Skyrim: Dieser eine Moment, als meine Legende nach hunderten Stunden endete

(Kolumne)

von Michael Sonntag (01. April 2019)

Blitze. Feuer. Drachen. Tentakel. Am finstersten Ort kämpfte ich mit dem mächtigsten Tyrannen um die Freiheit der gesamten Welt. Es war mein bisher größtes Abenteuer. Aber als meine Klinge die letzte Gefahr in Skyrim vernichtete, wurde ich nicht zu Gott, sondern starb gewissermaßen ebenfalls.

Im dritten und letzten Skyrim-DLC "Dragonborn" müsst ihr gegen das älteste Drachenblut kämpfen.Im dritten und letzten Skyrim-DLC "Dragonborn" müsst ihr gegen das älteste Drachenblut kämpfen.

Oft ist es nicht bloß die tolle Grafik, die spannende Geschichte oder der sympathische Hauptcharakter, der Spielern noch Jahre nach dem Genuss eines Abenteuers im Gedächtnis bleibt. Solche Erinnerungen drehen sich häufig um einen kurzen Moment. Einen besonderen Moment. >>Diesen einen Moment!<< Dem widmen wir diese Artikel-Serie und beschreiben aus unserer persönlichen Sicht, was diesen Moment so besonders und unvergesslich macht.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

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Nachdem ich die Unterwelt verlassen hatte, reiste ich zurück zur Hafenstadt der Solstheim-Insel. Die Bewohner, die Miraak zuvor noch tyrannisiert hatte, waren endlich frei. Man überschüttete mich überall mit Lobeshymnen und Geschenken, aber es half nichts, ich fühlte mich wie die erbeutete Rüstung meines Rivalen: Leer.

Was sollte ich jetzt tun? Wohin sollte ich gehen? Der Questlog war absolut leer, es gab nicht mal mehr etwas einzusammeln. Skyrim hatte einst einen Helden gebraucht, vor hunderten von Spielstunden, als Drachen, Dämonen und Banditen über das Land herfielen und ich eigentlich in Helgen als erbärmlicher Gefangener hingerichtet werden sollte.

Aber jetzt lagen die Drachen niedergestreckt umher, ein blutiger Bürgerkrieg war beendet und auch der Plan der Vampire, die Sonne auszulöschen, konnte vereiltelt werden. Wer diese Ereignisse in den Geschichtsbüchern festhalten wollte, musste auch immer den Namen Thaneros erwähnen. Meinen Namen.

Überall in Skyrim waren meine Taten spürbar, auf alles hatte ich Einfluss genommen.Überall in Skyrim waren meine Taten spürbar, auf alles hatte ich Einfluss genommen.

Und nun, nachdem ich Skyrim nicht nur befreit hatte, sondern gewissermaßen auch beherrschte - Nennt mir eine Gilde, Stadt oder Fraktion, die nicht mir gehört! - war das offenbar meine ultimative Belohnung: Kein neuer Feind, den ich stürzen konnte, noch nicht einmal ein neuer Held, der mich für meine Untaten zur Rechenschaft ziehen wollte, sondern das: Frieden, Arbeitslosigkeit, das Ende meiner Legende.

Niemandem schien meine Niedergeschlagenheit großartig aufzufallen, außer vielleicht meiner Begleiterin Lydia, die mich löcherte, wo es denn als nächstes hingehen sollte, während ich mein Haus auf Solstheim auflöste, indem ich sämtliche Truhen leerte. Ich seufzte, nachdem ich auch das letzte unbezahlbare Artefakt verstaut hatte, und sagte: „Nach Hause, denke ich.

Mein selbstgebautes Haus lag in der Nähe von Flusswald. Manchmal streunerte ein Riese durch den Garten.Mein selbstgebautes Haus lag in der Nähe von Flusswald. Manchmal streunerte ein Riese durch den Garten.

Zum Spielanfang war ich ein Jungspund von einem Dunkelelf gewesen, der Schlag eines Riesen reichte aus, um mich im hohen Bogen durch die Luft zu schicken. Wenn ich Grabkammern betrat, klapperte ich mit den Zähnen. Und stürzte sich ein Drache auf mich, rannte ich, was das Zeug hielt. Ich starb öfter in diesem Spiel als Wölfe.

In dem Moment aber, als ich die Türe meines Hauses öffnete, war ich eine gefürchtete Mischung aus Magier, Schwertkämpfer und Bogenschütze. Wenn ich wollte, konnte ich ein ganzes Heer an magischen Wesen heraufbeschwören. Einmal habe ich sogar einen Endgegner mit einem einzigen Schrei besiegt. Nur der Vampirimus, den ich mir im "Dawnguard"-DLC zugezogen hatte, schmälerte meine Macht.

Kaum eingetreten, stürmten meine beiden Kinder sofort auf mich zu, um nach Taschengeld zu fragen und mir von ihren "großen" Abenteuern zu erzählen, die sie derweil erlebt hatten. Meine Frau Ysolda, mein Vogt, mein Hausbarde und unser Hund freuten sich ebenfalls, mich zu sehen. Sie hatten sich alle daran gewöhnt, getrennt von mir zu leben, mich nur zu sehen, wenn mir danach war oder ich meine Beute verstauen musste. Wenn ich ihnen jetzt sagte, dass ich für immer bliebe, hätten sie es mir vermutlich nicht geglaubt. Ich auch nicht.

So endete die Legende von Thaneros nach hunderten Stunden Spielzeit. Auch wenn ich es nicht wahrhaben wollte, gönnte ich meinem Helden seinen bescheidenen Frieden - dass er auch endlich die Früchte seiner Arbeit genießen konnte. Während er unbewaffnet im Hausmantel durch die nähere Umgebung reiste, um Zutaten für Tränke zu finden, befanden sich die meisten seiner Objekte in den Truhen. Der Rest war im Trophäenzimmer ausgestellt, für den Fall, wenn die Kinder eine Geschichte hören wollten.

Es kam auch vor, dass ich ihn unten im Keller seltene Schwerter schmieden oder Riesen aus dem Garten vertreiben ließ. Typische Hausmannssachen in einer Fantasy-Welt halt. Urlaub mit der Familie im stattlichen Einsamkeit oder im aufregendem Rifton zu machen, war noch das höchste der Gefühle. Er kämpfte nicht mehr, er hätte höchstens einen neuen Schüler ausbilden können, wenn sich jemals einer gemeldet hätte. Seine Legende war erzählt, jetzt konnte eine neue kommen.

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Tags: Dieser eine Moment  

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