Vorschau Sekiro - Shadows Die Twice: Anders und doch sehr vertraut

von Marco Tito Aronica (06. März 2019)

Ein Greifhaken für mehr Bewegungsfreiheit und Vertikalität, Wiederbelebungen nach dem Tod, Feinde belauschen und an ihnen vorbeischleichen. Ist das wirklich noch „Souls-like”? Ja, verdammt. Das ist es! Wir verraten euch, was Sekiro anders macht und warum Soulsborne-Anhänger diese Neuheiten lieben werden.

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Wir wurden von Activision nach London eingeladen und durften Sekiro - Shadows Die Twice ausgiebig auf einer PlayStation 4 spielen. Dabei sind uns neben den offensichtlichen Neuerungen auch einige versteckte Innovationen aufgefallen, die das Spielgeschehen besonders für Veteranen der Souls-Spiele von Grund auf ändern werden.

Nach anfänglicher Skepsis und zweifachem Bildschirmtod im Tutorial war doch eines schnell klar: Trotz einschneidender Änderungen ist am großen „From Software”-Baum ein neuer Zweig gewachsen, der sich von starken Wurzeln nährt. Was Sekiro - Shadows Die Twice anders macht und warum das so gut funktioniert, erfahrt ihr in dieser Vorschau.

Ein sprachgewandter Held mit Motiven

Vorbei sind die Zeiten von hässlichen Fratzen aus dem durchschnittlichen Charakter-Editor, denn mit Sekiro spielt ihr zum ersten Mal in der Geschichte der „Soulsborne”-Spiele einen gezeichneten Helden. Gezeichnet ist der „einarmige Wolf” (deutsche Übersetzung von Sekiro) im wahrsten Sinne des Wortes, aufgrund der Vorkommnisse im Tutorial wird nämlich das Ziel seiner Reise klar. Ihr habt ein Motiv. Auch das war nicht immer allgegenwärtig.

Exklusives Gameplay aus London haben wir in diesem Video mit den wichtigsten Neuerungen gepaart:

Warum Sekiro eine modifizierbare Armprothese trägt und welche Beweggründe ihn durch eine verrottete Welt voller Dunkelheit und Verdammnis führen, wollen wir an dieser Stelle aufgrund von Spoilern nicht verraten. Durch die atmosphärischen Zwischensequenzen, in denen euer Held Sekiro auch selbst das Wort ergreift, werdet ihr endlich noch tiefer in die Welt gezogen und müsst nicht mehr Schnipsel verwirrender Item-Beschreibungen zusammensetzen, um einen Handlungsstrang als Ergebnis zu erfahren.

Schleichen und klettern für mehr Spielfreiheit

Euer Charakter ist nicht nur viel agiler als in anderen Spielen von From Software, er kann nun auch die Umwelt für lautloses Vorgehen ausnutzen. Lauft ihr geduckt durch hohes Gras, könnt ihr unbemerkt an Gegnern vorbeischleichen oder neue Wege erkunden, die euch einen alternativen Pfad offenbaren. Außerdem könnt ihr euch an Wände anlehnen und um Ecken schauen, Feinde beobachten und ihre Verhaltensmuster studieren, während ihr euch überwiegend im Verborgenen aufhaltet.

Per Knopfdruck presst sich Sekiro an Wände, an denen er leise entlang laufen kann.Per Knopfdruck presst sich Sekiro an Wände, an denen er leise entlang laufen kann.

In der Spielwelt werden euch zudem schnell Abhänge und Dachkanten auffallen, die sich aufgrund auffälliger Verschleißspuren oder Kratzern von anderen Oberflächen abheben. Hier könnt ihr euch festhalten und entlanghangeln. Ihr habt also viel mehr Möglichkeiten, um Gegnergruppen komplett zu umgehen oder euch nach einem gescheiterten Versuch eine alternative Vorgehensweise zu erarbeiten.

Das Schleichen durch hohes Gras oder unter Häusern hindurch solltet ihr nicht unterschätzen. Oftmals bekommt ihr nämlich die Möglichkeit, patrouillierende Wachen zu belauschen. Per Knopfdruck löst ihr einen Dialog zwischen den Feinden aus, die euch wertvolle Tipps zur Umgebung geben. In unserem Fall haben die Wachen von einer unbewachten Brücke geredet, die wir daraufhin sofort untersucht haben.

Vorsicht: Ganz doof ist die KI nicht. Eure Präsenz werden Gegner schon noch wahrnehmen, wenn ihr euch ihnen nähert.Vorsicht: Ganz doof ist die KI nicht. Eure Präsenz werden Gegner schon noch wahrnehmen, wenn ihr euch ihnen nähert.

Ebenfalls neu: Ein Dreieck über dem Kopf eurer potentiellen Opfer zeigt an, wie viel Aufmerksamkeit ihr erregt habt. Füllt sich die Anzeige, hat euch das Ziel entdeckt und ihr löst den feindlichen Vorstoß aus. Ein gelber Pfeil zeigt euch folglich an, aus welcher Richtung Gefahr droht. Ihr habt also nun einen klaren Indikator, ob ihr gesehen wurdet oder nicht und könnt so schneller handeln.

