Die Metro-Trilogie: So unterscheiden sich die Spiele von den Büchern

(Special)

von Spieletipps-Team (09. Februar 2019)

Während sich die meisten Hobby-"Spartan Rangers" auf das voraussichtlich am 15. Februar erscheinende Metro - Exodus freuen, haben andere bei der offenen Spielwelt so ihre Bedenken und fragen sich: "Ist das noch unser Metro?"

Angesichts der bisher veröffentlichten Spielszenen, die überwiegend das Geschehen an der Erdoberfläche zeigen, eine berechtigte Frage. Um diese zu beantworten, sollte zuerst geklärt werden, was denn dieses "Metro" eigentlich ist und was daran euch Spieler so begeistert.

Dass die Spiele auf Dmitri Gluchowskis Romantrilogie basieren, ist kein Geheimnis. Dabei unterscheiden sich diese jedoch von dieser Vorlage teilweise gravierend und so weicht auch das virtuelle Metro von der Vorstellung des Erschaffers ab. Worin genau sie sich unterscheiden und wie das die Sicht auf Metro-Exodus beeinflussen kann, wollen wir hier für euch herausarbeiten.

Anfangs noch der Vorlage treu, dann vage Anlehnung

Achtung! Ab hier folgen Spoiler, sowohl für die Bücher als auch für die Spiele.

Bekanntermaßen sind Buchvorlagen sehr viel länger und ausführlicher als die späteren darauf basierenden Filme oder Spiele. So auch Metro 2033. Das als Horror-Ego-Shooter konzipierte Spiel erzählt eine acht Tage lange Geschichte, während diese in der Romanfassung drei Wochen dauert. Es werden interessante sowie brutale Geschichten, beispielsweise die Entführung Artjoms durch den kannibalistischen Stamm des großen Wurms, noch nicht einmal angeschnitten.

Metro 2033: Ein kleiner Rückblick ins erste Spiel der Reihe

Dabei sind zumindest große Knackpunkte der Geschichte, wie Anfang und Ende, der Vorlage treu geblieben, im Gegensatz zu Metro - Last Light, das zwar als Spiel zum Roman Metro 2034 beworben wurde, jedoch eine komplett andere Geschichte erzählt. Das Buch handelt noch nicht einmal vom bisherigen Protagonisten Artjom, sondern vielen anderen interessanten Charakteren wie dem Geschichtenerzähler Homer oder Fanliebling Hunter.

Der Autor bestätigte es zwar nicht direkt, doch Metro - Last Light soll etwa parallel zur Geschichte des zweiten Buches spielen, auch wenn das Ende sich nicht ganz mit dem Kanon deckt. Warum dies gemacht wird? Weil die Entwickler einen Ego-Shooter erschaffen wollten, und die Vorlage aus Metro 2034 bietet dafür nicht die richtige Geschichte. In Metro wird allgemein nicht so viel herumgeballert und in die Luft gesprengt wie in den Spielen, denn jede Ressource ist in dieser Welt wertvoll und überlebensnotwendig.

In Metro 2033 ging es nur selten an die Erdoberfläche.In Metro 2033 ging es nur selten an die Erdoberfläche.

Metro - Exodus wird noch einen weiteren Schritt weg von seiner Vorlage machen. Eine Eisenbahn mit der Artjom das verwüstete Russland erkundet, gibt es nämlich in Metro 2035 keineswegs. Gluchowski selbst sagte einmal in einem Interview, dass er sich eine Welt wünsche, in der nicht alles erkundet sei und geheime Orte nur darauf warten, entdeckt zu werden. Und so gestaltete er auch seine Romane, schmückte sie mit Geschichten, Mystik und Erzählungen über eine Metro 2 oder die Smaragdene Stadt aus. Dies alles wird bestenfalls in den Spielen angeschnitten, obwohl sie in den Büchern eine tragende Rolle spielen.

Charaktere und verwirrende Namensgebung

Um euch Spielern das Erlebte schmackhafter zu machen, wurde nicht nur Artjoms zukünftige Frau Anna deutlich aufgehübscht, auch der Protagonist verhält sich viel stärker wie der typische "Ego Shooter"-Held, obwohl dieser im Buch anfangs eher schreckhaft und unerfahren ist.

