Path of Exile: Ein Diablo-Fan spielt zum ersten Mal die hochgelobte Alternative

(Kolumne)

von Stefan Wirth (05. April 2019)

Schau in den Abgrund und der Abgrund schaut auch in dich. Dass mein Abgrund Path of Exile sein würde, hätte ich niemals gedacht, ähnelt es Diablo 3, einem Spiel das ich maßlos liebe, doch so sehr. Wie die Geschichte der beiden Spiele selbst ist mein Abstieg in den Wahnsinn verworren und komplex. Es fing alles an, als ich verstoßen wurde.

Videospiel-Fans entwickeln häufig eine Lagertreue, wie ich sie sonst nur aus dem Vereinsfußball kenne. Doch heißt es hier nicht etwa Dortmund oder Bayern, sondern Call of Duty vs. Battlefield, FIFA vs. Pro Evolution Soccer, League of Legends vs. DOTA 2 oder eben Diablo 3 vs. Path of Exile. Dabei sind die Argumente für und wider häufig dieselben - Spiel Nummer eins sei demnach das bessere, taktisch tiefergehende für wahre Fans und Spiel Nummer zwei der Möchtegern-Abklatsch für Möchtegern-Spieler.

Ein bisschen hat Path of Exile auf sich warten lassen, doch seit dem 26. März gibt es das Hack and Slay auch auf der PS4:

Das mag in den seltensten Fällen stimmen, ist aber die Haltung, aus welcher Path of Exile überhaupt erst entstanden ist. Während Diablo 3 viele Kritiker zum Release enttäuschte, wurde das "Free 2 play"-Spiel Path of Exile als der Hoffnungsträger des "Hack and Slay"-Genres gehandelt - der Nachfolger, den Diablo 2 eigentlich verdient hätte. So die Ausgangslage im Jahr 2013. Mittlerweile sind jedoch mehr als fünf Jahre vergangen, seitdem die beiden Spiele veröffentlicht wurden. Noch viel wichtiger ist: Beide Spiele befinden sich endlich auf meiner bevorzugten Plattform - der PlayStation 4. Es ist also Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Nicht das erste, aber das letzte Mal verbannt

Dieser Text baut mehr oder weniger auf der Prämisse auf, dass ich zum ersten Mal Path of Exile spiele. Das ist aber nicht die ganze Wahrheit. Schon ein paar Mal habe ich mich auf dem PC am Diablo-Klon versucht. Das ist auch nicht anders zu erwarten, schließlich ist das Spiel fünf Jahre alt und kostenlos. Jedoch konnte es mich auf dem PC nie wirklich fesseln - Level fünf war das höchste, das ich je erreicht habe. Doch auf der PS4, der Hardware meines Vertrauens, wollte ich dem Spiel noch eine Chance geben - so richtig. Rückblickend hätte ich mir das vielleicht sparen sollen.

In Path of Exile erwacht ihr bewusstlos auf einer Insel der Verbannten.In Path of Exile erwacht ihr bewusstlos auf einer Insel der Verbannten.

Den ersten Akt habe ich jetzt beendet und ich kann mit Sicherheit sagen, weiterzuspielen wird mich einiges an Überwindung kosten, weshalb ich es auch nicht tun werde. Das liegt nicht daran, dass Path of Exile per se ein schlechtes Spiel ist. Die Umsetzung auf der Konsole ist allerdings nicht gelungen. Auf mich wirkt es so, als hätten die Entwickler selbst noch nie ein Spiel auf der PlayStation 4 gespielt. Aber mein Problem geht noch um einiges tiefer.

Die Macht der Intuition

Es gibt einen Grund, warum ich Diablo 3 so sehr schätze. Selbst eine Person, die normalerweise nicht zockt, hat damit den Spaß ihres Lebens. Egal wie skeptisch meine Mitspieler vor dem Beginn waren, es konnte sie jedes Mal stundenlang fesseln. Diablo 3 ist der kleinste gemeinsame Nenner meines Videospiel-Kosmos - in der Meta so unglaublich komplex, mit so viel Perfektions-Potenzial, dass mich jede Season wieder hunderte Stunden fesseln kann, im early Game aber so einfach und leicht verständlich, dass auch meine Oma Spaß haben würde.

