Apex Legends: 4 Erkenntnisse eines "Battle Royale"-Neulings

(Kolumne)

von René Wiesenthal (21. Februar 2019)

Ein "Battle Royale"-Noob traut sich in die Matches von Apex Legends und macht neben witzigen und frustrierenden Erfahrungen auch vier entscheidende Erkenntnisse.

Apex Legends gibt es seit dem 4. Februar kostenlos für PS4, Xbox One und PC.Apex Legends gibt es seit dem 4. Februar kostenlos für PS4, Xbox One und PC.

Ich kenne sie, sie begegnen mir jeden Tag. Ich lese viel über sie und schaue sie mir an. Das bringt meine Arbeit so mit sich. Und doch habe ich noch nie wirklich eines der vielen erhältlichen "Battle Royale"-Games gezockt. Das hat einen einfachen Grund: Ich spiele Shooter nicht unbedingt meisterlich. Im Singleplayer NPCs wegballern, geht klar, aber sobald ich online gegen echte Spieler antrete, werde ich zur hilflosen Zielscheibe.

Das kann schon in gewöhnlichen Death Matches zum Frustfaktor werden. Bei einem Modus, in dem ich aus dem laufenden Spiel ausscheide, sobald ich einmal draufgehe, fühlt es sich für mich an wie Cybermobbing. Fortnite habe ich kurz angespielt, nur um festzustellen, dass es bei all den Bühnen für erniedrigenden Erfahrungen im Online-Gaming eine derjenigen ist, die mich schon ohne Gegnerkontakt am wenigsten ansprechen. Also ließ ich es bleiben mit Battle Royale. Bis jetzt.

Apex Legends: Muss ja gut sein, wenn alle das mögen

Apex Legends hat mich neugierig gemacht, da es für einen kostenlosen Shooter ziemlich wertig aussieht. Nicht nur das, die Argumente, es mal zu probieren, mehrten sich nach dem Release quasi stündlich: Überall Jubelstürme, Massen von Spielern, die von anderen Online-Games zum Respawn-Shooter wanderten, Berichte über die saubere Technik und den nahezu problemlosen Launch.

Apex Legends: Offizieller Cinematic Launch Trailer

Die Tatsache, dass ich darin von Beginn an in der Obhut eines Dreier-Squads unterwegs bin und zur Not sogar wiederbelebt werden kann, nahm mir ein wenig die Angst vor heftigen Niederlagen. Konnte mich das doch möglicherweise vorm frühzeitigen Ausscheiden bewahren. Der ausschlaggebende Punkt war dann aber, wie so oft bei Online-Games, mein Bruder.

'Ne Runde Apex?

Nachdem ich von unseren gemeinsamen Abenteuern in Destiny genug hatte und ihm nicht bis in Destiny 2 folgen wollte (sorry nochmal, Bro), war unsere Online-Gaming-Zeit erst einmal auf Eis gelegt. Lange hat er versucht, mich wieder von einem Spiel zu überzeugen, damit wir unsere abendlichen Sessions fortsetzen können. Nie war eins für mich dabei.

Eines Nachts hat’s mich dann gepackt. Es war Null Uhr an einem Samstag, an dem ich bis dato sehr produktiv gewesen bin. Der Download von Apex Legends, den ich aus beruflichen Gründen angestoßen hatte, war gerade abgeschlossen, und so schrieb ich meinen Bruder an: "'Ne Runde Apex?" Ein paar Freuden-GIFs bei WhatsApp später waren wir auch schon im Spiel.

So kommst du mir nicht auf die Map, Junge!

Wie es immer so ist, wenn mein Bruder mehr Erfahrung in einem Online-Game hat, wurden mir erstmal ein paar Basics erklärt. Ich will am liebsten immer mit Vollgas rein ins Gemetzel: Feinde suchen, Vollkontakt, aufs Maul kriegen und merken, dass das nichts bringt. Aber mein Bruder lässt mich nicht. Ohne ein paar Lektionen komme ich ihm nicht auf die Map.

