Test Devil May Cry 5: Oldschool-Action mit neuen Tricks

von Micky Auer (06. März 2019)

Elf Jahre und ein ungeliebtes Spin-Off sind seit dem vierten Teil ins Land gezogen, bevor Capcom seine beliebtesten Dämonenjäger wieder ausschickt. Mit einem neuen, zusätzlichen Charakter an Bord will Devil May Cry 5 eine glorreiche Spielekarriere wieder aufleben lassen.

Hochgradig überdrehte Action, brutale Dämonen, laute Musik ein paar coole Sprüche und Charaktere, die sich eine große Fan-Gemeinde erkämpfen konnten: Das sind die Hauptzutaten für ein Spielkonzept, das seit dem ersten Teil der "Devil May Cry"-Reihe, der 2001 erschien (ja, liebe Kinder, vor 18 Jahren) für Begeisterung sorgt.

Publisher Capcom wäre ja schön doof, irgendetwas an dieser erfolgsträchtigen Formel zu verändern (hust DmC - Devil May Cry hust). Somit verfügt Devil May Cry 5, das am 8. März für PC, PS4 und Xbox One erscheint, über all die schönen Sachen, die kleine Dämonenjäger glücklich machen.

Director Hideaki Itsuno hält sich so eng an das althergebrachte Konzept, dass sich vor allem Veteranen sofort wie zu Hause fühlen werden. Gleichzeitig sollen natürlich auch neue Fans gewonnen werden. Ein schmaler Grad, der da zwischen Oldschool-Design und moderner Spielgestaltung beschritten werden will. Hat das nun funktioniert?

Eine Geschichte von Blut und dunklen Mächten

Sie kommen immer wieder, die Legionen der Hölle. Das ist insofern gut, weil die Herren Dante und Nero ihren Lebensunterhalt damit verdienen, eben diesen Legionen Einhalt zu gebieten (es ist nicht klar, wer sie dafür bezahlt, aber es gibt ständig Pizza).

Aktuell sorgt der Dämonenbaum Qliphoth für Mord und Totschlag in der Metropole Red Grave City - einer Stadt, von der die Entwickler sagen, sie würde London nur ähnlich sehen, aber es handle sich nicht um London (es ist sowas von London; Aber sowas von!). Groteske Gestalten, bewaffnet mit Sensen, riesigen Scheren und viel zu vielen Zähnen durchstreifen die Straßen und jagen die Menschen.

Nero (rechts) bestreitet die ersten Kapitel der Geschichte.Nero (rechts) bestreitet die ersten Kapitel der Geschichte.

Auftritt Dante und Nero! Und weil zwei coole, weißhaarige Dämonenjäger noch nicht reichen, bringen sie gleich ihre ganze Crew mit. Darunter zum Beispiel Trish und Lady, die bereits in den Vorgängern fleißig mitgemischt haben, sowie zwei neue, äußerst wichtige Figuren: Nico und V.

V ist tatsächlich im Wechsel mit Dante und Nero ein vollständig spielbarer Charakter, der eine gänzlich untypische Herangehensweise in die Serie einführt (die sich aber dennoch hervorragend in das Gesamtkonzept einpasst), Nico bietet Unterstützung, die ein weites Feld neuer taktischer Möglichkeiten eröffnet.

Neues Blut - Neue Fähigkeiten

Nico, eine junge Frau mit einem grauenvoll aufgesetzten Südstaatenakzent, ist eine selbsternannte "Waffenkünstlerin". Bei ihr lassen sich durch aufgesammelte Rote Orbs (die Universalwährung in Devil May Cry) zahlreiche neue Fähigkeiten freischalten und ganz spezielle Waffen kaufen, die ausschließlich von Nero genutzt werden können.

Nico versorgt euch mit neuen Devil Arms.Nico versorgt euch mit neuen Devil Arms.

Wie Kenner des vierten Teils wissen, verfügt Nero über einen dämonischen Arm, der ihm gleichzeitig als Schutz und Waffe dient. Nun, ohne zu viel zu spoilern: Der Arm kommt ihm unfreiwillig abhanden. Nico kompensiert diesen Verlust, indem sie ständig neue Aufsätze für Nero bastelt. Damit kommen auch neue Fähigkeiten für ihn ins Spiel: Zielsuchende Geschosse, durschlagende Angriffe, ein unzerreißbares Lasso und noch viele weitere Variationen verleihen dem Spielgeschehen eine ganz neue Komponente.

Im Kampf lassen sich diese Devil Arms auch gezielt überladen und zerstören, um aus brenzligen Situationen zu entkommen. "Zerstören" bedeutet übrigens tatsächlich: unwiederbringlich zerstören! Aber keine Sorge, Devil Arms könnt ihr stets bei Nico neu kaufen oder auch an vielen gut sichtbaren und leicht zu erreichenden Stellen im Spiel finden.

