 war das letzte Spiel der Reihe, das ich besessen habe. Denn irgendwann hatte ich dem Spiel das vorzuwerfen, was die meisten FIFA-Fans schon seit langem kritisieren - zu wenig Neues und das nur an den falschen Stellen. Dabei muss ich besonders einen Modus namentlich erwähnen - Ultimate Team alias der Modus mit Mikrotransaktionen und Pay To Win.

Das erste Mal PES

FIFA wurde zu einem der Paradebeispiele dafür, was meiner Meinung nach in der Videospielindustrie falsch läuft. Jedes Jahr ein neuer Ableger und der jeweils randvoll gepackt mit Mikrotransaktionen. Also versuchte ich ein Zeichen zu setzen, indem ich FIFA boykottierte und nur noch bei Freunden spielte.

Auch in spieletalks haben wir darüber geredet, was große Publisher wie EA für die Entwicklungen von Spielen bedeuten:

Trotzdem juckte es mich immer wieder in den Fingern, eine Fußballsimulation in die Hand zu nehmen. Nach sechs Jahren Abschottung war es auch schlussendlich genug. Ich musste es akzeptieren, Mikrotransaktionen sind die neue Realität – in fast jedem Sportspiel gibt es diese mittlerweile. Also ergab ich mich.

Warum ich zu PES griff und nicht zu FIFA, kann ich nicht mehr so ganz erklären. Warum zur 2016er- und nicht zur 2018er-Version sogar noch weniger. Wahrscheinlich, weil es vorrätig war, es wenig kostete und Vereine und Aktualität mir mittlerweile sowieso ziemlich egal geworden sind. Ich wollte einfach mal wieder Fußball auf der Konsole zocken.

Mit dieser Einstellung im Hintergrund war PES 2016 genau das richtige Spiel für mich. Dieses Spiel lebt nicht von Aktualität oder möglichst vielen bekannten Spielern. Ich konnte einfach eine Fußballsimulation spielen und alles ignorieren, was im eigentlichen Fußball-Kosmos sonst noch existiert.

Lizenzen, Vereine und Spieler

Habt ihr Mal die Doku Die Kunst des Fußballs von A bis Z mit "Monty Python"-Mitglied John Cleese gesehen? Diese zeigt, was den Sport eigentlich so großartig macht, aber auch welche Schattenseiten die Industrie dahinter mit sich bringt. Fußball ist zu großen Teilen eine Mischung aus puren Emotionen - Freude über ein gewonnenes Spiel, Trauer über eine verpasste Pokal-Chance, Liebe zum eigenen Verein, aber auch eine tiefe Abneigung gegenüber dem Erzrivalen.

Leider werden diese Emotionen von verschiedener Seite instrumentalisiert. Für Hooligans beispielsweise ist der Fußball nur ein Anlass, um andere Leute zu drangsalieren. Das endet meistens mit Körperverletzung, manchmal aber auch mit Totschlag. Gerechtfertigt wird das Verhalten dann mit der Vereinstreue.

Dieselbe Vereinstreue sorgt dafür, dass auf den Schulhöfen eine Fehde zwischen FCB- und BVB-Fans entbrennt, weil der eine Verein großartig und der andere der schlechteste der Welt sei und sowieso den Abstieg verdient habe. Dass die beiden Vereine wirtschaftlich miteinander eng verbunden sind und ihre Spieler gerne hin und her tauschen, ist natürlich nebensächlich.

PES 2016 - Mein erstes PESPES 2016 - Mein erstes PES

Apropos Wirtschaft - besonders hier macht der Fußball mit Negativschlagzeilen von sich reden. Steuerhinterziehung im großen Stil und Korruption sind keine Seltenheit. Allein damit könnte ich hier die Seiten füllen. So viel sei aber gesagt, diese Vergehen werden nicht in dem Maße geahndet, wie es eigentlich angemessen wäre. Ein Grund dafür, neben vielen anderen, ist auf jeden Fall die große Beliebtheit, die der Fußball in der Öffentlichkeit genießt.