Metro - Last Light: Im zweiten Spiel trifft Artjom auf neue Gefahren

Im letzten Band wird er nach der Vernichtung der Schwarzen auch endgültig von Schuldgefühlen zerfressen und sucht verzweifelt nach einem Anzeichen für andere Überlebende außerhalb des verstrahlten Moskaus in der Hoffnung, eben nicht für die Auslöschung der letzten Rettung der Menschheit verantwortlich zu sein. Dafür begibt er sich an die Oberfläche und wird krank, sodass er im Buch schwach, verbittert und von anderen verachtet wird.

Damit ihr euch in den Charakter hineinversetzen könnt, wird er aber nur von schwach dargestellten Emotionen bewegt, meistert trotzdem jede Situation und rettet am Ende seine Kameraden. Die Verbindung funktioniert auf diese Weise besser als mit einem Protagnoisten, der mit seinen inneren Dämonen zu kämpfen hat. Es bleibt jedoch zu hoffen, dass es im kommenden Teil doch wieder etwas mehr emotionalen Tiefgang geben wird.

Fast schon witzig ist auch der Unterschied zwischen Miller im Buch und in Metro - Exodus. Eigentlich sitzt dieser nämlich ohne Beine im Rollstuhl und hat mit Selbsthass und Frust zu kämpfen. Am 15. Februar wird er zum Cyborg befördert und bekommt Metallbeine à la Darth Maul. Auch namentlich unterscheiden sich die Personen. Anna heißt eigentlich Anja, Miller heißt Melnik und Artjoms Stiefvater nicht Alex, sondern Suchoj. Für Kenner der Bücher anfangs sehr verwirrend.

Das feige Spiel eines mutigen Romans?

Der Autor ist in Russland als kritischer Journalist bekannt und erfand mit dem Metro-Universum ursprünglich eine gewaltige Metapher für die politischen Missstände unter Putins Regierung.

Die politische Kritik des Autors ist in den Spielen nur noch im Ansatz vorhanden.Die politische Kritik des Autors ist in den Spielen nur noch im Ansatz vorhanden.

Vorgegaukelte Pressefreiheit, Kontrolle der Medien und die Message, dass die Menschen mit ihrer Gier nach Macht und ihrem Hass alles zerstören, bis nichts mehr davon übrig ist, sind alles Aussagen, die in den Büchern sehr gut vermittelt wurden. Auch hier schalten die Spiele einen Gang zurück.

Ebenso ist es mit der Brutalität. Themen wie Kannibalismus, Sklaverei, Prostitution, Suizid, Behinderungen oder verheerende Krankheiten bleiben größtenteils aus, obwohl der Leser immer wieder damit konfrontiert wird und sich der zweite Band fast ausschließlich um die Bekämpfung einer Seuche dreht.

Voll und ganz Metro

Angesichts der Buchvorlage sind die Spiele also nicht das Metro wie es im Buche steht. Aber das muss es auch nicht. Gluchowski selbst möchte mit den Spielen euch Fans eine andere Geschichte erzählen als die, die schon bekannt ist und arbeitete mit 4A Games zusammen, um ein Spiel zu kreieren, das den Werten des Buches treu bleibt und trotzdem im Gameplay in einem adäquaten Rahmen bleibt.

Metro - Exodus: Erlebt Artjoms Abenteuer im vorläufig letzten Teil der Serie

Also was ist Metro? Es ist die zerstörte, postapokalyptische Welt, in der ihr um euer Überleben kämpfen und euch verlieren könnt. Es ist Verzweiflung und Hoffnung zugleich. Es ist weitreichende Melancholie, gespickt mit russischem Charme.

Metro - Exodus ist dabei mit dem Erkunden der Oberfläche keine Ausnahme. So steckt doch die Metro-typische Ironie dahinter, dass es in den finsteren Schächten der Metro meist sicherer ist als unter freiem Himmel. Daher wird euch trotzdem noch das eine oder andere beklemmende Gefühl im Untergrund erwarten, mit all seiner Dunkelheit und Klaustrophobie.

Das Suchen nach Leben an der lebensfeindlichen Oberfläche ist dabei genau das, auf was Buch ebenso wie Spiel hinführen wollen. Und nun ist es für euch "Stalker" an der Zeit die Gasmasken aufzusetzen und die Bastardpistole durchzuladen, denn der Exodus wartet.

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