Vorschau Devil May Cry 5: Endlich wieder auf der Höhe

von Micky Auer (07. Februar 2019)

Die seitens der Fans mit großer Vorfreude erwartete Rückkehr von Devil May Cry durften wir persönlich ausprobieren. Die Anspiel-Session bot einige Überraschungen. Das sind unsere Eindrücke.

Erlaubt uns einen ganz kurzen Exkurs: Devil May Cry sollte eigentlich gar nicht existieren. Wie das? Nun, tatsächlich begann die Entwicklung als ein Teil der "Resident Evil"-Franchise. Jedoch zeigt schon der erste Prototyp des Spiels eine so starke Abweichung vom angestrebten Ziel, dass daraus ein ganz eigenes Spiel wurde. So entstand die actionreiche Geschichte rund um den Dämonenjäger Dante und seinen Kampf gegen die Heerscharen der Finsternis. Devil May Cry gehört zu den definierenden Spielen der PS2-Ära.

Bis zum vierten Teil, der nun schon vor elf Jahren für die PS3 erschien, ließ sich Publisher Capcom auf keine großen Experimente ein. Lediglich mit Nero kam ein neuer Hauptcharakter zum Zug. Fan-Liebling Dante stand aber ebenfalls als spielbarer Charakter zur Verfügung.

Ein Trio für die Ewigkeit: Das sind die Hauptfiguren in Devil May Cry 5.

Doch dann entschied man sich bei Capcom dazu, die Marke an den britischen Entwickler Ninja Theory (Hellblade - Senua's Sacrifice) zu übergeben und mit DmC - Devil May Cry einen Neustart zu wagen. Das ging nicht gut. Um es klarzustellen: DmC ist kein schlechtes Spiel, jedoch begeht es einen schwerwiegenden Fehler: Die ikonische Hauptfigur erhält ein neues, weitaus weniger charismatisches Design. Die Fans toben, das Spiel kriegt jede Menge Hass ab.

Und genau diesen Fehler begeht Devil May Cry 5 nicht! Capcom ist nun wieder selbst am Zug, baut auf die starken Charaktere und das fantastische Spielgefühl der Vergangenheit und bringt dennoch genug Neues mit ein, um Teil 5 relevant zu machen. Das neue Abenteuer rund um Dante, Nero und V (ein neuer Charakter) schließt ganz nahe an die besten Zeiten der Serie an und lässt gern gesehene Tugenden im neuen Glanz erstrahlen.

Das dynamische Trio

Ort des Geschehens ist die Stadt Red Grave, die optisch mit ihren roten Doppeldeckerbussen und viktorianisch anmutenden Bauten stark an London erinnert. Die Producer des Spiels versichern uns aber, dass es sich tatsächlich um eine fiktive Stadt handelt - London mag aber als Inspiration hergehalten haben, so unsere Vermutung.

Dante, Nero und V: Zu dritt ein klasse Team!Dante, Nero und V: Zu dritt ein klasse Team!

Das Spiel beginnt mit einer Niederlage. Dante und Nero ziehen im Kampf gegen einen übermächtigen Dämon den Kürzeren. Während Nero widerwillig den Rückzug antreten muss, bleibt Dante am Kampfschauplatz zurück. Sein Schicksal ist einstweilen ungewiss.

Was gleich auffällt: Der seit dem vierten Teil bekannte Nero verfügt über einen nahezu unzerstörbaren Arm, der eine Manifestation dämonischer Energien darstellt und auch wichtiges Bestandteil seines Kampfstils ist. Dieser Arm fehlt ihm. Was es damit auf sich hat, wird im Spiel recht früh erklärt, soll aber hier noch nicht verraten werden.

Nachdem sich dann ein dämonischer Baum über der Stadt erhebt und die finsteren Horden der Hölle die Zivilbevölkerung abschlachten, habt ihr eine Aufgabe und ein Ziel: Macht alle Gegner platt, besiegt sämtliche Bosse, rettet die Welt. Wer hätte das gedacht? Innovationspreis gewinnt die Story sicher keinen. In DMC5 geht es aber auch nicht um eine filigran aufgebaute Dramaturgie und feinteilige Dialoge, es geht um grandios choreographierte Kämpfe, jede Menge Geschick und Controller-Akrobatik sowie einfach nur kompromisslosen Spielspaß.

