Vorschau Anthem: Der Avatar-Film unter den Videospielen

von Michael Sonntag (01. Februar 2019)

Anthem liefert im Endgame derartig spektakuläre SciFi-Schlachten, dass ihr ab und zu den Bildschirm mit der Filmleinwand verwechseln werdet. Wir haben es selbst ausprobiert.

Kaum habt ihr den Controller in die Hände genommen, den Kopfhörer auf den Kopf gesetzt und die Augen auf den Bildschirm geworfen, ist der Raum um euch verschwunden, ob es jetzt ein Wohnzimmer oder ein kleiner Event-Keller ist. Ihr steigt ins Spiel, wie euer Charakter in seinen Javelin-Kampfanzug.

Danach seid ihr auf einem mysteriösen Planeten, auf dem die Bewohner die Geheimnisse und Gefahren des Anthem ergründen, einer rätselhaften Energie, die einst die Götter zurückgelassen haben. Genauso wie die majestätischen Javelins, die die Spieler als sogenannte "Freelancer" jetzt gegen alles Feindliche einsetzen.

Alles, was ihr zu Anthem wissen müsst:

Anthem zu spielen ist vergleichbar mit dem Gefühl, das viele Fans befallen hat, als damals James Camerons "Avatar - Aufbruch nach Pandora" das erste Mal im Kino gelaufen ist. Über die Qualität der Geschichte lässt sich streiten, aber die Welt war so beispiellos entfernt, dass man sich quasi dorthin entführt fühlte. Ähnlich wie bei Anthem, dem Mystery-Flugssimulator-Shooter.

Vergangene Woche hat Entwickler Bioware zu einem Preview-Event in London eingeladen, um der Presse einen tieferen Einblick in sein bald erscheinendes SciFi-Werk Anthem zu geben. Wir richten das Augenmerk in diesem Fall verstärkt auf das Endgame und was es spielerisch zu bieten hat.

Ein Fall für die A(nthem)vengers

Wenn ihr die Hauptgeschichte beendet und Level 30 erreicht habt, wartet das Endgame auf euch, mit noch dunkleren Geheimnissen, stärkeren Gegnern und schwierigeren Missionen. Wenn ihr euch zuvor als Einzelkämpfer oder gelegentlich mit ein bisschen Unterstützung durchgeschlagen habt, seid ihr jetzt so oder so auf ein vierköpfiges Team angewiesen.

Zum Endgame gehören unter anderem Strongholds, die wie klassische Raids mit Endbossen funktionieren. Eine davon ist die "Tyrant Mine", in der ihr eine Brutstätte der spinnenartigen Tyrants auslöschen sollt. Allein zu ihr zu gelangen gestaltet sich schwierig, da der Weg mit diversen Gegnern und Hindernissen gepflastert ist.

Aber ein starkes Team hat nichts gegen Aufwärmübungen vor dem großen Endkampf, anderenfalls könntet ihr nicht nochmal eure Fähigkeiten trainieren, Gadgets ausprobieren oder einen Wasserfall angeberisch hochfliegen.

Wir haben die Tyrant Mine überlebt:

Im Verlauf des Strongholds trefft ihr immer wieder auf Zwischenstationen, an denen ihr eine Aufgabe lösen müsst, um weiterzukommen. Im einen Fall ist ein Relikt-Tor, das nur geöffnet werden kann, wenn ihr alle verstreuten Echos einsammelt und sie schlüsselartig einsetzt. Im anderen Fall müsst ihr eine Signalübertragung vor Gegnerwellen beschützen, bis sie abgeschlossen ist. Manchmal ist auch der Weg selbst das Hindernis, wenn ihr beispielsweise eine sehr lange Unterwasserhöhle durchqueren müsst, in der nur selten Luft geschnappt werden kann.

An den Zwischenstationen selbst entstehen dann immer mittlere bis größere Schlachten, die ein buntes Spektakel mit Explosionen, Blitzen und Lasern abgeben. Gerade hier ist die Handschrift jedes der vier verschiedenen Javelins spürbar.

