Test One Piece - World Seeker: Ein Abenteuer wie aus dem Anime

von Micky Auer (13. März 2019)

Einen Test zu einem "One Piece"-Spiel zu schreiben, auf das die riesige Fan-Community sehnlich wartet, ist eine delikate Angelegenheit. Glücklicherweise macht World Seeker diese Arbeit weitestgehend zum Vergnügen.

Der 15. März sollte für "One Piece"-Fans ein Feiertag sein. Denn dann erscheint One Piece - World Seeker für PC, PlayStation 4 und Xbox One. Es stellt sich natürlich die Frage, ob sich die Investition lohnt. Um diese Frage für euch zu beantworten, haben wir uns eine besonders seltene Teufelsfrucht einverleibt, uns vor die PS4 gesetzt und uns als Monkey D. Ruffy durch die Welt von World Seeker gekämpft.

Fügt sich hervorragend ins "One Piece"-Universum ein

Die Geschichte von One Piece - World Seeker haben wir bereits in unserer Vorschau: Monkey D. Ruffy hat nie Urlaub erläutert. Das Geschehen hebt sich auf angenehme Weise von den etwas ausgetretenen Pfaden wie "Böse Magie, Klone, Helden werden zu Schurken" ab und liefert neue Inhalte.

Bunt und lebendig: Eine ganz neue Welt steht euch zur Erkundung offen.Bunt und lebendig: Eine ganz neue Welt steht euch zur Erkundung offen.

Das Abenteuer findet in einer "Open World" statt, die sich klarerweise stark an den Manga- und Anime-Vorlagen orientiert. Herausgekommen ist dabei eine bunte Welt, dargelegt in kräftigen Farben, die von den typischen Gestalten im "One Piece"-Design bevölkert wird. Zwar werden viele NPCs wiederverwertet, sprich: unterschiedliche Figuren sehen absolut gleich aus, jedoch macht das die hübsch gestaltete Spielumgebung wieder wett.

Spielerisch erwartet euch ein astreines Action-Adventure mit Rollenspiel-Einflüssen. Das Geschehen ist äußerst actionreich, findet stets in Echtzeit statt und verlässt sich mit Ruffy als einzig spielbare Figur auf seinen ikonischen Kampfstil, den er unter anderem dem Genuss einer Teufelsfrucht verdankt. Für Unwissende: Ruffy ist ein lebender Gummiball, der sich auf alle nur erdenkliche Arten verformen kann. Im Kampf nutzt er dies hauptsächlich durch seine dehnbaren Gliedmaßen.

Missionen und siegreiche Kämpfe verleihen euch Talentpunkte, die ihr in einen umfangreichen Talentbaum voller aktiver und passiver Fähigkeiten investiert. Im Kampf schaltet ihr zwischen zwei Stilen um. Einer verleiht euch schiere Kraft, der andere erhöhte Geschwindigkeit und verbesserte Beobachtungsgabe. Nicht nur werden auf diese Weise zwei unterschiedliche Spielstile unterstützt, es gibt auch Situationen, in denen ein Stil besser geeignet ist als der andere. Die Wahl bleibt jedoch stets bei euch.

In der Gesamtheit ergibt sich daraus eine Geschichte und eine Darstellung, die dem Ziel von Entwickler Ganbarion entspricht: One Piece - World Seeker soll sich in das erzählerische Universum der Vorlagen einfügen und sich nicht wie ein davon losgelöstes Projekt anfühlen. Auch wenn beinharte Fans vielleicht den Umstand anprangern werden, dass Ruffy im Spiel auch über diverse Schleichfähigkeiten verfügt (Ruffy ist doch eher der Charakter, der irgendwo reinplatzt, erstmal alles vermöbelt und dann schaut, wie es weitergehen soll), so wurde dieses hochgesteckte Ziel aus unserer Sicht dennoch erreicht.

Ein früher Mangel: Die Quests

Wenn ein Spiel eine Trophäe für 100 absolvierte Nebenquests hat, könnt ihr - liebe Abenteurer - euch schon mal warm anziehen und davon ausgehen, dass es vermutlich sogar noch mehr Aufträge geben wird. Das ist auch vollkommen in Ordnung, solange diese Quests interessant und abwechslungsreich gestaltet sind. Leider ist dies in World Seeker nicht der Fall, was den in der Überschrift angesprochenen Mangel beschreibt.

Das Abenteuer geht los: Schaut euch den Launch-Trailer zu One Piece - World Seeker an!

Die überwiegende Mehrheit der Quests besteht aus typischen Aufgaben wie "Bring mir zwei Stück hiervon, besorge fünf Stück davon, vermöble X Piraten" und so weiter. Auf der einen Seite unterstützen solche Aufträge natürlich den Erforschungscharakter, der euch dazu bewegen soll, die Spielwelt bis in den letzten Winkel zu erkunden. Auf der anderen Seite wird das jedoch auch sehr schnell sehr öde.

