Vorschau Rage 2: So spielt es sich beim ersten Ausflug in die Open World

von René Wiesenthal (30. Januar 2019)

Ein bisschen Mad Max, ein bisschen Borderlands. Obendrauf die Wucht von Doom und Fähigkeiten à la Destiny – so zeigte sich Rage 2 bisher. Bei einem Anspieltermin, bei dem wir erstmals in der Open World des Shooters wüten konnten, erfuhren wir, ob diese Gleichung auch bei näherer Betrachtung aufgeht. Und, dass die offene Welt sich nicht immer so richtig offen anfühlt.

Nachdem wir uns im Sommer zum ersten Mal durch ein Innenareal von Rage 2 ballern durften, gab es bei einem aktuellen Anspieltermin die nächste Premiere: Die offene Spielwelt des Shooters stand uns für mehrere Stunden zur freien Verfügung. Natürlich nicht in dem Umfang, wie sie in der finalen Fassung des Spiels enthalten sein wird. Einen guten ersten Eindruck von einem größeren Gebiet der Welt konnten wir uns aber verschaffen.

Rage 2: der aktuelle 'Open World'-Trailer

Zur Erinnerung: Ihr spielt in Rage 2 einen rachsüchtigen Ranger namens Walker. Der übrigens – wie man uns zum Termin mitteilte – auf Wunsch auch eine Frau sein kann. Wir bekommen in der Demo die männliche Version vorgegeben, mit der man uns bei ungefähr einem Viertel der gespielten Story samt Fahrzeug vor die Tore von Wellspring setzt - eine der großen Städte im Rage-Universum.

Ab hier steht es uns frei: In die offene Spielwelt ausbüxen und Schabernack treiben, oder doch dem Missionszeiger in die Stadt bis zur Story-Quest folgen? Wir wissen, dass uns die Mission sowieso ins Ödland führen wird, heben uns die "Open World"-Spielerei also einfach für den Weg auf.

Vitamin B ist gut für den Skill-Tree

In Rage 2 gibt es drei Figuren, die größere Bereiche der Spielwelt beherrschen. Ihr könnt in deren Gunst aufsteigen, indem ihr Aufgaben für sie erfüllt oder in ihren Bezirken Schufte aus dem Weg räumt. Die Quest, die wir in Wellspring annehmen, führt uns zu einer dieser Figuren – der Bürgermeisterin, die Hilfe beim Beseitigen von Banditen braucht.

Das Ausbauen der Beziehungen zu diesen zentralen Figuren hat Einfluss auf die Entwicklung eures Rangers: Alle drei werden im Menü durch einen spezifischen Skill-Tree repräsentiert. Tut ihr Gutes für sie, steigt ihr im Beziehungslevel auf und könnt Skill-Punkte in die Bäume stecken. Dadurch lernt ihr neue aktive und passive Fähigkeiten und könnt diese nach Bedarf eurem gewünschten Spielstil anpassen.

Der Ranger wird zur Rampensau

Um der Bürgermeisterin zu helfen, ziehen wir los, und machen uns in der hiesigen Unterhaltungsindustrie einen Namen. Das nämlich ist notwendig, um in einen exklusiven Club in Wellspring zu gelangen, der wiederum nützliche Informationen verspricht. Dafür nehmen wir an einer Game-Show teil, die aus blutgesäumten Arena-Deathmatches gegen Mutanten und Banditen besteht. Das kennt man so bereits aus einer Vielzahl anderer Spiele, die Gefechte auf engem Raum sind aber so unterhaltsam wie schon beim ersten Termin. Sie offenbaren gleichzeitig erstmals den nicht zu verachtenden Schwierigkeitsgrad des Spiels.

Fratzengeballer: Diese skurillen Figuren kriegen gleich auf die Mütze.Fratzengeballer: Diese skurillen Figuren kriegen gleich auf die Mütze.

