Vorschau New World: Das überraschend arbeitsintensive Amazon-Game

von René Wiesenthal (20. Februar 2019)

Wenn unter dem Namen Amazon ein Videospiel erscheint, rechnet man wohl mit einem Action-Kracher, der ein möglichst breites Publikum ansprechen soll. New World, die erste große Produktion der Amazon Game Studios, ist das genaue Gegenteil davon. Wir durften es anspielen.

Untote im Sandbox-MMO New World von den Amazon Game Studios.Untote im Sandbox-MMO New World von den Amazon Game Studios.

Einer der größten Konzerne der Welt dringt in die Sphäre der Videospielentwicklung vor. Deren erstes großes Projekt: Ein zeitintensives, aufwendiges MMO für den PC mit mittelalterlichem Fantasy-Szenario. Wer hätte damit gerechnet? Wir sicher nicht, bevor wir kürzlich die Gelegenheit hatten, uns das Spiel erstmals anzuschauen und reinzuspielen. Wir wurden in die Alpha-Version von New World gelassen, sprich: Alles, was wir sahen, befindet sich noch mitten in einem recht frühen Entwicklungsstadium.

Zusammen ist man weniger allein

Damit wir das Spiel so zocken können wie es angedacht ist, tun wir uns zu Beginn des Anspieltermins mit einer Gruppe von anwesenden Redakteuren und Entwicklern in der Spielwelt zusammen. Eine gegnerische Gruppierung wird auch aufgestellt, und so machen wir uns auf, einander zu bekämpfen.

Aber erstmal finden wir uns am Strand ein, ohne viel Kleidung am Leib. Auf den ersten Blick zeichnen sich Parallelen zu bekannten Survival-Spielen wie Ark – Survival Evolved ab. Die Entwickler betonen aber immer wieder, dass es sich bei New World um ein Sandbox-MMO handelt und nicht um ein Survival-Spiel.

So sieht sie aus, die schöne neue Welt von Amazon.So sieht sie aus, die schöne neue Welt von Amazon.

Wir fangen damit an, gemeinsam Holz und Flintsteine einzusammeln, damit wir ein Lager errichten können, das uns von diesem Moment an als neuer Respawn-Punkt dient – unser Hauptquartier sozusagen. Damit wir für den bevorstehenden Krieg ausgerüstet sind, führt uns einer der Entwickler in ein bereits erbautes Lager, das seiner Aussage nach eigenhändig von Spielern geschaffen wurde.

Bewaffnen für das kommende Gefecht

In dort platzierten Kisten liegen bereits Waffen und Rüstungen, an denen wir uns bedienen können – wir bewaffnen unsere Figur mit einem Speer und ziehen uns Schutzkleidung über. Nutzen wir eine der Werkstätten, können wir eingesammelte Ressourcen verarbeiten.

Das, so sagt man uns, sei im fertigen Spiel zwingend erforderlich, da die Waffen zu Spielbeginn nicht einfach fertig für jeden bereitstehen. Waffen haben zudem eine von fünf Klassen. Je nachdem, welche Klasse eine gewünschte Waffe haben soll, werden die dafür gebrauchten Ressourcen zunehmend exotischer.

Im Lager könnt ihr an Werkstätten Ressourcen verwerten.Im Lager könnt ihr an Werkstätten Ressourcen verwerten.

Sobald alle Spieler ausgerüstet sind mit Hirschgeweih-Helmen, Schilden, Schwertern und Zweihandhämmern, erklärt der Gouverneur - also der Anführer - unserer so genannten Company den Krieg. An dieser Stelle verstreiche im fertigen Spiel eine Frist von 24 Stunden, bis es zur Auseinandersetzung kommt. Dafür haben wir keine Zeit, stellt der Entwickler richtig fest, also schraubt er die Wartezeit auf wenige Minuten herunter.

Die Klingen wollen getestet werden

Auf dem Weg zum feindlichen Lager geraten wir an so genannte Withereds, das sind die Untoten in New World. An ihnen und Grizzly-Bären probieren wir unsere Ausrüstung aus und erproben uns im Kampf. Wir können sie mit gewöhnlichen Angriffen aufs Korn nehmen oder spezifische Spezialfähigkeiten einsetzen. So sind Speerträger in der Lage, ihre Speere zu werfen, Heiler können einen magischen Kreis der Heilung für sich und andere Spieler errichten.

Jede Figur kann eine ganz spezielle Funktion übernehmen.Jede Figur kann eine ganz spezielle Funktion übernehmen.

Damit wir einen Respawn-Punkt haben, der näher am feindlichen Hauptquartier ist, errichten wir ein Lager in der Nähe der Holzpalisaden, hinter denen sich der Feind versteckt. Mithilfe von Fässern voller Schießpulver, die wir als Bomben missbrauchen, leeren wir die Energiebalken der Holzbarrikaden und stürmen das feindliche Lager. Überall um uns herum geraten nun Spieler miteinander in den Kampf. Im finalen Spiel sollen Hunderte auf einmal gegeneinander antreten dürfen. Wir gehen siegreich aus dem Krieg gegen das gegnerische Team hervor.

Ein Spiel ohne Quests: Freiheit oder Einöde?

So oder so ähnlich könnte New World am Ende ablaufen. Es könnte aber auch ganz anders zugehen, denn das fertige Spiel soll euch erlauben, euch auch gegen eure eigene Company zu stellen, Verbündete anzugreifen, kriminell zu werden. Dadurch erhaltet ihr einen Status als Gesetzloser, der für acht Stunden anhält. Werdet ihr in dieser Zeit getötet, verliert ihr alles, was ihr im Inventar und am Körper bei euch führt.

Herkömmliche Quests, die euch das Spiel aufträgt, soll es dagegen nicht geben. Stattdessen baut New World voll darauf auf, dass die Spieler sich selbst ihre Geschichten erfinden – ganz Sandbox MMO. Das soll dann so aussehen, dass einzelne Fraktionen, also Companies, in immer neue Landstriche einfallen, um die dort befindlichen Ressourcen abzustauben, während sich Spieler untereinander mit Aufträgen versehen. Das bedeutet viel Freiheit, aber auch, dass das komplette Spielkonzept damit steht und fällt, wie viele Spieler vorhanden sind und wie ambitioniert sie an der Kreation einer eigenen Lore arbeiten.

Genauso muss der Entwickler noch viel Zeit ins Austarieren einer ordentlichen Welten-Balance stecken. Denn diese ist das Grundgerüst dafür, dass Spieler dazu animiert sind, sich in New World auszutoben. Zumindest bei unserem Anspieltermin der Alpha-Version sah das aber schon recht gut aus.

Wann das Spiel letztendlich erscheinen soll, ist noch offen. Ebenso die Antwort auf die Frage, ob dieses ambitionierte Spielkonzept am Ende wirklich aufgeht. Wir warten beides vorerst ab. Derweil könnt ihr uns in den Kommentaren sagen, was ihr von dem Spiel haltet und ob ihr euch darauf freut, es selbst einmal testen zu können. Wir freuen uns, von euch zu lesen.

Tags: Multiplayer   Online-Zwang  

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