Der Punkt, den ich damit klar machen möchte ist, dass Fußball von der Gesellschaft nicht nur als Sport gesehen wird. Vereine, Stadien, Spieler, Trainer und Manager haben im Spitzenfußball etwas Ikonenhaftes. Das ist mein größter Kritikpunkt am Fußball – die blinde Liebe zur Lieblingsmannschaft, die viele Fans über die negativen Seiten hinwegtäuscht. Hier findet sich jedoch das meiner Meinung bedeutendste Argument, warum sich FIFA so viel besser verkauft als PES: Es geht um die Lizenzen.

FIFA bildet seit je her deutlich mehr echte Verein, echte Ligen und echte Wettbewerbe als PES ab, weil bei EA eine deutlich größere Zahl an Lizenzen liegt. Richtige Fußball-Fans kommen hier also deutlich mehr auf ihre Kosten.

Emotion oder Sport

Ich bin kein Fußball-Fan, zumindest nicht von einem bestimmten Verein. Dennoch liebe ich diese Sportart und bezeichne mich als Fußball-Enthusiast. Ich habe selbst einmal im Dorf-Club gespielt und schaue natürlich auch gerne Spiele, wenn diese gut sind. Dabei geht es mir jedoch eher um ein taktisches und gutes Spiel als den Aspekt, dass Bayern München vielleicht gerade die Champions League gewinnt.

FIFA - Emotion pur.FIFA - Emotion pur.

FIFA schafft es besser als PES, das Gefühl von Fußball zu transportieren und mit jeder Partie eine Geschichte zu erzählen. Wenn ihr FIFA spielt, habt ihr sicher schon einmal vom "Momentum" gehört und es bestimmt auch schon erlebt. Oft scheinen die Pfosten den Ball magisch anzuziehen, die Abwehr des Gegners unglaublich überlegen, manchmal dreht sich ein sicher geglaubtes Spiel doch noch und häufig scheint der Ball einfach nicht mehr richtig anzukommen. Doch in der letzten Minute fällt dann plötzlich das erlösende Siegestor. Besonders beim Spielen mit Freunden ist mir dieses Muster immer wieder aufgefallen.

FIFA erzählt mir mit jedem Spiel eine neue, spannende Geschichte, die auf dem Bolzplatz stattfindet. Aber das ist für mich nicht das, was Fußball ausmacht. In PES habe ich das Momentum noch nicht erlebt. Hier ist mein Können gefragt. Wie schaffe ich es, das meiste Potenzial aus meiner Mannschaft zu holen? Welche Aufstellung ist die beste? Welche Schwächen hat mein Gegner?

Um es in einfachen Worten zu sagen, PES ist die bessere Simulation – egal ob im Karriere-Modus oder im schnellen Spiel. Das spiegelt sich auch in unseren Tests zu PES 2019 und FIFA 19 wider. Dadurch, dass es hier stärker auf meine zurechtgelegte Taktik ankommt, bin ich nach einem Spiel deutlich zufriedener als wenn mir dieses von der KI als knapp verkauft wird. Hier offenbart sich mir die wahre Faszination des Fußballs – die Überlegenheit von Taktik und guten Spielern, völlig ohne jeden Vereins-Schnickschnack.

Wie eingangs geschrieben, ist das meine persönliche Meinung und ich möchte niemanden kritisieren der FIFA spielt, da es einfach ein anderes Bedürfnis erfüllt, welches ich beim Spielen einer Fußballsimulation aber nicht (mehr) suche. Jedoch gibt's trotzdem ein Problem: PES und FIFA eifern sich nach.

Mit dem MyClub-Modus gibt es ein Äquivalent des Ultimate Team auch in PES, Konami und EA versuchen sich die Lizenzen vor der Nase wegzuschnappen, und ein Ende des Kampfes um den Titel des beliebteren Fußballspiels ist nicht in Sicht. Das finde ich persönlich schade, denn für mich würde eine gute Fußballsimulation auch komplett ohne Realitätsbezug funktionieren, wenn der Rest stimmt. Vereine und Ligen scheinen jedoch einfach dazuzugehören.

Das ist zwar alles in allem schade, jedoch auch nicht wirklich schlimm. Ich kann ja einfach für den Rest meines Lebens PES 16 spielen. Wie sieht eure Meinung zu dem Thema aus? Was erwartet ihr von einer guten Fußballsimulation? Soll diese das Spiel möglichst gut abbilden oder kommt es euch vor allem auf echte Vereine und Spieler an? Verratet mir eure Meinung in den Kommentaren!

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Tags: Fun   Singleplayer   Multiplayer  

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