Der kommt auch dann zum Ausdruck, als wir später gegen eine haushohe Mutation in den Bosskampf gehen. Hier ist gefordert, dass wir permanent ausweichen, dabei Dauerfeuer abgeben und gut getimete Spezialangriffe auf den Koloss loslassen. Ein paar Mal bissen wir beim Versuch ins Gras. Wir mussten uns erstmal daran gewöhnen, dass unser Ranger bei normalen Laufbewegungen etwas träge daherkommt.

Oberstes Kredo: Vollkontakt

Das ist überraschend, weil es sich bei Rage 2 nicht um einen Deckungs-Shooter handelt, der euch ausharren und genau zielen lassen möchte. Ihr sollt – ähnlich wie in Doomniemals zu lange stillstehen, primär in die Offensive gehen. Das rasche Überbrücken von Distanzen zwischen euch und dem Gegner ist elementar, funktioniert mittels Dashes und Skills auch gut. Beim normalen Gehen und Sprinten fehlt in der Demo aber etwas das Tempo, um diesem Anspruch vollkommen gerecht zu werden.

Hier bekommt ihr einen Überblick über die Skills, die teils an Destiny erinnern:

Was hingegen vortrefflich zu diesem Ansatz passt, ist die Art, wie Umwelt und Gegner interagieren. Die Physik ist komplex, ihr wühlt überall Staub auf und wirbelt Gegenstände in der Umwelt mit euren Energiewellen und Schüssen umher. Ihr könnt Gegner auf vielfältige Weise zu Boden drücken und durch die Luft schleudern. Ein magnetischer Energieball, den ihr abfeuern könnt, zerrt in der Nähe befindliche Feinde in seine Richtung, was für lustige Kettenreaktionen und Kombos genutzt werden kann. Generell empfiehlt es sich, viele der möglichen Angriffe zu Sequenzen aneinander zu ketten, um die Gegner permanent auf Trab zu halten.

Mit der angezogegen Handbremse durchs Ödland

Beim Rennfahren – was ein weiterer Teil unserer Bürgermeister-Mission ist – steigen wir in eines der Gefährte, die an Mad Max erinnern, und drehen unsere eher lahmen Runden. Die Fahrzeuge vermitteln kein wirkliches Geschwindigkeitsgefühl, steuern sich wegen der dezentralen Ausrichtung der Kamera etwas unpräzise und bleiben bei Lenkbewegungen unangenehm steif.

Sobald wir mit dem Fahrzeug die Straße verlassen, werden wir zudem enorm ausgebremst. Im wahrsten Sinne, die Gefährte werden extrem langsam, sobald sie auf unebenes Gelände kommen. Fahren wir längere Zeit in der Open World umher, fühlt sie sich dadurch gar nicht mal mehr so offen an. Wir folgen dann meist einfach einem der vielen vorgefertigten Wege.

Das Autofahren ist ein Kernelement, das bisher noch etwas zu wünschen übrig lässt.Das Autofahren ist ein Kernelement, das bisher noch etwas zu wünschen übrig lässt.

Verlassen wir diese zu Fuß, gibt es aber einiges zu tun. Schon in der Demo finden wir eine Vielzahl an Nebenquests. Wir können Händler aufsuchen, und unsere Ausrüstung aufstocken, Arks finden, um sie um Nanotrites – also nützliche technische Spielzeuge – zu erleichtern. Arks, das sind Sicherheitsbunker, die vor langer Zeit gebaut wurden, um ausgewählte Menschen vor der Vernichtung zu bewahren.

Wenn wir Ortschaften von Banditen befreien, sammeln wir Ansehen, das uns Skill-Punkte beschert. Zurück im Auto haben wir dann die Möglichkeit, umherfahrende Fremde zu weiteren Rennen herauszufordern und so Geld abzustauben.

Das Spiel, das niemals schläft

Die Welt von Rage 2 zieht ihren Charme auch daraus, dass zu jederzeit und überall etwas passiert. Es herrscht ständige Bewegung, NPCs geraten aneinander und schießen sich gegenseitig über den Haufen, futuristische Flugschiffe rauschen am Himmel über euch hinweg. Ihr seid mittendrin und könnt euch austoben, dem Wahnsinn zusätzlichen Zunder geben.