Dantes "Royal Guard"-Stil in Aktion. Das geht meist unschön für seine Gegner aus.Dantes "Royal Guard"-Stil in Aktion. Das geht meist unschön für seine Gegner aus.

Neben den ohnehin schon recht umfangreichen Angriffsmöglichkeiten bilden die Devil Arms einen wichtigen, neuen Aspekt im Spiel mit Nero. Der sichtlich gereifte Dante hingegen verlässt sich auf seine alten Tricks und verbessert verschiedene Kampfstile, wie er es schon in Devil May Cry 3 getan hat. So fokussiert sich ein Stil zum Beispiel auf schnelle Ausweichmanöver, ein anderer hingegen unterstützt brachiale Angriffe. Nicht nur situationsbedingt kann sich Dante so einen Vorteil verschaffen, auch persönliche Spielstile seitens der User werden gezielt unterstützt.

Vorhang auf für V und seinen unkonventionellen Kampfstil

V ist ein ganz eigenes Kapitel für sich. Der mysteriöse Mann mit dem Spazierstock führt keine Waffen. Stattdessen setzt er drei Dämonen zum Angriff ein. Das fliegende Äquivalent einer Schusswaffe ist Griffon, auf Tuchfühlung geht der dämonische Panther Shadow und für flächendeckende Dämonen-Säuberungsaktionen wird bei Bedarf der gigantische Nightmare herbeigerufen. Letzterer benötigt eine gefüllten "Devil Trigger"-Leiste, bleibt auch nur kurz auf dem Schlachtfeld, ist dafür aber unaufhaltsam. Shadow und Griffon stehen zwar immer zur Verfügung, können aber kurzzeitig ausfallen, wenn sie zu viel Schaden einstecken.

V ist gewöhnungsbedürftig, zumal sich sein sozusagen zweigeteilter Kampfstil stark von den Aktionen von Dante und Nero unterscheidet. Nach kurzer Eingewöhnungszeit zeigt sich aber die interessante, unterhaltsame und erstaunlich actionreiche Komplexität der Spieltiefe dieser durchaus gewagten Herangehensweise.

Wer den Mann verärgert, der drei Dämonen als Waffen einsetzt, ist selbst dran schuld.Wer den Mann verärgert, der drei Dämonen als Waffen einsetzt, ist selbst dran schuld.

Auch ist der Unterschied zwischen dem besonnen wirkenden Charakter, der gerne aus einem Poesiebuch zitiert (und damit auch seinen Devil Trigger aufladen kann), und den anderen beiden Protagonisten ein wohltueneder Ausgleich. Dante und Nero sind um keinen dummen Spruch verlegen - obwohl sie das im Vergleich zu den Vorgängern auch eher zurückhaltend anwenden. V hingegen kommentiert das Kampfgeschehen eher mit so klaren Ansagen wie: "Zerreiß ihn!", "Zerfleische ihn!" oder "Weide ihn aus!" - Er mag oft und viel lächeln, anlegen sollte man sich mit V allerdings besser nicht.

Mit V ist Capcom ein äußerst interessanter Charakter gelungen, der trotz seiner untypischen Spielmechanik hervorragend in das Gesamtkonzept passt und einen angenehmen Gegenpol zu den anderen Protagonisten darstellt. Er mag von vielen mit Skepsis beäugt werden. Wer sich jedoch auf diese ungewöhnliche Herangehensweise einlässt, wird feststellen, dass die Idee gut durchdacht umgesetzt wurde und spielerisch einiges hergibt.

Blitzsaubere Technik für eine augenscheinlich karge Bühne

Eine moderat generische Geschichte, dafür interessante und größtenteils sympathische Charaktere und eine erprobte Action-Formel mit vielen neuen und sinnvollen Bestandteilen - was fehlt da noch? Ganz klar: die Präsentation. Grafik, Sound und Technik sind in einem Spiel, das so dermaßen auf brachial-elegante Action setzt, von allergrößter Wichtigkeit. Hier gibt es viele Pluspunkte und einen verschmerzbaren, vielleicht sogar beabsichtigten Minuspunkt.

Nero weiß sich zu wehren - So sieht das Spektakel in Bewegung aus:

Die RE Engine, auf der Devil May Cry 5 basiert, leistet ganze Arbeit. Der Publisher setzt sich zum Ziel, stets 60 Bilder pro Sekunde zu erreichen, und das nicht nur auf hochgezüchteten PCs und den stärkeren Konsolenvarianten, sondern auch auf den Standardgeräten. Wir haben auf einer ganz normalen PS4 getestet, es gab keine Einbrüche in der Bildwiederholungsrate. Und falls doch, waren sie so gering, dass sie nicht aufgefallen sind.

