Dieser eine Moment: Als bei The Division niemand irgendwen verstand und trotzdem alles klappte

(Kolumne)

von Michael Sonntag (11. März 2019)

Den Satz "Spielen ein Deutscher und drei Franzosen zusammen eine Mission in The Division ... " könnte man für den Anfang eines Scherzes halten. In diesem Fall handelt es sich aber tatsächlich um eine der merkwürdigsten Sessions meiner Videospielagentenkarriere.

Oft ist es nicht bloß die tolle Grafik, die spannende Geschichte oder der sympathische Hauptcharakter, der Spielern noch Jahre nach dem Genuss eines Abenteuers im Gedächtnis bleibt. Solche Erinnerungen drehen sich häufig um einen kurzen Moment. Einen besonderen Moment. >>Diesen einen Moment!<< Dem widmen wir diese Artikel-Serie und beschreiben aus unserer persönlichen Sicht, was diesen Moment so besonders und unvergesslich macht.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Mit Schüssen und Brummen verständigen

Warum mir The Division so viel Spaß macht, kann ich bis heute nicht wirklich sagen. Der Grund ist fast genauso mysteriös wie das Virus selbst, das New York im Spiel dahingerafft hat, und wird sich irgendwo zwischen dem Looten, dem Gunplay und der Welt befinden. Was es auch immer ist, der Multiplayer-Aspekt trägt nochmal einen großen Teil dazu bei.

Ich habe schon viele Partien erlebt und mit vielen Agenten zusammengekämpft: ausgefuchste Planer, präzise Schützen, hilfsbereite Begleiter, stylisch gekleidete Überlebenskünstler und totale Irre - aber herrje, das trilinguale Team war eine ganze eigene Hausnummer. In besagter Partie suchte ich Hilfe für eine schwierige Mission - und bekam diese auch, gewissermaßen. Das Handicap waren nicht die Gegner, sondern wir selbst.

Am 15. März 2019 erscheint der zweite Teil und soll anschließend um viele Inhalte ergänzt werden:

Wir standen zu viert am Startpunkt und redeten sofort drauf los. Da mich niemand verstand, vermutlich auch wegen der Lautstärke, wechselte ich ins Englische, aber das half uns auch nicht weiter. Wie sich herausstellte, waren zwei Spieler Franzosen und der dritte kannte nur ein paar englische Worte (den ich Dolmetscher taufte). „Tanero?“, fragte mich der Franzose mit dem höchsten Level, worauf ich einmal mit Ja und einmal mit Nein antwortete, bis ich verstand, dass er eigentlich meinen Charakternamen meinte.

Man könnte sich jetzt denken: „Was soll's? Ist ein Shooter. Solange jeder auf irgendwas ballert, wird es schon funktionieren.“ Nein, nicht ganz, ich kannte aus Erzählungen, dass die Mission viel Absprache und Taktik verlangte. Obwohl ich schon vom schlimmsten Chaos ausging, ließ ich mich trotzdem auf das Team ein. Der Levelhöchste erklärte dem Dolmetscher seinen Plan, damit er ihn an mich weitergab. Zwischen viel „Äh“, Ringen nach Worten, Seufzen und Schuss-Imitationsgeräuschen mussten wir dann doch über die Absurdität der Situation lachen.

Der Dolmetscher gab es auf und murmelte auf Englisch: „Bleib hinten, stirb nicht!“ Ich hatte das niedrigste Level von uns allen, meine Waffen machten etwas weniger Schaden, weshalb das kein schlechter Plan war. So begaben wir uns in eine Tiefgarage, um es mit der ersten Gegnerwelle aufzunehmen. Es funktionierte, bis es den Dolmetscher erwischte.

Der Levelhöchste kommandierte mich mit einem „Tanero!“-Ausruf zu ihm, um ihn wiederzubeleben. „Mist!“, murmelte der Dolmetscher plötzlich auf Deutsch, mit leichtem Freiburger-Dialekt. „Du kannst Deutsch?“, fragte ich ihn, der ebenso erstaunt reagierte: „Und ich dachte, du stammst aus England.“ Diese Erkenntnis erleichterte zumindest ab jetzt das Übersetzen, vom Französischen ins Deutsche und zurück, weshalb ich auch endlich den Plan des Levelhöchsten verstand.

Im Prinzip könnte er uns mit seiner Stärke im Alleingang durch die meisten Areale schleppen, nur bei bestimmten Abschnitten und den Bosskämpfen bräuchte er Hilfe. Das machte eine Situation umso lustiger, als wir zu dritt am Boden lagen und der Franzose liedchenpfeifend durch die Gegnermassen auf uns zustapfte, während diese kreuz und quer durch den Raum flogen.

In den ruhigeren Arealen besprachen wir den Plan für den nächsten Raum, im Gefecht halfen wir uns dann mit „Nein!“-Ausrufen, anerkennendem Brummen und Schreien weiter. Als wir irgendwann mit einem Aufzug auf das Dach fuhren, murmelte der wortkarge Franzose auf Englisch stotternd zu mir: „Du ... hast ... eine ... coole ... Jacke.“ Mir wuchs dieses Team langsam richtig ans Herz, an sich wollte ich von nun an jede Mission mit ihm absolvieren.

Irgendwie wollte ich dieses Erlebnis einfangen, ein Foto vom Team musste her. Womit wir nach Beendigung unserer Mission zur unser größten Herausforderung kamen: Uns so abzusprechen, dass wir alle auf das Foto passten und dabei auch noch cool aussahen. Man kann es den Charakteren logischerweise nicht ansehen, aber ich weiß jetzt noch, wenn ich es sehe, dass wir dabei die ganze Zeit durcheinander gelacht haben.

Ich bestelle euch liebe Grüße, wo auch immer ihr gerade seid, und hoffe auf ein Comeback unseres merkwürdigen Teams in The Division 2. Bien le bonjour!

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Tags: Dieser eine Moment  

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