Dante verfügt über mehrere Kampfstile. Hier wendet er eine Trickster-Fähigkeit an.Dante verfügt über mehrere Kampfstile. Hier wendet er eine Trickster-Fähigkeit an.

Das Spiel ist in mehrere Kapitel unterteilt, die ihr - zumindest im regulären Durchlauf - mit vorgegebenen Charakteren bestreitet. Dazu gehören Dante, Nero und V. Jede Figur hat ihren eigenen Kampfstil. Dantes nahezu an einen tödlichen Tanz erinnernde Kampfkunst besteht aus altbekannten Angriffsketten mit Schwert und Schusswaffen, es gesellen sich aber auch neue Waffen hinzu, die auch entsprechend neue Taktiken erlauben. Auf Knopfdruck wechselt ihr seinen Kampfstil, um die ohnehin schon regelrecht absurden Angriffe noch zu erweitern. Diese Technik kennt ihr vielleicht schon aus dem vierten Teil.

Neros Stil ist recht ähnlich, unterscheidet sich aber in einem wichtigen Punkt: Seinen fehlenden Arm ersetzt er durch künstliche Gadgets, "Devil Arms" genannt. Die unterscheiden sich je nach Modell in ihrer Funktionsweise. Von zielsuchenden Geschossen bis zu elektrischen Entladungen - es gibt viel Spielraum für Experimente und individuelle Spielstile.

Und dann ist da noch V ...

Lasst uns kurz über V sprechen

Der schlanke, beinahe dürr wirkende, schwarzhaarige Mann mit dem Gehstock ist neu und als spielbarer Charakter mit von der Partie. Er sieht ein wenig so aus als hätten die Schauspieler Adam Driver und Benicio del Toro irgendwie ein Kind miteinander, ähm ... "erschaffen". Sein Industrial-Gothic-Look lässt vielleicht vermuten, dass er ein stiller, grummeliger Emo-Typ ist, der so rein gar nicht zum schlagkräftigen Duo Dante und Nero passt. Das ist ein Irrtum.

Gestatten: V. Auch gennant: Dein Henker.Gestatten: V. Auch gennant: Dein Henker.

V wirkt unglaublich charismatisch und würdevoll. Hinter seinem jugendlichen Äußeren verbirgt sich ein weiser und besonnener Charakter. Capcom ist mit V etwas gelungen, wovon Ninja Theory mit seiner Version von Dante nur träumen konnte: einen unvergesslichen Charakter zu erschaffen, zu dem Spieler sofort eine Verbindung aufbauen. Das ist natürlich äußerst subjektiv. Manch einem mag diese Figur nicht zusagen. Die anwesenden Kollegen jedoch fanden V in seiner Gesamtheit überaus gelungen. Nicht zuletzt auch wegen der gänzlich anderen Dynamik, die er ins Kampfgeschehen einbringt.

Dante und Nero gehen gerne auf Tuchfühlung, sind nahe am Gegner dran, schleudern ihn mit wuchtigen Schlägen in die Luft, beharken ihn dort weiter und geben ihm mit ein paar gezielten Salven aus ihren Pistolen den Rest. Nicht so V. Seine "Waffen" sind drei Dämonen, über die er die Kontrolle hat. Das sind der vogelähnliche Griffon, der schattenhafte Panther Shadow und der gigantische Dämon Nightmare.

Shadow und Griffon kontrolliert ihr genau so wie Dante und Nero mit Nahkampf- und Fernkampfwaffen hantieren. Beide Dämonen haben ihr eigenes Move-Set und sogar ihre eigenen Enegieleisten. Sie stecken im Kampf Schaden ein und können für kurze Zeit außer Gefecht gesetzt werden, kehren aber nach einer kurzen Ruhezeit wieder zurück.

