The Wind Waker: Darum ist es das beste The Legend of Zelda

(Kolumne)

von René Wiesenthal (02. April 2019)

Aus einer so tollen Spielereihe wie The Legend of Zelda einen Favoriten picken, fällt schwer. Zumindest würde die Wahl für einen Großteil der Fans wohl nicht auf The Wind Waker fallen. Zu Unrecht, wie ich finde. Perfektioniert der Teil doch alles, was die Reihe so großartig macht.

Ja, ich weiß, dass The Legend of Zelda – Ocarina of Time ein Meilenstein ist. Ich weiß ebenso, dass das urerste The Legend of Zelda nicht nur die Reihe selbst ins Rollen gebracht, sondern auch maßgeblich das "Action-Adventure"-Genre geprägt hat. Will man die Errungenschaften der Franchise noch weiter ausrollen, lässt sich Breath of the Wild als ein Wegweiser im "Open World"-Genre bezeichnen.

Doch neben all diesen Errungenschaften hat Schlitzohr Link noch so manches Abenteuer bestritten, das in der Videospielegeschichte eher unscheinbar wirken mag, doch aber alles andere als ein Lückenfüller war. Eines von ihnen zähle ich zu meinen liebsten Spielen, und gleichzeitig betrachte ich es als das beste Zelda-Spiel aller Zeiten: The Legend of Zelda - The Wind Waker.

The Wind Waker gibt es auch in einer Neuauflage in HD für die Wii U:

Für mich ist es selbstverständlich, das zu sagen. Aber ich habe in der Vergangenheit schon oft bemerkt, dass schnell Widerspruch ertönt, wenn ich ausgelassen „The Wind Waker ist das beste Zelda!“ in den Raum werfe. Diesem Widerspruch möchte ich mal etwas ausschweifender entgegnen. Und da ich ihn schon so oft zu hören bekommen habe, werde ich damit nicht beim Urschleim anfangen und erläutern, was an The Wind Waker alles fantastisch ist. Ich nehme mir einzelne Punkte, die Fans der Serie immer wieder bemängeln, zur Brust und – nun ja - dementiere sie, wenn man so will. So nenne ich das zumindest, weil The Wind Waker ja wie gesagt das allerbeste Zelda ist.

Kinderspiel mit Kindergrafik für Kinder

Noch bevor Wind Waker das erste Mal spielbar war, wurde es von Fans wegen seiner Optik auseinandergenommen. Das sei zu bunt, zu kindlich, Link sehe wie ein schwächlicher Gnom aus. Den Cel-Shading-Effekt mochten viele nicht. The Wind Waker wurde als Kinderspiel abgestempelt.

Bunt und knuddelig - so präsentiert sich The Wind Waker.Bunt und knuddelig - so präsentiert sich The Wind Waker.

Nun lässt sich vorzüglich über Geschmack streiten. Mache ich sehr gern, gleich. Vorweg möchte ich aber etwas festhalten, was niemand bestreiten kann: Zelda-Spiele waren schon immer auch Kinderspiele.

Wie kaum eine andere Franchise aus dem Hause Nintendo schaffen Zelda-Spiele den Spagat zwischen kindlicher Verspieltheit, Leichtfüßigkeit und düsteren Themen und erreichen damit ein Publikum, das vom Jugendlichen bis zum gestandenen Alt-Gamer reicht. Sich also darüber zu echauffieren, dass ein Zelda-Spiel kindlich anmutet, halte ich für vermessen. Ich meine, in den meisten Teilen spielen wir einen milchgesichtigen, wortkargen Elfenbubi mit grüner Zipfelmütze. Manchmal ist der halt ein bisschen größer.

The Wind Waker kann für sich selbst stehen und muss sich nur wegen seiner – meiner Meinung nach stimmigen und vor allem zeitlos schönen – Optik nicht den Vorwurf gefallen lassen, ein Kinderspiel zu sein. Das Spiel ist gespickt mit anspruchsvollen Rätseln und Kämpfen, der Wind-Tempel gehört vielleicht zu den kniffligsten Dungeons der Serie. Und wo wir bei Dungeons sind: Spätestens, wenn die verwunschene Bastion erreicht ist, sollten die Vorwürfe des Kinderspiels entkräftet sein.

Vor allem bei den Boss-Kämpfen geht das Grafik-Design in eine wesentlich dunklere Richtung.Vor allem bei den Boss-Kämpfen geht das Grafik-Design in eine wesentlich dunklere Richtung.

