Videospielkultur

Himmel oder Hölle: Wenn ab heute keine neuen Spiele mehr erscheinen würden (Kolumne)

von Michael Sonntag (Sonntag, 24.03.2019 - 09:00 Uhr)

Es gibt viel zu viele Spiele. Ob alte, neue, geheime oder Indies - um alles Gute spielen zu können, bräuchte ich drei zusätzliche Leben. Oder eine Welt ohne neue Produktionen. Wäre das eine schöne oder schlimme Welt? Auf dieses Gedankenexperiment möchte ich mich gerne mit euch einlassen.

Andere Welt, andere Gamer

Willkommen im Jahr 2025. Vor drei Jahren erschienen mit Cyberpunk 2077 und The Elder Scrolls 6 die letzten beiden "neuen" Spiele, danach war Schluss.

Das bedeutet aber nicht, dass die Entwickler ihre Studios geschlossen haben, ganz im Gegenteil: Sie arbeiten weiterhin und veröffentlichen jeden Monat kleinere Erweiterungen für ihre letzten Marken, egal ob es jetzt Call of Duty, Life is Strange, FIFA oder Super Mario ist.

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"Games as a Service" ist nicht länger nur ein Trend, es ist zum einzigen Standard geworden. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Wochen mit Releases vollgestopft waren und im schlimmsten Fall ein mittelmäßiges Spiel nach dem anderen erschien. Stattdessen haben die Entwickler mit Updates und Umfragen ihre Spiele perfektioniert und die Spieler können in ihren Lieblingsuniversen bleiben.

Keine neuen Steuerungen, keine "Early Access"-Phasen oder Crossplay-Probleme mehr - die Spieler zocken alle gemeinsam für einen Monatsbetrag über den Streamingdienst von Google Stadia entweder ihre Stammspiele oder stöbern in den Stores nach alten Klassikern, die sie vielleicht noch nachholen möchten. Erst letztens habe ich es endlich geschafft, die "Mass Effect"-Reihe sowie die "The Witcher"-Reihe nachzuholen. Mein Pile of Shame beherbergt drei bis fünf Spiele.

Die Gamer dieser Welt interessieren sich nicht mehr für bessere Grafik, sie sind fanatische Nostalgiker, diskutieren und analysieren die bekannten Genre-Größen und nehmen neue Missionen und Outfits dafür dankbar an. Man könnte sagen, sie sind gemütlicher und ruhiger geworden, nicht mehr so überfordert und gestresst wie früher. Die Videospielwelten selbst haben sich aufgrund des Stillstands inhaltlich von der aktuellen Weltlage distanziert, was aber nicht viele stört.

Hat jemand allerdings Lust auf etwas "wirklich Neues", wird er im Indie-Bereich fündig werden. Diese unabhängigen Entwickler glänzen nach wie vor durch neue Konzepte sowie alternative Spiele und bekommen seit dem Stillstand deutlich mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung. Sie tragen seitdem den Spitznamen "Newie".

Alles in allem ist die Gaming-Welt also nicht stehen geblieben, nur langsamer geworden, und hat sich von den meisten ihrer Probleme verabschiedet. Es gibt nicht mehr viele Entwickler, die Spieler brennen für nichts mehr, haben aber trotzdem Spaß. Und auch wenn bestimmte Punkte gut klingen und auch wirklich umgesetzt werden sollten, klingt das Ganze für mich doch nach einem furchtbaren Alptraum.

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