Nightmare hingegen aktiviert ihr durch Vs "Devil Trigger". Habt ihr die dafür nötige Energieleiste aufgebaut, könnt ihr Nightmare in die Schlacht rufen. Sein Dasein ist immer nur kurz, aber gewaltig. Auch er lässt sich mit eigenen Moves steuern und bringt ausschließlich Tod, Zerstörung und Vernichtung mit sich.

Wenn V Nightmare herbeiruft, ist schluss mit lustig.Wenn V Nightmare herbeiruft, ist schluss mit lustig.

V selbst hingegen hält sich im Hintergrund, umschreitet das Schlachtfeld, beobachtet, taktiert, weicht aus und schlägt im entscheidenden Moment zu. Denn seine Dämonen können Gegner zwar verletzen, jedoch nicht töten. Das muss er selber übernehmen. Ist ein Gegner von einer roten Aura umgeben, ist der Moment gekommen, in dem sich V über das Schlachtfeld teleportiert und ihm in elegant animierten Sequenzen endgültig den Garaus macht.

Das klingt vielleicht sperrig und kompliziert, ist es aber nicht. V spielt sich leicht verständlich und intuitiv. Schon nach kurzer Eingewöhnungszeit haben wir selbst mit Shadow und Griffon gut aufeinander abgestimmte Angriffsserien ausgeführt, mit Nightmare das Geschehen kontrolliert und mit V tödliche Attacken gestartet. Es macht einfach unglaublich viel Spaß und fügt sich vom Spielgefühl hervorragend in das DMC-Universum ein.

Klassischer Ablauf und bekannte Gesichter

Es gibt drei weitere wichtige Figuren, die dem Hauptdarsteller-Trio zur Seite stehen. Dabei handelt es sich um Trish (aus dem ersten Teil), Lady (aus Teil 3) und neu hinzugekommen: die technisch versierte und mit einem grauenvollen Südstaatenakzent sprechende Nico. Sie ist auch für Neros "Devil Arms"-Arsenal zuständig, das sie im Spiel stets erweitert. Welche Funktionen Trish und Lady im Spiel übernehmen, konnten wir im Zuge der Anspiel-Session jedoch noch nicht herausfinden.

Neu hinzugekommen: Nico versorgt in ihrem Shop Nero mit Devil Arms.Neu hinzugekommen: Nico versorgt in ihrem Shop Nero mit Devil Arms.

Nico betreibt auf jeden Fall einen Shop, in dem Nero seine Aufsätze kaufen, verwalten und entsprechend austauschen kann. Alle drei Hauptfiguren erweitern ihre Aktionsmöglichkeiten wie gewohnt durch den Einsatz von roten Steinen, die jeder Gegner fallen lässt und die es auch in der Umgebung immer wieder zu finden gibt. Tipp: Schlagt einfach auf alles ein. Oft verbergen sich in ganz normal wirkenden Gegenständen wertvolle Steine.

Die roten gelten sozusagen als Währung, mit denen ihr von Fähigkeiten bis zu Inventarplätzen alles kaufen könnt. Grüne Steine stellen eure Energie wieder her, blaue erweitern eure Energieleiste. Es gibt noch weitere, wesentlich seltenere Items, über die wir an dieser Stelle noch nicht zu viel verraten wollen.

Das eigentliche Ziel jedes Kapitels ist - wie jeder Fan sicher weiß - den bestmöglichen Style-Rang zu erreichen. Variiert eure Combos, seid kreativ und abwechslungsreich in eurer Taktik, versucht, so viele Angriffe wie möglich aneinanderzureihen, wechselt zwischen Nah- und Fernkampf, schaltet im richtigen Moment den Kampfstil um, setzt Spezialfähigkeiten ein und so weiter. Der Combo-Zähler wird es euch danken. Je besser eure Gesamtwertung ausfällt, desto kostbarer ist auch die Belohnung, die ihr zum Ende jeden Abschnittes erhaltet. Ganz klassische DMC-Spielmechanik also.

Sichtlich gereift: Auch an Dante sind die Jahre nicht spurlos vorübergegangen.Sichtlich gereift: Auch an Dante sind die Jahre nicht spurlos vorübergegangen.

