Test Trials Rising: Scheitert euch zum Erfolg!

von Michael Sonntag (25. Februar 2019)

Trials ist zurück! Erneut können die Spieler mit ihren Bikes die waghalsigten Strecken entlangdüsen, um dutzende Rekorde und Knochen zu brechen. Wir haben den mittlerweile sechsten Ableger auf der PlayStation 4 bestritten.

Ich will der Allerbeste sein!

Um zur komplexen Hintergrundgeschichte von Trials Rising zu kommen: Das Spiel hat keine nötig. Ihr seid der nächste Champion im Motorcross-Sport, oder zumindest wollt ihr das sein. Der Kontakt mit Agenten, Sponsoren und Trainern findet dabei ausschließlich über Textboxen statt, damit ihr euch auf das einzig Wichtige im Universum konzentrieren könnt: Rennen fahren.

Die verschiedenen Strecken und Wettkämpfe wählt ihr über eine Weltkarte aus. Sind alle Rennen samt der Meisterschaft in einer Gebietsliga abgeschlossen, wird die nächste freigeschaltet. Zusätzliche Herausforderungen stellen euch dabei nicht nur vor die Aufgabe, als erster ins Ziel zu kommen, sondern auch eine bestimmte Zeit oder Fehlerquote einzuhalten.

Ihr und eure Mitstreiter könnt euch übrigens beim Fahren nicht behindern, ihr fahrt entweder alle nebeneinander oder seht die Rivalen nur in durchlässiger Geisterform.

Nach dem Spiel hört der Spaß noch lange nicht auf:

Neu im sechsten Teil: Fühlt ihr euch noch nicht so sicher auf dem Motorrad, könnt ihr die Trials Universität aufsuchen und Seminare über verschiedene Techniken belegen. Fühlt ihr euch dagegen etwas zu sicher, könnt ihr euch auf dem Technik-Turnier schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück bringen lassen.

Darüber hinaus ist es möglich, im Menü die Kleidung des Fahrers, seine Gewinnerposen und das Aussehen des Motorrads anzupassen. Hier erwischt ihr Trials von seiner klamaukigen Seite, da der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind - von Ninja bis Weihnachtsmann ist alles möglich. Es lohnt sich, nach jedem Rennen hier vorbeizuschauen und herum zu experimentieren, da ihr immer wieder mit Objektkisten belohnt werdet, die weitere Felgen, Sticker und Klamotten enthalten.

Wollt ihr allerdings bestimmte Accessoires haben, werdet ihr stellenweise jede Menge Ingame-Geld locker machen müssen, für das ihr lange sparen müsst. Klar, das Ganze kann auch mit Echtgeld beschleunigt werden, muss aber nicht. So oder so, die Ausstattung sollte als optionaler Teil betrachtet werden, den man getrost dem Glück der Zufallskisten überlassen kann. Nach dem Motto: Nett zu haben, aber nicht existentiell.

Die hohe Kunst des Beschleunigen und Bremsen

Die dynamische Perspektive ermöglicht gleichzeitig guten Überblick und packende Inszenierung.Die dynamische Perspektive ermöglicht gleichzeitig guten Überblick und packende Inszenierung.

Das Spielprinzip, das auf den ersten Blick einfach aussieht, stellt sich in Wahrheit als sehr komplexe Geschicklichkeitsübung heraus, die auch in elitären Bergklostern gelehrt werden könnte.

Während ihr an sich nur über drei Eingaben verfügt - Gas geben, Bremsen und Gewicht verlagern - erfordert es sehr viel Können, diese Bewegungen so zu kombinieren, dass ihr schnellstmöglich vorwärts kommt und dabei gleichzeitig knifflige Hindernisse möglichst reibungslos überwindet.