Der riesige Skill-Baum aus Path of Exile - übersichtlich ist etwas anderes.Der riesige Skill-Baum aus Path of Exile - übersichtlich ist etwas anderes.

Path of Exile ist ebenso komplex, wahrscheinlich noch komplexer als Diablo 3 - leider ist es aber auch kompliziert. Die Menübedienung, das Ausrüsten von Waffen und Fähigkeiten, ja selbst das Verkaufen von Gegenständen ist so unintuitiv - einige Gegenstände habe ich unwiederbringlich verloren, obwohl ich sie eigentlich ausrüsten wollte.

Die Ursache dafür ist einfach: Path of Exile ist kein Konsolen-Spiel. Es ist für den PC gemacht und das merke ich ständig und überall. "Hack and Slay"-Spiele leben vom Sog aus Leveln und Looten, den ständigen Detail-Verbesserungen, die euren Helden immer stärker werden lassen. Doch dieser Sog will beim Spielen von Path of Exile bei mir nicht entstehen. Sei es die ständige Verwaltung des viel zu kleinen Inventars, die Tatsache, dass mein Held immerzu ins Leere schlägt, oder der riesige Skill-Baum - all dies lässt mich absolut rat- und lustlos zurück.

Zu spielen heißt zu verstehen

Mein Ausflug in Path of Exile hat mir deutlich gemacht, warum die Kampagne von Diablo 3 so wichtig ist. Sie bricht das Spiel auf, unterteilt es in verschiedene Teile, fügt immer neue Elemente hinzu und bringt mir bei, diese zu kombinieren, sodass ich für das Meta-Game bereit bin. Path of Exile wirft mir diese Elemente gleich zu Beginn in einem geballten Bündel gegen den Kopf.

Vor allem das Charaktermenü ist limitiert und umständlich.Vor allem das Charaktermenü ist limitiert und umständlich.

Ich weiß, dass meine Abneigung gegen Path of Exile ziemlich irrational ist. Wenn ich bereit wäre dieselbe Zeit darin zu investieren, wie ich es in Diablo 3 getan habe, würde ich es vielleicht großartig finden. Doch ich bin nicht bereit die Zeit aufzubringen, die es braucht um Path of Exile zu verstehen, denn "Hack and Slay"-Spiele sind einfach verdammt zeitintensiv. Wie der Highlander schon gesagt hat: "Es kann nur einen geben."

Wer sollte den Weg ins Exil wagen?

Path of Exile ist - und das möchte ich in aller Deutlichkeit sagen - wahrscheinlich kein schlechtes Spiel. Wenn ich noch einmal 15 wäre und täglich acht Stunden Zeit hätte zu zocken, ich würde es mit ziemlicher Sicherheit bis zur Meisterschaft spielen. Aber ich bin nicht 15, habe keine acht Stunden täglich nur zum Zocken, und es reicht mir, dass ich in Diablo 3 ganz gut bin.

Wenn ihr also sehr viel Zeit, Lust auf ein komplexes Spiel und kein Geld habt, um euch Diablo 3 zu kaufen, dann herzlichen Glückwunsch, ihr habt mit Path of Exile das perfekte Spiel gefunden, welches euch für den Rest eures Lebens begleiten wird - aber lieber auf dem PC, als auf der Konsole. Ich für meinen Teil versuche jetzt einen Weg zu finden, den irrationalen Hass zu handlen, den sonst wohl nur ein Schalke-Fan auf Dortmund verspüren kann.

Um meiner Seelenfrieden Willen sage ich es zum Abschluss ganz deutlich: Diablo 3 ist besser als Path of Exile. Wer wissen will warum, kann dies in sieben bis zehn Jahren in meiner Doktorarbeit "Warum sich Diablo 3 zu Path of Exile verhält wie die Beatles zu den Rolling Stones" nachlesen. Ich erwarte von euch also lediglich die Geduld, die ich für Path of Exile nicht hatte.

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Tags: Free 2 play   Singleplayer  

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IrishBeer
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