Der tankige rote Colossus stapft und schießt durch die Prärie, während er vor lauter abprallenden Kugeln kaum zu erkennen ist. Der gelbe Ranger kämpft an seiner Seite und wirft mit Granaten, gefolgt vom fliegenden weißen Storm, der Elementar-Attacken wie Eis und Feuer auf die Gegner niedersausen lässt. Und zwischendrin ist noch ein grüner Inceptor, der sich schnell mit seinen Klingen durch die feindlichen Massen metzelt.

Die Schlachten scheinen mehr auf Geschwindigkeit und Agilität als auf Taktik zu setzen, zumal das Kampfgebiet vor lauter Effekten manchmal gar nicht mehr zu sehen ist. Da heißt es feuern, austeilen und hoffen, dass die gesamte Umgebung schadenstechnisch was abbekommt. Aber egal, was geschieht, es sieht immer großartig aus.

Es ist einzigartiges Erlebnis. Die eine Gehirnhälfte beschäftigt sich mit Kämpfen im „360 Grad“-Umfeld - Fliegen, Springen, Rollen, Schwimmen - die andere erkundet den Ort und geht alle W-Fragen durch. Wo befindet ihr euch genau und wofür war das alles gedacht? Wer hat das alles geschaffen? Was ist wann passiert und warum? In den Missionen selbst gibt es nichts Konkretes zu finden, keine Notizen oder Terminals, höchstens die Kommentare eurer zugeschalteten Operator, aber ihr könnt das Mysterium dieses Planeten in den Gebäuden, Gegnern und Konstruktionen fühlen.

Je näher ihr zur Brutstätte gelangt, desto okkulter fallen außerdem die Orte und Gegner aus. Auf Waldlichtungen folgen Höhlen, worauf wiederum Generatoren und Eiernester folgen. Auf Roboter folgen Krebs- und spinnenartige Lebensformen. Seltsame Energien in der Luft treffen auf organischen Schleim am Boden. Endlich in der Brutstätte angekommen, wartet das Highlight auf euch: Die Tyrant-Mutter, die euch abwechselnd attackiert oder ihre Brut auf euch hetzt. Es ist unglaublich befriedigend, alle vorhandenen Kräfte gebündelt auf sie zu konzentrieren und ihre Energieleiste langsam zu reduzieren, egal wie stark und groß sie ist.

Auf all das Chaos, den Lärm, das Lichtgewitter folgt die Stille und der Ergebnisbildschirm, bei dem ihr auch eure Beute erstmals durchschauen könnt. Und jetzt merkt ihr, dass euch vielleicht eine Pause ganz gut täte, bevor ihr euch in den nächsten Einsatz werft.

Wenn ihr den Release von Anthem und diese Erfahrungen nicht abwarten könnt, habt ihr ab heute die Gelegenheit, vorbab in die Welt einzutauchen. Dieses Wochenende (1. bis 3. Februar) findet nämlich die öffentliche Demo für PlayStation 4, Xbox One und PC statt.

Meinung von Michael Sonntag

Anthem hat mich bereits nach dem 4K-Trailer auf der CES 2019 gepackt. Jetzt hatte ich die Gelegenheit, den Zauber des Trailers im wirklichen Spiel zu erleben - und ich muss sagen: Wow! Ich habe es selten erlebt, dass ich so sehr im Shooter-Rausch versinke, dass ich dabei für einen Moment meine Existenz auf dem Planeten Erde vergessen habe.

Gerade das Endgame liefert mit den Strongholds spektakuläre Missionen, in welchen die Kernaspekte von Anthem - das Okkulte, die Bewegungsfreiheit mit dem Javelin, das Kämpfen - perfekt vereint werden. Auch wenn ich mit meinen Team-Mitgliedern die Gegner ordentlich aufmische, vermisse ich ein wenig die taktische Tiefe. Keine Situation hat ein bestimmtes Vorgehen erfordert, Draufhalten hat ausgereicht. Auch wenn es selbstverständlich extrem cool aussah.

Gleichzeitig bin ich gespannt, wie Entwickler Bioware seine Fans bei Laune halten wird. Ich kann noch nicht einschätzen, ob Anthem für zwanzig oder zweihundert Stunden Spaß machen kann. Das Potenzial ist da, jetzt kommt es auf das fertige Spiel selbst und die weiteren Inhalte nach dem Release an.

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