Was die Strecken betrifft, verfolgen diese nämlich alle dasselbe Motto: „Fahrt überall, nur nicht dort, wo es erlaubt (oder realistisch) wäre“. Stellt euch darauf ein, durch Filmstudios, Canyons, Burgen, Kanalisationen und über die Dächer von Wolkenkratzern zu düsen.

Ein gelegentlicher „Huiii!“-Ausdruck lässt sich nur sehr schwer unterdrücken.Ein gelegentlicher „Huiii!“-Ausdruck lässt sich nur sehr schwer unterdrücken.

Die Pisten sind alle nicht nur unglaublich cool und kreativ umgesetzt, sie erweisen sich auch als regelrechte Serientäter, wenn es um das Brechen von physikalischen Gesetzen geht. Halsbrecherische Loopings münden in Steilhänge, worauf wieder lange Rampen und Abschnitte folgen, die fast im 90 Gradwinkel erklommen werden müssen ...

Die Befürchtung, dass das Ganze irgendwann monoton wird, ist unbegründet: Die Entwickler beweisen einen riesigen Ideenreichtum, wie Strecken technisch, kreativ und optisch umgesetzt werden können. Sowohl der Geschwindigkeitsrausch als auch der Ehrgeiz werden hier gleichzeitig bedient.

Nur lasst euch gesagt sein: Ihr werdet sehr oft scheitern und sehr oft sterben. Trials ist hier nicht nur der Name, Error ist auch Programm!

Zum Multiplayer: Trials Rising kann auf diverse Weisen mit anderen Spielern erlebt werden. Online locken Rennen entweder live gegen andere Spieler oder asynchron gegen deren Geister. Lokal könnt ihr ebenfalls in Rennen gegen eure Freunde auf der Couch antreten oder jetzt sogar mit einem Tandem-Bike im nicht ganz ernstgemeinten Koop-Modus euer Glück versuchen.

Meinung von Michael Sonntag

Trials Rising macht umso mehr Spaß, je mehr Vorurteile man dem Spiel entgegenbringt. Aus "Nur so ein Motorrad-Spiel?" wird schnell "Was für ein unglaubich witziges und forderndes Motorrad-Spiel!" Die Strecken selbst sind schon mit ihren kreativen Ideen und ihrer Detailverliebtheit ein reiner Blickfang, aber dann kommt noch der eigene Ehrgeiz hinzu und ich werde süchtig, es immer wieder und wieder zu versuchen, bis ich es geschafft habe. Und selbst danach mache ich weiter, weil es immer noch besser geht.

Im Vergleich zu den Vorgängern ist Trials bodenständiger, hat auf Science-Fiction verzichtet, fällt aber nicht weniger fulminant aus. Die Reihe hat eine Erfolgsformel, die immer weiter verbessert wird. Die Neuerungen befinden sich im Detail, aber es geht selbstverständlich immer noch um Motorräder.

Das Spiel läuft auf der Standard-PS4 trotz opulenter Inszenierung die meiste Zeit über flüssig, Ruckler treten nur sehr selten auf.

Trials als Spiel und als Reihe bedient zwei Zielgruppen: Die Casualgamer, die Spaß daran haben, sich bis zum Erfolg zu scheitern und die Hardcore-Gamer, die es bis zum perfekten Run auf jeder Strecke bringen wollen. Anfangs werden beide Gruppen bedient, dann schwenkt Trials um und wird nur immer schwieriger. Jeder kann damit Spaß haben, einfach nur zu versuchen, die Strecken zu meistern. Wer es aber wirklich auf Highscore-Jagd und den perfekten Durchgang abgesehen hat, sollte sehr viel Geduld und Nerven mitbringen.

Jeder muss für sich selbst wissen, was er von Trials erwartet. Es bedient eine spezielle Nische, aber in dieser besitzt es die absolute Hoheit.

85 Spieletipps-Award

meint: Der sechste Teil setzt die Tradition für kreative und fordernde Rennstrecken gelungen fort. Immer noch leicht zu lernen, aber extrem schwer zu meistern.

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