Steam-Kontroversen: Wir haben Entwickler gefragt, ob sie sich auf der Plattform noch wohl fühlen

(Special)

von Matthias Kreienbrink (08. März 2019)

Steam hat problematische Seiten. Das ist ein Statement, das man ohne Probleme sagen kann. Besonders wenn es um Verantwortung geht, zieht sich das Unternehmen gerne mal zurück. Aktuell macht die Meldung die Runde, dass ein Spiel auf der Plattform angeboten wurde, in dem es darum geht, Frauen zu vergewaltigen. Abscheulicher geht es nicht. Doch was denken eigentlich die Entwickler und Entwicklerinnen aus dem dem Indie-Bereich über diese Plattform, die ihnen ein Überleben oftmals erst ermöglicht? Wir haben einige gefragt.

"Rape Day" soll eine Visual Novel sein, in der es darum geht, Frauen zu vergewaltigen. Das ist der Inhalt dieses "Spiels", das tatsächlich auf Steam angeboten wurde. Bis jedoch ein berechtigter Aufschrei von Spielerinnen und Spielern dafür sorgte, dass Valve, die Betreiber der Plattform Steam, das Spiel wieder entfernten.

In einem Blog-Eintrag äußerte sich das Unternehmen zu dem Vorgang. Nicht etwa aus Verantwortungsgefühl oder schlicht aufgrund der Tatsache, dass man so einen - pardon - Schmutz auf seiner Plattform nicht anbieten möchte, wurde das Spiel entfernt. Sondern allein wegen des Umstands, dass Valve nicht einschätzen könne, ob das Anbieten eines Vergewaltigungs-Spiels ein zu großes Risiko für das Unternehmen darstelle - man könne ja verklagt werden.

spieletalks: EA, Activison und Co. - Ruinieren große Publisher die Games-Entwicklung?

Es ist nicht das erste Mal, dass Steam durch solche Aktionen auffällt. Vor nicht allzu langer Zeit wurde auf der Plattform ein Spiel angeboten, in dem man einen Amoklauf an einer Schule spielen sollte. Auch hier reagierte Valve erst, nachdem der Druck durch Presse und Gamer zu groß wurde.

Kein Überleben ohne Steam?

Doch ist es auch ein Statement, sagen zu müssen, dass viele Entwickler ohne Steam nicht überleben können. Gerade die kleineren Studios finden in der Plattform eine Vertriebsmöglichkeit, um ihre Spiele einem großen Publikum anbieten zu können. Und auch wenn die Konkurrenz durch Unternehmen wie Epic mit ihrem Epic Games Store zunimmt, noch ist Steam der unanfechtbare Marktführer - es führt kaum ein Weg um diese Plattform herum.

Darum haben wir zu deutschen Entwicklern und Entwicklerinnen Kontakt aufgenommen und ihnen eine Frage gestellt:

Hast du eigentlich noch Freude daran, deine Spiele auf Steam anzubieten? Fühlst du dich wohl damit, dein Spiel in einem Umfeld anzubieten, in dem auch Vergewaltigungs-Spiele verkauft werden?

Die Antworten der Entwickler und Entwicklerinnen

Nina Kiel ist 2D-Artist beim Studio Maggese, welches zuletzt das Spiel Don't Make Love herausgebracht haben.

"Dass Steam eine hochgradig intransparente Veröffentlichungspolitik betreibt und immer wieder Spiele mit ausgesprochen fragwürdigen bis menschenfeindlichen Inhalten auf der Plattform landen, ist nichts Neues, daher wundere ich mich ein wenig über die Frage. Darüber hinaus dürfte für die wenigsten Entwickler_innen "Freude" eine Rolle spielen, sondern vielmehr die Notwendigkeit - denn Steam als größten Online-Anbieter digitaler Spiele kann man heutzutage kaum umgehen, wenn man sein Produkt gewinnbringend vertreiben möchte. Genau deshalb halte ich es für extrem wichtig, die Geschäftspolitik dieses Branchenriesen kritisch zu hinterfragen - aber eben nicht nur punktuell angesichts solcher Sonderfälle, die Schlagzeilen machen, sondern grundsätzlich. Denn ob Entwickler_innen sich mit der Veröffentlichung ihrer Spiele auf einer solchen Plattform wohlfühlen ist zweitrangig, solange es keine ernsthaften Alternativen für sie gibt."

Marcus Bäumer ist Game Designer bei Backwoods Entertainment, die kürzlich das Spiel Unforeseen Incidents veröffentlich haben, welches für den Deutschen Computerspielpreis 2019 in der Kategorie "Bestes Deutsches Spiel" nominiert ist.

"Nein, man möchte sein Spiele definitiv nicht in einem Store zusammen mit sowas wie diesem Vergewaltigungs-Spiel anbieten. Die Auswahlkriterien, die solche "Spiele" auf Steam durchlassen, gehören hinterfragt und gründlich umstrukturiert. Es sollte mehr als selbstverständlich sein, dass so etwas keine Plattform zu bieten hat. Ein Shop, auf dem solches Material auftaucht ist keine Plattform, über die ich gerne meine Spiele verkaufe.

Der Spielraum für kleine Indies, die auf Sichtbarkeit angewiesen sind, ist momenten noch nicht sehr hoch, aber ich bin mir sicher, dass viele Entwicklerinnen und Entwickler und andere Stores diese Lage genauso wie wir beobachten und in Zukunft Konsequenzen bei solchen Vorfällen nicht ausbleiben werden."

Weiter mit: Weitere Entwickler sprechen über Steam

Inhalt

Tags: Steam  

Wir haben Entwickler gefragt, ob sie sich auf der Plattform noch wohl fühlen

Steam-Kontroversen: Wir haben Entwickler gefragt, ob sie sich auf der Plattform noch wohl fühlen

Steam hat problematische Seiten. Das ist ein Statement, das man ohne Probleme sagen kann. Besonders wenn es um (...) mehr

Weitere Artikel

Nintendo vergisst, dem Spiel eine wichtige Info beizulegen

Startropics: Nintendo vergisst, dem Spiel eine wichtige Info beizulegen

Vor etwa einer Woche erschien das NES-Spiel Startropics für alle "Switch Online"-Abonnenten zum Download. &A (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

Steam (Übersicht)
* gesponsorter Link