Test Crackdown 3: Hoher Sprung oder tiefer Fall?

von Manuel Karner (19. Februar 2019)

Crackdown 3 wurde bereits 2014 exklusiv für Xbox One angekündigt. Was folgte, war eine Verschiebung nach der anderen. Jetzt ist das Spiel endlich erhältlich und es stellt sich die Frage: Hat sich die Wartezeit gelohnt? Wir haben die „Xbox One X“-Version von Crackdown 3 getestet.

Die Veröffentlichung des ersten Ablegers der Reihe liegt bereits gute zwölf Jahre zurück. Crackdown wurde gemeinsam mit seinem drei Jahre jüngeren Nachfolger Crackdown 2 auf Xbox 360 veröffentlicht. In beiden Spielen schlüpft ihr in die Rolle eines Agency-Agenten, der in eine von Verbrechen heimgesuchte Stadt wieder Ordnung bringen soll. Dieses Konzept übernimmt auch Crackdown 3, und zwar ohne überhaupt zu versuchen, eine komplexe oder tiefgründige Story zu erzählen.

Der Trailer geizt nicht mit zerstörerischer Action:

Hunderte Städte werden Opfer der sogenannten „Verdunklungsangriffe“. Der einzige Zufluchtsort für viele Zivilisten scheint New Providence zu sein, eine zu großen Teilen neonbeleuchtete, futuristische Inselstadt, die mit unterschiedlichen Vierteln aufwartet. Geleitet wird die Stadt vom Konzern Terra Nova, dessen Anführerin niemand Geringeres ist als Elisabeth Niemand (Wortwitz beabsichtigt). Der Zustand der Flüchtlinge ändert sich nach ihrer Ankunft kaum, da sich der Konzern nicht großartig um deren Gesundheit schert, weshalb ein Agent der Agency eingreifen muss, um Terra Nova aufzuhalten. So weit, so C-Movie.

Der Weg zum Superagenten

Zu Beginn eures Abenteuers könnt ihr einen von sechs unterschiedlichen Agenten wählen – darunter auch den von Schauspieler Terry Crews verkörperten Agenten namens Jaxon. Im Verlauf des Spiels lassen sich noch zahlreiche, weitere Charaktere durch das Auffinden ihrer jeweiligen DNS freischalten. Die Unterschiede zwischen ihnen liegen jedoch nur im Detail. Jaxon bekommt zum Beispiel einen Bonus von zehn Prozent auf Stärke- und fünf Prozent auf Sprengstoff-Erfahrungspunkte. Welchen Charakter ihr schlussendlich wählt, bleibt im Großen und Ganzen also eurem Geschmack überlassen und hat sonst keine spielerischen Auswirkungen.

Grundsätzlich ist euer Agent mit fünf Attributen ausgestattet, die ihr im Laufe der Story auf das Maximal-Level Sechs steigern könnt. Dabei gilt: Fast jeder Wert lässt sich durch die bloße Ausübung der damit verbundenen Aktionen steigern.

Das Level eurer Wendigkeit bestimmt die Sprungkraft.Das Level eurer Wendigkeit bestimmt die Sprungkraft.

Die einzige Ausnahme stellt dabei die Wendigkeit dar, welche eure Sprungkraft und euer Lauftempo bestimmt. Sie kann durch das Einsammeln von Orbs, die in der ganzen Stadt verteilt sind, und durch das Bewältigen von Wendigkeitsherausforderungen gesteigert werden. Bei Letzteren müsst ihr schnellstmöglich einige Kontrollpunkte abklappern, bis ihr das vorgegebene Ziel erreicht. Je besser ihr euch dabei anstellt, desto mehr Erfahrungspunkte erhaltet ihr. Mit jedem Stufenaufstieg schaltet ihr auch neue Fähigkeiten frei, wie den Doppelsprung oder Schubdüsen.

Das Level der Schusswaffen spiegelt die Feuerkraft und die Zielsuche eurer Fernkampfwaffen wieder. Es fühlt sich großartig an, wenn ihr Gegner, für die ihr anfangs noch mehrere Salven abfeuern musstet, um sie zu töten, später mit nur einem einzigen Schuss ausradiert.

Solche Lasten stellen mit entsprechendem Stärke-Level kein Problem mehr dar.Solche Lasten stellen mit entsprechendem Stärke-Level kein Problem mehr dar.

Die Stärke spiegelt die rohe Körperkraft eures Agenten wieder, die sich durch das Eliminieren eurer Gegner mit euren bloßen Händen steigern lässt. Seid ihr anfangs noch etwas schwach auf der Brust, könnt ihr mit einem höheren Stärke-Level bereits Container oder Autos hochheben und sie auf eure Widersacher schleudern.