Die düstere, bedrohliche Stimmung, die hier auch dank der permanenten Nacht jederzeit präsent ist, kann einem schon mulmige Gefühle bescheren. Erzfeind Ganondorf hat diese Festung im Meer errichtet, und wenn der einem mit seinem breiten, kantigen Gesicht und dem imposanten Körperbau entgegentritt, wird einem Angst und Bange. Seine Inkarnation in The Wind Waker halte ich ohnehin für das coolste Design, das dem Bösewicht je gegeben wurde (wo wir bei einer Geschmackssache wären).

Ich könnte viele Beispiele für die permanente Anwesenheit erwachsenerer, unfröhlicher Elemente des Spiels aufzählen, verweise aber, um den Punkt abzuschließen, nur noch auf das Finale des letzten Bosskampfes. Wer das gesehen hat, wird mir zustimmen, dass The Wind Waker trotz Comic-Look nicht immer leicht bekömmlich ist.

Blödes Meer ist blöd

Einer der größten Kritikpunkte am Spiel bezieht sich, so habe ich es schon oft gehört, auf die Spielwelt. Blödes, großes Meer anstelle von weiten, grünen Wiesen und Wäldern. Dabei gibt es Wiesen und Wälder im Spiel, verteilt auf einzelne, fantastisch gestaltete Inseln, die ihr über das große Meer nahtlos ansteuern könnt.

Die Art wie The Wind Waker die Spielwelt präsentiert und Inhalte und Überraschungen darin streut, ist im Grunde eine Blaupause für das viel gelobte Breath of the Wild. Klar, aus technischen Gründen braucht es darin kein Wasser mehr, in dem interessante Punkte verteilt sind. Aber die Freiheit, die subtile Aufforderung an den Spieler, selbständig zu entdecken und dabei mit Wundern belohnt zu werden – das ist ein Punkt, für den Zelda-Spiele im Allgemeinen geliebt werden, und einer, den The Wind Waker so gekonnt umsetzt wie kaum ein anderer Serienteil.

Was für viele Spieler nervig ist, für mich persönlich aber eine große Stärke von The Wind Waker: Das Schicksal der Einsamkeit, der man ausgesetzt ist. Auch das zieht sich durch die Zelda-Spiele. Verlassen auf hoher See treibend, den Wellen und Gefahren trotzend, perfektioniert The Wind Waker dieses Element und ruft dadurch wohlige Melancholie in mir hervor. Wenn nach einer bedrückenden Nacht auf See die Sonne aufgeht und der Tag mit seichten Pfeifenklängen eingeleitet wird, ist das Zelda-Feeling perfekt für mich.

Der Umgang mit dem eigenen Erbe

Jetzt habe ich einiges dazu gesagt, was Zelda-Spiele generell ausmacht und wie The Wind Waker diese Facetten auf den Punkt bringt. Darum möchte doch mal entgegen der Behauptung am Anfang eine grundlegende Sache herausstellen, die an The Wind Waker fantastisch ist: Der Umgang mit dem eigenen Erbe und den eigenen Fans. An dieser Stelle eine Spoiler-Warnung an alle, die das Spiel noch durchspielen wollen.

Inmitten des Meeres erwartet euch ein stiller, erhebender Moment.Inmitten des Meeres erwartet euch ein stiller, erhebender Moment.

Es gibt einen Punkt im Spiel, an dem sich ein Portal im Meer öffnet. Sobald ihr es betretet, findet ihr euch in Hallen wieder, die Fans vertraut sein sollten. So wie Erwartungen vieler Spieler mit The Wind Waker von Wassermassen gegraben wurden, liegt auch ein zentraler Schauplatz am Grund des Meeres, den ihr auf magische Weise noch einmal betreten dürft: Hyrule und sein imposantes Schloss. Diese Reise in die Vergangenheit hat mir beim ersten Mal eine Gänsehaut beschert und ist ein dramaturgisches Highlight des Spiels. Außerdem eine gelungene Verbeugung an vorherige Serienteile und ein Geschenk an Zelda-Fans, das ich nur zu gern angenommen habe.

Ich könnte noch viel weiter mache und im Detail aufdröseln, warum ich The Wind Waker für den besten Serienteil halte. Aber ich will nicht pedantisch sein und ja auch niemanden überreden. Eigentlich teile ich diese Einschätzung nur so gern, um meiner Liebe zum Spiel Ausdruck zu verleihen und gleichzeitig zu würdigen, wie toll diese Reihe generell ist. Eine, die mich schon seit Kindheitstagen in so vielen Formen begleitet und nie wirklich enttäuscht hat.

Seid ihr auch solche großen Zelda-Fans wie ich? Dann schreibt uns doch in die Kommentare, ob ihr The Wind Waker ebenso sehr mögt, oder welcher Serienteil sonst euer Liebling ist!

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Tags: Retro  

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