Hier lernte ich die Basics über Waffen und Ausrüstungsgegenstände.Hier lernte ich die Basics über Waffen und Ausrüstungsgegenstände.

Ich lernte also, was ich bei der Charakterauswahl beachten muss, wie das Landen auf der Karte funktioniert, das Sammeln der ersten Ausrüstung. Wir fingen in einem Außenbereich an und kämpften uns mit unserem nicht ganz so treuen Partner – nennen wir ihn Random Guy – ins Innere der Map vor.

Die ersten zwei Erkenntisse

Zwei Erkenntnisse machte ich recht früh. Erste Erkenntnis: Ich mag es sehr, Battle Royale in einem Team zu spielen. Ich kann zu Beginn einen Ort auf der Map suchen, an dem ich nicht gleich Gegnerkontakt habe. Alles verläuft sich stärker als in gewöhnlichen Shootern, Teams im Zentrum der Karte dezimieren sich schon einmal gegenseitig. Ich kann also mit meinen Kollegen Gegenstände sammeln, austauschen, Taktiken absprechen und dann behutsam Richtung Schlachtfeld ziehen.

Die Fähigkeiten der Spieler ergänzen sich nicht nur in Bezug auf die gewählten Figuren, sondern auch durch unterschiedlich gelagerte Skills der Mitstreiter selbst, und vieles hängt von deren kommunikativen Fähigkeiten ab. Während ich beispielsweise als weniger guter Schütze spähen und Items sowie Gegner markieren kann, nehmen meine treffsicheren Kollegen aus der Ferne die entdeckten Gegner aufs Korn. So habe ich auch als Anfänger Chancen auf einen Sieg, wenn das Team gut zusammenpasst.

Die Figuren haben verschiedene Skills. Ich habe Bangalore gespielt und Rauchgranaten verschossen.Die Figuren haben verschiedene Skills. Ich habe Bangalore gespielt und Rauchgranaten verschossen.

Zweite Erkenntnis: Ich mag es überhaupt nicht, wie vergänglich alles im Battle Royale ist. Klar, das ist in jedem match-basierten Shooter so, aber bei Battle Royale ist es noch aufwendiger und nervenaufreibender, gute Ausrüstung zu finden und die Munition aufzustocken. Wenn ich direkt beim ersten Aufeinandertreffen mit gegnerischen Squads den Löffel abgebe, ist das, was ich vielleicht über zehn Minuten hinweg mühsam gesammelt habe, futsch. Das ist Geschmackssache - ich vertrage das nicht gut.

Allergisch gegen Kugeln

Was ich ebenso nicht gut vertrage: Kugeln. Und die sammelten sich schnell in meinem virtuellen Körper an, nachdem Random Guy die tolle Idee hatte, unsere Position preiszugeben. Wir waren ins Innere der Map vorgedrungen und beobachteten zwei gegnerische Squads von einer erhöhten Position aus. Mein Bruder und ich warfen Blicke durch die Visiere unserer Gewehre, Random Guy schickte dagegen Schüsse. Und so fand ich mich in meinem ersten richtigen Kampf in einem "Battle Royale"-Shooter wieder.

Während ich aus sicherer Entfernung Gegner pingte, ging Random Guy schon auf sie los.Während ich aus sicherer Entfernung Gegner pingte, ging Random Guy schon auf sie los.

Es war Chaos für mich. Die Gegner setzten uns ordentlich zu, ich begriff nicht was passierte und zappelte zwischen Deckungen hin und her. Als die Feinde aufrückten, feuerte ich panisch eine Rauchgranate und zog mich in einer Vertiefung im nächstgelegenen Felsen zurück. Unser Squad war im Rückzug, Random Guy hatte es erwischt. Mein Bruder scheuchte die Gegner durch den Nebel, und machte eine gute Figur während ich hilflos darauf wartete, dass alles vorbei ist.