Das Sprengstoff-Attribut wird durch die Nutzung von Granaten oder Raketenwerfern gesteigert. Mit jedem Level-Aufstieg erhöht sich der Schaden und Explosionsradius der Sprengkörper – hin und wieder erhaltet ihr sogar neue explosive Spielzeuge.

In New Providence gibt es zahlreiche Rennen zu bestreiten.In New Providence gibt es zahlreiche Rennen zu bestreiten.

Wer New Providence gerne mit einem Gefährt erkundet, kann auch den „Fahren“-Skill steigern. Das geschieht bereits, wenn ihr besondere Fahrmanöver ausführt oder Gegner überfahrt. In der Stadt lassen sich auch Rennen finden, bei denen ihr, ähnlich wie bei den Wendigkeitsherausforderungen, innerhalb eines Zeitlimits Kontrollpunkte abgrasen müsst. Steigt das Level eurer Fahrkünste, erreicht euer „Agency“-Fahrzeug „Blitz“ höhere Geschwindigkeiten. Auf dem Maximal-Level kann sich euer blitzschnelles Gefährt sogar transformieren.

Im Gegensatz zu eurem Agenten, der sich recht präzise steuern lässt, ist die Fahrzeugsteuerung weniger geglückt. Die modernen Kutschen scheinen größtenteils das Gewicht eines Spielzeugautos zu haben. Bei etwas schnelleren Geschwindigkeiten befördern bereits kleine Unebenheiten euer Gefährt in die Luft und bei engeren Kurven könnte man meinen, ihr habt in einem Luftkissenboot Platz genommen.

Ballern am laufenden Band

Generell werdet ihr in Crackdown 3 vordergründig nur zwei Dinge tun: Springen und schießen. Der „Terra Nova“-Konzern wird von insgesamt neun Bossen kontrolliert, die sich in die drei Gruppen - Sicherheit, Logistik und Chemie - einordnen lassen. Bevor ihr den Bossen das Licht ausknipsen könnt, müsst ihr erst deren Gebäude erobern oder zerstören - manchmal auch einfach nur ihre Offiziere eliminieren.

Das gestaltet sich anfangs noch recht motivierend, irgendwann ist durch die immer gleichen Aufgaben aber auch die Luft raus. Für die erfolgreiche Eroberung von Schwebebahnstationen müsst ihr beispielsweise nur den Stationsboss ausschalten. Bei Chimera-Feldern gilt es hingegen vordergründig Erntemaschinen zu zerstören, wobei es in diesem Falle ausreicht, die Schwachstellen der Maschinen unter Beschuss zu nehmen.

Einer der Bosse stellt sich euch mit einem riesigen Mech entgegen.Einer der Bosse stellt sich euch mit einem riesigen Mech entgegen.

Andere Aufgaben, wie die Gefangenenbefreiung in Wachstationen oder das Säubern von Fahrzeugdepots, spielen sich ebenfalls allesamt recht ähnlich. Da hilft es auch nicht, dass der „Open World“-Shooter euch unterschiedliche Gegner-Typen vor die Flinte wirft. Angefangen von Versorgungssoldaten, die ein Regenerationsfeld für ihre Kameraden aufstellen, über Drohnen und Robotern mit Energieschilden, bis hin zu riesigen Mechs ist alles in Crackdown 3 vertreten.

Die KI verhält sich aber alles andere als schlau. So werden die eben erwähnten Regenerationsfelder allzu oft von euren Gegnern außer Acht gelassen, und Deckung suchen eure scheinbar todessehnsüchtigen Widersacher zu keinem Zeitpunkt. Das alles trägt dazu bei, dass eure Feinde zu lebendigen Zielscheiben verkommen und sich nur in überwältigender Masse als gefährlich erweisen.

Motivation gesucht

Als erfrischend abwechslungsreich stellen sich da die Propagandasäulen heraus, zumindest sofern euch Geschicklichkeitsaufgaben nicht generell abschrecken. Diese sind überall in der Stadt anzutreffen und wollen bis zur Spitze erklommen werden. Dabei müsst ihr nicht nur die Sprungkraft eures Agenten gut einschätzen können, sondern auch auf Hindernisse wie Laserbarrieren achten, während euch bewegliche Plattformen zu schnelleren Handlungen zwingen. Wer das Ende der Säule erreicht, darf sich auf ein paar Erfahrungspunkte für jedes Attribut freuen.

Die Propagandasäulen wollen erklommen werden.Die Propagandasäulen wollen erklommen werden.

Neben den Propagandasäulen und dem Level-System trägt auch die Waffenfreischaltung zur Motivation bei. Sobald ein Gegner eine Waffe fallen lässt, die sich noch nicht im Repertoire eures Nachschubdepots befindet, könnt ihr diese aufsammeln und damit auch freischalten. Hier lassen sich neben Sturmgewehren, Schrotflinten und Pistolen auch besondere Cryo-Waffen und spezielle Raketenwerfer finden, die teils für optisch gelungene Explosionen sorgen.