Beeindruckend war selbst in dieser noch nicht fertigen Version die ununterbrochen hohe Bildwiederholrate. Die Umgebungsgrafik selbst ist nicht hässlich, aber auch nicht besonders spektakulär oder auffallend detailreich. Dafür wiederum gibt es massig Effekte, die natürlich vor allem das Kampfgeschehen so richtig knallig in Szene setzen. Devil May Cry 5 mag nicht das wunderwunderschönste Spiel der Welt sein, aber ganz sicher eines der stilvollsten.

Meinung von Micky Auer

Skepsis. Verdammt große Skepsis! Die habe ich zum Anspieltermin mitgebracht, und zwar aus mehreren Gründen. Einerseits hat mich das letzte "echte" DMC, nämlich Teil 4, ziemlich genervt. Man spielt darin eine ganze Weile mit Nero, erweitert seine Fähigkeiten, lernt sie sinnvoll einzusetzen und kriegt ein gutes Gefühl für den Charakter. Aus dem Nichts versetzt einen das Spiel dann plötzlich in die Rolle von Dante mit einem nahezu vollen Move-Set, das man von jetzt auf gleich beherrschen soll, nur um dann für die letzten paar Meter wieder mit Nero zu spielen. Und dann hat Devil May Cry 5 gleich drei spielbare Charaktere? Das kann nicht gutgehen.

Andererseits sind die Glanzzeiten der Reihe für mich mit Teil 3 zu Ende gegangen. DmC von Ninja Theory fand ich durchaus O.K., aber es war nicht mehr das, was ich eigentlich mit der Serie in Verbindung gebracht habe. Und dann fand ich auch, dass ich vielleicht nicht mehr so den Zugang zu den lockeren Sprüchen und der - ja, ich sage es: Coolness der Charaktere habe. Doch dann wurde ich überrascht.

Auch wenn ich immer wieder einen anderen Charakter in Teil 5 vorgesetzt bekommen habe, wird die Dynamik nie unterbrochen. Ohne die Skills der Figuren komplett zu reduzieren, ist es Capcom gelungen, ein Trio auf die Beine zu stellen, für das man keine großartige Eingewöhnungszeit braucht. Der Fortschritt im Spiel hat genau die richtige Geschwindigkeit, das Spielgeschehen selbst macht Spaß. Es gibt viele Feinheiten, wie die (unglaublich alberne aber zumindest wirkungsvolle) Exceed-Fähigkeit von Neros Schwert Red Queen oder die Möglichkeit, einen Devil Arm zu opfern und dafür einen besonders starken Angriff abzufeuern. Bevor ihr es bemerkt, habt ihr all diese Fähigkeiten auch schon verinnerlicht und setzt sie sinnvoll ein.

Und dann ist da noch die B-Movie-Coolness, oder besser gesagt: Was davon noch übrig ist. Ganz ehrlich, ich trauere den dummen Sprüchen, die Dante und Nero von sich gegeben haben, absolut nicht nach. Die Zeiten sind nun mal vorbei. Keine Sorge, die beiden sind nach wie vor um keine schlagfertige Antwort verlegen, aber es ist etwas Bemerkenswertes passiert: Sie sind älter geworden. Im Fall von Nero bedeutet das, er wirkt nun erwachsener, Dante hingegen ist regelrecht gereift.

Die Krone setzt alldem aber für mich V auf. Selten habe ich einen Charakter erlebt, der über eine dermaßen erhabene und stilvolle Präsenz auf dem Bildschirm verfügt. Trotz seiner Macht wirkt er nicht überheblich, er stellt den Ruhepol im Trio dar. Aber unterschätzt ihn nicht im Kampf! Sobald ihr die Mechanik mit seinen Dämonen raus habt (und das geht sehr flott), kann der Spaß erst richtig beginnen. Wie sich das im Spiel anfühlt, erfahrt ihr schon bald. Devil May Cry 5 erscheint voraussichtlich am 8. März 2019 für PC, PS4 und Xbox One.

Tags: Fantasy  

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