Überall passiert etwas in Rage 2. Selten ist man euch allerdings freundlich gesonnen.Überall passiert etwas in Rage 2. Selten ist man euch allerdings freundlich gesonnen.

Denn das Spiel ist bewusst überzogen: Bei fast jeder Begegnung oder Interaktion mit anderen Figuren kommt der krude Humor zum Ausdruck. Der erinnert stark an Borderlands, ist meist nicht sonderlich clever, versteckt aber hier und da gelungene politische Spitzen. So zum Beispiel, wenn man den verwöhnten, durchgedrehten Magnaten Klegg Clayton mit seiner allein auf geerbtem Vermögen basierenden Macht als fiese Parodie auf Donald Trump erkennt - die er vermutlich sein soll.

Was soll noch kommen?

Was auch diesmal noch fehlte: Waffen-Upgrades und das Crafting-System. Beides sind versprochene Elemente, Letzteres kündigte sich beim Anspielen schon in Form sammelbarer Ressourcen an. Was hier an Tiefe drin steckt, können wir aber allein auf dieser Grundlage noch so gar nicht einschätzen.

Außerdem zeigte man uns in einem Gameplay-Trailer Ausschnitte, in denen Walker in einer Art Helikopter-Drohne unterwegs war. Die sah flink und wendig aus und hatte nicht den Anschein der Trägheit, die bei anderen Fahrzeugen aufkam. Vielleicht wird der Moment, ab dem man in einem solchen Gerät unterwegs ist, der sein, der Pepp in die Erkundung der Open World bringt.

Meinung von René Wiesenthal

Nach dem ersten Anspielen von Rage 2 war ich ziemlich begeistert und heiß darauf, direkt noch eine weitere Runde in der Demo zu drehen. Nach unserem letzten Anspieltermin bin ich um einige Erkenntnisse reicher, habe viele coole Neuheiten kennengelernt – aber auch ein bisschen an Euphorie eingebüßt.

Die Kämpfe machen auch in der offenen Spielwelt noch einen Heidenspaß. Die Kombination meiner Fähigkeiten zum großflächigen Ausschalten der Feinde hat zum Herumprobieren eingeladen und Kettenreaktionen ausgelöst, wie man sie beispielsweise aus Just Cause kennt. Hier ist die Handschrift von Avalanche deutlich sichtbar. Nur hat mich diesmal die stark gelenkte Fortbewegung in der offenen Welt stutzig gemacht. Ich wollte mich ins Auto setzen und rasant durch die Open World brettern, während ich überall Chaos anrichte. Das war aber nicht so recht drin.

Die Fahrzeuge fahren sich teils, als sei die Handbremse angezogen, deren Handhabung ist alles andere als geschmeidig, in Kurven bewegen sie sich steif. Sobald ich von der Straße abkomme, werde ich so stark ausgebremst, dass es keinen Sinn ergibt, etwas anderes als die vorgegebenen Routen abzufahren. Ich stecke meine Hoffnungen für die finale Version in die gezeigten Drohnen und wünsche mir coole Geländewagen, mit denen ich querfeldein fahren und driften kann.

Was den Humor und die Geschichtenerzählung angeht, habe ich genau das gesehen, was ich erwartet habe. Alles wirkt ausreichend ausgearbeitet, um eine Grundmotivation zu erzeugen, ich denke aber nicht, dass hier mit viel Tiefe oder Raffinesse zu rechnen ist. Der Humor passt zum Wahnsinn der Ballereinlagen und setzt mit politischen Seitenhieben nette zusätzliche Akzente.

Insgesamt wünsche ich mir, dass id und Avalanche das Tempo bis zum Release noch etwas anziehen. Und dass ich beim Fahren in der Spielwelt weniger stark gelenkt werde. Wobei ich natürlich nur einen kleinen Teil der Welt gesehen und erkundet habe, sich das also nochmal drastisch ändern könnte, sobald weitere Gegenden bereist werden. Wenn dem so ist, steht dem kopflosen Spaß, den ich mir von Rage 2 erwarte, kaum noch etwas im Weg.

Tags: Open World  

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