Test God Eater 3: Heute auf der Speisekarte - Leckere Götter

von Thomas Nickel (06. Februar 2019)

Die Erde ist erledigt. Die Aragami, übermächtige Monster, haben die Menschheit dezimiert. Doch es gibt noch ein wenig Hoffnung, denn ihr seid einer der wenigen Menschen, die God Arcs benutzen können - die einzigen Waffen, die den grausigen Kreaturen etwas anhaben können.

Da sollte man doch meinen, die überlebende Bevölkerung brächte euch etwas Respekt und Wertschätzung entgegen ... doch dem ist nicht so. All jene, die einen God Arc führen können, werden gefürchtet, ausgegrenzt und wie Gefangene gehalten. Ihr verlasst eure kargen Zellen nur dann, wenn es um den Kampf gegen die Aragami geht. Und mehr bleibt euch auch nicht. Irgendwann werdet ihr gegen die die gigantischen Kreaturen fallen. Oder eure Kräfte sind irgendwann aufgezehrt und ihr seid dann nicht mehr als ein Köder für die Bestien. Aber vielleicht kommt es ja doch ganz anders?

Auf die Lokalisation von God Eater Resurrection und God Eater 2 Rage Burst mussten deutsche Spieler lange warten, fast drei Jahre lagen zwischen der japanischen Originalveröffentlichung auf der PSP und der technisch und inhaltlich gehörig aufgemöbelten PS4-Portierung der zweiten Serien-Episode. Bei God Eater 3 geht es nun zum Glück schneller, der dritte Teil der Reihe schafft schon nach gerade einmal zwei Monaten den Sprung aus Japan nach Europa mitsamt japanischen und englischen Sprechern und deutschen Untertiteln. Und einigen neuen Aragamis zum Jagen und Verspeisen.

Alles Asche

Im dritten God Eater erwartet die Menschheit eine neue Bedrohung: Asche. Oder besser gesagt, ascheartige Partikel, die sich wie ein Teppich über weite Teile der Welt legen und die befallenen Gebiete feindselig, gefährlich und für Menschen unbewohnbar machen. Gegen diese neue Bedrohung wurde eine neue Generation von Kämpfern geschaffen. AGEs - Adaptive God Eaters, die etwas - aber nicht allzu viel - resistenter gegen die Auswirkungen der Asche sind. Und ein solcher seid auch ihr.

Figuren und Zwischensequenzen sind ganz im Anime-Stil gehalten.Figuren und Zwischensequenzen sind ganz im Anime-Stil gehalten.

Ihr erstellt zu Beginn des Spiels eine männliche oder weibliche Spielfigur, mit der ihr dann das Aragami-Abenteuer bestreitet - und gleich danach findet ihr euch hinter Gittern wieder. Die Prämisse ist dramatisch, euer Dasein traurig und trostlos - eure mächtigen Handfesseln werden nur gelöst, wenn ihr in den Kampf zieht und selbst dann steht ihr unter der Fuchtel eurer Aufseher. Aber keine Sorge - mit der Zeit entwickelt sich die Geschichte in anderen, interessanten Bahnen. Denn im Gegensatz zu anderen Spielen mit Jagd-Thematik nimmt die Story hier eine weit größere und dominantere Rolle ein, gerade Anime-Fans werden hier voll und ganz auf ihre Kosten kommen.

Action und Gruppendynamik

Wie andere Spiele mit Jagdfokus funktioniert auch God Eater 3 missionsbasiert. Ihr nehmt eure Mission an und werdet danach direkt zum Ort des Einsatzes gebracht. Teamwork ist dabei ein wichtiger Faktor, und der wird nicht nur im obligatorischen Online-Modus groß geschrieben, auch Solo-Spieler gehen nicht alleine auf die Aragami-Jagd, ihnen stehen dann KI-gesteuerte Mitstreiter zur Seite, die nicht nur kräftig mit auf die Gegner eindreschen, sondern auch mit Kommentaren, Tipps und Exposition für Stimmung sorgen.

Im Kampf bewundert ihr wuchtige Effekte.Im Kampf bewundert ihr wuchtige Effekte.

Das Kampfsystem ist auch der Faktor, bei dem sich God Eater am stärksten vom Genre-Primus Monster Hunter - World unterscheidet. Wo ihr in Capcoms prähistorisch anmutendem Jagd-Spektakel langsam, überlegt und präzise vorgeht, da wird bei God Eater Haudrauf-Action großgeschrieben. Anstatt die Bewegungen des Gegners zu lesen, auszuweichen und geschickt zu kontern, werden die Kämpfe hier nach dem Motte "immer kräftig drauf" ausgefochten. Auch die breitesten und schwersten Klingen schwingen eure Teenie-Helden locker aus dem Handgelenk.

Morph-Waffen und schnelle Kombos

Schnelle Schlagfolgen, präzise Blocks, Ausweichrollen und Hechtsprünge auf den Gegner sind Alltag im Kampf gegen die Aragami. Und damit nicht genug, auch der Fernkampf spielt eine wichtige Tolle. Auf Knopfdruck morpht ihr eure Nahkampfwaffe und greift den Gegner mit Projektilen an. Gehen die zur Neige, macht ihr euren massiven Argumentationsverstärker wieder zum Nahkampfprügel, versetzt dem Gegner ein paar saftige Hiebe und schon lädt sich auch eure Munition wieder auf. Und natürlich gibt es viele verschiedene Waffengattungen, die ihr mit in den Missionen gefundenen Rohstoffen in eurer Basis aufmöbeln und verbessern dürft.