Der Greifhaken und andere nützliche Werkzeuge

Die größte Änderung werden Serienkenner schon nach wenigen Sekunden im ersten Bewegtmaterial sichten: der Greifhaken. Sekiros Armprothese ist unter anderem mit einem Greifhaken ausgestattet, mit dem ihr euch an vorgegebenen Punkten hochziehen könnt - das sind Dächer, Bäume und andere Hindernisse. Große Strecken überwindet ihr in Sekunden, Häuserdächer bieten euch einen guten Überblick über das Geschehen und die Flucht ergreift ihr mit so einem Werkzeug auch einfacher.

Links von euch befinden sich zwei Wachen. Der grüne Punkt zeigt euch, dass ihr hier euren Greifhaken einsetzen könnt. Umgeht diese Gegner doch einfach unbemerkt!Links von euch befinden sich zwei Wachen. Der grüne Punkt zeigt euch, dass ihr hier euren Greifhaken einsetzen könnt. Umgeht diese Gegner doch einfach unbemerkt!

Euch hat ein Boss in Grund und Boden geschmettert, jegliche Motivation geraubt und ihr müsst den gesamten Weg dann auch noch ein zweites oder drittes Mal bestreiten? Anstatt wie früher mühsam durch die Gegnergruppen zu rennen und eine ganze Traube untoter Seelen hinter euch her zu ziehen, könnt ihr nun den Greifhaken nutzen und schneller durch die Welten schwingen, die gefühlt noch etwas größer sind und euch mehr zur Erkundung einladen.

Durch den Greifhaken wird außerdem viel mehr Vertikalität geschaffen. Ihr könnt zwar immer noch einen Gegner nach dem anderen aus einer Gruppe ziehen und töten, doch oft ist es viel klüger, wenn ihr euch mit dem Greifhaken auf ein Dach zieht und die Kampfsituation von dieser Position aus neu analysiert und bewertet.

Neben dem Greifhaken könnt ihr noch andere Werkzeuge an Sekiros Armprothese anbringen. Darunter zum Beispiel eine Vorrichtung für Wurfsterne oder eine Axt im Stile von Bloodborne. Neben einem Katana habt ihr also auch andere Waffen parat, zwischen denen ihr per Knopfdruck wechselt.

Bekanntes Gameplay mit frischen Elementen

Die Neuerungen haben vor allem auch Einfluss auf das Souls-typische Gameplay. Keine Sorge, jeder einzelne Kampf fühlt sich immer noch genau so an wie ihr es in einem Spiel von From Software erwarten würdet - hart und fordernd sowie befriedigend nach dem Sieg. Dennoch werdet ihr euch und euer Vorgehen entsprechend anpassen müssen.

Das Offensichtliche zuerst: Es gibt keinen Ausdauerbalken mehr. Der Kampf gestaltet sich dadurch viel offensiver. Allerdings gibt es auch einen neuen defensiven Aspekt, der ungemein viel Tiefe verspricht. Unter der Lebensleiste eurer Feinde gibt es die orangefarbene „Posture”-Anzeige (Deutsch: Haltung). Ist diese komplett gefüllt, färbt sich die Markierung auf dem anvisierten Gegner rot und ihr könnt einen Todesstoß ausführen, der die meisten Gegner mit einem Schlag umbringt.

Die Angriffe dieser Mönche sind nur schwer zu parieren. Ein Todesstoß gibt ihnen den Rest.Die Angriffe dieser Mönche sind nur schwer zu parieren. Ein Todesstoß gibt ihnen den Rest.

Ihr füllt diese „Posture”-Anzeige, indem ihr den Gegner wiederholt attackiert. Bleibt ihr ihm zu lange fern, fällt der Balken für die Haltung. Außerdem könnt ihr Angriffe von Feinden parieren, um die Anzeige zu füllen. Bei perfektem Timing erhöht ihr die Chance auf Todesstöße ungemein. Und jetzt der Clou an diesem Kampfsystem: Auch ihr besitzt diese „Posture”-Anzeige.

Bleibt ihr zu lange in der Defensive und blockt immer wieder Angriffe eurer Gegner, füllt sich auch eure Leiste und ihr geht das Risiko eines tödlichen Treffers ein. Ihr seid also gezwungen, im Kampf immer aktiv zu bleiben und eine gesunde Mischung zwischen Angriff und Verteidigung zu finden. Das bedarf kurzer Eingewöhnungszeit, geht aber schnell ins Blut und von dort in die schwitzigen Finger über.

Später lernt ihr neben dem einfachen Parieren auch fortgeschrittene Techniken wie den Mikiri-Konter, bei dem Sekiro einen Angriff abwehrt und seinen Fuß auf die Klinge des Angreifers stellt. Dafür müsst ihr neben der Blocken-Taste einen weiteren Knopf zum richtigen Zeitpunkt drücken. Damit füllt ihr die „Posture”-Anzeige noch weiter auf. Wenn das klappt, ist das unheimlich befriedigend.