Der schlechteste Ninja der Welt

Und plötzlich lief mir der gegnerische Squad, einer nach dem anderen, vor der Nase entlang. Die Spieler konnten mich in meiner Aussparung wegen des anhaltenden Rauches nicht sehen. Einer lief von links nach rechts an mir vorbei, dann ein anderer. Der erste kam von links wieder nach rechts gelaufen und ich witterte meine Chance – der zweite würde sicher auch gleich zurückkommen. Und das tat er auch.

Wenn ich panisch werde, ströme ich Rauch aus.Wenn ich panisch werde, ströme ich Rauch aus.

Ich dachte mir: Ich bin unsichtbar, also was soll schief gehen, wenn ich ihn wie ein Ninja aus dem Hinterhalt attackiere und in den Rücken schieße? Ich hatte alle Karten in der Hand. Wild mit dem Fadenkreuz umherfuchtelnd sprang ich den Kerl an. Er drehte sich um und schaltete mich in aller Seelenruhe aus. Die Runde war trotz guter Leistung meines Bruders zum Scheitern verurteilt.

Wir spielten noch ein paar weitere Runden, in denen ich wieder meinem Moment des Aufgebens von Online-Games näherkam. Und so beendete ich unsere Zock-Session auch mit den Worten "Das ist cool, aber ich werde es wohl nicht dauerhaft spielen." – mein Bruder verzweifelt irgendwann an mir. Aber immerhin: Meinen ersten Kill erzielte ich in einem der Matches und der fühlte sich schon ziemlich gut an.

Seid selbst Zeuge dieses Triumphes: Mein erster Kill!Seid selbst Zeuge dieses Triumphes: Mein erster Kill!

Viel wichtiger ist allerdings, dass ich noch zwei weitere Erkenntnisse aus dieser und einer weiteren Session zog.

Liebes Tagebuch, heute habe ich gelernt ...

Dritte Erkenntnis: Rückzug ist sinnvoll. Sogar essenziell. Wenn wir feststellten, dass wir gerade im Kampf unterlegen waren, taten wir am besten daran, uns schnell und schlau aus dem Kampf zu entfernen. Irgendwann lassen viele Spieler locker oder verlieren einen aus den Augen. Dann reicht es manchmal schon, wenn nur ein einziger Spieler überlebt. Der kann die Erkennungsmarken der anderen Verbündeten einsammeln, wenn der Staub sich gelegt hat, und sie wiederbeleben. Das hat bei meinen Sessions schon mehr als einmal funktioniert und nicht nur das Squad wiederbelebt, sondern auch meine Motivation und den Spielspaß. Gutes Feature!

Vierte Erkenntnis: Das Team macht’s. Das klingt so banal wie es entscheidend ist. Sobald ihr mit zwei Leuten zusammenspielt, die über Headsets kommunizieren, die an einem Strang ziehen, sich gegenseitig unterstützen und gut absprechen, flutscht es. Und je häufiger Taktiken aufgehen, desto mehr entfaltet Apex Legends seinen Reiz.

Und so kam ich als absoluter Noob bei meiner zweiten Zock-Session ein paar Tage später auch schon zum ersten Gesamtsieg, den ich mit meinem Squad in ausgiebigem Applaus feierte. Von daher, Bruderherz, vielleicht hat Apex Legends doch noch eine Chance, unser Spiel zu werden. Dann aber gerne mit einem anderen dritten Squad-Mitglied als Random Guy. Dieser Mistfink.

Welche Abenteuer und Erlebnisse sind bei euch schon in Apex Legends zustande gekommen? Habt ihr darin auch eure ersten Battle Royale-Erfahrungen gesammelt, oder wart ihr bereits vorher erfahren im Genre? Schreibt es uns in die Kommentare, genauso wie eure größten Erkenntnisse aus Apex Legends!

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Tags: Multiplayer   Deathmatch  

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