Vor allem die Figuren sind liebevoll gestaltet, haben auch im wildesten Kampfgeschehen eine erkennbare Mimik, was ihnen mehr Glaubhaftigkeit verleiht. Die englischen Stimmen sind hervorragend, wer will, darf aber auch die japanische Sprachausgabe wählen. Wir finden die englische Variante aber tatsächlich passender. Selten ist auch die Sound-Mischung so positiv aufgefallen wie hier. Selbst mit einem Standard-Heimkino-System mit fünf Lautsprechern und einem Subwoofer wird die Dynamik des Geschehens noch verstärkt, der Raumklang ist hervorragend inszeniert.

Die Grafik sieht auf den ersten Blick ziemlich karg und detailarm aus. Auf den zweiten Blick übrigens auch. Das ist der "vielleicht sogar beabsichtigte Minuspunkt", den wir weiter oben ansprechen. Fakt ist, dass in den Kämpfen ein derart gut platziertes Effektgewitter über das Geschehen hereinbricht, dass eine detaillierte Hintergrundgrafik dabei vollkommen untergehen würde.

Es wirkt beinahe so, als wären die grauen Kulissen einer zerstörten Stadt, die unterirdischen Höhlen, dämonischen Gefilde und verwüsteten Häuser nur die Leinwand für Blitze, Partikel und Schockwellen, die der Action noch mehr Wucht und Gravitas verleihen. Speziell beim Kampf mit V fällt auf, dass die Partikeleffekte nicht, wie in vielen anderen Spielen, nur bunte Pixel sind, sondern ihre eigene Lichtquellen darstellen. Das Gesamtbild gewinnt dadurch ungemein und hebt Devil May Cry 5 von "hm, na ja, geht so" optisch während der Kämpfe in viel höhere Ränge.

Meinung von Micky Auer

Devil May Cry 5 steht ganz fest verwurzelt in seiner Herkunft. Man kann es durchaus bedenkenlos "oldschool" nennen. Gleichzeitig wagt der fünfte Teil mit Nico und den Devil Arms sowie dem ganz untypischen V auch mal was Neues, ohne seine Basis zu verleugnen. Der Umstand, dass ihr abwechselnd drei verschiedene Charaktere mit ihren jeweils eigenen Move-Sets spielt, hätte ein Stolperstein werden können, wenn der Spieler zu sehr aus einer gerade erst trainierten Mechanik herausgerissen wird.

Das ist aber glücklicherweise nicht der Fall. Ja, die Kampfstile sind anders, teilweise auch neu. Dennoch sind sie sich wiederum ähnlich genug, um beim Charakterwechsel nicht den Anschluss zu verlieren. Es wäre fatal, die in Fahrt gekommene Dynamik im Spiel mehrfach zu unterbrechen, um komplett neue Bewegungsschemata zu etablieren. Capcom ist es gelungen, hier mit sehr viel Feingefühl vorzugehen und das Konzept nicht gänzlich aufzubrechen.

Es gibt einige Online-Komponenten, es geht dabei aber vordergründig um Ranglisten und sonstige Vergleichsmöglichkeiten. Nichts, was man unbedingt braucht, aber schön es zu haben, wenn einem was an der Herausforderung liegt. Der Fokus bleibt ganz klar auf der Erfahrung, die ihr als Einzelspieler machen sollt.

Die Action in Devil May Cry ist etwas, das oftmals kopiert und weitergeführt wurde. Hier ist dieser ganz besondere Stil aber zu Hause und beweist auch im fünften Teil, dass noch alles funktioniert. Zu Beginn des Spieles habt ihr nur eingeschränkte Möglichkeiten, die sich aber in der richtigen Kombination zu äußerst kreativen Kombo-Angriffen vereinen lassen. Mit jeder Fähigkeit, die ihr freischaltet, werdet ihr mehr zum Virtuosen auf dem Bildschirm. Die Motivation, die Kombos immer länger und immer ausgefeilter werden zu lassen, ist enorm hoch und spornt euch an. Und selbst der am unfairsten erscheinende Gegner kann in die Knie gezwungen werden, wenn ihr erstmal rausgefunden habt, wie man ihn überlisten kann.

Devil May Cry 5 mag nicht mehr der Meilenstein sein den zum Beispiel die Teile 1 und 3 repräsentieren, jedoch ist es ein ausgesprochen gut gelungenes und effektvoll inszeniertes Action-Spektakel, das seinen Auftrag als unterhaltsames Spiel voll und ganz erfüllt.

86 Spieletipps-Award

spieletipps meint: "Oldschool" mit ein paar wichtigen Neuerungen. DMC5 ist ein grandioses Action-Spektakel mit unvergesslichen Charakteren.

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