Charakterentwicklung und Strafen beim Tod

Habt ihr die neuen Techniken verinnerlicht und tötet reihenweise Gegner, werdet ihr anstelle von Seelen oder Blutechos mit Erfahrungspunkten belohnt. Einzelne Werte wie Stärke, Geschicklichkeit oder Intelligenz könnt ihr damit nicht aufleveln. Diese gibt es schlichtweg nicht mehr. Vielmehr investiert ihr Erfahrungspunkte in euren Helden Sekiro und seine Armprothese - beide haben einen eigenen Skillbaum.

Stärker wird euer Charakter also durch neue Move-Sets und Werkzeuge und nicht mehr durch das Erhöhen von Attributen. Neue Angriffsmuster und Techniken frischen das Gameplay also immer wieder auf - interessant!

Wenn wir über das Leveln und Sammeln von Erfahrungspunkten reden, können wir gleich zu einem besonders wichtigen Aspekt der „Soulsborne”-Spiele kommen. Was passiert eigentlich, wenn sich die Lebensleiste leert, der Bildschirm von roten Farbtönen eingenommen wird und Sekiro leblos zu Boden geht?

Nun, auch das wird euch überraschen, ihr könnt Sekiro nämlich wiederbeleben. Sammelt ihr bestimmte Ressourcen, werden euch über eurer Lebensanzeige runde Token angezeigt. Diese verraten euch, wie oft ihr Sekiro an Ort und Stelle zurück ins Leben rufen könnt. Ob es sich bei der Ressource um einen Gegenstand handelt oder ob die Wiederbelebung eine Fähigkeit ist, konnten wir beim Anspielen in London noch nicht feststellen.

Sterben oder Wiederbeleben? Eine Entscheidung, die schwerwiegende Folgen haben kann.Sterben oder Wiederbeleben? Eine Entscheidung, die schwerwiegende Folgen haben kann.

Bevor ihr jetzt Hass gegenüber From Software schürt und die angebliche „Vercasualisierung” der „Soulsborne”-Spiele beklagt, ihr verliert beim Tod die Hälfte eurer Erfahrungspunkte und des Goldes, das ihr in diesem Augenblick bei euch tragt und könnt diese bei einem nächsten Versuch nicht zurückholen. Nur die sogenannte „Unseen Aid” kann euch jetzt noch helfen.

Mit einer kleinen Wahrscheinlichkeit, die ihr auf gewisse Weise beeinflussen könnt, bleibt euch dieser Verlust erspart. Wann diese unsichtbare Hilfe eintritt, ist völliger Zufall. Dieses System macht den Bildschirmtod noch um einiges interessanter und schmiedet einen schmalen Grad zwischen Nervenzusammenbruch und purer Erleichterung.

So viel From Software steckt in Sekiro

Neben all den Veränderungen, die stets erfrischend und durchdacht wirken, gibt es allerdings auch einige vertraute Elemente, die in einem Spiel von From Software einfach nicht fehlen dürfen. Es ist schwer, bockschwer. Auch vermeintlich kleine Gegner können euch zerreißen und Gegnergruppen sind kaum zu überwinden.

Wer die Welt erkundet, wird Geheimnisse in Form von wertvollen Gegenständen oder schleierhaften NPCs finden, die ihre ganz eigene Geschichte in eurem Handlungsstrang ausleben. Auf eurer Reise findet ihr Statuen, die genau wie Leuchtfeuer funktionieren. Von hier aus könnt ihr Gesundheit und Ressourcen wiederherstellen oder in andere Gebiete schnellreisen.

NPCs haben eigene Questreihen und begleiten euch manchmal durch das gesamte Spiel.NPCs haben eigene Questreihen und begleiten euch manchmal durch das gesamte Spiel.

Klickt ihr euch durch das Menü, werden euch ausführliche Item-Beschreibungen über die Herkunft der Gegenstände aufklären und weitere Geheimnisse offenbaren und und und ...

Meinung von Marco Tito Aronica

Demon’s Souls, Dark Souls, Bloodborne - Sekiro tritt gewiss ein schweres Erbe an. Werden die Änderungen am beliebten System jedem gefallen? Sicherlich nicht! Sind die Neuerungen riskant? Auf jeden Fall! Für mich hat From Software die „Soulsborne”-Formel mit Sekiro aber erfrischend erweitert und in Teilen sogar verbessert.

Durch den Wegfall sämtlicher Mehrspieler-Komponenten gibt es keine Möglichkeit für ein Koop-Erlebnis, was ich sehr schade finde, dafür liegt der Fokus mehr auf einer Einzelspielererfahrung mit gezeichneten Charakteren, die es so auch noch nicht gab.

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass das Spiel tatsächlich pausiert, wenn ihr die Start-Taste drückt? Was für viele völlig belanglos erscheinen mag, ist in diesem Universum eine Kleinigkeit mit großer Wirkung.

Ich hätte nichts gegen eine klassische Fortsetzung von Dark Souls oder Bloodborne gehabt, bin letztendlich aber doch sehr froh, wie From Software die eigene Erfolgsformel weiterentwickelt hat. Für mich besitzt Sekiro das Potenzial zum Spiel des Jahres.

Tags: Singleplayer  

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