Apropos Optik: Der Comic-Look von Crackdown 3 erinnert mitunter aufgrund der überall anzutreffenden, bunt strahlenden Neonbeleuchtungen vor allem an Agents of Mayhem und kann sich davon auch nur bedingt abheben. Dafür wirken die meisten Häuserblocks, die ihr in New Providence antrefft, zu texturarm, und manchen Arealen mangelt es schlichtweg an Details. Im Gegenzug geht die Framerate auch bei noch so opulenten Partikel-Effekten nicht in die Knie.

In der Weitsicht erwarten euch detailarme und teils matschige Texturen.In der Weitsicht erwarten euch detailarme und teils matschige Texturen.

Das groß angekündigte Zerstörungs-Feature, das es euch ursprünglich erlauben sollte ganze Städte in Schutt und Asche zu legen, ist in der Kampagne von Crackdown 3 übrigens nicht vertreten. Abseits missionsbedingter und daher gescripteter Zerstörungen, kann in dem „Open World“-Shooter so gut wie nichts in seine Einzelteile zerlegt werden – schade und ein großer Dämpfer. Schließlich war das ursprünglich eines der stärksten Argumente für das Action-Spektakel.

Enttäuschendes Multiplayer-Fiasko

Ganz wurden die großflächigen Zerstörungen dann doch nicht gestrichen. Der Multiplayer von Crackdown 3 hört nicht umsonst auf den Namen „Abrisszone“. Hier lassen sich im Gegensatz zum Einzelspieler-Modus tatsächlich ganze Gebäudestrukturen auseinandernehmen. Doch allzu lange wird euch der Multiplayer mit den beiden Spielmodi „Agent Hunter“ und „Territorien“ wahrscheinlich trotzdem nicht bei der Stange halten.

Nur im Multiplayer lässt sich wirklich alles zerstören.Nur im Multiplayer lässt sich wirklich alles zerstören.

In „Agent Hunter“ kämpft ihr als Teil eines fünfköpfigen Teams gegen fünf andere Spieler und müsst die Abzeichen, die nach dem Ableben fallen gelassen werden, einsammeln. In „Territorien“ sind stattdessen zwei Zonen einzunehmen und zu halten. Die beiden Modi kranken aber an der automatischen Zielerfassung, die übrigens auch permanenter Bestandteil der Kampagne ist. Freischaltbare Items oder Fähigkeiten sucht ihr ebenfalls vergebens. So verkommt der Multiplayer zu einer netten Dreingabe mit fadem Beigeschmack. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen.

Meinung von Manuel Karner

Crackdown 3 ist keine Totalkatastrophe geworden, aber bietet auch nicht genug Besonderheiten, um sich von der Masse im „Open World“-Genre abzuheben. Die hohen Luftsprünge der Agenten entfachen kein ganz so faszinierendes Gefühl, wie das Schwingen durch die Stadt in Spider-Man. Die Klettereinlagen gestalten sich weitaus sperriger als beispielsweise in Assassin’s Creed – Odyssey und die Explosionen hinterlassen einen nicht so guten Eindruck, wie in Just Cause 4.

Dafür hat Crackdown 3 etwas zu bieten, was all den eben genannten „Open World“-Spielen fehlt: Einen Online-Koop-Modus. Gemeinsam Heerscharen von Gegnern zu bekämpfen und dutzende Herausforderungen zu absolvieren, macht eben deutlich mehr Spaß als ganz alleine. Die „Abrisszone“ könnt ihr aber getrost links liegen lassen.

Außerdem ist es durchaus motivierend, die Attribute eures "Agency"-Agenten zu steigern. Gegner, die anfangs noch als gefährlich gelten, werden später mit einer einzigen Salve aus eurem Gewehr über den Jordan geschickt. Fahrzeuge und andere schwere Objekte werden zu einsetzbaren Waffen und können mit einem zielsicheren Abwurf gleich eine ganze Feindgruppe ausschalten.

Dabei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass genau die gleichen Attribute bereits Teil der Vorgänger waren und sich nur durch zusätzlich freischaltbaren Krimskrams davon unterscheiden. Generell lassen sich die Neuerungen trotz der langen Entwicklungszeit an einer Hand abzählen. Das mag Neulinge nicht stören, Kenner dürften in ihrer Erwartungshaltung aber enttäuscht werden.

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meint: Der "Open World"-Shooter glänzt durch die Charakterentwicklung, bringt aber zu wenige Besonderheiten mit sich, um auf Dauer zu motivieren.

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