Gut, dass die Quests, welche die Geschichte vorantreiben, da über mehr Abwechslungsreichtum verfügen. Die Suche nach bestimmte Personen in einem vorgegebenen Areal, Infiltration militärischer Anlagen und noch viele weitere Aufgaben halten das Geschehen lebendig und sorgen für gute Unterhaltung.

Eine späte Tugend: Der Kampf

Gerade in den ersten Stunden könnten sich die Kämpfe etwas hakelig anfühlen. Die Steuerung wirkt träge, Ausweichfunktionen erscheinen teils sinnlos zu sein, die Wartezeiten zwischen Eingabe und Ausführung wirken zu lang. Wer etwas Geduld mitbringt, wird erkennen, dass diese scheinbaren Mängel einfach nur ein gezieltes "Vorab-Nerfing" von Ruffy sein sollen.

So typisch One Piece: Selbst so dicke Brocken wie dieser haben letzten Endes keine Chance gegen Ruffy.So typisch One Piece: Selbst so dicke Brocken wie dieser haben letzten Endes keine Chance gegen Ruffy.

Nachdem ihr ein paar neue Fähigkeiten und Attribute freigeschaltet habt, kommt wesentlich mehr Dynamik ins Spiel. Neue Angriffe, effektivere Konter- und Ausweichmanöver, zusätzliche Mobilität ... Je nachdem, in welcher Reihenfolge ihr die Skills angeht, desto schneller - oder eben langsam - wird Ruffy im Spiel zu der Figur, wie ihr sie aus Anime und Manga kennt. Diesem RPG-Aspekt solltet ihr etwas mehr Aufmerksamkeit schenken, da er euer Spielerlebnis entscheidend beinflussen kann.

Eine Sache jedoch: Ruffys Sprungaktionen sind zwar aufwändig animiert - Doppelsprung an Wänden inklusive - jedoch ist die Sprungmechanik selbst ziemlich verkorkst. Selbst einfache Sprünge enden oft damit, dass Ruffy im letzten Moment aus nicht ersichtlichen Gründen abrutscht und ihr drei, vier, fünfmal hintereinander auf den Controller einhämmert, bis es dann doch klappt. Nicht spielzerstörend, aber äußerst nervig.

Vor Ruffy erstreckt sich die Metropole Steel City. Ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt der Geschichte.Vor Ruffy erstreckt sich die Metropole Steel City. Ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt der Geschichte.

Auch ist Ruffys Fähigkeit, Distanzen mithilfe seiner Gummiarme zu überwinden, inkonsistent umgesetzt. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um auf Dächer, Felsvorsprünge oder sonstige erhöhte Orte zu gelange, indem Ruffy seine Arme ausstreckt und sich hochzieht. Dann wiederum steht ihr vor einer Wand und es gibt keine Möglichkeit, sie zu erklimmen. Stattdessen müsst ihr einen weiten Umweg in Kauf nehmen. Das nimmt dem Spiel viel von seiner Dynamik und hätte definitiv besser umgesetzt werden können.

Saubere Präsentation sorgt für Motivation

Abschließend noch ein dickes Lob für die grafische und akustische Umsetzung! One Piece - World Seeker verfügt über einen einfachen Stil, der aber erstaunlich viele Details bietet, wenn ihr nur genauer hinschaut. Alles ist äußerst bunt, äußerst farbenfroh, selbst dunkle Höhlen strahlen in kräftigen Farben.

Ein subtiles Beleuchtungsmodell sorgt zusätzlich für eine sommerliche, stets fröhliche Stimmung. Es macht einfach Spaß, diese hübsche Anime-Welt zu erkunden, ihr alle Geheimnisse zu entlocken und dabei auch von teils heroischen Klängen begleitet zu werden.

So sieht das fulminante Intro von One Piece - World Seeker aus:

"Teils" deswegen, weil die Musikbegleitung nicht ununterbrochen stattfindet. Oft seid ihr nur von den Umweltgeräuschen eurer Umgebung begleitet, bevor dann wieder die orchestralen Klänge einsetzen, die euch vermitteln, dass ihr ein Held mit einem heldenhaften Auftrag seid.

Wer sich allerdings das Text-Design in den Tutorial-Meldungen ausgedacht hat, der sollte bitte dringend dafür bestraft werden! Ganze Absätze, die einfach nach links aus dem Bild scrollen und erst Sekunden später wieder auftauchen, so dass ihr immer warten müsst, bevor ihr die nächste Zeile lesen dürft ... Das ist einfach nur endlos bescheuert.

Glücklicherweise ist das für den Dialogtext nicht der Fall. Die Sprachausgabe ist übrigens durchgehend japanisch, lediglich die Untertitel stehen auf Deutsch zur Verfügung. Fans werden es lieben, andere würden vielleicht lieber die Texte vorgelesen bekommen. Zumindest habt ihr die volle Kontrolle über die Textgeschwindigkeit. Es geht erst weiter, wenn ihr auf einen Knopf drückt. Somit kann euch kaum etwas entgehen.

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Tags: Anime  

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