Kaum ein Jagdspiel bietet so flotte Kämpfe wie God Eater.Kaum ein Jagdspiel bietet so flotte Kämpfe wie God Eater.

Die meisten Waffen kennt ihr aus den Vorgängern, zwei sind aber neu: Die Biting Edge ist ein doppeltes Kurzschwert für besonders schnelle Angriffe, der Heavy Moon ist für besonders weite Angriffe gut. Auch eure eigene Figur passt ihr euren Wünschen an, allerdings könnten die Optionen da etwas reichhaltiger sein. So bot nicht nur Monster Hunter World mehr Optionen beim Erschaffen des Avatars, auch die direkten Vorgänger hatten da mehr Möglichkeiten - beispielsweise in Sachen Gesichter und Frisuren - parat. Und das ist tatsächlich so ein Kritikpunkt, der sich durch das ganze God Eater 3 zieht: Es könnte immer etwas mehr sein, es könnte immer etwas besser, hübscher, polierter daherkommen.

Komplett neu sind hier zwei Mechaniken - Engage und Acceleration Triggers. Engage aktiviert Effekte, wenn ihr neben euren Mitstreitern kämpft. KI-Kollegen haben feste Effekte, für die eigene Figur entscheidet ihr selbst über diese. Acceleration Triggers sind eine Art Klassen-Effekt - Tank, Damage Dealer, Support. Sie erweitern oder bauen eure Fähigkeiten aus und sind permanent aktiv, lassen sich aber mit euren Talenten und der Ausrüstung wechseln, durch Nutzung werden neue Varianten freigeschaltet.

Tech Eater

Es ist schon seltsam. Da wird God Eater 3 als erste eigens für PS4 und PC entwickelte Episode der Reihe angepriesen. Ein Spiel ohne Handheld-Ballast, ohne Vorlage, die Szenarien oder Detailgrad begrenzen könnte. Und trotzdem sieht God Eater 3 kaum nennenswert besser aus als seine Vorgänger. Farbwahl und Animationen gehen in Ordnung, aber wenn man zum direkten Vergleich noch einmal Monster Hunter World heranzieht, dann wird schon deutlich, dass God Eater 3 noch einiges an Raum nach oben gelassen hat.

Das meiste grafische Augenmerk wurde wohl auf die Figuren gelegt.Das meiste grafische Augenmerk wurde wohl auf die Figuren gelegt.

Gleiches gilt auch für die Bildrate, die leider nicht so sauber ist, wie es die grafische Präsentation vermuten lassen würde. Ein Beinbruch ist das zwar nicht, aber hier wäre ohne Zweifel mehr drin gewesen. Ob das vielleicht auch am neuen Entwickler liegt? Nachdem das Studio Shift für die bisherigen Episoden zuständig war, ging die Entwicklung dieses Mal ans Inhouse-Team von Entwickler Marvelous. Dann kann man nur hoffen, dass dieses Team sich dann bei einer eventuellen Fortsetzung etwas mehr von den früheren Episoden löst und die Reihe wieder ein Stück nach vorne bringt.

Meinung von Thomas Nickel

Vom ersten Konsolen- beziehungsweise PC-exklusiven God Eater hatte ich mir einfach mehr erwartet, aber letzten Endes macht God Eater 3 nicht viel anders als die Vorgänger. Das ist an sich auch nichts Verkehrtes, waren God Eater Resurreaction und God Eater 2 - Rage Burst doch flotte, dynamische und spaßige Actionspiele. Aber mittlerweile hat sich das Rad der Zeit eben etwas weiter gedreht und Capcom hat mit Monster Hunter World das Genre ein paar gehörige Schritte vorangebracht, während God Eater auf der Stelle tritt.

Allzusehr will ich den Vergleich allerdings auch nicht strapazieren, denn bis auf die Thematik - ihr kämpft im Team mit dicken Waffen gegen Gegner im XXL-Format, um aus der Beute bessere Ausrüstung zu klöppeln - unterscheiden sich God Eater und Monster Hunter schon gewaltig. Bei God Eater wird der Anime-Aspekt extra-groß geschrieben, auch der Fokus in den Kämpfen ist gänzlich anders platziert.

Daher werden gerade all jene die bereits die Vorgänger mochten hier wieder auf ihre Kosten kommen. Wer dagegen erst einmal in die Serie reinschnuppern möchte, der ist vorerst mit God Eater 2 - Rage Burst (bei dem der Erstling God Eater - Resurrection ja direkt mit an Bord ist) erst einnmal besser beraten. Denn der macht essenziell das Gleiche, sieht kaum schlechter aus und bietet zudem gleich noch zwei ganze Spiele für weniger als den Preis des dritten Teils.

72

meint: Nette, actionreiche Fortsetzung, die die Serie aber leider kein Stück voranbringt - weder technisch, noch inhaltlich.

Jetzt eigene Meinung abgeben

Tags: Anime  

10 Dinge, die ihr als Partner eines Gamers verstehen solltet

Zum Valentinstag: 10 Dinge, die ihr als Partner eines Gamers verstehen solltet

Der 14. Februar - der Valentinstag - macht auch vor Menschen nicht Halt, deren liebstes Hobby Videospiele sind. Entgegen (...) mehr

Weitere Artikel

Letzte Inhalte zum Spiel

Lantern Festival Sale mit zahlreichen Angeboten gestartet

GOG: Lantern Festival Sale mit zahlreichen Angeboten gestartet

Auf GOG.com hat passend zum Laternenfest der Lantern Festival Sale begonnen. Was das bedeutet? Dutzende Angebote (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

God Eater 3 (Übersicht)
* gesponsorter Link